© DPG / Novak, Heinrich 2008

Sommerexkursion

Alles begann mit der Sommerexkursion 2006 in Berlin. Damals konnte niemand ahnen, wie weit die junge DPG als bundesweites Netzwerk über sich hinaus wachsen würde.

Die Geburtsstunde der jDPG – eine Idee wird lebendig

Laudatio von Alexander Heinrich

Auch wenn die jDPG erst am 11. November 2006 offiziell Arbeitsgruppe der DPG wurde, auch wenn erst am 8. März 2007 unsere erste Mitgliederversammlung stattfand – die Sommerexkursion 2006 nach Berlin darf als Geburtsstunde der jDPG gelten. Jene Woche vom 17. bis 23. September, in der erstmals 30 Studierende aus ganz Deutschland dem Ruf der „jungen“ DPG nach Berlin folgten – folgten, um den markanten Spuren der Physik in der Hauptstadt nachzugehen – folgten, um zu erfahren, was hinter der Ankündigung einer jungen DPG steckte.

Die jDPG entstand im Gespräch

„Nach all den Übungszetteln und Praktikumsprotokollen im Semester wollten wir den Blick über den Tellerrand richten.“ sagt René Pfitzner, damals im Grundstudium an der TU Dresden. Dank des prall gefüllten Exkursionsprogramms sahen die Teilnehmenden Großforschungseinrichtungen mit beeindruckenden Teilchenbeschleunigern und gigantischen Hochleistungslasern. Sie besuchten Forschungsgruppen, die den Studierenden mit Quantum-Loop-Theorien den Kopf verdrehten. Sie besichtigten Unternehmen, in denen Physiker:innen Wissenschaft und Innovationen zusammenbringen. Und sie ahnten beim Besuch des Magnus-Hauses, der Hauptstadtrepräsentanz der DPG mitten im politischen Herzen der Stadt, auch etwas vom spannenden Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Berichtet davon haben drei Teilnehmende in einem Artikel im Physik Journal 11/2006 – nicht aber vom ersten Missgeschick in der damals erst dreitägigen Geschichte der jDPG. Wer hätte denn auch ahnen können, dass es in Berlin zwei Institute gleichen Namens geben würde, einmal in Adlershof, einmal am Rande von Potsdam. Aber wer Berlin kennt weiß, wie viel gute Zeit für Gespräche die S-Bahn-Fahrt von einem zum anderen bot.

Von Studierenden für Studierende

„Diese Woche der Begegnung mit modernster Forschung und leidenschaftlich Forschenden hat in mir das Feuer der Faszination für Physik wieder aufleben lassen, mit der ich das Studium aufgenommen hatte.“ sagt René Pfitzner und sein Kollege, Johannes Widmer ergänzt: „In der Begegnung mit Physikerinnen und Physikern im Beruf – in Unternehmen und an vielen Stellen unserer Gesellschaft – habe ich spannende Perspektiven für den beruflichen Weg nach dem Physikstudium erkannt, die mir erstrebenswert und erfüllend erschienen.“ Johannes Widmer und René Pfitzner waren die Hauptorganisatoren der Exkursion. Sie hatten sich in Dresden kennen gelernt, wo Prof. Ludwig Schultz als damaliges DPG-Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit seinen Studierenden im Herbst 2005 erstmals von der Idee der DPG berichtet hatte, ein spezielles Programm für die jungen Mitglieder im Studium zu unterstützen – gestaltet werden sollte es aber von Studierenden und Promovierenden für Studierende und Promovierende. Offenbar war die Sommerexkursion 2006 in diesem Sinne ein Volltreffer. Sie realisierte erstmals, was das jDPG-Programm ausmacht: Es ist Begegnung mit den faszinierenden Fragestellungen aktueller Forschung in den so zahlreichen Bereichen der modernen Physik. Es ist persönlicher Austausch mit begeisterten und inspirierenden Forschenden, von der (damals noch) Diplomandin bis zum Nobelpreisträger. Es gibt Überblick über die Fülle der Berufsmöglichkeiten nach Physikstudium bzw. -Promotion an so vielen Stellen unserer Gesellschaft. Und all das ist nur möglich durch die spontan aufgeschlossenen Begegnungen zwischen Studierenden und Promovierenden, aber nicht minder mit etablierten Physiker:innen.

Vom Wunsch zur Wirklichkeit

Bei der Sommerexkursion 2006 war das kein bloßer Wunschgedanke. Wer dabei war, hat es erlebt. Wir haben Kontakte geknüpft, die bis heute persönliche Netzwerke und das der jDPG ausmachen. Wir haben erfahren, über Generationen hinweg verbunden zu sein durch dieselbe Begeisterung, die uns zum Physikstudium und durchs Physikstudium gebracht hat – durch dieselbe Sprache, die wir sprechen. Angesichts dieses Erlebnisses war allen klar: Es durfte nicht bei dieser einen Exkursion bleiben. Die Idee der jDPG als Netzwerk des Nachwuchses in der Physik – eingebunden in die DPG als Physik-Familie in Deutschland – galt es zu realisieren. So hat sich bei den S-Bahn-Fahrten zwischen den Exkursionszielen, beim Abendessen und auf den Liegen der Berliner Strandbar die junge DPG programmatisch und institutionell begründet: Ein deutschlandweites Netzwerk sollte es sein, mit lokalen Vertretungen an den jeweiligen Hochschulen, den Regionalgruppen, mit einem wissenschaftlichen und einem berufsvorbereitenden Programm.

Kristallisationskeim des Netzwerks für Physikbegeisterung

So verteilten sich 30 angehende Physiker:innen am 23. September 2006 von Berlin aus wieder auf die gesamte Republik – gestärkt in ihrer Begeisterung für das weitere Physikstudium, mit einer klareren Vorstellung für ihren persönlichen Werdegang, mit Kontakten zu Gleichgesinnten verteilt über Deutschland und mit dem Wunsch, eine solche Erfahrung auch ihren Mitstudierenden zu eröffnen. Mit dem Beginn des bald darauffolgenden Wintersemesters ließ die Gründung der ersten Regionalgruppen nicht lange auf sich warten. Der Antrag auf Gründung einer Arbeitsgruppe in der DPG folgte prompt. Aus den bleibenden, bundesweiten Verbindungen der Exkursionsteilnehmenden formte sich das erste Bundesvorstandsteam. Johannes Widmer sagt: „Wir waren überzeugt, dass die jDPG nicht nur die Interessen der 30 Exkursionsteilnehmenden treffen würde. Aber wie schnell die jDPG wachsen, wie viele kreative Mitstreitende sie finden und wie facettenreich sie sich entwickeln würde, das haben wir nicht zu träumen gewagt.“

Die Antwort auf folgende Quizfrage erscheint beim Mouseover.

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