Exkursion TLS Tautenburg
Teilweise noch etwas verschlafen, aber darum nicht weniger motiviert, starteten wir unsere erste Veranstaltung – eine Exkursion zur Thüringer Landessternwarte in Tautenburg – im Wintersemester 25/26 pünktlich um 8.00 Uhr am Leipziger Hbf. Die Herausforderung, die vor uns lag, war nicht gerade klein: Angesichts der gewählten Route mit vier Abschnitten, drei Fortbewegungsarten und Umstiegszeiten von teilweise nur fünf Minuten war eine pünktliche Ankunft fast unmöglich. Vielleicht lag es an der guten Stimmung, die die Teilnehmer:innen mitbrachten, und den lebhaften Gesprächen, jedenfalls erreichten wir trotz dieser Herausforderungen pünktlich unser Ziel. Nach einem kurzen Fußweg von der Bushaltestelle zur Sternwarte wurden wir auch schon von unserem Guide Dr. Eike Günther freundlich in Empfang genommen und ohne Umschweife – zwei Stunden später mussten wir schließlich schon wieder die Rückreise antreten – in einen Seminarraum geführt. In seinem Vortrag gab uns Dr. Günther einen Einblick in das spannende Feld der Exoplanetenforschung, d. h. die Untersuchung von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Insbesondere ging er dabei auf die Suche nach (erdähnlichen) Planeten, die Leben ermöglichen könnten, ein. Besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben ist auch seine Erzählung der Geschichte des Universums: Skaliert man die rund 13,8 Milliarden Jahre seit dem Urknall auf ein Kalenderjahr, entsteht mehrzelliges Leben erst Anfang Dezember und die gesamte Menschheitsgeschichte (definiert durch den Beginn von Ackerbau und Viehzucht) passt in die letzte Minute des Jahres.

Blick auf das Alfred-Jensch-Teleskop (© DPG / Frederking 2025).
Nach dem Vortrag konnten wir nun als echtes Highlight der Exkursion das Alfred-Jensch-Teleskop aus nächster Nähe betrachten. Besonders beeindruckend waren dabei sowohl die Dimensionen des Teleskops als auch sein Alter. Nach der Bauphase unter der Leitung des namensgebenden Konstrukteurs Alfred Jensch wurde das Teleskop 1960 erstmals in Betrieb genommen. Wie Dr. Günther uns erklärte, ist es nicht unüblich, dass Teleskope so lange genutzt werden, da man die entscheidenden Komponenten entsprechend dem Stand der Technik immer wieder erneuern kann. Während heute die Nachführung komplett automatisch läuft und Bilder per Mausklick erzeugt werden, kamen zu Beginn der Beobachtungen an der Sternwarte noch teure Fotoplatten zum Einsatz und Bilder wurden mit einer viel geringeren Frequenz aufgenommen. Bei einigen Beobachtungen war damals bereits klar, dass der vollständige Wert der Aufzeichnungen erst für spätere Generationen zugänglich sein würde. Dank der Arbeit früherer Generationen von Wissenschaftler:innen sind heutzutage lange Zeitreihen von Beobachtungen in der Bibliothek der Sternwarte zugänglich.

Blick auf das Radioteleskop und das Sonnenlabor (© DPG / Frederking 2025).
Den Abschluss unseres Besuchs der Sternwarte bildete der Ausblick auf das Radioteleskop der Sternwarte sowie das Tautenburger Sonnenlabor. Dieses ist ein schönes Beispiel für potenzielle Anwendungen, die sich aus der Grundlagenforschung in der Astrophysik für alltägliche Vorgänge auf der Erde ergeben. Wie uns Dr. Günther erläuterte, könnten die Instrumente des Sonnenlabors in Zukunft die Vorhersage von Sonnenstürmen erleichtern, deren Auswirkungen für die Luftfahrt relevant sind.
Den Planetenpfad mit maßstabsgerecht voneinander entfernten Informationstafeln zu den Himmelskörpern unseres Sonnensystems konnten wir leider nicht mehr ablaufen. Wir danken Dr. Günther für die lehrreiche Führung und wünschen allen Teilnehmer:innen einen guten Start in den Herbst!