05.04.2000

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft

Physiker zu Gast im Forschungsausschuss

Anlässlich des Jahres der Physik empfing heute der Forschungsausschuss des Bundestages eine Delegation von Physikern der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) zu einem zwanglosen Meinungsaustausch. Das Gespräch im vollbesetzten Sitzungssaal verlief in sehr aufgeschlossener und konstruktiver Atmosphäre. Die Parlamentarier nutzten das Angebot der Wissenschaftler, mit der Öffentlichkeit in einen aktiven Dialog zu treten, ihrerseits für vielfältige grundlegende Fragen zur aktuellen Physik.

In Vertretung des Ausschussvorsitzenden Jürgen W. Möllemann (FDP) eröffnete Stephan Hilsberg (SPD), im Beisein des Parlamentarischen Staatssekretärs Wolf-Michael Catenhusen, die Sitzung mit der Begrüßung des DPG-Präsidenten Dr. Dirk Basting und der ihn begleitenden Delegation. Basting berichtete dem Ausschuss über die Aktivitäten der DPG im Jahr der Physik, dankte dem BMBF für die großzügige Unterstützung und bezeichnete die Aktionen als wichtigen ersten Schritt in die richtige Richtung. Dass in der Öffentlichkeit und gerade auch bei jungen Leuten großes Interesse an naturwissenschaftlichen Fragen bestehe, zeige der enorme Zuspruch für die aktuell in der Berliner Urania laufende Veranstaltungsreihe zur Kern- und Teilchenphysik unter dem Titel "Reise zum Urknall". Allein an den ersten beiden Tagen seien bereits über 5000 Besucher gekommen, um sich die Ausstellung anzusehen oder populärwissenschaftliche Vorträge zu hören.

Der Forschungsausschuss diskutierte mit den Experten über die Energieproblematik, über Fragen der Transdisziplinarität, über den Zusammenhang von Grundlagenforschung und Anwendungen, über die internationale Zusammenarbeit, über die im europäischen Vergleich ausgesprochen mangelhafte kulturelle Einbettung der Physik in Deutschland, über konkrete schul- und hochschulpolitische Probleme und nicht zuletzt auch über die Lage am Arbeitsmarkt. Physiker und Physikerinnen haben heute auf dem Arbeitsmarkt die besten Chancen. Aber viel zu wenig junge Leute wollen Physik studieren. Dass die Förderung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts für ein Hochtechnologieland wie die Bundesrepublik ein Anliegen höchster Priorität ist, darin waren sich die Vertreter von Politik und Physik völlig einig. Dass die Lage aber heute bereits tatsächlich so dramatisch ist, wie die Physiker sie anhand aktueller Untersuchungen darstellten, das war den Forschungspolitikern aller Fraktionen in dieser Weise zuvor nicht bewußt gewesen. So liegt die Zahl der Vordiplome im Fach Physik im Jahr 1999 bei unter 1.500, eingestellt wurden an Hochschulen, in Forschungseinrichtungen und in der Industrie im gleichen Jahr aber 4.000 Absolventen. Wenn nichts geschieht, wird es bereits in zwei bis drei Jahren zu einem alarmierenden Fachkräftemangel in der Physik kommen. Und es besteht die Gefahr, dass die deutsche physikalische Forschung, die heute in vielen Gebieten Weltspitze ist, international nicht mehr konkurrieren kann. Deshalb begrüßt die Deutsche Physikalische Gesellschaft die aktuelle Diskussion um eine Greencard für ausländische Fachkräfte ausdrücklich.

Da das offene Gespräch zwischen Wissenschaftlern und Politikern von beiden Seiten als ausgesprochen anregend empfunden wurde, verabschiedete man sich mit dem ausdrücklichen Wunsch, diesem ersten Zusammentreffen weitere folgen zu lassen.