Große Erkenntnisse einfach erklärt
Beim Nobelpreisabend wurden die Nobelpreise von 2025 in Physiologie/Medizin, Chemie und Physik allgemeinverständlich vorgestellt.
Jedes Jahr am 10. Dezember werden die Nobelpreise für Leistungen, die der Menschheit im vergangenen Jahr den größten Nutzen gebracht haben, vergeben. Die feierliche Verleihung findet am Todestag des Stifters der Nobelpreise, dem Chemiker und Erfinder Alfred Nobel, statt. Die Preise werden in fünf Disziplinen verliehen, die Alfred Nobel besonders wichtig waren. Im Oktober eines jeden Jahres blickt die Wissenschaftsgemeinschaft mit großem Interesse auf die Bekanntgabe, welche Durchbrüche in diesem Jahr ausgezeichnet werden. Welche Leistungen wurden 2025 gewürdigt? Das waren zum Beispiel die Entdeckung des makroskopischen quantenmechanischen Tunnelns und der Energiequantisierung in elektrischen Stromkreisen (Physik), die die Grundlage der nächsten Generation der Quantentechnologie, etwa Quantencomputer und Quantenverschlüsselung, bilden. Die Entwicklung metallorganischer Gerüstverbindungen (Chemie) ermöglicht es, Wasser aus Wüstenluft zu gewinnen, Kohlenstoffdioxid oder andere giftige Gase zu binden oder chemische Reaktionen zu katalysieren. Entdeckungen zur peripheren Immuntoleranz (Physiologie/Medizin) schufen ein grundlegendes Verständnis über das Immunsystem und ermöglichen dadurch Forschung zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen und Krebs.

In den jeweiligen Disziplinen sind diese Erkenntnisse gut bekannt und verstanden. Darüber hinaus freuen sich die meisten Personen über eine gute Erklärung der Themen. Bei der Vorstellung der Nobelpreise stellt sich die Frage, an welche Zielgruppe sich diese Erklärungen richten sollen. Der vielleicht naheliegendste Gedanke ist: Personen aus der Wissenschaft erklären für Personen aus der Wissenschaft. Aber warum sollte man sich auf die Wissenschaftsgemeinschaft beschränken? Unser Organisationsteam aus Studierenden und Promovierenden der Biologie, Chemie und Physik war sich sofort einig: Wir möchten darüber hinaus gehen! Wir möchten eine Veranstaltung schaffen, bei der die breite Öffentlichkeit einen Einblick in die wissenschaftliche Arbeit bekommt. Wir möchten dazu motivieren, sich mit Wissenschaft zu beschäftigen und junge Menschen für Wissenschaft begeistern. Wir möchten mehr Verständnis dafür schaffen, wie wichtig Wissenschaft ist.

Nach der Bekanntgabe der Nobelpreise 2025 war uns klar: Viele Personen würden sich fragen, was genau Quanten oder metallorganische Gerüstverbindungen sind oder wie die periphere Immuntoleranz funktioniert. Zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen findet jedes Jahr der Nobelpreisabend statt, bei dem große Erkenntnisse einfach erklärt werden. Am 11. Dezember 2025 luden das JungeChemieForum (JCF), die Junior Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (jGBM) und die junge Deutsche Physikalische Gesellschaft (jDPG) zu einem Abend mit drei spannenden Vorträgen ein. Hochschullehrende der Friedrich-Schiller-Universität Jena präsentierten dort allgemeinverständlich die Nobelpreise aus Physiologie / Medizin, Chemie sowie Physik. Trotz der vorweihnachtlichen Zeit war die Veranstaltung gut besucht und der große Hörsaal der Physik füllte sich mit 210 Personen. Dabei erstreckte sich das Publikum von Jugendlichen bis zu Personen im Ruhestand. Die drei Vorträge haben gezeigt, dass es möglich ist, auch komplexe Themen verständlich und unterhaltsam zu präsentieren. Nach der Beantwortung der Fragen des Publikums gab es noch die Möglichkeit, bei Keksen und Getränken vertiefende Gespräche zu führen und sich weiter auszutauschen. Durch das durchweg gute Feedback sind wir davon überzeugt, dass unsere Veranstaltung dazu beigetragen hat, die Nobelpreise 2025 für die Allgemeinheit verständlicher zu machen. Die Videoaufzeichnung der Veranstaltung wird zeitnah veröffentlicht. Auch die Studierenden, mindestens die der Physik, konnten einen wertvollen Tipp von Frank Schmidl mitnehmen: „Wenn Sie wirklich einen Nobelpreis haben wollen, dann gehen Sie in die Tieftemperaturphysik!“
Bericht: Samuel Ritzkowski