Wie man (k)eine Bachelorarbeit schreibt
Bei der Bachelor-Presentation-Session berichten Studierende von den Erfahrungen, die sie beim Schreiben ihrer Bachelorarbeit gemacht haben.
Ein zentraler Punkt des Bachelorstudiums, der den Abschluss dieses markiert, steht zu Beginn des dritten Studienjahrs noch aus: die Bachelorarbeit. Für diese erste wissenschaftliche Abschlussarbeit müssen sich die Studierenden selbstständig mit einem Thema in einer Tiefe auseinandersetzen, die weit über das Niveau vorheriger Vorlesungen und Praktika hinausgeht. Diese Aufgabe ist sehr spannend, aber auch anspruchsvoll. Für die Studierenden stellt sich die Frage, wie eine Bachelorarbeit aufgebaut sein sollte, worauf sie achten müssen und wie sie ein geeignetes Thema finden. Um diese und viele weitere Fragen zu beantworten, veranstaltet die jDPG Regionalgruppe Jena jedes Jahr die Bachelor-Presentation-Session. Hierbei stellen Studierende aus dem ersten Mastersemester ihre Bachelorarbeit vor. Dabei liegt der Schwerpunkt nicht auf der wissenschaftlichen Arbeit, sondern auf den persönlichen Erfahrungen, die bei der Erarbeitung und dem Schreiben der Abschlussarbeit gesammelt wurden.

Am 19. November 2025 konnten die Zuhörenden konnten sich auf vier spannende Vorträge von Studierenden freuen. Dabei waren thematisch die vier großen Säulen der Physik vertreten, die in Jena Forschungsschwerpunkte sind: Festkörperphysik, Optik, Theorie und Astronomie. Zusätzlich zu diesen Erfahrungsberichten gab es von der Regionalgruppe einen Vortrag zu den Formalitäten, die bei der Bachelorarbeit zu beachten sind. Dabei wurde zum Beispiel erklärt, wie die Anmeldung funktioniert, wie viel Zeit man für die Bearbeitung des Themas hat und was bei Krankheit zu beachten ist. Dieser Vortrag ist bei den Studierenden immer sehr beliebt, da man so alle wichtigen Informationen gut aufbereitet erhält und sich die ausführliche Lektüre der Prüfungsordnung spart. Abgerundet wurde der Abend durch die Möglichkeit, sich bei einem Stück Pizza mit den Vortragenden weiter auszutauschen und persönlich Fragen stellen zu können. Obwohl das Interesse an den Formalitäten immer sehr groß ist, bekommen die Zuhörenden die wichtigsten Informationen bei den persönlichen Berichten. Bei den diesjährigen Vorträgen wurden viele wichtige Themen angesprochen und viele Tipps gegeben: Eine dieser Empfehlungen, die die Studierenden nach ihren Erfahrungen im Grundpraktikum überrascht hat, war, ein Laborbuch zu führen. Dieses ermöglicht es, einen Überblick über die eigene Arbeit und die Messungen zu halten, sodass bei der Auswertung leichter die relevanten Daten identifiziert werden können. Ein weiterer Tipp war, frühzeitig eine Struktur anzulegen, auch wenn das nicht ganz leicht ist. Konventionen festlegen und diese bis zum Ende beibehalten, eine sorgfältig dokumentierte Quellensammlung führen und regelmäßige Backups anlegen. Auch jenseits der Arbeit ist Struktur hilfreich. Ein wichtiger Hinweis war, nicht nur in der Arbeit zu versinken. Auch parallel zur Bachelorarbeit sollte man seine sozialen Kontakte nicht vernachlässigen und regelmäßig etwas mit Freundinnen und Freunden unternehmen. Das sollte nicht ausschließlich nachts passieren, weshalb man auch mal tagsüber das Labor oder das Büro verlassen sollte, um das Sonnenlicht zu genießen. Doch wie viel Zeit sollte man eigentlich in seine Bachelorarbeit stecken? Die Vortragenden haben zwischen vier Monaten und einem Jahr an ihrer Abschlussarbeit gearbeitet. In Jena sollte die Bachelorarbeit standardmäßig vier Monate dauern. Die vorgeschriebene Dauer variiert in Deutschland merklich. Daher spricht die Zusammenkunft aller Physikfachschaften (ZaPF) in ihrem Positionspapier zum „Umfang von Bachelorarbeiten im Physikstudium“ (externer Link zum Positionspapier), neben weiteren lesenswerten Forderungen, eine Empfehlung aus: Der Arbeitsumfang, der den ECTS-Punkten entspricht, soll auf eine Dauer von sechs Monaten aufgeteilt werden. Neben der zeitlichen Planung einer Bachelorarbeit gehört es auch dazu, ergebnisoffen an das Thema heranzugehen. In vielen Praktika sind die Ergebnisse hinreichend bekannt, da viele Generationen von Studierenden diese Versuche bereits durchgeführt haben. Bei der Bachelorarbeit sollte etwas Neues geschaffen werden und dabei ist es auch in Ordnung, keine positiven Ergebnisse zu haben.

Im gleichen Zeitraum wie die Bachelor-Presentation-Session finden auch noch die Säulenveranstaltungen statt, bei denen sich die verschiedenen Fachbereiche mit ihren Themen vorstellen. Ausgestattet mit vielen Erfahrungsberichten können die Zuhörenden nun beruhigter auf die Suche nach einem Thema für ihre Bachelorarbeit gehen. Denn sie wissen: Wenn alle Studierenden vor ihnen die Bachelorarbeit geschafft haben, dann schaffen sie das auch.
Bericht: Samuel Ritzkowski