Das DPG-Archiv feiert 30-jähriges Bestehen
Am 15. April 1996 nahm das Archiv der DPG seine Arbeit auf. Seit genau 30 Jahren werden hier Dokumente zur Geschichte der DPG zentral gesammelt, bewahrt und für Geschäftsstelle wie Forschung zugänglich gemacht.
Die Idee zu einem eigenen Archiv entstand während der Vorbereitungen auf das 150-jährige Jubiläum der DPG, zu dem auch eine umfangreiche Festschrift erschien. Den Verantwortlichen fiel dabei unangenehm auf, dass es kein zentrales Archiv der Gesellschaft gab und historische Informationen nur mühsam aus verstreuten Quellen zusammengetragen werden konnten. Treibende Kraft für die Einrichtung eines Archivs im Berliner Magnus-Haus war Theo Mayer-Kuckuk, damals wissenschaftlicher Leiter des Magnus-Hauses und Herausgeber der Festschrift. Finanzielle Unterstützung kam von der Heraeus-Stiftung. Am 15. April 1996 trat ein junger Archivar seinen Dienst an und begann, aus vielen Einzelquellen ein funktionierendes Archiv aufzubauen.
In den ersten Jahren galt es, verschiedene Aktenbestände zusammenzuführen. Im Magnus-Haus befanden sich bereits die Akten der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin. In einem zweiten Schritt wurden nicht mehr aktuell benötigte Unterlagen aus der Geschäftsstelle in Bad Honnef nach Berlin verbracht. Eine Rundfrage bei den Alt-Präsidenten brachte in den folgenden Jahren weitere umfangreiche Aktenbestände ins Haus.
Das älteste erhaltene Dokument ist das Protokoll der Gründungsversammlung vom 14. Januar 1845. Aus dem 19. Jahrhundert sind allerdings nur einige Protokollbücher der ursprünglich 14-tägig stattfindenden Sitzungen überliefert, und auch diese nicht vollständig. Ein wahrer Schatz ist das Protokollbuch der Jahre 1910 bis 1921, in dem sich viele handschriftliche Eintragungen bedeutender Physiker befinden.
Schriftwechsel sind ab den 1920er-Jahren sporadisch erhalten; die Bestände bis 1945 bleiben überschaubar, während die Akten der Nachkriegszeit ab 1945 den größten Teil ausmachen. Gelegentlich ergänzt das Archiv seinen Bestand durch gezielte Ankäufe, darunter eine Beitragsquittung aus dem Jahr 1854 und eine Originaldaguerreotypie von 1845, die die sechs Gründer der Gesellschaft zeigt.
Eine besondere Rolle spielen die Akten der ehemaligen Physikalischen Gesellschaft der DDR. Diese lagerten im Magnus-Haus, dem früheren Sitz der Gesellschaft, befanden sich jedoch in einem prekären Erhaltungszustand. Im Jahr 2019 wurde der gesamte Bestand von rund 500 Aktenordnern beim Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig trockengereinigt, entmetallisiert, entsäuert und anschließend digitalisiert. Da es sich um den einzigen erhaltenen Bestand einer naturwissenschaftlichen Vereinigung der DDR handelt, wurde das Projekt von der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts aus einem Sonderfonds gefördert – die DPG musste lediglich 25 Prozent der Kosten selbst tragen.
Digitalisierung und ein neues Zuhause für das Archiv
Die Digitalisierung der Aktenbestände hat im DPG-Archiv hohe Priorität und ist weit fortgeschritten. Ziel ist die Digitalisierung des Gesamtbestands. Der hohe Digitalisierungsgrad ist gerade aktuell sehr nützlich, da das Archiv das Magnus-Haus im Frühjahr 2025 verlassen musste und die Akten momentan eingelagert sind. Eine neue Heimat wird das Archiv zukünftig in dem gerade in der Planungsphase befindlichen Neubau in Bad Honnef erhalten, in dem neben dringend benötigten Seminarräumen auch die Archivbestände zukunftssicher untergebracht werden sollen.
Der Archivar ist mittlerweile nicht mehr jung, aber immer noch derselbe: Ralf Hahn freut sich weiterhin, interessante Fragen aus den Schätzen des Archivs beantworten zu können.