Pumpen bis in alle Ewigkeit? – Alternative Ansätze zum nachhaltigen Umgang mit bergbaulichen Langzeitfolgen: Eine globale Perspektive

Chemnitzer Industriegespräche

Lecture
Date:
Tu, 21.04.2020 18:30  –   Tu, 21.04.2020 19:30
Sprecher:
Dr. Frank Winde, Verantwortlicher für Querschnittsaufgaben im Bereich Monitoring und Strahlenschutz, Wismut GmbH Chemnitz
Adresse:
Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme - ENAS
Technologie-Campus 3, 09126 Chemnitz

 
Registration required
Language:
Deutsch
Contact person:
Florian Lazarevic,
DPG Association:
Working Group on Industry and Business (AIW)  

Description

Der untertägige Abbau mineralischer Rohstoffe resultiert neben der Schaffung ausgedehnter unterirdischer Hohlräume fast immer auch in der Notwendigkeit ab einer bestimmten Tiefe zufließendes Wasser aus den Gruben zurück an die Oberfläche zu pumpen. In Abhängigkeit von der klimatischen Wasserbilanz, Tiefe, Geologie und anderen Faktoren erreichen diese Wassermengen z.T. erhebliche Volumina und entsprechende Hebungskosten. Mit Schließung des Bergwerks wird die kostenintensive Wasserhaltung i.d.R. eingestellt und damit das unterirdische Grubengebäude sukzessive geflutet. Durch chemische Wechselwirkungen mit dem angeschnittenen Gestein ist das ansteigende Grubenwasser oft so stark kontaminiert, dass es eine Bedrohung für höher liegende Grundwasservorkommen und Oberflächengewässer darstellt. Zudem kann es mit durch bergbaubedingte Geländeabsenkungen mit dem flutungsbedingten Wiederanstieg des Grundwasserspiegels auch zur Überflutung oberflächennaher Infrastruktur wie z.B. Fundamenten oder sogar zu Überstauungen kommen.

Zur Vermeidung solcher Risiken wird z.B. im rheinischen Steinkohlerevier des Ruhrgebiets derzeit davon ausgegangen, dass der Grubenwasseranstieg durch kontinuierliches Abpumpen so lange unterhalb einer kritischen Schwelle gehalten werden muss, wie Menschen in der Region siedeln wollen. Mit Kosten von ca. 220 Millionen Euro pro Jahr wird dies gegenwärtig als ‚Ewigkeitsaufgabe‘ mit einer finanziellen Belastung angesehen, die irgendwann den Gesamtnutzen des historischen Steinkohlebergbaus in der Region übersteigen wird. Beispiele aus Südafrika und anderen Bergbaunationen belegen, dass dies ein globales Problem ist.

Der Vortrag stellt eine Reihe innovativer Technologien vor, die allesamt das Ziel haben, Langzeitkosten für nachbergbauliches Wassermanagement durch Erzeugung und Speicherung erneuerbarer Energie ökologisch nachhaltig zu minimieren oder sogar zu vermeiden. Dabei geht es weniger um Details der technischen Machbarkeit der Ansätze, von denen viele derzeit nur als Pilotprojekte in nicht bergbaulicher Anwendung erforscht sind. Vielmehr soll gezeigt werden, dass geschlossene Gruben nicht a priori nur immer ökologische Altlasten sind, sondern durchaus auch ökonomische Wertpotentiale mit Zukunft darstellen.

CV_Frank Winde.pdf