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Physikzentrum Bad Honnef
Ein Platz für Dialog und Inspiration

Geleitwort

Die Physik lebt, wie alle Wissenschaften, von der Leistung ihrer Protagonisten, von deren Genialität und Fleiß und von der Akzeptanz und Förderung durch die Gesellschaft. Sie lebt aber auch ganz wesentlich von der wissenschaftlichen Kommunikation, vom Erfahrungsaustausch und vom wissenschaftlichen Disput. Ohne regelmäßige Treffen auf Konferenzen und Seminaren und ohne das direkte Gespräch zwischen den Wissenschaftlern – den jungen Anfängern wie den erfahrenen Älteren, den Doktoranden wie den international renommierten Fachleuten – wäre die Wissenschaft nicht so erfolgreich und so effizient. Zur Katalyse dieses Austausches genügen aber nicht die großen Tagungen und internationalen Konferenzen. Vielmehr sind oft kleine Seminare und Workshops mit weit weniger als hundert Teilnehmern für die Diskussion und für die Mitteilung von Erfahrungen von viel größerer Bedeutung. Sie ermöglichen es den Teilnehmern auch durch räumliche Nähe, in einen sehr intensiven Meinungsaustausch einzutreten, Erfahrungen in wesentlichen Details zu besprechen und wissenschaftliche Diskrepanzen zu lösen oder zumindest klar zu definieren. Auch wenn das oft erst am Abend bei mehreren Gläsern Bier oder Wein gelingt.

Wohl der Wissenschaftsgemeinschaft, die diesen Austausch intensiv pflegt und auch eine dazu geeignete Begegnungsstätte aufweisen kann! Die Gemeinschaft der Physiker hat mit dem Physikzentrum Bad Honnef eine solche Stätte, die nicht nur die Deutsche Physikalische Gesellschaft beherbergt, sondern vor allem als Begegnungsstätte zwischen den Physikern und Kollegen aus benachbarten Disziplinen dient. Ohne ein solches Wissenschaftsforum wäre die Physik in Deutschland in der internationalen Spitzenforschung nicht so erfolgreich und würde es den Physikern nicht so viel Freude bereiten, miteinander zu kommunizieren und zu kooperieren – dies ist ein besonderes Verdienst des Physikzentrums Bad Honnef am Fuße des Siebengebirges mit Blick auf den Drachenfels.

Vor diesem Hintergrund freut mich das diesjährige Doppeljubiläum ganz besonders: 30 Jahre Physikzentrum Bad Honnef und 100 Jahre Gebäude der Elly-Hölterhoff-Böcking-Stiftung. Die Rückbesinnung anlässlich eines 100. Geburtstags macht uns den rasanten zeitlichen und kulturellen Wandel bewusst. Das unter Denkmalschutz stehende Anwesen wurde von der Universität Bonn in den Jahren 1904 bis 1906 in Erfüllung eines Vermächtnisses des Ehepaares Hölterhoff errichtet. Bereits im Jahr 1897 übertrug der Honnefer Großkaufmann Otto Hölterhoff sein erhebliches Vermögen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn mit der Verpflichtung, die Elly- Hölterhoff-Böcking-Stiftung als „Heim für Damen höherer Stände“ und „Haushaltsschule für Mädchen aus dem Volke“ einzurichten, was ab 1906 geschah. Ab 1947 nutzte die Universität Bonn das Gebäude für besondere Aufgaben in Forschung und Lehre, und daneben diente es „Damen höherer Schichten“ als Altersheim. 1976 wurde das Gebäude schließlich in eine Tagungs- und Begegnungsstätte der Physik mit Übernachtungskapazitäten umgewandelt – die Geburt des heutigen Physikzentrums.

Dieses Physikzentrum, partnerschaftlich betrieben durch die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) als Trägerin (seit 1986), die Universität Bonn (Elly-Hölterhoff-Böcking-Stiftung) und das Land Nordrhein-Westfalen, entwickelte sich rasch zum herausragenden wissenschaftlichen Begegnungsund Diskussionsforum der Physik in Deutschland. Bald wurde es auch zu einem Markenzeichen der Physik auf internationalem Maßstab. So kann es passieren, dass Kollegen im fernen Japan oder in den USA bei der Erwähnung des Namens Bad Honnef begeistert von einem Seminar erzählen, das für sie wegen der herausragenden wissenschaftlichen Atmosphäre und dem besonderen Ambiente denkwürdig ist – und das meist von der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung gefördert wurde. Und es verwundert nicht weiter, dass die bekannteste Suchmaschine im Internet beispielsweise unter dem Stichwort „Bad Honnef“ auf den ersten zehn Seiten mindestens je einmal das Physikzentrum nennt. Selbst auf den chinesischen und japanischen Internetseiten gibt es hunderte von Treffern. Gar mancher deutsche Physiker, auch der Autor dieser Zeilen, verdankt dem Physikzentrum vieles, z. B. die Aufnahme in die Community, spannende Seminare und Workshops, viele wichtige Bekanntschaften und Freundschaften und vielleicht sogar einen Karriereschub.

Untrennbar verbunden mit dem Physikzentrum ist die DPG. Sie hat dort ihre Geschäftsstelle sich regelmäßig zum Tag der DPG und zu Sitzungen. Mit Tagungen, Symposien und Weiterbildungsveranstaltungen fördert die DPG den Gedankenaustausch innerhalb der Gemeinschaft, sich in der gesellschaftlichen Diskussion und äußert sich öffentlich zu Themen wie Klimaschutz, Bildungs- und Hochschulthemen sowie zur Forschungs- und Energiepolitik. Die DPG ist zwar älteste (und größte) physikalische Gesellschaft weltweit, sie ist mit einem Median von 34 Jahren hinsichtlich des Mitgliedsalters zugleich eine sehr junge Gesellschaft. Ihr Aufgabenspektrum sich von der Nachwuchsförderung mit Schülerwettbewerben, wie etwa „Jugend forscht“, Auszeichnungen für Abiturientinnen und Abiturienten, über die Lehrerfortbildung bis zum wissenschaftlichen Austausch, z. B. bei den bekannten Frühjahrstagungen. Die DPG ist die Gemeinschaft aller Physiker, der Schüler, Lehrer, Studierenden, Professoren, Wissenschaftler in der Forschung der Industrie einschließlich der Physiker, die in anderen Berufen untergekommen sind.

Das Physikzentrum in Bad Honnef ist somit eine herausragende Institution von internationalem Ruf, die den Vergleich mit ihren Partnereinrichtungen in Les Houches (Frankreich), Varenna (Italien) und St. Andrews (Schottland) nicht zu scheuen braucht. Sie ist in der physikalischen Landschaft ein Leuchtturm, der vielen Physikern hilft, den Kurs zu finden oder zu halten. Das Physikzentrum gereicht damit der DPG, der Stadt Bad Honnef und dem Land NRW zur Ehre und bietet den Physikern ein Zuhause.

Ad multos annos.

Prof. Dr. Eberhard Umbach
Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft

Foreword

Physics, alike the other sciences, thrives on the achievements of its protagonists, on their genius and efforts, and on its acceptance in and support by society. However physics is, to a large extent, also fuelled by scientific communication, the exchange of knowledge, and scientific dispute. Science would not be as successful or as efficient without frequent interaction on conferences and seminars, and the direct exchange between the scientists, be it between the youthful beginners and the experienced senior scientists, or the PhDs and the internationally renowned experts. However, major conferences and international meetings do not suffice as catalysts for this exchange; in fact, it is often smaller seminars and workshops with far less than a hundred participants that are of much greater importance for scientific discussions and the exchange of knowledge. Supported by spatial closeness such seminars enable the participants to enter into a very intensive exchange of opinions, to discuss the finer details, and to resolve scientific discrepancies or at least define them clearly, even if this often only occurs in the evenings after a glass or two of wine and beer.

A scientific community that works to uphold this exchange of knowledge – and actually has a suitable meeting venue for doing so – is a blessed one! The physics community has such a venue in the Physikzentrum Bad Honnef, a place that is not only home to the German Physical Society, but also serves as a meeting place for physicists and colleagues from neighbouring disciplines. Without such a scientific forum, German physics would not be as successful on top international scale, nor would physicists enjoy communicating and cooperating with each other as much as they do; this is especially a merit of the Physikzentrum Bad Honnef at the foot of the Seven Hills looking onto the Dragon’s Rock.

It is therefore with great pleasure that we commemorate this year’s double anniversary: the 30th anniversary of the Physikzentrum Bad Honnef and the 100th anniversary of the buildings of the Elly Hölterhoff-Böcking Foundation. A review of the past on the 100th anniversary brings to mind the rapid temporal and cultural change. The listed stately mansion was established by the University of Bonn between 1904 and 1906 in honour of the last will and testament of the Hölterhoff Family. Otto Hölterhoff, a Bad Honnef merchant, had already donated his considerable fortune to the Rheinische Friedrich-Wilhelms University of Bonn in 1897 under the condition that the Elly Hölterhoff- Böcking Foundation be established as a “home for ladies of higher descent” and as “household school for girls of lower descent”, which finally occurred in 1906. However, since 1947 the University of Bonn has used the building for special purposes in the fields of research and education, and the building has also functioned as an old-age home “for upper class ladies”. In 1976 the building was transformed into a conference and meeting venue for the physics community, with the ability to also provide overnight accommodation, thus the birth of the present day physics center.

This physics center, which is jointly run by the German Physical Society (DPG), as the carrier (since 1986), the University of Bonn (Elly Hölterhoff-Böcking Foundation) and the Federal State of North- Rhine Westphalia, quickly developed into an outstanding scientific meeting and discussion forum for the physics community in Germany. It soon also became a trademark for physics on an international scale. And it is this aspect that, at the mention of the name Bad Honnef, even makes colleagues in distant Japan or in the USA immediately start to enthusiastically recall a past seminar that is so memorable for its excellent scientific atmosphere and special ambiance – and that has often been promoted by the Wilhelm and Else Heraeus Foundation. Of course it comes as no secret that the world’s most famous search engine returns a result that mentions the physics center at least once on each of the first ten pages for a search using the term “Bad Honnef”. Even Chinese and Japanese Internet pages show hundreds of results. Many a German physicist, including the author of this foreword, owes much to the Physikzentrum, for example, acceptance into the physics community, exciting seminars and workshops, many important acquaintances and friendships, and maybe even a stimulus for the career.

The DPG is inseparably linked with the Physikzentrum. It has its headquarters there and regularly meets there for the DPG Day or meetings. The DPG supports the exchange of ideas within the community, takes part in public discussions in society and issues public statements on topics such as climate protection, education and further education, as well as research and energy policies. Although the DPG is the oldest (and largest) physical society in the world, the median age of its members is only 34, making it a very young society. Its spectrum of activities ranges from the promotion of the young generation with school competitions, such as “Jugend forscht”, and awards for high-school graduates, to teacher further training, all the way to the scientific exchange of knowledge, for example with the famous “Spring Conferences”. The DPG is a society for all physicists, be it school pupils, teachers, students, professors, or scientists in research and industry, and including those physicists who have found a home in other professions.

The Physikzentrum in Bad Honnef is therefore an outstanding institution of international repute that need not shy away from any comparison with its partner institutions, Les Houches (France), Varenna (Italy) and St. Andrews (Scotland). It is a lighthouse on the physics landscape and one that helps many physicists to set or maintain the right course. The Physikzentrum has therefore rendered the DPG, the town of Bad Honnef and the Federal State of North-Rhine Westphalia a great reputation and provides the physicists with a home.

Ad multos annos.

Prof. Eberhard Umbach
President of the German Physical Society

 
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