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Position: www.dpg-physik.de  >  veroeffentlichung  >  reden  >  umbach  >  red_sl_pbh_2006.html

Prof. Dr. Eberhard Umbach, Würzburg

Einweihung "Schwarzen Loches"
im Physikzentrum

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

kurz bevor es in den Hörsaal geht und Prof. Meschede die Jubiläumsfeier mit einer Begrüßung eröffnet, möchte ich namens der Deutschen Physikalischen Gesellschaft – gemeinsam mit der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung – ein höchst ungewöhnliches Exponat einweihen, ein „Schwarzes Loch“!

Schon 1783 spekulierte der britische Pfarrer John Michell über „dunkle Sterne“, deren Gravitation ausreichend ist, um Licht gefangen zu halten. Die gleiche Idee hatte 1795 Pierre Simon Laplace. Karl Schwarzschild berechnete 1916 mit den Feldgleichungen von Albert Einstein aus seiner allgemeinen Relativitätstheorie die Größe eines Schwarzen Loches, aber erst John Wheeler benutzte 1968 die Bezeichnung „Schwarzes Loch“. Es ist nicht verwunderlich, dass Schwarze Löcher bereits kurz nach ihrer Entdeckung durch die Physik auch in der Kunst auftauchten, natürlich vor allem im Science Fiction-Genre. Dabei werden ihre physikalischen Eigenschaften meist künstlerisch abgewandelt. Der Disney-Film „Das schwarze Loch“ kreiste buchstäblich um ein solches, und die Besatzung der Enterprise stößt bei ihren Reisen in unendliche Weiten immer wieder auf schwarze Löcher.

Tatsächlich können wir Schwarze Löcher nicht direkt beobachten, weil es gerade in ihrer Natur liegt, das Licht festzuhalten. Erst nachdem man dem Hubble Space Telescope eine Kontaktlinse verpasst hatte, gelang es, Schwarze Löcher indirekt dadurch wahrzunehmen, dass man ihre Auswirkungen auf die Ausbreitung des von anderen Sternen emittierten Lichtes messen konnte. Durch diesen sog. „Gravitationslinseneffekt“ werden Objekte in der Nähe eines solchen Schwarzen Loches merkwürdig verzerrt.

Seit heute gibt es nun auch in Bad Honnef eine „Beobachtungsstation“ für Schwarze Löcher. Denn der eben beschriebene Verzerrungseffekt, also die Auswirkungen eines Schwarzen Loches auf die Ausbreitung von Licht, werden in diesem einzuweihenden Exponat simuliert und sichtbar gemacht.

Wir möchten mit diesem Exponat aber nicht nur eine neue Attraktion des Physikzentrums einweihen, sondern mit diesem technischen Kunstwerk ein Zeichen für schöne und interessante Physik setzen – und damit Interesse an unserer Wissenschaft wecken. Wegen des Multiplikationseffekts weihen wir dieses Exponat besonders gerne im Rahmen einer unserer DPG-Lehrerfortbildungs-Veranstaltungen ein. Derzeit findet nämlich eine solche Veranstaltung statt, zu der ich alle anwesenden Lehrerinnen und Lehrer sehr herzlich begrüße!

Und nun: Ehre, wem Ehre gebührt! Ich richte meinen herzlichsten Dank an die Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung und ihren Vorstandsvorsitzenden, Herrn Professor Dieter Röß. Die Heraeus-Stiftung hat nämlich dieses wunderschöne und viel beachtete Objekt dem Physikzentrum Bad Honnef gespendet.

Bevor es hierher kam, wurde es im letzten Jahr in der weltweit bekannt gewordenen Einstein-Ausstellung in Berlin präsentiert. Schöpfer dieses wissenschaftlichen Kunstwerks ist Professor Hanns Ruder aus Tübingen, dem nicht nur dafür hohe Anerkennung auszusprechen ist. Dieses pädagogisch wertvolle Ausstellungsstück wird von nun an auf Dauer im Physikzentrum Bad Honnef verbleiben.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit meinen Dank erweitern und der Heraeus-Stiftung auch insgesamt für ihre langjährige freundschaftliche Verbundenheit mit dem Physikzentrum und der DPG sehr herzlich danken. Ohne die Heraeus-Stiftung, verehrter Herr Röß, wäre das Physikzentrum Bad Honnef in dieser Form kaum vorstellbar.

Dafür und für dieses Exponat spreche ich Ihnen namens der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und der anderen Partner des Physikzentrums, insbesondere der Universität Bonn meinen allerherzlichsten Dank aus!

 
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