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Position: www.dpg-physik.de  >  veroeffentlichung  >  reden  >  umbach  >  red_publizistik_2007.html

Prof. Dr. Eberhard Umbach, Würzburg
am 9. November 2007

Rede des Präsidenten der Deutschen Physikalischen Gesellschaft e. V.
anlässlich der Verleihung der Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik
im Physikzentrum Bad Honnef

Verehrte Gäste, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Preisträger,

es ist mir eine große Freude, Sie zum diesjährigen Tag der DPG begrüßen zu dürfen. Traditionell darf ich Sie durch das heutige Nachmittagsprogramm führen, das mit der Verleihung der Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik und der sich daran anschließenden Diskussionsrunde zum Thema „Bachelor… und dann?“ zwei Höhepunkte aufweist. Wie es gute Tradition zum Tag der DPG ist, haben wir zum heutigen Anlass auch einige Nichtmitglieder aus Politik, Gesellschaft und Öffentlichkeit zu Gast.

Aus diesem Grund möchte ich kurz einige Sätze zur Deutschen Physikalischen Gesellschaft und zum Physikzentrum sagen: Die DPG, die auf das Jahr 1845 zurückgeht, ist die älteste und mit deutlich über 53.000 Mitgliedern auch größte physikalische Fachgesellschaft der Welt. Trotz dieser großen Mitgliederzahl ist es beachtlich, dass alle Mitglieder des Vorstands und Vorstandsrats, der Fachgremien und Ausschüsse ehrenamtlich tätig sind und dass wir mit einer, für einen so großen Verein ungewöhnlich kleinen Geschäftsstelle auskommen, die wir aber nicht als Verwaltung sondern als Serviceeinheit verstanden wissen wollen. Das großartige, mit hohem Einsatz und viel Zeitaufwand verbundene Engagement für die DPG, das viele Kolleginnen und Kollegen - darunter viele der hier im Saal Anwesenden - geleistet haben und leisten, hat die DPG zu dem gemacht, was sie heute ist, nämlich eine weithin wahrgenommene, gerne gehörte und äußerst effizient arbeitende Fachgesellschaft mit einer großen Tradition und einer hohen wissenschaftlichen Strahlkraft ihrer Mitglieder.

Die DPG hat zwei Standorte, das Physikzentrum hier in Bad Honnef, das auch unsere Hauptgeschäftsstelle beheimatet, und das Magnus-Haus in Berlin. Das Physikzentrum hat sich im Lauf der Jahre zu einem internationalen Physiker-Treffpunkt von Weltruf entwickelt und ist damit auch zu einem wichtigen Merkmal der Bonner Physik geworden, die wiederum ein Glanzlicht der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn darstellt, wie man auch am Ergebnis der zweiten Runde der Exzellenzinitiative sehen kann. Durch die Partnerschaft von DPG, Universität Bonn und Land Nordrhein-Westfalen hat sich das Physikzentrum zu einer großartigen Plattform entwickelt, auf der international herausragende Spitzenforscher, zu denen u.a. auch die Nobelpreisträger der letzten Jahre Theodor Hänsch, Anthony Leggett, Peter Grünberg, Gerhard Ertl und viele andere gehören, ihre neuesten Ergebnisse und Erfahrungen mit jungen Nachwuchswissenschaftlern teilen und mit Fachkollegen aus aller Herren Länder diskutieren.

In diesem Zusammenhang ist gleichsam die Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung von zentraler Bedeutung für das Physikzentrum. Sie finanziert seit Jahren die hervorragenden Heraeus-Seminare, die Generationen von Wissenschaftlern geprägt und viele Ergebnisse und Kooperationen stimuliert haben. Jährlich finden hier bis zu 20! dieser besonderen Forschungsseminare statt. Für dieses großartige Engagement und natürlich auch für die großzügige finanzielle Unterstützung zum Bau des nach ihr benannten „Heraeus-Hörsaals“ im Physikzentrum möchte ich an dieser Stelle einmal mehr herzlich im Namen der DPG danken.

Ganz besonders stolz sind wir auch darauf, dass die DPG mit einem Durchschnittsalter von 34 Jahren eine ganz junge Gesellschaft ist. Das wirkt sich auch auf das Physikzentrum aus. „Hier trifft Jugend das Original“, soll „Ted“ Hänsch so treffend – und auch ein wenig zweideutig – formuliert haben. Neben den DPG-Frühjahrstagungen ist es besonders im Physikzentrum mit seiner Bürgerstube möglich, sich nach dem offiziellen Programm in gelockerter Runde noch die ganz Nacht austauschen. So können die jungen Seminarteilnehmer mit den etablierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bis tief in die Nacht diskutieren. Manch große Idee wurde so geboren, manche Kooperation und Freundschaft begründet, und viele Nachwuchswissenschaftler wurden hier zusätzlich motiviert und inspiriert. Manche große Idee hat sich allerdings am Morgen auch mit Kopfschmerzen wieder verabschiedet.

Nach dieser Einführung komme ich nun zur „Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik“. Ohne dem Laudator zu viel vorzugreifen, möchte ich im Namen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und auch persönlich, ein paar kurze Worte an die heutigen Preisträger richten. Ich möchte betonen, dass es uns eine ganz besondere Freude ist, heute die Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik an die Kollegen Prof. Eberhard Wassermann und PD Axel Carl zu verleihen.

Ganz im Sinne unserer Preissatzung haben Sie, lieber Herr Wassermann und lieber Herr Carl, das naturwissenschaftlich-physikalische Denken in der Öffentlichkeit verbreitet. Um es einmal in den Worten der Jugend zu sagen, denn die DPG ist ja eine sehr junge Gesellschaft: Die Highlights sind „der“ Renner! Noch mehr. Ihre Arbeit ist eine Pionierleistung, und Pionierleistungen haben die Menschen schon immer fasziniert. Sie haben mit den Highlights den Erkenntnishorizont vieler Menschen ganz wesentlich erweitert und Sie haben junge Menschen für die Physik begeistert. Bei Pionieren denken wir etwa an mutige Seeleute, die in kleinen Schiffen zu neuen Ufern aufbrachen und dabei ferne Kontinente entdeckt haben, wie etwa Christoph Kolumbus. Oder an Forscher, die sich in unwegsames Gelände wagten, wie Roald Amundsen oder Alexander von Humboldt. Oder an diejenigen, die sich der Beobachtung der Sterne zuwandten und dadurch unsere Sicht auf die Welt veränderten, wie etwa Galileo Galilei. Diese Pionierleistungen erforderten Mut und gleichzeitig ein gehöriges Maß an Weitblick. Und es erforderte Überzeugungskraft, um anderen Menschen die eigenen Ideen und Vorstellungen nahe zu bringen. Diese Eigenschaften besitzen unsere heutigen Preisträger.

Preise haben wichtige Funktionen. Sie zeichnen besondere Leistungen aus und sie demonstrieren den hohen Stellenwert, den diese Leistungen in unserer Gesellschaft genießen. Preisträger sind immer auch Vorbilder. Verzeihen Sie mir lieber Herr Carl, lieber Herr Wassermann, dass wir Ihnen jetzt auch noch diese Bürde auferlegen, aber Sie haben selbst dafür gesorgt. Denn durch die Etablierung der Highlights der Physik und die perfekte Organisation mehrerer solcher Highlights haben Sie einen entscheidenden Beitrag zur Kommunikation von Naturwissenschaften und insbesondere der Physik geleistet, und Sie haben vielen jungen Menschen die Faszination der Wissenschaften nahe gebracht. Wer die Highlights besucht hat, dem brauche ich das nicht zu erklären: die glänzenden Augen bei Jung und Alt und die langen Warteschlangen am Eingang der Highlights-Show sprechen eine eindeutige Sprache.

Der große Erfolg der „Highlights der Physik“ zeigt ganz deutlich, welche Wege beschritten werden müssen, um Begeisterung für die Naturwissenschaften zu wecken. Dass den heutigen Preisträgern dies gelungen ist, liegt vor allem auch daran, dass sie mit ihrer eigenen Begeisterung zuerst ihre Mitarbeiter und Helfer begeistern und motivieren konnten, denn nur ein gut motiviertes Team kann solch große Leistungen vollbringen. Schließlich muss man auch selbst in besonderem Sinne ein wenig egoistisch sein, um solchen Erfolg zu haben, denn Mark Twain rät:

    "Der beste Weg, sich selbst eine Freude zu machen, ist zu versuchen, anderen eine Freude zu bereiten."

Mit diesem Rat haben die Preisträger offensichtlich viele Menschen beglückt. Und ich möchte Ihnen nun die Freude bereiten, das Wort dem Laudator zu übergeben. Es ist Prof. Ludwig Schultz, DPG-Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit und Institutsleiter am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung in Dresden.

 
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