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Prof. Dr. Eberhard Umbach, Würzburg
am 10. November 2006

Rede des Präsidenten der Deutschen Physikalischen Gesellschaft e. V.
anlässlich der Verleihung der Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik
im Physikzentrum Bad Honnef

Liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich möchte Sie alle ganz herzlich zum 27. Tag der DPG begrüßen, der vor allem die Verleihung der Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik und eine Diskussionsveranstaltung beinhaltet. Besonders begrüßen möchte ich den diesjährigen Preisträger Prof. Hanns Ruder aus Tübingen und seinen Laudator Prof. Jürgen Ehlers vom Max-Planck Institut für Gravitationsphysik in Golm. Sehr herzlich begrüßen möchte ich auch den einführenden Redner unserer Diskussionsveranstaltung Prof. Hans-Joachim Freund vom Fritz-Haber Institut der MPG sowie unsere Podiumsgäste Prof. Matthias Kleiner, Univ. Dortmund, den designierten Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Herrn Dr. Diehl, Ableitungsleiter im BMBF, Prof. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz Gemeinschaft, und die geschätzten Universitätskollegen Prof. Burkhard Hillebrands aus Kaiserslautern und Prof. Jörg Kotthaus von der LMU München.

Da heute doch einige Gäste unter uns sind, die die Deutsche Physikalische Gesellschaft nur dem Namen nach kennen, und da auch viele der anderen Anwesenden nur wenig über die derzeitigen Aktivitäten der DPG wissen, möchte ich die Gelegenheit nutzen, einige einführende Worte über unsere Gesellschaft zu sagen, bevor wir zur Verleihung der Medaille für Naturwissenschaftliche Publizistik kommen.

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft, die auf das Jahr 1845 zurückgeht, ist die älteste und mit über 52.000 Mitgliedern auch die größte physikalische Fachgesellschaft weltweit. 99,7 % sind persönliche, die übrigen korporative Mitglieder wie z.B. Institute, Bibliotheken, Schulen und Firmen. Alle Mitglieder des Vorstands, der Fachgremien und Ausschüsse sind ehrenamtlich tätig. Ihren Sitz hat die DPG hier im Physikzentrum Bad Honnef, wo sich auch die Hauptgeschäftsstelle befindet.

Dieses Physikzentrum ist eine wunderbare Einrichtung. Durch die fördernde Zusammenarbeit von Universität Bonn, Land Nordrhein-Westfalen und DPG sowie durch das großartige Engagement der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung hat sich diese Einrichtung in der Tat zu einem Zentrum in Deutschland entwickelt, in dem die Naturwissenschaften, allen voran natürlich die Physik, in vielerlei Hinsicht gepflegt und weiterentwickelt werden. Hier trifft man sich zu Fortbildungsveranstaltungen, zu wissenschaftlichen Begutachtungen oder zur Planung und Diskussion von Forschungsprojekten. Hier finden jedes Jahr zahlreiche internationale Seminare und Symposien über die verschiedensten wissenschaftlichen Themen statt. Spitzenforscher tragen hier ihre neuesten Ergebnisse ebenso vor wie wissenschaftliche Novizen, die durch den Kontakt mit den etablierten Wissenschaftlern stimuliert und gefördert werden. Gar manche wissenschaftliche Karriere hat hier entscheidende Impulse erfahren. Lassen Sie mich den Umfang der Aktivitäten in Zahlen zusammenfassen: Die vielfältigen wissenschaftlichen Veranstaltungen im Physikzentrum haben im Jahr 2005 5.000 Wissenschaftler, Studenten und Lehrer erreicht. Die Zahl der Übernachtungen im Physikzentrum hat sich auf 11.500 erhöht. Gar manches Hotel dieser Größe wird bei einer solchen Auslastung vor Neid erblassen. Hervorragend ergänzt wird der Bad Honnefer Hauptsitz durch unsere Dependance in der Bundeshauptstadt Berlin, das Magnus-Haus, in dem ebenfalls zahlreiche Veranstaltungen der genannten Art stattfinden. Das Magnus-Haus ist ein archetektonisches Juwel in bester Berliner Lage gegenüber dem Pergamon-Museum und hat eine lange Physik-Tradition. Der Namensgeber Gustav Magnus richtete in diesem Gebäude 1842 mit privaten Mitteln das erste physikalische Institut Berlins ein. Dort erfolgte im Jahr 1845 durch die Schüler von Magnus aus dessen Kolloquium heraus die Gründung der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin, die direkte Vorgängerin der DPG. Obwohl die DPG die älteste physikalische Fachgesellschaft ist, liegt das Durchschnittsalter ihrer Mitglieder bei lediglich 34 Jahren. Sie ist damit auch eine der jüngsten Fachgesellschaften überhaupt, fast die Hälfte ihrer Mitglieder sind Schüler oder Studierende. Deshalb ist es folgerichtig und sehr erfreulich, dass seit Dezember 2005 die „junge DPG" existiert. Sie ist eine Interessengemeinschaft engagierter junger DPG-Mitglieder, vorwiegend in den ersten Semestern des Physikstudiums, die es sich - in enger Zusammenarbeit mit der „Mutter" DPG - zur Aufgabe gemacht haben, die Interessen der zahlreichen studentischen und schulischen Mitglieder der DPG zu vertreten, ihnen die Angebote der DPG für diese Zielgruppe näher zu bringen und diese Angebote weiter auszubauen, z. B. mit Exkursionen zu Universitäten und Physikeinrichtungen, Besichtigungen bei der Industrie, etc.

Die DPG, der fast alle deutschen Physiker, auch die weltberühmten, angehörten und angehören, betreibt selbst keine physikalische Forschung. Vielmehr fördert sie mit Tagungen und Symposien den Gedankenaustausch innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft, engagiert sich in der gesellschaftlichen Diskussion, versucht, die Politik zu beraten, und äußert sich öffentlich zu Themen wie Bildungs- und Hochschulthemen. Dazu zählen die Neugestaltung von Studiengängen, die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen, die Entwicklung der Promotion, Überlegungen zur Verbesserung der Lehrerausbildung und zum künftigen Hochschullehrernachwuchs. Die Forschungs- sowie die Klima- und Energiepolitik sind weitere zentrale Anliegen. So widmete sich die DPG etwa im letzten Jahr mit ihrer Klima und Energiestudie dem möglicherweise größten Problemkomplex des 21. Jahrhunderts. Sie ist sich ihrer Verantwortung als wissenschaftliche Fachgesellschaft für die Zukunft unserer Gesellschaft bewusst. Die Klima- und Energiestudie hat mit ca. 15.000 verteilten Exemplaren und Downloads viele Adressaten erreicht und für merkliche Resonanz in der politischen Diskussion gesorgt. Diese Resonanz sollte sich noch deutlich vergrößern, wenn die nunmehr ins Englische übersetzte Studie im Februar in Brüssel der Europäischen Öffentlichkeit vorgestellt wird, zumal sich Deutschland während seiner Präsidentschaft die Klima- und Energiepolitik als zentrales Projekt auf die Fahnen geschrieben hat.

Ihre Ziele sucht die DPG gleichfalls zu erreichen durch die so genannten „Frühjahrstagungen" mit mittlerweile insgesamt etwa 8000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, durch Fachtagungen und wissenschaftliche Symposien, die Pflege guter Beziehungen zu in- und ausländischen sowie internationalen Vereinigungen, ferner durch Beratung in Fragen der Forschungsförderung, der Ausbildung und des Berufes. Denn Physik und wissenschaftliche Erkenntnisse leben in hohem Maße von der Kommunikation mit der Öffentlichkeit - national wie international.

Aus diesen Gründen nimmt die DPG auch Ehrungen und die Vergabe von Preisen vor, eine unserer wichtigsten Aufgaben. Diese Preise und Ehrungen bedeuten nicht nur die Würdigung von großartigen Leistungen, sondern erweisen sich auch als Motor für die Forschung, die Auswahl eines Studiums und die Begeisterung an der Physik. Lassen Sie mich dies an einigen Beispielen veranschaulichen: Die Nachwuchsförderung ist ein zentrales Anliegen der DPG. So unterstützt die DPG nicht nur Schülerwettbewerbe, wie „Jugend forscht“, sondern zeichnet seit dem Jahr 2000 auch bundesweit Schülerinnen und Schüler für herausragende Physikleistungen im Abitur aus. Diese Auszeichnung besteht aus einer kostenfreien DPG Jahresmitgliedschaft. Die rund 3.000 Jahrgangsbesten erhalten zudem ein Buch, das über die aktuelle physikalische Forschung gut verständlich informiert. Diese kostenlose Jahresmitgliedschaft in Verbindung mit dem Buchpreis trägt natürlich entscheidend dazu bei, dass die DPG eine sehr junge Gesellschaft ist. Diese jungen Mitglieder stellen ein großes und wertvolles Potential für die Zukunft unserer Gesellschaft in der BRD und in Europa und auch für die Zukunft der Deutschen Physikalischen Gesellschaft dar. Waren die Mitgliedszahlen von 1997 bis 2001 nur leicht nach oben gegangen, so sind sie seit 2001 sprunghaft von etwa 30.000 auf über 52.000 gestiegen. Eine wichtige Aufgabe wird sein, die jungen Mitglieder dauerhaft an die DPG zu binden. Beruhigend ist dabei, dass die Physik den jungen Mitgliedern nach wie vor hervorragende Berufsperspektiven aufzeigen kann, denn die Arbeitslosenquote bei Physikern liegt bei nur 3 %.

Dies ist aber nur ein Beispiel für die Öffentlichkeitsarbeit der DPG. Als weitere Beispiele möchte ich auf drei herausragende Unternehmungen hinweisen, nämlich

  1. das „Jahr der Physik“ 2000 mit zahlreichen, zum Teil exzellent besuchten Veranstaltungen und einer sehr gelungenen Denkschrift,
  2. das Einsteinjahr 2005 mit einer großen Tagung in Berlin und ebenfalls sehr vielen, höchst erfolgreichen Veranstaltungen sowie
  3. die „Highlights der Physik", die seit 2001 bisher alljährlich stattgefunden haben.

Alle diese Ereignisse fußen auf einer langjährigen und erfolgreichen Zusammenarbeit mit einer professionellen Kommunikationsagentur und viele Veranstaltungen wären ohne die Förderung durch das BMBF nicht so erfolgreich oder überhaupt nicht möglich gewesen. Für diese Zusammenarbeiten und diese Förderung möchte ich an dieser Stelle auch unseren großen Dank aussprechen. Die letzten „Highlights der Physik" finden übrigens diese Woche in Bremen statt, gefördert durch das BMBF und organisiert durch ehrenamtlich arbeitende DPG-Mitglieder, allen voran Prof. Eberhard Wassermann und Dr. Axel Carl, die diese Veranstaltung mit außerordentlichem Engagement zu einem großen Erfolg geführt haben. Moderiert wurde die Eröffnungsveranstaltung dieser „Highlights" übrigens von Ranga Yogeshwar, der dadurch einen wesentlichen Beitrag zur Vermittlung von Begeisterung an der Physik geleistet hat. Übrigens - und das ist ein ganz wichtiger Punkt - haben alle genannten Aktionen erheblich dazu beigetragen, dass die Erstsemesterzahlen seit 2000 in der Physik wieder deutlich nach oben klettern, im Gegensatz zum allgemeinen Trend in den anderen naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen, in Deutschland wie auch im europäischen und nordamerikanischen Ausland.

Mit Ranga Yogeshwar schließt sich auch der Kreis zu der heute zu verleihenden Medaille für Naturwissenschaftliche Publizistik, denn Yogeshwar ist einer der früheren Preisträger. Dies aus gutem Grund, denn die seit 1985 vergebene Medaille ist von ganz besonderem Gewicht. Neben der durch die DPG verliehenen Max-Planck-Medaille für die Würdigung physikalischer Spitzenleistungen auf dem Gebiet der theoretischen Physik und der Stern-Gerlach Medaille für solche in Experimenteller Physik ehrt die DPG mit der Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik Persönlichkeiten, die sich für die Vermittlung von Physik und Naturwissenschaften in der Öffentlichkeit in außerordentlichem Maße und mit größtem Erfolg eingesetzt und zu deren besseren Verankerung in unserer Gesellschaft auf besondere Weise beigetragen.

Deshalb freue ich mich besonders, heute Prof. Hanns Ruder als unseren nächsten Preisträger präsentieren zu dürfen. Für die Vermittlung von Begeisterung an der Wissenschaft und für Öffentlichkeitsarbeit stehen Sie, lieber Herr Ruder, in ganz besonderem Maße. Ohne dem Laudator vorgreifen zu wollen, möchte ich doch ein paar einleitende Worte zu Ihrer Person sagen: Nach Billy Wilder sind es drei Dinge, die einen guten Film ausmachen: erstens ein gutes Drehbuch, zweitens ein gutes Drehbuch, und drittens ein gutes Drehbuch. Nun machen Sie lieber Herr Ruder zwar - noch - keine Filme, jedoch laufen schon jetzt Ihre medial vermittelten Physikerlebnisse wie nach einem hervorragenden Drehbuch ab: Sie waren einer der herausragenden, wenn nicht der herausragende Vermittler Einsteinscher Physik im Einsteinjahr 2005. Über 200 Vorträge haben Sie über die Physik Einsteins gehalten. Ihre Vorträge strahlen eine einmalige Faszination aus und ziehen junge Leute an, Ihre Ausstellungsstücke sind Publikumsmagnete. Seit mehreren Jahren touren Sie mit einem großartigen Programm durch Deutschland und halten Vorträge, bei denen die Vortragssäle häufig aus allen Nähten platzen. Das Ausstellungsstück „Das Schwarze Loch" vor diesem Heraeus-Hörsaal ist übrigens „made by Ruder et al." und stand vorher auf der Einsteinausstellung in Berlin.

Aber von diesen Dingen wird gleich noch sehr viel mehr zu hören sein, denn ich möchte jetzt an den Laudator übergeben, ihn aber vorher noch mit ein paar Worten vorstellen. Eigentlich muss man zu Prof. Ehlers nicht viel sagen, weil er als einer der führenden Physiker auf den Gebieten „Allgemeine Relativitätstheorie" und „Gravitationsphysik" einen weltweit herausragenden Ruf genießt. Der Hamburger Jürgen Ehlers hat Physik, Mathematik und Philosophie studiert und sich 1962 in Hamburg habilitiert. Nach Lehr- und Forschungstätigkeiten in Kiel, Syracuse (NY), Hamburg, Dallas und Austin nahm er 1971 einen Ruf an das Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik in München an, wo er bis 1995 die Arbeitsgruppe 'Gravitationstheorieleitete. 1995 wurde er Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik in Golm bei Potsdam; er wurde 1998 emeritiert. Jürgen Ehlers ist Mitglied mehrerer Akademien, u.a. Gründungsmitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der WissenSchäften, und er ist Träger der vorhin erwähnten Max-Planck-Medaille, die ihm 2002 verliehen wurde und neben der Stern-Gerlach Medaille die höchste Auszeichnung der DPG darstellt. Herr Ehlers, ich darf Sie um Ihre Laudatio bitten.

 
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