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Prof. Dr. Eberhard Umbach, Würzburg
am 10. November 2006

Rede des Präsidenten der Deutschen Physikalischen Gesellschaft e. V.
anlässlich der Diskussionsveranstaltung: „DFG und ERC - Forschungsförderung, quo vadis?"
im Physikzentrum Bad Honnef

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

die meisten von uns kennen und schätzen die Forschungsförderung durch die DFG seit vielen Jahren, sei es in Form von Einzelprojekten im sog. Normalverfahren, oder durch Sonderforschungsbereiche, Forschergruppen, Schwerpunktprojekte, Graduiertenkollegs, Stipendien, oder durch Nachwuchsprogramme wie das Heisenberg Programm oder das Emmy-Noether-Programm. Von gelegentlicher Kritik im Einzelnen - sei sie berechtigt oder unberechtigt - abgesehen, sind fast alle mit dem Fördersystem der DFG zufrieden bis sehr zufrieden. Das internationale Ansehen der DFG und der DFG Förderung ist nach meinem Empfinden insgesamt sogar noch höher als im eigenen Land; die DFG wird immer wieder kopiert und Kollegen aus anderen Ländern blicken oft neidvoll oder anerkennend, je nach Gemütslage, auf dieses Förderinstrument. Wenn man selbst als Gutachter im Ausland tätig ist, kann man diese Sichtweise von außen durchaus bestätigen.

Die Forschungsförderung in Deutschland wäre allerdings unzureichend beschrieben, wenn man sie auf die DFG reduzieren würde, wie man es leider in manchen Universitäts-Rankings beobachten kann. Sehr nennenswerte Förderung erfolgt zum Beispiel durch das BMBF in verschiedenen Förderprogrammen, durch Stiftungen insbesondere durch die VW-Stiftung, durch spezifische Programme der Länder, und vieles mehr. Selbstverständlich muss man bei einer Betrachtung der deutschen Forschungslandschaft und der Forschungsförderung in Betracht ziehen, dass mit der Max-Planck Gesellschaft, der Helmholtz Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, der Leibniz-Gemeinschaft und der Fraunhofer Gesellschaft sehr große und angesehene Forschungsinstitutionen und Forschungsförderer vorhanden sind, deren Fördereinfluss über die eigenen Institutsgrenzen hinweg auf die gesamte Forschungslandschaft, auch und vor allem in die „notleidenden" Universitäten hinein, ausstrahlt. Die Forschungslandschaft in Deutschland ist also insgesamt kerngesund, hat prinzipiell eine sehr gute Arbeits- und Aufgabenteilung und ist - wenn man von der Finanzknappheit der Hochschulen abgeht - zufrieden stellend ausgestattet.

Bisher - Sie haben es vielleicht gemerkt - habe ich die EU-Förderung ausgespart. Über die EU fließen gewaltige Fördersummen; allein für das 7. Rahmenprogramm sind 50 Milliarden Euro veranschlagt, natürlich verteilt über die gesamte Laufzeit von 7 Jahren. Viele Kollegen profitieren von dieser Förderung in hohem Maße und sind mit diesem Förderinstrument sehr zufrieden, insbesondere dann, wenn sie nur am Rande mit der Administration beteiligt waren. Die EU Förderung bietet wegen der zwingenden Zusammenarbeit mit Forschungsgruppen in anderen Nationen natürlich Perspektiven der internationalen Zusammenarbeit die an sich einen Wert darstellen, die der internationalen und nationalen Forschung wesentliche Impulse geben können und die den Forschern, insbesondere auch den Nachwuchsforschern viel Freude bereiten. Es besteht gar kein Zweifel, dass diese Aspekte von zentraler Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Forschung sind, es bestehen aber Zweifel, ob die Art und Weise, wie diese Forschungsförderung abläuft, der richtige Weg ist. Kritik kommt insbesondere auf, wenn der administrative Aufwand in toto, die vor allem formalistische Behandlung von Anträgen, die auf Selbstbewerbung basierende Gutachterauswahl und die Vernachlässigung wissenschaftlicher Qualitätsmaßstäbe bei der Begutachtung und bei der Bewertung der Forschungsprojekte zur Sprache kommen. Das heißt natürlich nicht, dass EU-Projekte ein niedrigeres Qualitätsniveau haben als andere Projekte; im Gegenteil sind viele Projekte und wissenschaftliche Ergebnisse exzellent. Meine Aussage zielt darauf ab, dass hinreichender Qualitätsstandard bei der Auswahl der Projekte durch das Procedere nicht gewährleistet wird.

Vor diesem Hintergrund wird die Einführung des ERC mit großer Spannung gesehen, nicht nur von den Forschern und potenziellen Antragstellern, sondern auch von den Förderinstitutionen, wobei man den Eindruck gewinnt, dass die deutschen Förderinstitutionen wesentlich mehr Gelassenheit ausstrahlen. Die Community ist gespannt und auch ein klein wenig verunsichert und stellt sich Fragen wie z.B.: Entsteht ein wirklich neues, europaweites Förderinstrument oder ist das alter Kaffee in neuen Kesseln? Wird sich dieses Förderinstrument die von der DFG gewohnten Qualitätsstandards zu Eigen machen oder wird es ein typisches EU-Instrument? Wie groß ist der administrative Aufwand, wie viel internationale Abstimmung und Zusammenarbeit ist erforderlich? Und noch weitergehend: Wird mittel- oder langfristig die deutsche DFG durch eine europäische Förderinstitution ersetzt? Diese und weitere ähnliche Fragen bewegen die Community, seitdem die Diskussion über den ERC begann. Ich erhoffe mir von dieser Diskussion einige Antworten und ich erhoffe mir, dass Informationen, An- und Einsichten ausgetauscht werden.

Man sollte aber eine solche Diskussion nicht beginnen, ohne hinreichende Informationen zu haben, was bei einer neuen Institution wie dem ERC besonders wichtig ist. Deshalb freue ich mich mit Prof. Hans-Joachim Freund einen Experten zu diesem Thema vorstellen zu können: Herr Freund ist Direktor am Fritz-Haber-Institut der MPG und einer der profiliertesten Physikochemiker in Deutschland. Er arbeitet auf den Gebieten Oberflächenforschung und Katalyse. Er ist Honorarprofessor an 5 verschiedenen Universitäten, Empfänger mehrerer Ehrungen und Mitglied zahlreicher Kommissionen. Vor allem aber ist er seit 2005 Gründungsmitglied des Scientific Council des ERC, des European Research Council, und damit eines von drei deutschen Mitgliedern. Und in dieser Eigenschaft, als Gründungsmitglied des ERC, habe ich ihn gebeten, uns jetzt über den ERC informieren.

Lassen Sie mich jetzt in die Diskussion einsteigen: Ich habe eine Reihe von hochgeschätzten Kollegen und Fachleuten im Förderbetrieb gebeten, an dieser Podiumsdiskussion teilzunehmen. Ich freue mich sehr, dass Sie alle zugesagt haben und damit auch Ihr Interesse an diesem Thema bekundet haben. Ich stelle mir den Ablauf so vor, dass ich jeden von Ihnen kurz vorstelle, wobei ich ein wenig zwischen den einzelnen Funktionsträgern hin- und herspringen werde - die Reihenfolge ist also willkürlich. Anschließend an die Kurzvorstellung würde ich jedem von Ihnen eine kurze Frage mit der Bitte um eine kurze Antwort stellen. Nach dieser ersten Vorstellungsrunde werde ich dann um eine weitere Diskussionsrunde mit nicht vorbereiteten Statements bitten. Anschließend möchte ich zu einer freien Diskussion und Befragung unter Beteiligung des Publikums übergehen. Beendet sollte die Diskussion spätestens um 19 Uhr sein, damit genügend Zeit für Essen und Gespräche bleibt. Ich darf also beginnen:

Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner, Leiter des Instituts für Umformtechnik und Leichtbau der Universität Dortmund, hat in Dortmund Maschinenbau studiert und dort promoviert und habilitiert. Anschließend ging er als Ordinarius an die TU Cottbus, der er auch 2 Jahre als Prorektor gedient hat. 1998 hat er den Lehrstuhl für Umformtechnik an der Universität Dortmund inne. Herr Kleiner ist Träger des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises der DFG 1997 und hat in zahlreichen Gremien und Ausschüssen mitgearbeitet. Insbesondere hat er dabei auch der DFG in verschiedenen Funktionen gedient, im Nominierungsausschuss für den Gottfried Wilhelm-Leibniz-Preis, im Senat, im Hauptausschuss und im Bewilligungsausschuss für die Allgemeine Forschungsförderung. Seit Juli 2005 ist er Vizepräsident und seit diesem Jahr designierter DPG-Präsident der DFG; er tritt sein Amt am 1. Januar 2007 an. Wir freuen uns, Sie bei dieser Gelegenheit bereits kennen zu lernen.

MinDir Dr. Herbert Diehl, Bundesministerium für Bildung und Forschung, hat Physik und Mathematik an der TH Darmstadt und der Universität Frankfurt studiert und promoviert, und ging nach einer wissenschaftlichen Tätigkeit an der Universität als Referent und Referatsleiter an das damalige BMFT. Nach einer zwischenzeitlich Tätigkeit als Programmdirektor Luftfahrt im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt kehrte er Ende 1998 an das BMBF zurück, wo er zuerst die Unterabteilung Verkehr und Raumfahrt übernahm, dann Abteilungsleiter für Europäische und Internationale Zusammenarbeit und schließlich seit März diesen Jahres Abteilungsleiter wurde für „Zukunftsvorsorge - Forschung für Kultur, Grundlagen und Nachhaltigkeit".

Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, hat ebenfalls Physik studiert, und zwar an der TU Hannover und der Ecole Polytechnique in Paris, hat dann an der TU Hannover promoviert und nach einem Postdoc Aufenthalt dort auch habilitiert. Nach einer Assistenzprofessor an der ETH Zürich wurde er 1990 Professor für Experimentalphysik an der Universität Konstanz. Auch Herr Mlynek hat zahlreiche Preise und Ehrungen erhalten, u. a. den Leibniz-Preis der DFG und den Max-Born-Preis der DPG und des IOP. Von 1996 bis 2001 war er Vizepräsident der DFG. Im Jahre 2000 wechselte er als Präsident an die Humboldt-Universität in Berlin, und im Jahr 2005 wurde er Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft.

Prof. Dr. Jörg-Peter Kotthaus, Ludwigs-Maximilians-Universität München, hat Physik an der TU München studiert und seinen PhD an der University of California in Santa Barbara gemacht. Nach einer Professur an der Universität Hamburg ging er 1989 als Ordinarius für Experimentalphysik an die LMU München. Auch er ist Empfänger zahlreicher Preise, u. a. des Gentner-Kastler-Preises der DPG und der Französischen Physikalischen Gesellschaft. Er hat in zahlreichen Gremien und Ausschüssen mitgearbeitet und ist seit 1998 Mitgründer und Sprecher des CeNS (Center for NanoScience) an der LMU München.

Prof. Dr. Burkard Hillebrands, TU Kaiserslautern, hat Physik in Köln studiert und hier promoviert. Nach einem Aufenthalt als Research Associate am Optical Sciences Center, University of Arizona, Tucson, war er als Wissenschaftler an der RWTH Aachen beschäftigt, wo seine Habilitation an der Math.-Nat. Fakultät erfolgte. Im Anschluss an eine C3-Professur am Physikalischen Institut, Universität Karlsruhe, ist er seit 1995 Professor für Physik an der TU Kaiserslautern, wo er Dekan und Mitglied des Senats war. Seit 2 Monaten ist er deren Vizepräsident für Forschung und Technologie. Herr Hillebrands hat ebenfalls in vielen Gremien und Ausschüssen mitgewirkt und ist Mitglied der DFG.

 
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