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Prof. Dr. Eberhard Umbach, Universität Würzburg

Mehr Physik wagen – Physik ist Basis unseres Handelns und zugleich Teil unserer Kultur

Meine Damen und Herren, liebe Kollegen und Freunde!

Ich denke, es steht dem neuen Präsidenten gut an, die gerade zu Ende gegangene Amtszeit seines Vorgängers zu reflektieren und zu würdigen. Zu Beginn Ihrer Amtszeit, Herr Urban, standen große Aufgaben und Herausforderungen. Sie haben diese mit enormem Engagement, mit viel Fingerspitzengefühl und mit dem nötigen Durchsetzungsvermögen angenommen und - soweit das in Ihrer Amtszeit möglich war – höchst erfolgreich bestanden. Sie haben sich damit um uns Physiker und um unsere Gesellschaft in herausragender Weise verdient gemacht.

Dass Ihnen dabei mehrere Vorstandskollegen und ein äußerst engagierter Hauptgeschäftsführer zur Seite standen, schmälert Ihre Leistung keineswegs. Es zeigt vielmehr, dass Ihr unermüdlicher Einsatz beispielgebend war und alle Mitwirkenden zu Hochleistungen motivieren konnte. In der recht kurzen Zeit meiner Einarbeitung als Designatus habe ich dies mit eigenen Augen beobachten und bewundern können. Nur wer weiß, wie viel Engagement und auch Herzblut in einer gut überlegten und wohl formulierten Rede oder nur hinter einem klug ausbalancierten Brief stecken kann, weiß Ihre Leistung ganz zu schätzen. Wir, die 51000 DPG Mitglieder, sind Ihnen, Herr Urban, zu sehr großem Dank verpflichtet.

Ich stelle meine Amtszeit unter das Motto: Mehr Physik wagen!

Was meine ich damit? Wie wir alle wissen, ist die Physik Abenteuer und Herausforderung, sie ist Voraussetzung für Technik und Basis vieler Neuerungen zugleich, und sie ist Grundlage der Erkenntnissuche. Sie ist aber auch eine wichtige Basis unseres Handelns in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Damit ist sie ein wesentlicher Teil unserer Kultur, und sie muss deshalb ein wesentlicher Bestandteil unseres Erziehungssystems sein.

Einigen von Ihnen mögen diese Aussagen banal erscheinen, sie sind es eigentlich auch, zumindest in unserem Selbstverständnis als Physiker. Allerdings nimmt der Konsens rasch ab, je weiter man sich aus Physikerkreisen entfernt. Wer das Jahrhundert der Lebenswissenschaften ausruft, wer den zu erwartenden industriellen Fortschritt durch die Nanotechnologie vor allem der Chemie zuschreibt, den rapiden technischen Fortschritt vor allem den Ingenieuren dankt und die Zukunft der Naturwissenschaften ganz allgemein vor allem in der interdisziplinären Zusammenarbeit sieht, der vergisst nicht nur die vielen wesentlichen oder einzigartigen Beiträge der Physik, sondern der verfolgt vielleicht auch Absichten, nämlich eine Umsteuerung von Forschungsmitteln oder etwa die Einführung eines Schulfaches Naturwissenschaft und Technik, mit dem man nicht nur ein paar Schulstunden Naturwissenschaften für andere Fächer abzweigen, sondern auch die fehlenden Physiklehrer durch vorhandene Biologielehrer oder Forstwirte ersetzen kann.

Worum es mir also geht, ist darauf hinzuweisen, dass die Physik eine zentrale Rolle in unserer Gesellschaft, Erziehung und Kultur nicht nur gespielt hat, sondern auch in Zukunft spielen wird und vermehrt spielen muss. Lassen Sie mich im Folgenden zuerst einige Gedanken zur Physik, zur Ausbildung und zur DPG in unserer Zeit und Gesellschaft artikulieren und dann die sich teilweise daraus ergebenden, vorhersehbaren Schwerpunkte meiner Amtszeit ableiten.

a) Die Wahrnehmung der Physik:

Die Physik hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit und Interesse in der Öffentlichkeit hervorgerufen: Angefangen mit dem sehr erfolgreichen Jahr der Physik 2000 und seinen vielen gelungenen Aktionen, darunter der sehr ansprechenden Denkschrift, dann mit dem Einsteinjahr und den ca. 700 öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten in Deutschland, bei denen Millionen von Menschen erreicht wurden, mit vielen Festakten und mit einer sehr großen und sehr erfolgreichen DPG-Tagung in Berlin, bis hin zum Nobelpreis für Theodor Hänsch, der die Physik ein weiteres Mal ins Rampenlicht und damit ins Bewusstsein der Bevölkerung brachte.

Durch den Nobelpreis wurde auch die Bedeutung der Laserphysik in das richtige Licht gerückt, wie das in der Vergangenheit schon bei anderen Nobelpreisen für deutsche Physiker, beispielsweise in Bezug auf die Nukleare Festkörperphysik, Halbleiterphysik, Rastertunnelmikroskopie, Elektronenmikroskopie, Hoch-Tc Supraleitung, Atomfallen oder Bose-Einstein Kondensation der Fall war.

Doch auch andere physikalische Ereignisse oder Fragen beschäftigen bisweilen die interessierte Öffentlichkeit und die Presse, und zwar immer dann, wenn eine spektakuläre Entdeckung oder eine groß angelegte Untersuchung die Phantasie, Faszination, Verblüffung oder Rekordsucht der Menschen anspricht. Besonders geeignet sind dafür

  • die Astrophysik und Kosmologie mit Stichwörtern wie Urknall, Supernovae, Schwarze Löcher, dunkle Materie und Energie oder einfach mit Raummissionen und aufwändigen Teleskopen;
  • die Elementarteilchen- und Gravitationsphysik mit der Überprüfung des Standardmodells und der Suche nach dem Higgsteilchen, der Vereinigung aller Kräfte einschließlich der Gravitation und der Gravitationswellen, verbunden mit extrem großen und teueren Apparaturen und der Faustischen Frage danach, „was die Welt im Innersten zusammenhält“;
  • und die Welt der kleinsten Systeme, schlicht die Nanowelt, mit ihrer fleißig propagierten Nützlichkeit für Anwendungen in vielen Gebieten der Technik bis hin zur Medizin. Hier fasziniert besonders die Möglichkeit des Menschen, die Nanowelt nicht nur zu verstehen, sondern vor allem auch bewusst und aktiv mit zu gestalten.

Können wir uns also beruhigt zurücklehnen, um unsere wissenschaftlichen Erfolge und deren erfolgreiche Darstellung in der Öffentlichkeit in aller Ruhe zu genießen? Ich befürchte nein. In einer reizüberfluteten Gesellschaft verpufft die Wirkung eines Einsteinjahrs sehr schnell, weniger in den Gedächtnissen der ausgelaugten Hauptprotagonisten als vielmehr in den Köpfen der Adressaten, also der interessierten Öffentlichkeit, der Jugend, der Presse und der Politiker. Kein Zweifel: das Einsteinjahr hat seine Wirkung getan, Millionen von Menschen haben die Physik wahrgenommen und sicher gute Erinnerungen behalten. Aber der täglich mit Informationen und spektakulären Nachrichten überflutete Bürger braucht bald ein neues Stimulans, um die Bedeutung der Physik nicht schnell wieder aus den Augen zu verlieren. Nicht zuletzt spielen die Medien dabei eine wichtige Rolle, die in den Wissenschaftsteilen der großen Zeitungen oder auch in den normalen Nachrichten vor allem aus den Lebenswissenschaften und vielleicht noch aus der Technik berichten, die Physik aber häufig ignorieren oder allenfalls mit einer kleinen Nachricht bis ins Unverständliche verstümmeln.

b) Die Forschungsförderung in Deutschland:

Deutschland hat im Prinzip eine blühende Forschungslandschaft, zumindest im Bereich der staatlich finanzierten Forschung. Auch dort gibt es immer wieder guten Grund zum Klagen, aber - zugegebener Maßen – auf hohem Niveau. Das heißt jedoch nicht, dass alles in Ordnung ist, denn viele Indikatoren zeigen eindeutig nach unten. So ist die Grundausstattung vieler Hochschulen mittlerweile in einem ziemlich erbärmlichen Zustand. Drittmittel einzuwerben stellt sich in manchen Fachgebieten als zunehmend schwierig heraus, weil die Förderquote in einigen Programmen mittlerweile die 20% Marke unterschritten hat.

Am schlimmsten ist es nach meinem Eindruck aber um die physikalische Forschung in der Industrie bestellt. Große Industrieunternehmen können es sich nach eigenen Aussagen nicht mehr leisten, langfristige Grundlagenforschung zu finanzieren, die erst nach vielen Jahren und dann nur vielleicht einen Ertrag abwirft. Aber auch die anwendungsorientierte Forschung wird sukzessive zurückgefahren, zumindest in physiknahen Bereichen. Denn Forschung als solche macht sich in den Bilanzen meist nur auf der Ausgabenseite unmittelbar bemerkbar. Das stört den „Shareholder“, der immer mehr auf schnellen Gewinn und immer weniger auf Nachhaltigkeit bedacht ist, und deshalb reagieren die erfolgshonorierten Topmanager mit dem Abbau der Forschung. Die häufig gescholtenen Professoren dagegen sind bereits vor Jahren aus ihren Elfenbeintürmen heraus gekommen und suchen nun in einer forschungsarmen Industrielandschaft mit immer weniger Erfolg nach Partnern für Zusammenarbeiten. Dass hier Potential verschenkt wird, liegt - entgegen mancher Politikeransicht – schon lange nicht mehr an den staatlich finanzierten Forschern.

Unsere deutsche Forschungslandschaft ist vorbildlich gegliedert und international sehr sichtbar aufgestellt. Die Arbeitsteilung zwischen Hochschulen, Max-Planck-Instituten, Helmholtz-Zentren, Leibniz Instituten und der Fraunhofer Gesellschaft ist – von kleineren Kritikpunkten abgesehen - im Prinzip sehr gesund und effizient. In der öffentlichen Wahrnehmung wird allerdings die Forschungsarbeit an den Hochschulen tendenziell eher unterschätzt, die an den Max-Planck-Instituten eher überschätzt. Das liegt nicht zuletzt an der Öffentlichkeitsarbeit und an der Ausstattung. Sorge bereitet hier vor allem der Trend der letzten Jahre, der zu teilweise sehr schmerzhaften Einsparungen geführt hat, insbesondere aber das Potential vieler Hochschulgruppen durch eine mittlerweile völlig unzureichende Grundzuweisung und durch massive Personalausdünnung nachhaltig geschädigt hat. Das neue Föderalismusgesetz – so nötig es im innen- und parteipolitischen Kräftespiel auch sein mag – lässt auf dem Bildungs- und Forschungssektor eine gravierende Verschlechterung der Randbedingungen befürchten, vor allem für die ärmeren Bundesländer. Den erahnbaren Schaden werden wir allerdings erst dann quantifizieren können, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Wie nützlich konzertierte Anstrengungen sein können, hat vor etwa acht Jahren die Großgeräteinitiative des Bundes gezeigt. Infolge einer Anfrage des BMBF an alle Institutionen der deutschen Forschungslandschaft, welche Großgeräte in den nächsten Jahren geplant und gebaut werden sollen, wurden damals neun Großprojekte, die überwiegend für die physikalische Forschung gedacht waren, ausgearbeitet und beantragt. Nach einer aufwändigen Begutachtung durch internationale Fachgutachter und den Wissenschaftsrat wurde für einen Teil der Projekte grünes Licht gegeben. In einigen Fällen sind zur Realisierung allerdings internationale Abmachungen und gemeinsame Finanzierungen mit anderen Ländern erforderlich.

Ich erwähne diese Initiative, weil sie eindrucksvoll gezeigt hat, welchen überaus positiven Einfluss die Politik auf die Entwicklung der Wissenschaft nehmen kann. Durch die Initiative wurden in den betroffenen und angrenzenden Bereichen der Physik eine enorme Kreativität und ein sehr beeindruckender Motivationsschub freigesetzt. Insbesondere wurden viele Nachwuchswissenschaftler geradezu in Begeisterung versetzt und zu exzellenten Ideen angeregt. Darüber hinaus konnte Deutschland in den betroffenen Gebieten seine internationale Stellung stark ausbauen und teilweise sogar eine Vorreiterrolle übernehmen. Mich hat die Bewegung, die diese Großgeräteinitiative in die deutsche Forschungslandschaft gebracht hat, sehr beeindruckt und in meiner Meinung bestärkt, dass man Begeisterung, Kreativität und Motivation durch geeignete Anreize stark beeinflussen kann. Hiervon sollte mehr Gebrauch gemacht werden. Momentan besteht allerdings die Gefahr, dass knappe Kassen und schwierige internationale Verhandlungen einen Teil der Motivation verpuffen oder gar in Frust umwandeln lassen.

c) Internationalität:

Physik ist international. Über die häufig wiederholten Wünsche der Politik, die deutsche Forschung international stärker zu vernetzen, können wir Physiker deshalb nur lächeln, weil sie bei uns längst zum Alltag gehört. Ich kenne eigentlich keinen Kollegen in der Forschung, sei es an Hochschulen, anderen Forschungsinstituten oder in der Industrie, der nicht mehrere aktive Kooperationen und noch mehr Kontakte zu Forschern in aller Welt pflegt. Die Physik ist unter allen Disziplinen wohl am weitesten international vernetzt. Sie hat in dieser Hinsicht auch in der Vergangenheit immer eine Vorreiterrolle gespielt. Ich denke dabei an die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, in der trotz immenser Schwierigkeiten immer - bis auf wenige Kriegsjahre - eine erstaunlich lebhafte Wechselwirkung mit Kollegen in aller Welt stattfand. Ich denke auch an die Zeit des eisernen Vorhangs und kurz danach, in der sich die Physiker in Deutschland bemüht haben, wenigstens einige Kontakte mit Kollegen im Ostblock aufrecht zu erhalten und ihnen nach dem Fall des eisernen Vorhangs nach Möglichkeit zu helfen. Und ich denke an die eigentlich vor uns liegende Aufgabe, die Physik in wissenschaftlichen Entwicklungsländern nach Kräften zu unterstützen.

Die Frage, die sich der DPG in diesem Zusammenhang ganz konkret stellt, ist, wie wir uns in Zukunft international positionieren und bei welchen Aktionen und in welchen Vereinigungen wir uns engagieren wollen. Blinder Aktionismus ist sicher nicht sinnvoll und in Anbetracht der zahlreichen anderen Aufgaben auch nicht zu leisten. Wir sollten uns auch vor übermäßiger Bürokratie und ausschweifendem Gremientourismus hüten, die Europäische Gemeinschaft gibt auch im Forschungsbereich genügend abschreckende Beispiele. Ich halte wohlüberlegte konkrete Projekte mit klarer Zielsetzung für am besten geeignet, die Wechselwirkung der DPG mit anderen Physikalischen Gesellschaften zu intensivieren. Welche Projekte das sein könnten, wird die Diskussion der nächsten Monate ergeben müssen. Ich bin für Anregungen dankbar.

d) Exzellenzinitiative:

Die Exzellenzinitiative des Bundes, die im letzten Jahr fast noch am parteipolitischen Gezänk zu scheitern drohte, hat mittlerweile große Wellen geschlagen. Sie betrifft vor allem die Hochschulen, tangiert aber auch viele andere Forschungseinrichtungen. Ob diese Initiative allerdings die hochgeschraubten Erwartungen erfüllen und ob der enorme Aufwand durch das Ergebnis gerechtfertigt wird, muss sich erst noch weisen. Hier ist durchaus Skepsis am Platz. Eines jedoch hat diese Initiative offensichtlich erreicht: die herausragenden Forscher in verantwortlichen Positionen sind durch die Beantragungsverfahren und die dazu erforderlichen hochschulinternen Auseinandersetzungen offensichtlich derart beansprucht, dass sie kaum noch für andere Dinge, wie z.B. normale Anträge, Zeit haben, denn deren Zahl ist in letzter Zeit teilweise um bis zu 50 % zurückgegangen. Der Tag hat anscheinend auch für hoch engagierte Wissenschaftler nur 24 Stunden.

Dennoch hat die Exzellenzinitiative zweifelsohne eine Reihe von positiven Aspekten, abgesehen davon dass sie etwas zusätzliches Geld in die chronisch unterversorgten Hochschulen pumpt. Sie führt zu einem intensiven Nachdenk- und Restrukturierungsprozess, bringt Wissenschaftler sehr unterschiedlicher Provenienz an einen Tisch und setzt dabei unerwartete Synergien und erstaunliche Kreativitäten frei. Zweifelsohne bekommt die interdisziplinäre Zusammenarbeit große Impulse, und Leistung und Wettbewerb innerhalb der Universität und zwischen Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen erfahren einen ungeahnten Aufschwung.

Ob das allerdings immer nur zum Besseren führt, mag mit Recht bezweifelt werden. Die in Aussicht gestellten Mittel sind nur auf den ersten Blick beeindruckend. Wenn man überlegt, dass 1 Million Euro pro Jahr für eine Graduiertenschule nach Abzug der Verwaltungs- und Gemeinkosten durch 20 oder gar 30 Lehrstühle geteilt werden muss, dann bleibt für die einzelne Arbeitsgruppe vielleicht noch eine halbe Stelle übrig. Die in den Graduiertenschulen geforderte Interdisziplinarität ist in einigen Arbeitsgebieten von großer Wichtigkeit und wird dort auch bereits intensiv gepflegt. Weite Bereiche der Physik werden aber auch in Zukunft untereinander, also mit Kollegen derselben Disziplin im In- und Ausland kooperieren müssen. Diese Art der Zusammenarbeit wird durch die Exzellenzinitiative nicht wirklich gefördert.

Sorgen machen mir aber vor allem drei Dinge: erstens die zunehmend harte Konkurrenzsituation innerhalb der Universitäten und zwischen den Universitäten, die vor allem den Orchideen und kleinen, aber feinen Aktivitäten das Wasser abgraben könnte; zweitens die wachsende Diskrepanz zwischen den armen und reichen Universitäten und Bundesländern, die den weniger gut ausgestatteten und schon bisher schlechter gestellten Universitäten einen weiteren Wettbewerbsnachteil bescheren wird – ich möchte nur auf die Folgen des Wegfalls des HBFG im Rahmen der Föderalismusreform hinweisen –, und drittens das bisherige Fehlen einer Nachfolgefinanzierung nach Ablauf der Bundesinitiative. Sollen dann die mit viel Mühe neu geschaffenen Aktivitäten wieder versiegen? Oder wird das zur Weiterfinanzierung der Exzellenzprojekte erforderliche Geld durch Mittelumverteilung im Universitäts- oder Landeshaushalt den Verlierern der Exzellenzinitiative weggenommen? Das könnte allerdings höchst bedenkliche Auswirkungen auf die Hochschullandschaft in Deutschland haben. Hier sollten alle Verantwortungsträger und einflussreichen Kollegen ein waches Auge und ggf. eine deutliche Stimme haben, ungeachtet der eigenen Vorteile, die sich der eine oder andere momentan ausrechnet.

e) Leistungsbewertung:

Ich möchte das Thema Forschung nicht verlassen, ohne ein Wort über den Leistungsbegriff und die Leistungsbewertung verloren zu haben. Leistung spielt in der heutigen Forschungslandschaft eine immer wichtigere Rolle, mit Recht, denn Begutachtungen und Evaluationen schärfen den Blick aller Beteiligten und stacheln zu einem dauerhaften Leistungsbewusstsein an, das stimulierend wirkt und zu einem gerechteren und optimierten Mitteleinsatz führen kann. Ich habe jedoch Zweifel, dass der Leistungsbegriff vor allem in der öffentlich-politischen Diskussion immer richtig verstanden und angewandt wird.

Leistung bewerten heißt, das Ergebnis am Aufwand zu messen, also den Output durch den Input zu teilen, bzw. die Ergebnisse durch die hineingesteckten Ressourcen zu dividieren. Leistung erhält man nicht, indem man einfach die Ergebnisse eines Forschungsinstituts oder einer Universität zusammenzählt, wie es momentan meist geschieht, weil man von den Grundrechenarten nur noch die Addition und Multiplikation, nicht jedoch die Division beherrscht. Ich plädiere dafür, den richtigen Leistungsbegriff konsequent in die Leistungsbewertung und in die öffentliche Diskussion einzuführen, auch wenn das mehr Mühe bereitet und sich dann die Zahlen nicht mehr so einfach darstellen lassen. Mit einem solchen Leistungsbegriff werden wir auch den kleineren, qualitativ hochwertigen Aktivitäten eher gerecht, die in der heutigen Diskussion häufig übersehen werden.

f) Studium:

Lassen Sie mich nun einen sehr wichtigen Punkt – nämlich die Ausbildung - ansprechen, die das Studium und die Promotion betrifft, aber auch die Schule und die Lehrerausbildung, auf die ich später zu sprechen komme.

Der sog. Bolognaprozess hat uns die Abschaffung des lieb gewonnenen Diploms und die Einführung des international etablierten Bachelor- und Mastersystems (BaMa) beschert. Es hilft nicht, jetzt noch viel über den Verlust des deutschen Physik-Diploms zu lamentieren, auch wenn es international hoch angesehen ist und beispielsweise an besten US amerikanischen Universitäten die Türen zur Promotion problemlos öffnet. Deutsche Austauschstudenten der Physik werden bereits nach dem 6. Semester an amerikanischen Universitäten unmittelbar zur Masterprüfung mit Thesis zugelassen, schließen den Master nach 8 Semestern mit großem Erfolg ab und werden z.T. sogar mit Geldprämien zum anschließenden Bleiben animiert. So schlecht war unsere bisherige Ausbildung also offensichtlich nicht.

Wir müssen uns wohl mit der Tatsache der Umstellung abfinden, die ja auch einige Chancen bietet, zum Beispiel die einer Restrukturierung und Modernisierung des Curriculums. Ich bin der DPG und der Konferenz der Fachbereiche Physik sehr dankbar, dass sie – quasi in letzter Minute – zu einer gemeinsamen Stellungnahme gefunden haben, die jetzt zum Leitfaden der Umstrukturierung der Physikausbildung geworden ist. Und ich bin froh, dass es der Physik gelungen ist, die uns allen so wichtige einjährige Forschungsphase mit Abschlussarbeit beizubehalten, wie immer sie jetzt auch gegliedert sein und heißen mag.

Eine weitere Chance könnte die modulare Struktur darstellen, die zu einer klareren und übersichtlicheren Strukturierung des Studiums führen sollte. Die bei der Akkreditierung geforderte Personalausstattung könnte außerdem helfen, die Betreuungsrelationen zu verbessern, allerdings nur wenn dafür entsprechende Mittel bereitgestellt werden. Vielleicht wird auch die Mobilität der Absolventen über die Ländergrenzen hinaus befördert. Dabei sollte aber unbedingt Konsens bleiben, dass das BaMa Studium ein konsekutives Studium darstellt, dass also nur der Bachelor zusammen mit dem darauf folgendem Master zu einer Berufsqualifikation als Physiker führt.

Leider sehe ich auch eine Reihe von Problemen auf uns zukommen. Erstens zeigt sich schon jetzt, dass die Vielfalt der überall empor sprießenden BaMa Studiengänge die Kompatibilität der Physikausbildung an den unterschiedlichen deutschen Studienorten stark reduzieren wird. Damit wird die Mobilität der Studierenden eingeschränkt, ganz im Gegensatz zur ursprünglichen Intention. Zweitens ist die tatsächliche Vergleichbarkeit der Physikstudiengänge in den verschiedenen europäischen und außereuropäischen Universitäten keineswegs gegeben, auch wenn die Abschlüsse und sogar die einzelnen Module die gleichen Namen tragen. Ich sehe deshalb die Gefahr, dass wir nach und nach gezwungen werden, unsere bisherigen Qualitätsstandards im Rahmen des europäischen Angleichungsprozesses auf einen gemeinsamen und damit kleinsten europäischen Nenner zu reduzieren, sie also im Klartext dem niedrigsten Standard anzupassen. Dagegen müssen wir uns mit aller Entschiedenheit wehren. Wenn uns das nicht gelingt, wäre die BaMa Einführung in der Tat der Beginn einer Bildungskatastrophe. Vielleicht sollten wir uns dann so selbstbewusst verhalten, wie uns das einige europäische Spitzenuniversitäten vormachen - nämlich nicht alles mitmachen.

g) Studiengebühren:

Die Einführung der Studiengebühren ist beschlossene Sache. Man mag dazu stehen, wie man will, jetzt gilt es nach vorne zu schauen und die Ausbildung tatsächlich signifikant zu verbessern. Nur wenn uns das mit vereinten Kräften gelingt, können wir unseren Studierenden in Zukunft noch gerade in die Augen sehen. Dazu ist es aber unabdingbar, mit Hilfe der Studiengebühren zusätzliches Betreuungspersonal und ggf. Dozenten einzustellen und Geld in die Renovierung der Praktika, Computerausrüstungen und Räumlichkeiten zu stecken. Diese Verbesserungen müssen für die Studierenden nachvollziehbar und mit den Studiengebühren direkt korrelierbar sein. Außerdem sollten wir mit aller Kraft darauf hinwirken, die Begehrlichkeiten der Verwaltungen einzudämmen und die Landesregierungen daran zu hindern, die zusätzlich eingenommenen Studiengebühren im Laufe der nächsten Jahre durch anderweitige Streichungen oder die Einsparung von Inflationsausgleichen doch noch ihrem Zweck zu entfremden. Das Vertrauen in die Beteuerungen der Politiker mag gut sein, eine nicht nachlassende Kontrolle ist in jedem Fall besser. Die Studiengebühren müssen unbedingt und in größtmöglichem Umfang zur Verbesserung der Lehre eingesetzt werden.

h) Promotion.

Der Bolognaprozess wurde im Rahmen der Nachfolgekonferenz in Bergen auf die Promotion ausgedehnt, für die wohl schon auf der nächsten Konferenz in London europaweit verbindliche Richtlinien verabschiedet werden sollen. Es zeichnet sich ab, dass im Rahmen dieser Neuordnung eine viel stärkere Verschulung, ein echtes Promotionsstudium, eingeführt werden soll. Dies liefe den Gepflogenheiten der deutschen Physikpromotion zuwider, da wir die Promotionsphase bisher als zusätzliche Qualifikations- und Forschungsphase, nicht jedoch als weiterführende Studienphase ansehen. Promovierende sind nach unserem bisherigen Verständnis junge Mitarbeiter, die im Rahmen von Arbeitsverträgen mit Forschungsaufgaben betraut sind, jedoch nicht als Studierende Hörsaalbänke drücken sollen.

Etwa zwei Drittel der Forschungsleistung in der Physik in Deutschland wird von Doktorandinnen und Doktoranden geleistet; sie stellen deshalb eine zentrale Säule der physikalischen Forschung dar, an der wir nicht rütteln dürfen, weil wir sonst das ganze Forschungsgebäude gefährden. Wir müssen deshalb darauf hinwirken, dass die künftigen, allgemein gültigen Promotionsregeln so viel Spielraum lassen, dass unsere Auffassung über die Physikpromotion darin Platz findet.

Mit Sorge sehe ich auch den Wildwuchs, den die im Rahmen der Exzellenzinitiative beantragten Graduiertenschulen in die deutsche Promotionslandschaft bringen. Je nach Beteiligung und interdisziplinärer Zusammensetzung dieser Graduiertenschulen werden derzeit Promotionsstudiengänge ausgearbeitet, die zu einer mehr oder weniger starken Verschulung der Promotion führen. Man folgt dem Ruf des Geldes und damit dem Wunsch der Politiker, die das Bergen Protokoll auch in Deutschland umsetzen wollen. Es mag in manchen Forschungsbereichen durchaus angebracht sein, in der Anfangsphase der Promotion eine intensive Ausbildung zur Vorbereitung auf die eigentliche Forschungsphase voranzustellen. In der Physik mit ihrer Forschungsphase im Rahmen der Masterausbildung erscheint dies jedoch absolut verzichtbar. Wohlgemerkt, ich habe nichts gegen eine permanente Weiterbildung insbesondere auch der Promovierenden, denen am Ende ihrer Promotion häufig die physikalische Allgemeinbildung abhanden gekommen ist, ich habe aber etwas gegen eine Formalisierung und Verschulung der Promotion und gegen eine Rückstufung der Promovierenden zu Studierenden.

i) Jugend und Schule:

Die Jugend ist unsere Zukunft. Diese Binsenweisheit ist nicht nur eine Platitude aller Bildungsverantwortlichen und Sportvereine, sie sollte sich auch in unserem Denken und in unseren Handlungen tatsächlich widerspiegeln. Das fängt damit an, dass man den Kindern bereits im Kindergarten, am Spielplatz und in der Grundschule die Faszination der Naturwissenschaften altersgerecht und spielerisch nahe bringen muss. In diesem Bereich hat sich in den letzten Jahren viel bewegt, und mein Dank gilt allen, die sich hier engagieren.

Es muss in Zukunft aber noch viel mehr geschehen. Wenn wir bereits den Kindern die Scheu vor den Naturwissenschaften und insbesondere vor der von vielen Erwachsenen gefürchteten Physik nehmen, dann kann es uns später nicht mehr passieren, dass sich Erwachsene damit brüsten, schon in der Schule nichts mit der Physik auf dem Hut gehabt zu haben. Es kann einfach nicht angehen, dass gebildete Mitmenschen, die sich gut in Literatur oder Musik auskennen und trefflich über Kunst und Politik diskutieren können, laut verkünden dürfen, dass es unwichtig sei zu wissen, was nun aus der Steckdose komme und wie ein Computer oder das GPS funktionieren, ohne dabei vor Scham rot zu werden. Diese Leute sind es dann womöglich, die sich über Energieprobleme oder die Strahlenbelastung von Handys auslassen und die entsprechenden Entscheidungsprozesse beeinflussen.

Eine zentrale Rolle in der Ausbildung junger Menschen kommt natürlich der Schule zu. Hier müssen dem Trend einiger Bundesländer entgegenwirken, die Physik als eigenständiges Schulfach in Umfang und Inhalt einzuschränken und in einem eher diffusen Schulfach Naturwissenschaft und Technik aufgehen zu lassen. Auch sollten wir darauf hinwirken, die Inhalte des physikalischen Schulunterrichts zu reformieren und einen Teil der formalen, eher abstoßenden Vermittlung von Formeln und Fakten durch eine stärker motivierende Behandlung spannender Themen aus Physik und Technik und durch mehr direkte Anschauung zu ersetzen.

j) Lehrerausbildung:

Die Schule bringt mich zum nächsten wichtigen Punkt, der Lehrerausbildung, und der Einführung des BaMa Systems in der Lehrerausbildung.

Allem voran gilt es, die Lehrerausbildung signifikant zu verbessern. Wenn wir ehrlich sind, so haben die Fakultäten die Physiklehrer-Ausbildung in der Vergangenheit oft sträflich vernachlässigt oder zumindest zu wenig ernst genommen. Wenn gute und hoch motivierte Physiklehrer dabei herauskamen, war das häufig dem Zufall und der Persönlichkeitsstruktur der Beteiligten, nicht aber der Hochschulausbildung als solcher zu verdanken. Hier muss es zu einem Umdenkprozess bei den forschungsorientierten Physikern und Professoren und bei den Verantwortlichen in den Ministerien kommen, denn wir sollten die nachhaltige Wirkung eines hoch motivierten, kompetenten und vielleicht sogar begeisternden Physiklehrers keinesfalls unterschätzen. Dabei denke ich nicht nur an die Rekrutierung unseres Forschernachwuchses sondern vor allem an die langfristige Ausstrahlung und an die Erziehung unserer Gesellschaft. Und ich denke auch an die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft.

Aufgrund der Länderhoheit in Bildungsfragen führt die Umstellung der Lehrerausbildung, die bisher schon in verschiedenen Bundesländern sehr unterschiedlich war, zukünftig zu noch größeren Abweichungen. Damit wird nicht nur die Mobilität der wichtigen Berufsgruppe Lehrer merklich weiter eingeschränkt, es wird auch die Ausbildung an den Schulen der verschiedenen Bundesländer stärker auseinander driften.

Die DPG hat in einer kürzlich veröffentlichten Studie zur Lehrerausbildung Stellung bezogen und sich spät, aber vielleicht noch rechtzeitig in die Diskussion eingeschaltet. Auch wenn diese Studie nicht überall den gleichen Beifall findet - dazu sind bei dieser Thematik die Meinungen zu verschieden –, so hat sie doch das große Verdienst, viele Schwächen und Probleme der derzeitigen Entwicklung aufzuzeigen, eine Wunschvorstellung als mögliches Ziel zu skizzieren und die Beteiligung der DPG an der Diskussion der weiteren Entwicklung zu offerieren. Ich denke, dass die DPG sich in dieser Diskussion in zweierlei Hinsicht betätigen sollte. Zum einen sollte sie im Inneren dahingehend wirken, dass die Hochschulen die Physiklehrer-Ausbildung zu einem zentralen Anliegen machen, und zum anderen sollte sie auf politischer Ebene den Fliehkräften des Ländereigensinns und des Reformübereifers entgegen wirken.

k) Die Rolle der DPG in Gesellschaft und Politik:

Aus dem bisher Gesagten ist sicherlich klar geworden, dass sich die Rolle der Deutschen Physikalischen Gesellschaft als größter und ältester solcher Gesellschaften weltweit nicht auf die Verwaltung ihrer 51000 Mitglieder und auf die Organisation von Konferenzen beschränken darf. Das war in der Vergangenheit nicht so und das darf auch in der Zukunft nicht so sein. Vielmehr muss sich die DPG den Herausforderungen unserer Zeit und in unserer Gesellschaft stellen und die Denk- und Reformprozesse aktiv gestalterisch und unmittelbar begleiten.

Die Bandbreite der Aktivitäten sollte dabei die Jugend und die Schulausbildung genauso wie die Hochschulausbildung der Physiklehrer, Physiker und der Studierenden angrenzender Fächer umfassen. Die DPG muss die Forschung an Universitäten, Forschungseinrichtungen und in der Industrie unterstützend und kritisch begleiten und den Dialog zwischen den genannten Partnern fördern. Vor allem aber muss die Gemeinschaft der Physiker und damit die DPG die Physik in die Gesellschaft tragen; sie muss umfassend, ideologiefrei und möglichst neutral informieren, dabei die Öffentlichkeit suchen und die Politik beraten. Dazu können Aktionen wie das Einsteinjahr, die verschiedenen Studien, die Reden unserer Repräsentanten und persönliche Gespräche genauso beitragen wie die Arbeit und Kommunikation jedes Einzelnen von uns. Der DPG kommt hier eine Vorreiterrolle und Vorbildfunktion zu. Und die DPG kann aufgrund ihrer Mitgliederstärke und der meist klar formulierten und möglichst neutral gehaltenen, strikt an der Sache orientierten Stellungnahmen auf ein offenes Ohr der staatlichen Entscheidungsträger hoffen.

l) Das Programm der nächsten zwei Jahre:

Aus diesen Ausführungen ergibt sich ein Teil des Programms des neuen Präsidenten und der amtierenden Organe der DPG. Hinzu kommen einige wichtige Punkte, die sich aus den Entwicklungen der letzten Zeit und aus den derzeitigen und künftigen Rahmenbedingungen ergeben. Ich will einige der wichtigen Punkte stichpunktartig zusammenfassen:

Block A: Ausbildung und Nachwuchs

  1. Die Begleitung des Bolognaprozesses mit der bundesweiten Einführung der BaMa Studiengänge sollte uns weiterhin intensiv beschäftigen.
  2. Die Erhaltung akzeptabler Randbedingungen für die Physikpromotion ist ein Thema von zentraler Bedeutung, bei dem wir – wie auch bei der BaMa Frage – intensiv mit der Konferenz der Fachbereiche zusammenarbeiten müssen.
  3. Die Verbesserung der Lehrerausbildung und deren Vergleichbarkeit über die Ländergrenzen hinweg müssen uns künftig stärker am Herzen liegen.
  4. Der Dialog mit der Jugend und dem Nachwuchs ist für eine Gesellschaft mit einem Durchschnittsalter ihrer Mitglieder von 34 Jahren eine Notwendigkeit. Einige Stichworte sind Jugend und Schule, Junge DPG, Juniorprofessoren und Habilitation, und Vermittlung von Kontakten zur Wirtschaft.

Block B: Forschung und Präsentation von Forschungsergebnissen

  1. Die Begleitung der Exzellenzinitiative und ihrer Auswirkungen auf die Hochschul- und Forschungslandschaft muss uns ein Anliegen sein, auch um rechtzeitig auf Probleme und Konsequenzen hinweisen zu können.
  2. Die Unterstützung wichtiger nationaler oder internationaler Forschungsinitiativen kann für die deutsche Forschungslandschaft sehr hilfreich sein. Die DPG sollte sich dort engagieren, wo sie das in neutraler Weise tun kann.
  3. Die Optimierung unserer Tagungen ist auf gutem Wege, bedarf aber noch einiger Anstrengungen.
  4. Die Unterstützung und die Weiterentwicklung unserer Veröffentlichungsorgane, Physikjournal und New Journal of Physics, sind weiterhin von zentraler Bedeutung.

Block C: Internationale Zusammenarbeit

  1. Der Ausbau der Kontakte zu anderen Physikalischen Gesellschaften könnte an einigen Stellen verbessert werden, wobei dies idealerweise im Rahmen konkreter Projekte oder spezieller Ereignisse erfolgen sollte.
  2. Das Engagement in den internationalen Physikervereinigungen wie EPS und IUPAP sollte vor allem anhand von konkreten Zielen und Zusammenarbeiten verstärkt werden.
  3. Der Erfolg von Studien und die Resonanz auf politische Äußerungen der Wissenschaft sind vor allem dann besonders groß, wenn viele Mitglieder dahinter stehen. Deshalb sollten gemeinsame Studien mit anderen großen Physik-Gesellschaften zu globalen Fragen angedacht werden.

Block D: Öffentlichkeitsarbeit und Dialog mit der Politik

  1. Die DPG muss verstärkt den Dialog mit der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft suchen; der in den letzten Jahren eingeschlagene Weg muss deshalb konsequent fortgesetzt und ausgebaut werden. Dazu gehören auch kurze Reaktionszeiten, wobei der eventuell erforderliche Beratungsbedarf kurzfristig gedeckt werden muss.
  2. Die Öffentlichkeitsarbeit ist bereits sehr erfolgreich; dennoch sollte eine Erweiterung angestrebt werden, wo immer dies möglich ist.
  3. Die Vorbereitung des Max-Planck-Jahrs 2008 steht an; über den Umfang und Inhalt der entsprechenden Aktivitäten müssen wir uns jetzt Gedanken machen.
  4. Die sehr erfolgreiche Erarbeitung von Studien zu aktuellen Themen mit entsprechender Präsentation und Diskussion muss fortgesetzt werden.

Block E: DPG-interne Themen

  1. Die DPG muss die Kommunikation mit ihren Mitgliedern verbessern und ihr Leistungsspektrum besser bekannt machen. Dies betrifft in besonderem Maße die Physikerinnen und Physiker in der Industrie.
  2. Der Ausbau der Geschäftsstelle und die Verbesserung des Mitgliederservice sind gut vorangekommen, aber noch nicht abgeschlossen.
  3. Die neue Satzung mit ihren Ausführungsbestimmungen muss zu Ende diskutiert und zur Abstimmung gebracht werden.
  4. Die Lösung anstehender Fragen bezüglich des Physikzentrums in Bad Honnef und des Magnushauses ist zusammen mit den anderen Beteiligten anzustreben.

Die Liste der Vorhaben und Aufgaben ist lang, obwohl ich einige Punkte weggelassen habe und an andere nicht oder noch nicht gedacht habe. An manchen Punkten gibt es bereits sehr konkrete Vorstellungen, an anderen müssen sich diese erst im Gespräch oder nach ersten Schritten konkretisieren. Fast allen Punkten ist gemeinsam, dass sie nicht allein Aufgabe des Präsidenten, sondern im Gegenteil häufig Aufgabe der einzelnen Vorstandsmitglieder oder des Hauptgeschäftsführers sind. Sie haben dennoch Aufnahme in meine Liste gefunden, weil ich mich als Leiter eines Teams verstehe und darauf baue und vertraue, dass wir die vor uns liegenden Aufgaben gemeinsam bewältigen werden und im notwendigen Umfang und in der nötigen Qualität auch nur gemeinsam bewältigen können. Ich freue mich auf die vielen Herausforderungen und eine gute Teamarbeit.

 
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