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Prof. Dr. Eberhard Umbach, Karlsruhe
am 13. April 2010

Rede des scheidenden Vizepräsidenten
zur Präsidentschaftsübergabe im Magnus-Haus, Berlin

Lieber Herr Litfin, lieber Wolfgang,
Liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie alle sehr herzlich zur Präsidentschaftsübergabe der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Das Amt des Präsidenten wechselt heute bekanntlich von Gerd Litfin auf Wolfgang Sandner im Rahmen eines kleinen Festakts, der heute bei seiner vierten Wiederholung schon fast als gute Tradition der DPG bezeichnet werden kann. Und mir als scheidendem Vizepräsidenten obliegt die Aufgabe – und es ist mir eine Ehre und Freude -, diese Veranstaltung zu eröffnen, - ein letzter offizieller Akt nach fünfjähriger, teilweise sehr intensiver Vorstandstätigkeit im Dienste dieser traditionsreichen und ehrwürdigen Gesellschaft und Gemeinschaft der Physiker.

Ich freue mich sehr, aus diesem Anlass in so viele vertraute Gesichter blicken zu dürfen, von denen ich ein paar, stellvertretend für alle anderen, in meiner Begrüßung herausgreifen möchte: Mit Knut Urban, meinem Vorgänger, und Alex Bradshaw, meinem Vor-, Vor-, Vor-, Vorgänger, sind gleich zwei ehemalige Präsidenten zugegen, und mit Peter Egelhaaf ist eines unserer vier lebenden Ehrenmitglieder anwesend. Seien Sie herzlich gegrüßt. Ich freue mich außerdem, Dieter Röß, den Vorsitzenden der uns sehr verbundenen Wilhelm- und Else-Heraeus Stiftung, und Frau Jutta Koch-Unterseher zu begrüßen, die Abteilungsleiterin Forschung in der Berliner Senatsverwaltung ist und als Kuratoriumsvorsitzende des Forschungsverbunds Berlin eine Art Vorgesetzte des neuen Präsidenten ist. Besonders freue ich mich natürlich, einige Mitglieder des DPG-Vorstands und einige Mitglieder der DPG-Geschäftsstellen hier zu sehen, mit denen ich außerordentlich gerne zusammen gearbeitet habe. Doch davon später.

Für mich ist das heute die dritte derartige Veranstaltung: an der ersten habe ich mit Spannung, sozusagen in gespannter Erwartung teilgenommen, weil ich noch nicht so genau wusste, was mich als Präsident erwarten würde. Bei der zweiten hatte ich eine eher entspannte Erwartung, weil ich das Präsidentenamt in fähige und engagierte Hände übergeben konnte. Und heute bei der dritten kann ich meinen kurzen Rückblick fast schon als etwas nostalgisch bezeichnen, weil ich aus dem Kreis des hochmotivierten und sehr kollegialen Vorstands ausscheide und die unmittelbare Verantwortung für das Wohl der Deutschen Physikalischen Gesellschaft abgebe.

Bevor ich die Begrüßung abschließe und mich als Vizepräsident verabschiede, möchte ich eine kurze Bilanz meiner vierjährigen Präsidiumstätigkeit ziehen: In meiner Antrittsrede vor vier Jahren hatte ich mein Programm in etwa 20 Punkte unterteilt, gegliedert in fünf Gruppen, denen sich die DPG in meiner Amtszeit als Präsident, aber natürlich auch noch als Vizepräsident, vertieft widmen sollte. Die meisten dieser Punkte waren als Ziele oder als Handlungsschwerpunkte formuliert, so dass sich heute nachprüfen lässt, ob diese Ziele vollständig oder zumindest großteils erreicht wurden, und ob die genannten Themen tatsächlich, das heißt in verstärktem Maße, und mit hinreichendem Erfolg bearbeitet wurden. Gestern Abend habe ich Bilanz gezogen und bin nach dieser Analyse doch einigermaßen zufrieden mit der Arbeit des DPG-Vorstands in den letzten vier Jahren: Etwa 85 % der ursprünglich genannten Ziele bzw. Handlungsschwerpunkte wurden erreicht bzw. erfolgreich bearbeitet, nur 15 % blieben im Wesentlichen unbearbeitet oder waren erfolglos. Außerdem kamen natürlich noch Arbeitsschwerpunkte zusätzlich dazu, an die ich ursprünglich nicht gedacht hatte, so dass die quantitative Erfolgsquote insgesamt erfreulich hoch ist.

Allerdings muss kritisch angemerkt werden, dass oft die Zeitskala wesentlich länger war als ursprünglich gedacht und geplant und dass der Erfolg der Bemühungen manchmal nicht ganz so groß wie erhofft war. Über diesen Punkt möchte ich noch eine kritische Bemerkung anfügen: zwei Jahre Amtszeit als Präsident sind eine lange Zeit für ein so arbeits- und zeitintensives Ehrenamt, aber zwei Jahre sind eigentlich auch viel zu kurz, um komplexe Probleme zu lösen oder schwierige Ziele zu erreichen. Bevor man ein Thema ausdiskutiert, Beschlüsse gefasst, Maßnahmen eingeleitet und durchgefochten, und das Ganze schließlich erfolgreich zu Ende gebracht hat, sind zwei Jahre längst ins Land gezogen und der Nachfolger steht vor einer unfer-tigen Baustelle, die oft nicht einmal im Rohbau fertig gestellt ist. Dann merkt man sehr deutlich, was für ein Glücksfall es ist, einen kongenialen Nachfolger zu haben, mit dem man die angefangenen Projekte ohne Bruch weiter- und erfolgreich zu Ende führen kann und der sich den gleichen Themen im gleichen Geiste widmet und dadurch das Angefangene zwar mit eigener Schwerpunktsetzung und mit neuen Akzenten, aber ohne Bruch zum Erfolg bringt. Vor allem dann, wenn je zwei aufeinander folgende Präsidenten kongenial zusammenarbeiten, wird die DPG insgesamt erfolgreich sein, und dann kann man auch mit jeweils zwei zu kurzen Jahren Amtszeit die gesteckten Ziele ohne größere Einbußen erreichen.

Damit habe ich bereits einen Punkt herausgearbeitet, für den ich meinem Nachfolger sehr dankbar bin und den ich dem scheidenden und dem neuen Präsidenten als Wunsch mit auf den Weg geben möchte.
Woran haben wir also in den letzten Jahren gearbeitet und was haben wir erreicht? Weil dies der Tag der Präsidenten ist, möchte ich mich jedoch ganz kurz fassen und nur auf einige wichtige Projekte eingehen, die in meiner Amtszeit als Präsident und Vizepräsident im Sinne der gerade erwähnten Kontinuität im Fokus unserer Arbeiten standen. Lediglich zehn Beispiele möchte ich nennen, die für die DPG wichtig und für die beiden Amtszeiten repräsentativ sind:

  • Beginnen möchte ich mit dem Physikzentrum Bad Honnef: zu Beginn hatte ich mir vorgenommen, den Megaproblemkomplex Physikzentrum mit einem eigentumsrechtlich nicht abgesicherten Hörsaalneubau, einer völlig diffusen Vertragssituation bezüglich des Betriebs einschließlich der finanziellen Verantwortungen, einem höchst sanierungs- und modernisierungsbedürftigen Bauwerk und einem beträchtlichen zusätzlichen Unterbringungsbedarf einer zufriedenstellenden Lösung zuzuführen. Ich bin sehr froh, dass es uns mit vereinten Kräften nach vier Jahren schließlich gelungen ist, zumindest mit Hilfe der Heraeus Stiftung, der Uni Bonn und des Landes NRW die Vertrags- und Finanzierungsprobleme zu lösen, wenn auch die Hauptarbeit, nämlich die eigentlichen Bauarbeiten noch vor uns, oder genauer: vor Ihnen, liegen.
  • Zweitens das Magnus Haus: bei diesem, für die DPG so wichtigen und vor allem für die Berliner Kollegen und die geschichtsbewussten DPG Mitglieder so emotionalen Thema ist uns der Erfolg trotz intensivster Bemühungen leider versagt geblieben. Nach einer zu Hoffnungen Anlass gebenden Kontaktaufnahme zwischen Herrn Urban und Herrn Radomski vom damaligen Siemensvorstand erfolgte vor zwei Jahren bei beiden Gesprächspartnern ein Wechsel. Die anschließenden Gespräche zwischen Herrn Requardt, ebenfalls im Zentralvorstand von Siemens, und mir verliefen in sehr guter Atmosphäre und sahen anfangs sehr viel versprechend aus. Sie sind aber mittlerweile auf der Arbeitsebene stecken geblieben, so dass man dieses Projekt zu unserem größten Bedauern vorerst als Misserfolg buchen muss.
    Vielfältige Erfolge hatten wir jedoch in vielen anderen Bereichen, die hier nur exemplarisch und summarisch genannt werden sollen, wie zum Beispiel:
  • drittens eine in bestem Einvernehmen verabschiedete große Satzungsänderung, die uns eine gute, klare und eindeutige Arbeitsgrundlage verschafft hat und fast fehlerfrei ist;
  • viertens eine mittlerweile exzellente, effiziente und sehr einvernehmliche Zusammenarbeit mit der Konferenz der Fachbereiche Physik, die über eine neue KFP-Satzung geregelt ist und mit Hilfe eines neuen Exekutivausschusses sehr schnell handlungsfähig und effektiv in Ergeb-nisse umgesetzt wird. KFP und Exekutivausschuss werden vom zuständigen Vorstandsmitglied geleitet; der Präsident nimmt in der Regel zur engeren Vernetzung an allen Sitzungen teil, was sich ebenfalls sehr bewährt hat;
  • dadurch konnten fünftens die Entwicklungen der Bachelor und Masterstudiengänge Physik eingehend analysiert und teilweise auch positiv beeinflusst werden,
  • und sechstens zur Verhinderung der Verschulung und Entwertung der Physikpromotion maßgebliche Beiträge geleistet werden, die uns vorerst vor einer Verschlechterung der Promo-tionssituation bewahren;
  • zu den Erfolgen gehören – siebtens - auch der Ausbau der Beziehungen zu den Schulen und ihren Vertretern, die Beiträge zur Quer- und Seiteneinsteiger-Problematik und das Engagement der DPG für die Lehrerausbildung und Lehrerweiterbildung, das sich vor allem mit Hilfe der nachdrücklichen Unterstützung durch die WE Heraeus Stiftung zu einem Erfolgsmodell zu entwickeln scheint (ein Stichwort ist Fobinet);
  • des Weiteren entwickeln sich – achtens - die Tagungen zu einem immer größeren Erfolgsmodell, zum einen durch Konzentrierung auf wenige Tagungsorte und zum anderen durch eine zunehmende Professionalisierung der Tagungsbüros durch die DPG-Geschäftsstelle. Die Teilnehmerzahlen brechen jedes Jahr neue Rekorde und auch die Zufriedenheit der Teilnehmer und lokalen Organisatoren mit dem Einsatz der sehr professionellen Mitarbeiter der Geschäftsstelle nimmt beständig zu.
  • Schließlich hat die DPG - neuntens - eine sehr erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit gemacht, sei es durch Pressemitteilungen oder Studien, oder durch Auftritte der Präsidenten und Vorstandsmitglieder bei verschiedenen Anlässen mit entsprechenden Reden oder durch persönliche Kontakte mit Verantwortungsträgern und entsprechende Resonanz. Damit wird die DPG in der Öffentlichkeit zunehmend wahrgenommen und ist auch für die Politik bisweilen ein interessanter Partner und Berater. Insbesondere die mittlerweile beträchtliche Zahl der Studien und die Viel-falt und Aktualität ihrer Themen hat die Wahrnehmung der DPG nach innen und nach außen sehr deutlich erhöht.
  • Damit bleibt mir – zehntens – nur noch der sehr erfolgreiche Ausbau der Geschäftsstelle durch zusätzliche Referenten zu erwähnen übrig, denn ich wollte nur zehn Beispiele bringen. Dieser Ausbau hat nicht nur die Bewältigung eines sehr viel größeren Spektrums an Projekten und Aufgaben ermöglicht, sondern hat vor allem die Arbeit der Geschäftsstelle zum Nutzen der Mitglieder und zum Nutzen des Vorstands und damit zum Nutzer der DPG quantitativ und qualitativ sehr deutlich verbessert. Das hat vor allem auch dazu geführt, dass der Vorstand auf Unterstützung durch die Geschäftsstelle zurückgreifen kann – manche Vorstandsmitglieder sind geradezu süchtig danach – und seine Arbeit nicht nur erweitern sondern zunehmend auch verbessern kann. Und es hat im Übrigen auch dazu beigetragen, dass die Arbeit im Vorstand der DPG noch mehr Spaß macht, weil sie ergiebiger und wegen der Unterstützung stressreduziert ist.

Mit dem zehnten Beispiel und der Arbeit von Vorstand und Geschäftsstelle komme ich zum Ende meiner kurzen und zugegebenermaßen sehr unvollständigen Bilanz und kann nahtlos zum letzten Teil meiner Ausführungen überleiten, zur obligatorischen Danksagung. Obligatorisch heißt in diesem Fall „zwingend erforderlich“, nicht weil die Danksagung eine zu leistende Pflicht ist, sondern vor allem weil sie mir ein Herzensanliegen ist.

Mit dem gesamten Vorstand und mit meinem Nachfolger habe ich außerordentlich gerne zusammengearbeitet. Die Arbeit im Vorstand und insbesondere die Vorstandssitzungen der letzten Jahre waren äußerst angenehm und verliefen in großer Harmonie. Die Diskussionen wurden mit außerordentlicher Kompetenz und sehr ergebnisorientiert geführt. Ich hatte während der Vorstandssitzungen, - vielleicht auch dank der reduzierten Verantwortung als Vizepräsident -, manchmal den Eindruck einer echten Erholung vom Alltagsstress. Und dabei wurde vom Vorstand in den letzten Jahren ein zunehmendes, zum Teil enormes Pensum bewältigt. Die Berichte der Vorstandsmitglieder haben in den letzten vier Jahren nicht nur an Volumen sondern auch an Inhalten merklich zugenommen. Ich möchte Ihnen, liebe Vorstandskollegen, für die geleistete Arbeit, für Ihr großes Engagement, für Ihre Teamfähigkeit und für die harmonische Zusammenarbeit sehr herzlich danken. Ebenso großer Dank richtet sich an die Mitglieder der beiden Geschäftsstellen in Bad Honnef und in Berlin. Sie haben immer gute und beste Arbeit gemacht, manchmal Phantastisches geleistet und waren dabei immer hilfsbereit, freundlich und meist sogar erfrischend gut gelaunt und lustig. Ein Verein, der so einsatzfreudige, effiziente, erfolgreiche und menschlich angenehme Geschäftsstellen hat, muss nicht nur dankbar sein, sondern muss sich glücklich schätzen, denn eine solche Kombination ist äußerst selten und ganz besonders erfolgreich. Zwei Personen möchte ich hier namentlich nennen, weil sie mit mir in besonderer Weise zusammengearbeitet und mich in jeder Beziehung optimal unterstützt haben.

Die eine ist Peter Genath, der mich als persönlicher Referent des Präsidenten auch als Vizepräsident stets unterstützt und mir zum Beispiel einen Großteil meiner DPG-Reden entworfen hat. Herr Genath, die Zusammenarbeit mit Ihnen hat sehr viel Spaß gemacht und hat mir sehr geholfen, nicht zuletzt weil mir Ihr besonderer Humor und Ihre leicht vibrierende Gelassenheit immer sehr gut gefallen haben.

Die andere Person ist Bernhard Nunner, den wohl fast jeder hier im Saal bestens kennt und außerordentlich zu schätzen weiß. Lieber Herr Nunner, was wäre die DPG ohne Sie, wie viel weniger könnten wir leisten und wie viel schlechter wären wir aufgestellt, wenn wir Sie nicht hätten. Wann immer ich eine Frage hatte, bekam ich eine höchst kompetente und sehr präzise Antwort, manchmal auch nach eingehender und prompter Recherche. Wann immer ich etwas zu besprechen hatte, hatte ich einen exzellenten Diskussionspartner in Ihnen. Ich konnte spät abends, sogar Freitagnacht im Büro anrufen und erreichte Sie meist noch dort, und manchmal hatten wir nachts oder Sonntagabend noch E-Mail Kontakt. Ihr Einsatz für die DPG war und ist phänomenal. Wohl der Gesellschaft und wohl dem Präsidenten, der einen solchen Hauptgeschäftsführer hat! Ich danke Ihnen außerordentlich für die äußerst angenehme und in jeder Beziehung optimale Zusammenarbeit.

Last but not least möchte ich Ihnen, lieber Herr Litfin, für die exzellente und sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit danken. Ich kann mich außerordentlich glücklich schätzen, einen solch engagierten und fähigen Nachfolger bekommen zu haben, mit dem die Zusammenarbeit nicht nur so angenehm und reibungsfrei, sondern auch so effizient und erfolgreich verlief. Ich habe vorhin das Wort kongenial benützt, das meiner Meinung nach ziemlich gut beschreibt, dass wir in vielerlei Hinsicht, vor allem in Hinblick auf die Führung der DPG, kongenial, d.h. „geistesverwandt, gleichgesinnt und wesensähnlich“ sind und uns das auch gegenseitig eingestehen können, um spannungsfrei zusammen zu arbeiten. Die Mitarbeit im DPG-Vorstand unter Ihrer Präsidentschaft hat mir sehr viel Freude bereitet.

Und damit kann ich elegant zum nächsten Redner überleiten und mich aus dem Amt des Vizepräsidenten verabschieden. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 
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