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Prof. Dr. Eberhard Umbach, Karlsruhe
am 31. März 2008

Rede des Präsidenten
zur Präsidentschaftsübergabe im Magnus-Haus, Berlin

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

als ich vor zwei Jahren an dieser Stelle stand, habe ich meine Antrittsrede unter das Motto gestellt: „Mehr Physik wagen, denn Physik ist Basis unseres Handelns und zugleich Teil unserer Kultur.“ Diese Worte möchte ich nach den zwei Jahren meiner Präsidentschaft ganz bewusst und gerne noch einmal unterstreichen. Denn die Physik spielt als Basis der Naturwissenschaften und der Technik eine herausragende Rolle,

  • sowohl erstens für die Ausbildung und den Nachwuchs, denn unser Hochtechnologiestandort Deutschland braucht dringend mehr Ingenieure und Naturwissenschaftler, um die Herausforderungen der Zukunft zu bestehen,
  • als auch zweitens als „Generator“ für neue Ideen und Konzepte, die direkt oder indirekt Eingang in industrielle Produkte und in die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft finden, - es muss ja nicht immer ein Nobelpreis dabei herausspringen -,
  • und drittens als zentrales und übergreifendes, oft ganzheitliches Instrument zur Bewältigung der großen Probleme unserer Zeit, auf die ich mit den Stichworten Klimaschutz und Energieversorgung nur exemplarisch hinweisen möchte,
  • sowie schließlich viertens als wesentlicher Bestandteil unserer Kultur und unseres modernen Weltbildes, das Natur und Technik mit Geschichte, Kunst und Philosophie in Einklang bringen muss.

Dass die Physik dabei als Informant und Ratgeber der Gesellschaft und der Politik in der Pflicht steht, liegt auf der Hand. Auch in meiner Amtszeit hat sich gezeigt, dass diese zentrale Botschaft und Aufgabe mehr denn je auch durch die DPG wahrgenommen werden muss. Die DPG, und dabei vor allem der Präsident und der Vorstand, müssen sich in die öffentlichen Diskussionen einmischen, manchmal auch kontrovers, müssen zu wichtigen Themen Stellung beziehen und Denkanstöße geben. Das muss sorgfältig recherchiert und wohl überlegt, vor allem aber auch zeitnah geschehen, denn unsere Zeit ist schnelllebig, und Fehlentscheidungen sind nur schwer rückgängig zu machen.

Die letzten Monate waren für die Wahrnehmung der Grundlagenwissenschaften Physik und Chemie und ihrer Bedeutung für die Gesellschaft von besonderer Wichtigkeit. Das lag natürlich an der Verleihung der Nobelpreise für Physik und Chemie an die DPG-Mitglieder Peter Grünberg und Gerhard Ertl. Wer zum Beispiel bei der Jahrestagung vor einem Monat in Berlin miterlebt hat, mit welcher Begeisterung und tief empfundener Anerkennung das abendliche Publikum in der Urania und die Festversammlung beim Festakt die beiden Nobelpreisträger mit stehenden Ovationen gefeiert haben, der mag ermessen, welche Werbewirkung die beiden für die Naturwissenschaften in Deutschland haben. Ich bin den beiden Laureaten deshalb außerordentlich dankbar, dass sie sich – wann immer es geht und trotz der damit verbundenen enormen Beanspruchung – in den Dienst der Naturwissenschaften stellen und öffentlichkeitswirksam für den Forschungsstandort Deutschland werben. Besser als alle Worte weisen sie durch ihr Beispiel nach, dass die Grundlagenforschung in Deutschland in manchen Gebieten internationale Spitze ist und dass sie der industriellen Wertschöpfung sehr erfolgreich dienen kann, wenn man der Kreativität und dem Forscherdrang genügend Spielraum lässt. Vor allem aber geben sie dem naturwissenschaftlichen Nachwuchs und der Öffentlichkeit ein wunderbares Beispiel und werben damit für die Forschung, zum Beispiel bei der vergangenen Jahrestagung oder bei den nächsten „Highlights der Physik“ im September in Halle.

Lassen Sie mich nun zum Hauptteil meiner Rede kommen:

„Der Wechsel allein ist das Beständige“.

So hat es Arthur Schopenhauer einmal formuliert. Und dieser Wechsel gibt mir heute die schöne Gelegenheit, zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. Dazu möchte ich als erstes meinen Dank aussprechen. Denn eine Präsidentschaft kann nicht wirklich erfolgreich sein ohne ein gut funktionierendes Team. Ohne die engagierte und unermüdliche Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen im Vorstand, die sich in ihrer praktisch nicht vorhandenen Freizeit unermüdlich für die Belange der DPG eingesetzt haben, und ohne die DPG-Geschäftsstelle mit ihrem Hauptgeschäftsführer Bernhard Nunner wären die vielen Projekte, auf die ich teilweise noch eingehen werde, nicht erfolgreich gewesen. Ich möchte allen für die ausgezeichnete Zusammenarbeit sehr herzlich danken. Hervorheben möchte ich die Vorstandskollegen, die jetzt turnusmäßig aus dem Amt ausscheiden, die Kollegen Samwer, Schultz und Weigelt. Sie haben großartiges Engagement gezeigt und sich für die Gemeinschaft der Physiker in herausragender Weise eingesetzt. Die anregenden Diskussionen mit ihnen haben die Vorstandssitzungen immer zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht.

Besonders hervorheben und würdigen möchte ich meinen Amtsvorgänger, Knut Urban, der während seiner Präsidentschaft mit großem Weitblick und außerordentlichem Engagement die Geschicke der DPG gelenkt hat und der nun nach zwei weiteren Jahren als Vizepräsident endgültig aus dem Vorstand ausscheidet. Herr Urban, der zuvor auch schon Mitglied im Vorstandsrat und Vorstand für Zeitschriften und Öffentlichkeitsarbeit war, hat entscheidend die Weichen dafür gestellt, dass die DPG heute sehr professionell aufgestellt und hoch leistungsfähig ist. Das gilt für die Gremienarbeit und den Ausbau der Geschäftsselle ebenso wie für die Außenwirkung der DPG durch verschiedene Reden, Studien und Stellungnahmen. Herr Urban hat in seiner langjährigen Arbeit für die DPG eine beeindruckende Erfolgsbilanz aufzuweisen, weil er sich in vorbildlicher und aufopferungsvoller Weise gekümmert und unglaublich viel Herzblut in die DPG gesteckt hat. Seine Erfolge alle im Detail zu nennen, würde meine Redezeit sprengen. Als einziges Beispiel möchte ich das Einsteinjahr 2005 hervorheben, das in jeder Hinsicht ein absolutes Highlight für die Physik und die DPG war und das von Herrn Urban in Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle und dem Hauptgeschäftsführer in bravouröser und grandioser Manier gestaltet wurde. Lieber Herr Urban, ich möchte Sie nun als Vizepräsident verabschieden, verbunden mit der Hoffnung, dass die DPG auch zukünftig auf Ihren Rat und Ihre Erfahrung zurückgreifen darf. Vor allem aber möchte ich Ihnen im Namen der gesamten DPG für Ihre großen Leistungen und Ihren hervorragenden Einsatz unseren sehr herzlichen Dank aussprechen.

In den Dank für den Vorstand möchte ich all jene einschließen, die sich für die Belange der Physiker und der DPG eingesetzt haben und einsetzen. Dazu gehören die Fachverbandsleiterinnen und -leiter, die Arbeitskreissprecher und die Mitglieder der verschiedenen Gremien der DPG. Ihnen alle danke ich für ihr vorbildliches Engagement für unsere Gesellschaft und für die gute Zusammenarbeit. Und natürlich möchte ich im Hinblick auf das Markenzeichen der DPG, die höchst erfolgreichen Frühjahrstagungen, den örtlichen Tagungsleitern und allen Beteiligten große Anerkennung aussprechen. Wenn man bedenkt, dass die DPG in diesem Jahr mittlerweile ihr 55.000stes Mitglied begrüßen durfte, dann wird deutlich, welche Dimension das ehrenamtliche Engagement für die DPG bekommen hat und welche Professionalität von allen Beteiligten verlangt wird. Übrigens hat der Computer – welche Symbolik! - eine Nachwuchsphysikerin als 55.000stes Mitglied ermittelt und das ohne jegliche Manipulation.

Unsere Tagungsorganisation bewegt sich mittlerweile auf sehr hohem technischem Niveau, das darüber hinaus fortlaufend verbessert wird. Zum Beispiel konnte bei den diesjährigen Frühjahrstagungen, bei denen übrigens mit über 9.000 Teilnehmern ein neuer Teilnehmerrekord erzielt wurde, eine Innovation eingeführt werden: Durch einen „Self-Check-in“ ist es nun allen vorangemeldeten Teilnehmern möglich, in Rekordzeit selbst einzuchecken, ähnlich wie bei den Express-Terminals vieler Fluggesellschaften. Alle Verbesserungen der letzten Jahre, der ausgezeichnete Service für die Mitglieder und die vielen Veranstaltungen und Aktionen wären ohne die hervorragende Arbeit der DPG-Geschäftsstelle nicht möglich gewesen. Deshalb möchte ich dem Hauptgeschäftsführer, Bernhard Nunner, und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Bad Honnef und in Berlin für ihre großartige Arbeit und ihren unermüdlichen Einsatz ganz herzlich danken. Da wir heute im Berliner Magnus-Haus zu Gast sind, nenne ich stellvertretend für das gesamte Team nur die „Berliner“, nämlich Frau Ranft, Herrn Holzinger, Herrn Degenhardt und Herrn Rieger. Einen Bad Honnefer möchte ich aber trotzdem noch erwähnen. Herr Genath hat mich als Referent des Präsidenten bei meinen zahlreichen Aktivitäten außerordentlich unterstützt, wofür ich ihm persönlich sehr herzlich danken möchte.

Nach dieser ausführlichen Danksagung, die vom Herzen kommt und nicht von ungefähr ein Drittel meiner Redezeit in Anspruch genommen hat, möchte ich nun auf einige Entwicklungen und Ergebnisse aus meiner Amtszeit eingehen. Aber keine Sorge, ich werde nur wenige Punkte beispielhaft herausstellen, um Ihre Geduld und Ihre Neugier auf den neuen Präsidenten nicht allzu sehr auf die Folter zu spannen. Zur Vorbereitung dieser Rede habe ich natürlich meine Antrittsrede vom März 2006 wieder gelesen. Diese Rede enthielt viele Punkte, Absichten und Wünsche, und die zwei Jahre sind sehr schnell vergangen. Dennoch war ich erstaunt, an wie vielen Themen wir in diesen zwei Jahren erfolgreich gearbeitet und wie viele Projekte wir in Angriff genommen haben. Außerdem war ich etwas überrascht, dass die großen Anliegen und Ziele im Wesentlichen die gleichen geblieben sind. Mit wenigen Änderungen wäre die Antrittsrede auch heute noch aktuell, auch wenn bei vielen Themen signifikante Fortschritte erzielt und einige Projekte abgeschlossen wurden. Die Welt und die Gesellschaft ändern sich eben in zwei Jahren nicht wesentlich, auch wenn man in so bewegten Zeiten wie den jetzigen lebt. Im Folgenden möchte ich deshalb nur ein paar Beispiele herausgreifen, mit welchen sich die DPG während meiner Amtszeit einerseits besonders beschäftigt hat, und die andererseits auch zukünftige Herausforderungen darstellen.

Beginnen möchte ich mit der Verantwortung der Physik für die Gesellschaft und besonders auch für die Aufarbeitung der Geschichte der Physik und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Schon aufgrund der langen Zeit ihres Bestehens und ihrer Stellung als große naturwissenschaftliche Fachgesellschaft ist die Beschäftigung mit ihrer Geschichte ein wichtiges Anliegen und eine Verpflichtung der DPG. Deshalb initiierte die DPG 2001 ein Forschungsvorhaben, das sich mit der Rolle der DPG im Nationalsozialismus beschäftigte. Die Veröffentlichung dieser Studie zur Geschichte der DPG im Dritten Reich, erschien Anfang 2007 in Buchform im Verlag Wiley VCH. Sie ist auch ein Appell, dass uns Deutschen die Beschäftigung mit unserer jüngeren Geschichte immer ein zentrales Anliegen und eine besondere Verpflichtung bleiben muss. Es gilt, stets wachsam zu sein und die eigenen ethischen und moralischen Maßstäbe und unsere Bereitschaft zum Widerstand und zur Zivilcourage zu überprüfen. Den Autoren und den Herausgebern Mark Walker und Dieter Hoffmann gebühren großes Lob und herzlicher Dank für die erfolgreiche Durchführung dieses Projekts.

Die Verantwortung der Physik war und ist auch im Hinblick auf die Folgen und Gefahren der gesellschaftlichen Entwicklung und der Politik gefordert. Im letzten Jahr fand am 50sten Jahrestag der Göttinger Erklärung, in der sich 18 prominente deutsche Wissenschaftler, die meisten Physiker, gegen eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr ausgesprochen hatten, eine Festveranstaltung an der Universität Göttingen statt, die von der Universität und der DPG gemeinsam veranstaltet wurde. Die Göttinger Erklärung ist die wohl erfolgreichste und am meisten beachtete Erklärung gegen die atomare Bewaffnung der Bundesrepublik Deutschland. Sie zeigt exemplarisch, dass die Wissenschaftler eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung tragen, die sie in besonderen Fällen zum Wohl der Gesellschaft wahrnehmen müssen. Das Jubiläum der Göttinger Erklärung und die Veranstaltung in Göttingen fanden ein lebhaftes Echo in Funk, Fernsehen und Printmedien, einschließlich eines Berichts mit Interview in der Tagesschau. Ich erwähne dies, weil hieran deutlich wird, dass die DPG bei geeigneten Anlässen gehört und wahrgenommen wird.

Als nächstes möchte ich zur Hochschulpolitik kommen. Derzeit befindet sich unser gesamtes Bildungssystem im schnellen Wandel. Mit dem so genannten „Bologna-Prozess“ haben in der Hochschulausbildung, und damit ebenfalls im Physikstudium, fundamentale Veränderungen eingesetzt. Die DPG und die Konferenz der Fachbereiche Physik, die KFP, begleiten und gestalten diesen Prozess mit. Die Umstellung bietet Chancen, aber auch Risiken, da die Physik in Deutschland mit dem international hoch geschätzten Diplom ein etabliertes und einigermaßen einheitliches Markenzeichen verliert. Hier konnte die DPG zusammen mit der KFP mit ihren bereits 2004 verabschiedeten Empfehlungen zum Bachelor- und Masterstudium eine wertvolle Orientierungshilfe anbieten. Eine erste Zwischenbilanz im Jahr 2007 hat gezeigt, dass diese Empfehlungen von den Fachbereichen annähernd flächendeckend aufgegriffen wurden. Allerdings bereiten mir einige jüngste Entwicklungen Sorgen. Zum einen lässt die mancherorts anzutreffende Komprimierung der als wesentlich erachteten Physikstudieninhalte von bisher vier Diplom- auf dann drei Bachelorjahre zusammen mit dem Prüfungsdauerdruck eine erhöhte Abbrecherquote und eine Qualitätsreduzierung befürchten. Für beides gibt es erste Hinweise, beides wären verheerende Entwicklungen. Zum anderen gibt die große Vielfalt der Masterstudiengänge an Physikfachbereichen, von denen über 40% keine reinen Physikstudiengänge mehr sind, bezüglich der Entwicklung der Disziplin Physik Anlass zur Sorge.

Damit Probleme rechtzeitig erkannt und behoben werden können, sind gute und zeitnahe Informationen, rasche Meinungsbildungsprozesse und Absprachen zwischen den Physikfakultäten vonnöten. Wir brauchen sie, um die Qualität der Physikausbildung zu erhalten, die Mobilität der Studierenden zu erhöhen und die Vergleichbarkeit der Abschlüsse sicher zu stellen. Deshalb freut es mich sehr, dass die bisherige gute Zusammenarbeit zwischen DPG und KFP durch die Gründung eines KFP-Exekutivausschusses im November 2006 auf eine völlig neue und sehr effiziente Basis gestellt werden konnte. Dieser Exekutivausschuss umfasst fünf KFP-Mitglieder, den DPG-Präsidenten oder Vizepräsidenten und den KFP-Vorsitzenden, der zugleich DPG-Vorstandsmitglied ist. Der Ausschuss arbeitet bereits überaus aktiv und erfolgreich. Neben der Möglichkeit, mit kürzesten Reaktionszeiten Meinungsbilder der Physikfachbereiche für gemeinsame Stellungnahmen und Presseerklärungen zu erheben, organisiert er Umfragen, z.B. zur Einführung der neuen Bachelor/Master Studiengänge, zur Vielfalt der Studiengänge sowie zur Verwendung von Studiengebühren. Zudem beschäftigt er sich mit dringenden und aktuellen hochschulpolitischen Themen wie der Einführung von Lehrprofessuren, der Juniorprofessur oder den Curricular Normwerten. Herrn Nienhaus, dem Sprecher der KFP und DPG-Vorstandsmitglied, und Herrn Spindler, der die Rolle des „KFP-Sekretärs“ in der DPG-Geschäftsstelle übernommen hat, möchte ich an dieser Stelle meinen herzlichen Dank für den erfolgreichen Start aussprechen.

Die Zusammenarbeit mit der KFP war auch beim Thema Promotion von großer Bedeutung. Die Promotion ist eine sehr wichtige Phase im Leben eines Wissenschaftlers. Doktorarbeiten sind auch das Herzstück der Grundlagenforschung, denn Doktorandinnen und Doktoranden erbringen mehr als zwei Drittel aller Forschungsleistungen in Deutschland. Mehr als die Hälfte aller jungen Physikerinnen und Physiker schließt eine Doktorarbeit an ihr Studium an und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Forschung in Deutschland. Deshalb müssen Reformen wohlüberlegt sein. Im September 2007 hat die DPG eine Studie zur Promotion veröffentlicht. In dieser stellt die DPG unmissverständlich klar, dass die Einrichtung von strukturierten Promotionsprogrammen nicht zur Verschulung führen darf und dass Doktoranden Wissenschaftler in der ersten Phase ihres Berufes und keine Studierenden im dritten Studienabschnitt sind. Bereits in meiner Antrittsrede hatte ich meine diesbezügliche Sorge zum Ausdruck gebracht. Diese Sorge ist leider heute immer noch aktuell. Bei strikter Einhaltung von drei Jahren Promotionszeit nach einer Regelstudienzeit von 5 Jahren müssen aufwändige Promotionsprogramme zu einer Reduktion der Forschungsleistung im Rahmen der Promotion führen, und das wollen wir alle nicht.

Auf die Bedeutung der Forschungsförderung habe ich in meiner Antrittsrede hingewiesen und u.a. deshalb den Tag der DPG im Jahr 2006 der Forschungsförderung gewidmet. Mit dem Start des European Research Council (ERC) im siebten Rahmenprogramm der EU wurde nämlich ein neues Kapitel der EU Forschungsförderung aufgeschlagen, das wir aufmerksam verfolgen und nachdrücklich unterstützen sollten. Mit dem ERC steigt die Europäische Union endlich in die direkte Förderung der Grundlagenforschung ein, wobei ausschließlich nach Qualitätskriterien und nicht nach Länderproporz oder Anwendungsrelevanz gefördert werden soll. Am Tag der DPG wurden deshalb hochkarätige Vertreter aus BMBF, DFG, Helmholtz-Gemeinschaft und Universitäten zu einer Paneldiskussion eingeladen. Die engagierte Diskussion machte deutlich, dass die Einführung des ERC mit großer Spannung sowohl von Forschern und potenziellen Antragstellern als auch von den Förderinstitutionen erwartet wird.

Die Förderung der Naturwissenschaften, wenn sie dauerhaft und nachhaltig sein soll, darf aber natürlich nicht nur im Bereich der Spitzenforschung erfolgen. Die Förderung muss sehr viel früher ansetzen, und zwar bereits in der Schule und im Kindergarten. Deshalb habe ich zu Beginn meiner Präsidentschaft darauf hingewiesen, dass die Ausbildung der Physiklehrer durch die Fachbereiche in der Vergangenheit, wenn man ehrlich ist, oftmals sträflich vernachlässigt wurde. Es ist häufig nur dem Zufall zu verdanken, dass sehr gute und hoch motivierte Physiklehrer in die Schulen kommen. Wie wichtig gute Lehrer sind, stellt man spätestens dann fest, wenn man mit hochmotivierten Studierenden spricht, deren Motivation für ein Physikstudium einem solchen Lehrer zu verdanken ist. Die DPG engagiert sich deshalb vermehrt im Bereich der Lehrerfortbildungen und der Förderung von innovativen Schulprojekten im Rahmen ihres Programms „Physik für Schülerinnen und Schüler“. Im Jahr 2006 wurde zudem die DPG-Studie „Thesen für ein modernes Lehramtsstudium im Fach Physik“ veröffentlicht. Denn problematisch an dem heutigen Lehramtsstudium ist nicht nur die Hoheit der Kultusministerien, die die Lehrerausbildung unter ihrer bürokratischen Fuchtel haben und sie aufgrund falsch verstandenen Föderalismus zu einem unübersehbaren Durcheinander in Deutschland haben degenerieren lassen. Problematisch ist auch die stiefmütterliche Behandlung der Lehramtsstudiengänge durch die Physikfachbereiche und die finanzielle Unterausstattung derselben. Beides muss unbedingt verbessert werden.

Das vielseitige Engagement der DPG in der Lehrerthematik ist nur möglich durch die großartige finanzielle Unterstützung durch die Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung. Deshalb freut es mich in großem Maße, dass die WEH-Stiftung seit Ende letzten Jahres ein großes Projekt der DPG zur Lehrerfortbildung fördert. Bundesweit stattfindende Fortbildungskurse sollen die bereits etablierten Lehrerfortbildungen der DPG im Physikzentrum Bad Honnef ergänzen. Hier möchte ich auch Frau Welzel, DPG-Vorstandsmitglied für Schule, und den anderen Antragstellern meinen Dank für Ihren Einsatz für dieses DPG-Projekt aussprechen, dem ich sehr die Daumen drücke. Denn der Fortbildungsbedarf für Lehrerinnen und Lehrer ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Die DPG hat somit die große Chance, aktiv zu einer Verbesserung der Lehrerausbildung beizutragen.

Schließlich darf ich an dieser Stelle bekannt geben, dass ich mich auch als Vizepräsident weiterhin dem Physikzentrum Bad Honnef intensiv widmen werde. Das Physikzentrum, das im Jahr 2006 sein 30jähriges Bestehen gefeiert hat, ist im Laufe der Jahre zum herausragenden Begegnungszentrum und wissenschaftlichen Diskussionsforum der Physik in Deutschland geworden. Mehr noch, es hat sich sogar zu einem internationalen Markenzeichen entwickelt, das im Aktivwortschatz der Physikerinnen und Physiker weltweit einen festen Platz innehat. Dennoch gibt es Herausforderungen: Gerade weil die Teilnehmerzahlen an den vielen Veranstaltungen im Physikzentrum ständig steigen, besteht im Hinblick auf den Zustand und die Bausubstanz des Altgebäudes großer Handlungsbedarf. Deshalb muss zusammen mit der Universität Bonn, die als Trägerin der Emmy-Hölterhoff Böcking Stiftung Eigentümerin von Grundstück und Gebäude ist, ein Renovierungs- und Ausbauplan auf den Weg gebracht und umgesetzt werden. Dazu muss auch ein modernes und zukunftsweisendes Konzept für den Betrieb erarbeitet werden. In Zusammenarbeit mit dem neuen Präsidenten, dem Schatzmeister und dem Hauptgeschäftsführer werde ich mich dafür einsetzen, dass die DPG dieses für die DPG so wichtige Zentrum weiterentwickeln kann.

Damit komme ich zu meinem letzten Punkt: Ein wichtiges Anliegen meiner Präsidentschaft war es, die DPG verstärkt in den Dialog mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft einzubringen, um drängende gesellschafts- und wissenschaftspolitische Entscheidungen durch gezielte und neutrale Beratung mitzugestalten. Die oben genannten Punkte sind Beispiele dafür. Besonders wichtig war mir dabei, dass ein direkter Kontakt mit Politikern und Entscheidungsträgern zustande kommt. Deshalb haben wir zum Beispiel die Klima- und Energiestudie der DPG auch in die englische Sprache übersetzen lassen und am 28. Februar 2007 in der bayerischen Landesvertretung in Brüssel Politikern, einer europäischen Öffentlichkeit und der internationalen Presse vorgestellt, mit beachtlicher Resonanz. Auch bei anderen Gelegenheiten gab es Möglichkeiten zur Einflussnahme, z.B. auf Veränderungen im Curriculum des achtjährigen Gymnasiums, so dass in mindestens zwei Bundesländern starke Tendenzen zur Reduktion des naturwissenschaftlichen Unterrichts gebremst oder verhindert werden konnten. Ähnliches gilt für verschiedene Entwicklungen im Zusammenhang mit der Promotion, bei denen die dezidierten Äußerungen der DPG Gehör fanden und finden.

Für die gute Sichtbarkeit der DPG ist natürlich auch die Pressearbeit verantwortlich. Dafür möchte ich an dieser Stelle unserer Pressestelle, d.h. Herrn Neitzert, der einen großen Anteil an dieser gelungenen Medienpräsenz der DPG hat, meinen besonderen Dank aussprechen. In diesem Zusammenhang muss auch das Physik Journal genannt werden. Es ist eine einzigartige Erfolgsstory auf hohem wissenschaftlichem und journalistischem Niveau und wirkt als Mitgliederzeitschrift weit über die DPG hinaus. Dem Chefredakteur, Herrn Jorda, und seinem Team möchte ich dafür meine hohe Anerkennung aussprechen. Und schließlich entwickelt sich auch das New Journal of Physics, dessen 10jähriges Jubiläum wir in diesem Jahr feiern konnten, ausgezeichnet: Mehr als 500.000 „Downloads“ im Jahr 2007, ein Impactfaktor von 3,7 und eine schwarze Null in der Jahresbilanz sind sehr erfreuliche Zeichen wachsender Beliebtheit und internationaler Wahrnehmung. Hierfür möchte ich allen Verantwortlichen sehr herzlich danken. Mein abschließendes Fazit: Die DPG befindet sich dank des großen Einsatzes aller Beteiligten auf einem sehr guten und stabilen Kurs. Sie ist bezüglich ihrer Mitgliederentwicklung, ihrer Finanzen, ihrer zahlreichen Projekte, ihrer öffentlichen Wahrnehmung und mit ihrer Geschäftsstelle als sehr gesund und hoch erfolgreich zu bezeichnen. Deshalb freue ich mich nun - und kann es mit bestem Gewissen tun -, das Amt des Präsidenten an meinen Nachfolger zu übergeben. Ich wünsche Ihnen, lieber Herr Litfin, alles Gute. Ich freue mich auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit und möchte Sie ganz herzlich als neuen Präsidenten im Kreise der DPG-Familie begrüßen.

 
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