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Prof. Dr. Johanna Stachel, Heidelberg
am 22. Oktober 2012

Rede der Präsidentin
anlässlich des Wissenschaftlichen Festkolloquiums zu Ehren von Prof. Dr. Dieter Röß, Magnus-Haus Berlin

 

Die Bedeutung von Professor Dieter Röß und der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung für die Deutsche Physikalische Gesellschaft

Lebenslauf

Dieter Röß, geb.6.4. 1932, studierte Physik an der Universität Würzburg und promovierte dort 1959. Kurz danach bewegten ihn „head hunter“ von Siemens, eine Stelle in der Firma anzunehmen, um einen Maserverstärker zu entwickeln und er nahm die Position an. Bereits in der ersten Arbeitswoche erreichte ihn die Nachricht, dass Mayman Lichtverstärkung mit Rubin beobachtet hatte. Er überzeugte seine Chefs davon, auch auf diesem Gebiet experimentieren zu dürfen. Bereits gegen Ende 1960 hatte Dieter Röß einen ersten Laser, der lief, übrigens den ersten in Deutschland. Von 1960 bis 1970 arbeitete er im Forschungsbereich der SIEMENS AG auf den Gebieten Maser, Laser und Holografie und wurde eine Schlüsselfigur der Laserforschung in Deutschland; er hält über 100 Patente und sein 1966 veröffentlichtes  Buch zum Thema Laser wurde schnell zu einem Standardwerk – 1969 wurde es ins Englische übersetzt und war auch in der englischsprachigen Literatur für die kommende Dekade das Standardwerk.

1970 wechselte Dieter Röß ins Management; dabei absolvierte er zunächst das „Program for management development“ der Harvard Business School. Dieter Röß wurde erst Direktor des Unternehmensbereichs Bauelemente, dann wurde er Leiter der Halbleiterwerke der Siemens AG. 1978 übernahm er die Position als Geschäftsführer der Vacuumschmelze GmbH, und von 1981 bis 1989 als Geschäftsführer der Heraeus Holding GmbH. Außerdem hatte er zahlreiche Aufsichts- und Beiratsfunktionen.

Wilhelm Heinrich Heraeus sah in ihm einen der fähigsten Physiker in seiner Firma und baute ihn als Kronprinzen für die Leitung der Herausstiftung auf. Seit 1982 nahm er an den Sitzungen der Stiftung teil, nach dem Tod von Heraus 1985 wurde er Vorsitzender des Vorstands der Stiftung, ein Amt, das er bis Ende September dieses Jahres innehatte, als er es an Joachim Treusch übergab. Mit dem Tod von Wilhelm Heraeus hatte die Stiftung zum ersten Mal ein gewisses Vermögen, nach dem Tod von Else Heraeus nur zwei Jahre später wird ihr großes Vermächtnis aller Anteile an Heraeus zum Grundstock der Stiftung, die jetzt Erhebliches bewirken kann. Zur Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung werde ich gleich noch kommen. Jetzt erst zurück zur Person Dieter Röß.

Nach seinem Wechsel ins Management vermittelte er das Thema Forschungsstrategien in zahlreichen Vorträgen einer breiten Öffentlichkeit und veröffentlichte 1993 ein Buch gleichen Titels. Dieses Engagement führt 1991 zu einer Honorarprofessur an der Universität Marburg und Vorlesungstätigkeiten in den Folgejahren an den Universitäten Marburg, Gießen, Würzburg und München. Weitergabe des Wissens an junge Leute war ihm lange schon wichtig. Er konzipierte internetbasierte Kurse, u. a. zu Unternehmensbewertung, Bewerbungsstrategien, aber auch der Mathematik betrügerischer Spiele. Kombiniert mit seiner Leidenschaft für Mathematik wurde daraus sein 2011 erschienenes Buch „Mathematik mit Simulationen lehren und lernen – plus 2000 Beispiele aus der Physik“. Dies ist das erste Buch seiner Art und wurde sofort auch als englische Ausgabe herausgebracht. Im selben Jahr, 2011, erschien der mit dem leider noch vor Veröffentlichung verstorbenen Werner Martienssen erarbeitete Essay-Band „Physik im 21. Jahrhundert“.

Ich habe Dieter Röß als einen nicht nur sehr charmanten sondern auch als einen wirklich gebildeten Menschen kennengelernt, in dem Sinn, den er selbst in seiner Abiturrede, die zu lesen ich kürzlich das Vergnügen hatte, definiert hat.  Bildung nicht etwa als Sammelbegriff für die Fülle des Gelernten oder in dem Sinn, dass man in jeder Art von Unterhaltung ein wenig mitreden oder etwa jedes Kreuzworträtsel lösen kann;  sondern als  Heranbildung aller Fähigkeiten, die in einem Menschen schlummern zur vollen Entfaltung seiner vorhandenen Begabungen. Und die sind in der Tat sehr vielfältig bei Dieter Röß. Ich könnte den Rest des Abends zubringen, seine Interessen zu beschreiben oder noch unterhaltsamer wäre es, wenn er selber uns darüber erzählen würde. Da ist die Musik, Dieter Röß spielt mehrere Instrumente, Cello, Trompete, Flöte und Klavier und seine besondere Leidenschaft gilt dem Saxophon. Schon während seines Studiums verdiente er sich Geld durch öffentliche Auftritte, seit einigen Jahren tritt er wieder regelmäßig in Darmstadt und Frankfurt auf. Er besitzt auch eine große Sammlung von Musikinstrumenten, die er fachmännisch kennt. Ein weiteres wichtiges Hobby sind Sprachen und Literatur. Vor allem die römischen Philosophen. Seneca hat er im Original gelesen. Aber auch moderne Sprachen und Auslandsreisen. Dazu gehören regelmäßige Aufenthalte auf der Insel Paros zum Windsurfen und Ausspannen.  In seinem Haus konnte ich eine Sammlung alter Uhren, insbesondere auch Turmuhren bewundern, wobei ihn hier nicht nur die Schönheit, sondern die ausgefeilte Mechanik reizt.

Aber last but not least ist Dieter Röß ein großer Freund der DPG.

Danksagung an Dieter Röß und die Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung

Heute möchte ich Herrn Röß und der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung ganz herzlich danken für die seit 1972 bestehende enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der DPG und deren finanzielle Unterstützung. Das kontinuierliche Mitgliederwachstum der DPG, insbesondere bei jungen Menschen, ist auch ein wichtiger Verdienst der Stiftung. Ohne die Unterstützung durch die Stiftung wäre die DPG sicherlich nicht die DPG, die wir heute kennen.

Dieter Röß hat über 25 Jahre die Physik in Deutschland begleitet und gefördert. Hier nur wichtige Meilensteine, die er mit seinem großartigen Engagement als Vorstandsvorsitzender der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung für die DPG erreicht hat:

Physikzentrum Bad Honnef

Wilhelm und Else Heraeus-Seminare

Die Heraeus-Seminare sind die wissenschaftlichen „Flaggschiffe“ des Physikzentrums. Sie sind ein langjähriges und etabliertes Format auch auf internationaler Ebene, das zu den bedeutendsten und traditionsreichsten Förderaktivitäten der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung zählt  (erstes Seminar 1975, seitdem insgesamt über 30.000 Teilnehmende; 1/3 davon internationale Gäste). Die Seminare leisten einen herausragenden Beitrag, dass sich das Physikzentrum im Laufe der Jahre zum weltbekannten Begegnungszentrum und wissenschaftlichen Diskussionsforum der Physik in Deutschland und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft entwickeln konnte. Im Mai 2012 haben wir das 500. Seminar im Physikzentrum feiern dürfen (aktuell wurden bereits 515 Seminare durchgeführt).

DPG-Schulen im Physikzentrum

Des Weiteren gibt es die einwöchigen DPG-Schulen für Physik, die ebenfalls von der Heraeus-Stiftung finanziert werden. Hier werden insbesondere Themen behandelt, die an vielen Universitäten nicht unterrichtet werden.

Hörsaalbau im Physikzentrum Bad Honnef

Der Bau des Hörsaals, der „Wilhelm und Else-Heraeus-Hörsaal“, fertiggestellt 2003, wurde in großzügiger Weise durch die Wilhelm und Else Heraeus Stiftung unterstützt (neben den Eigenmitteln der DPG, Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen, der VW-Stiftung und der Elly Hölterhoff-Böcking-Stiftung). Der Hörsaal ist ein zentrales Element für den wissenschaftlichen Austausch im Physikzentrum Bad Honnef der die Anpassung des Seminarbetriebs an modernste Erfordernisse ermöglicht.

Sanierung des Georg Christoph Lichtenberg-Kellers im Physikzentrum

Zu großem Dank verpflichtet ist die DPG Dieter Röß sodann dafür, dass die Stiftung die Sanierung der Begegnungsstätte im Untergeschoss des Physikzentrums finanziert hat. Die Begegnungsstätte im Physikzentrum, die frühere Bürgerstube, vormalig der Bügelkeller des Hölterhoff-Stifts, hat eine lange und etablierte Tradition in der Geschichte der DPG. Sie ist im Anschluss an die wissenschaftlichen Vorträge der zentrale Ort des Dialogs und Wissenstransfers zwischen Forscherinnen und Forschern, der Ort, wo die jungen Workshop-Teilnehmer mit den Größen in ihrem Feld in direkten Kontakt treten können. Oder so manche strittige Frage etwas versöhnlicher bei einem Glas Wein ausdiskutiert wird.

Gästehaus auf dem Gelände des Physikzentrums

Zudem hat sich die Stiftung bereiterklärt, ein Gästehaus auf dem Gelände des Physikzentrums zu finanzieren.

Förderung von DPG-Tagungen und Kommunikationsprogramm

Ein zentraler Bestandteil der Förder-Aktivitäten sind die DPG-Frühjahrstagungen. Zu den traditionellen „Frühjahrstagungen“ der DPG treffen sich jährlich inzwischen etwa 10.000 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland. Die Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung ermöglicht dabei ca. 2000 jungen Wissenschaftlern, Diplomanden, Masterstudenten, Doktoranden die Teilnahme durch Übernahme der Reisekosten. Diese Förderung aus dem  „Kommunikationsprogramm“ ist ein  zentraler Baustein, damit jedes Jahr so viele junge Menschen die DPG-Tagungen besuchen können. 

Lehrerfortbildungen und Schulförderung

Herr Röß ist seit vielen Jahren die treibende Kraft hinter dem großen Engagement für die Lehrerfortbildung und die Qualität des Physikunterrichts.

  • Er ist früh für ein Studium sui generis eingetreten und war die treibende Kraft hinter der DPG-Studie „Thesen für ein modernes Lehramtsstudium im Fach Physik“. Auch die momentan laufende Nachfolgestudie zur Situation des Lehramtsstudiums (Grossmann/ Hertel), hat er mit konzipiert. Auch die Aktivitäten der Heraeus-Stiftung auf diesem Gebiet in Form der Senior-Professuren, z.B. Herr Eisele/Hertel und andere gehen auf ihn zurück.
  • Zudem hat die Heraeus-Stiftung das bundesweite Lehrerfortbildungsprojekt der DPG (fobinet) gefördert und nun auch das Nachfolgeprogramm „fobi-phi“.
  • Ein weiteres wichtiges Förderprogramm ist „Physik für Schülerinnen und Schüler“, das gemeinsam mit der DPG durchgeführt wird. Das Programm soll allgemein bekannten Engpässen in den öffentlichen Schulen entgegenwirken, unter denen der naturwissenschaftliche Unterricht in besonderem Maße leidet. Im Rahmen dieses Programms werden Lehrer und Lehrerinnen unterstützt, die musterhafte Projekte zur Steigerung der Attraktivität des Physikunterrichts vorschlagen.
  • Außerdem fördert die Heraeus-Stiftung die Online-Zeitschrift für Schülerinnen und Schüler „Detektor“, eine Initiative der jDPG.

Förderung der Vereinigung der beiden Fachgesellschaften DPG und Physikalische Gesellschaft der DDR

Großes Engagement von Herrn Röß im Zuge der Vereinigung der beiden Fachgesellschaften:  Als die Vereinigung von DPG und der Physikalischen Gesellschaft der DDR in Berlin feierlich vollzogen wurde, war dies praktisch auch die erste Vereinigung zweier deutsch-deutscher Fachgesellschaften. Zuvor mussten jedoch eine ganze Reihe von Hürden genommen werden, um eine Vertrauensbasis und echte Zusammenarbeit aufzubauen. Dazu waren etliche Treffen und dann Verhandlungen nötig. In dieser Situation trat einmal mehr die Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung unter Herrn Röß auf den Plan. Die Stiftung handelte rasch und übernahm in äußerst großzügiger Weise die Reisekosten der DDR-Kollegen.

Das Magnus-Haus und Dieter Röß

Die Vereinigung bescherte der vereinigten Deutschen Physikalischen Gesellschaft zudem ein „Kleinod“, nämlich das Magnus-Haus Berlin. Diese Repräsentanz der DPG in Berlin ist, wie das Physikzentrum Bad Honnef, nicht nur von großer kultur- und kunsthistorischer Bedeutung, sondern auch mit der Geschichte der Physik aufs Engste verknüpft. Hier hat die DPG eine würdige Repräsentationsstätte für wissenschaftliche Veranstaltungen, die insbesondere auch die interessierte Öffentlichkeit einbeziehen, hier sind zudem Wirtschaft und Politik sowie die Medien zu nennen.

Auch für das Magnus-Haus haben Sie sich, Herr Röß, immer in herausragender Art und Weise engagiert, und zwar als langjähriger Leiter des Wissenschaftlichen Beirats – seit 1993! Darüber hinaus wird die Durchführung der wissenschaftlichen Abendvorträge und Industriegespräche im Magnus-Haus durch die Heraeus-Stiftung finanziert.

Lieber Herr Röß, ich hoffe sehr, dass wir auch in Zukunft auf Ihren Rat zählen können und uns noch oft treffen. Herzlichen Dank und alles Gute für die kommenden Jahre.

 
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