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Position: www.dpg-physik.de  >  veroeffentlichung  >  reden  >  stachel  >  red_nobelpreis-2013.html

Prof. Dr. Johanna Stachel, Heidelberg
am 8. Oktober 2013

Grußwort der Präsidentin
anlässlich der Presseveranstaltung zur Bekanntgabe des Nobelpreises 2013, Magnus-Haus Berlin

 

Sehr verehrte Exzellenz Staffan Carlsson, Botschafter des Königreichs Schweden,

sehr geehrter Prof. John Dudley (President European Physical Society)

sehr geehrte Frau Prasse (BMBF),

sehr geehrter Herr Richter (Moderator),

sehr geehrte Medienvertreter,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte Sie herzlich im Namen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft zur Bekanntgabe des Physik-Nobelpreises im Magnus-Haus begrüßen. Wie jedes Jahr erwarten wir heute mit Spannung die Botschaft aus Stockholm, wer den Nobelpreis erhalten wird.

Ich bin mir der großen Ehre sehr bewusst, verehrter Herr Botschafter, dass Sie auch in diesem Jahr im Magnus-Haus zu Gast sind und mit uns dieses Ereignis verfolgen.

Ich freue mich sehr, dass diese Veranstaltung – die einzige ihrer Art in Deutschland – so gut von den Medienvertretern angenommen wird, um mit uns die Bekanntgabe mitzuerleben und danach direkt  Hintergrundgespräche mit Fachleuten über den Nobelpreis zu führen. Auch in diesem Jahr ist eine exklusive Live-Schaltung nach Stockholm vorgesehen, die neben Gesprächen mit den im Magnus-Haus versammelten Expertinnen und Experten aus der Physik die Möglichkeit gibt, ein Mitglied des Nobel-Komitees direkt zu befragen.

Ein solcher Tag ist natürlich ein herausragendes Ereignis für den oder die glücklichen Preisträger. Und er ist auch ein großer Tag für alle Physikerinnen und Physiker, denn dieser Preis zeigt, welche große Bedeutung der physikalischen Forschung zukommt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, und so natürlich auch Physikerinnen und Physiker, sind zwar weitgehend selbstmotiviert, Anerkennung durch die wissenschaftliche „Community“ und die Öffentlichkeit sind aber wichtige äußere Faktoren – und der Nobelpreis gilt als die Krönung solcher Anerkennung!

Ich hoffe aber auch, dass die Bekanntgabe des Physiknobelpreises ebenfalls ein besonderer Tag für junge Menschen ist – oder es künftig wird. Denn: Selbst wenn der größte Teil der Bevölkerung wenig mit der Physik als Wissenschaft zu tun hat, basiert unsere Alltags- und Wirtschaftswelt existenziell auf physikalischen Prinzipien von der Energieversorgung über die Kommunikationstechnologie bis hin zu medizinischen Geräten. Die Gewinnung von mehr jungen Menschen für die Naturwissenschaften berührt somit eine Kernfrage unserer Kultur, unserer Hochtechnologiegesellschaft.

Das Gesagte klingt vielleicht trivial, aber: Leider gehört die Physik immer noch nicht zu den Fächern, die bei jungen Menschen als „cool“ oder „hipp“ gelten. Im Gegenteil: Bemerkungen wie „Physik ist doof“ gehört immer noch zu den häufigen Umschreibungen, wenn junge Menschen ihr gespanntes Verhältnis zur Physik beschreiben.

Die Umsetzung dieser Erkenntnis, die dringend notwendige Imageverbesserung der Physik in unserer Gesellschaft, in konkrete Handlungen ist deshalb leider keineswegs trivial, sondern hochkomplex:

  • Es gilt nicht nur, Kinder- und Jugendliche direkt anzusprechen – idealerweise bereits im Kindergarten –, sondern auch Eltern von einer Karriere ihrer Kinder im naturwissenschaftlichen Bereich zu überzeugen.
  • Wichtig ist es zudem, Wege zu finden, um insbesondere Mädchen und junge Frauen für die Physik sowie andere Naturwissenschaften und die entsprechenden Studiengänge zu begeistern. Da sie im Moment nur 20% der Studierenden (Anfänger sowie Abschlüsse) ausmachen, schlummert hier großes Potential.
  • Natürlich geht dies nur mit einem Physikunterricht, der Spaß macht und in geeigneter Weise auf die Anforderungen eines Physikstudiums vorbereitet. Sowie entsprechende außerschulische Angebote. Aber auch hier gilt es, wieder die Besten eines Jahrgangs für den Lehrerberuf zu motivieren. Und dies scheint schwerer denn je. Die Nachwuchsförderung und die Qualität des Physikunterrichts sind deshalb zentrale Themen, denen sich die DPG widmet.

Deshalb wünsche ich mir sehr, dass die Berichte über den Nobelpreis im Verbund mit den verschiedenen anderen Maßnahmen zur Nachwuchsförderung, die wir in diesem Bereich ergreifen, etwa das jährlich stattfindende einwöchige Physikfestival „Highlights der Physik“, das gerade vor wenigen Wochen im September mit über 30.000 Besuchern in Wuppertal stattgefunden hat (und gemeinsam vom BMBF und der DPG veranstaltet wird), auch dazu führen, dass mehr junge Menschen Interesse an der Physik und der Vermittlung von Physik erhalten. Damit möchte ich schließen und übergebe zurück an den Moderator.

Ich wünsche Ihnen und uns allen eine spannende Veranstaltung!

 
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