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Prof. Dr. Johanna Stachel, Heidelberg
am 8. Mai 2012

Rede der Präsidentin
anlässlich der Feierstunde zur Einweihung und Namensgebung des Georg Christoph Lichtenberg-Kellers, Physikzentrum Bad Honnef


Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Feiden,

lieber Herr Heraeus,

lieber Herr Prof. Röß und liebe Mitglieder des Vorstands der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung,

Magnifizenz, sehr geehrter Herr Prof. Fohrmann,

sehr geehrter Herr Dr. Lutz,

lieber Herr Kollege Meschede,

lieber Herr Prof. Treusch,

sehr geehrte Frau Schlechtriemen,

sehr geehrte Herren Ollertz,

sehr geehrter Herr Prof. Schöne,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Gäste,

es ist mir eine große Freude, dass wir heute - aus Anlass des 500. Seminars der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung – die Einweihung und Namensgebung der neu sanierten Begegnungsstätte im Untergeschoss des Physikzentrums, der früheren sogenannten „Bürgerstube“, vornehmen können.

Ich möchte deshalb der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung und dazu stellvertretend dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, Herrn Prof. Röß, meinen großen und herzlichen Dank im Namen der DPG und auch persönlich aussprechen. Sie haben durch die großzügige und kurzentschlossene Finanzierung der Sanierung der Begegnungsstätte dafür gesorgt, dass ab heute das Herz des Physikzentrums wieder schlagen kann. Danken möchte ich ebenso der Universität Bonn für ihre Unterstützung sowie der Stadt Bad Honnef, und hier stellvertretend der Bürgermeisterin, sowie dem Bauamt, Herrn Wörsdörfer, und dem Kreisbrandmeister für die gute und enge Kooperation im Rahmen der Sanierung.

Danken möchte ich sodann den Architekten Ollertz und Ollertz für die Sanierung der Begegnungsstätte sowie der Innenarchitektin, Frau Schlechtriemen. Sehr danken möchte ich dem Bauausschuss unter Leitung von Herrn Seelmann. Mein ganz besonderer Dank geht auch an Herrn Nunner, den Hauptgeschäftsführer der DPG, dass er die umfangreichen Arbeiten für die DPG als Vertreter des Bauherrn außerordentlich engagiert betreut hat. Jeder, der mit ihm in den letzten Monaten andere Aktivitäten besprechen wollten, weiß, was diese Bauaktivitäten im Hause und die Fertigstellung des Kellers zum einmal vereinbarten heutigen Termin von ihm gefordert hat. Wir erfahren ja immer wieder, dass Projekte durch eine Deadline unheimlich stark fokussiert werden, allerdings um einen Preis.

Danken möchte ich zudem allen beteiligten Handwerksbetrieben für die geleistete Arbeit, die gegen Ende der Sanierungsarbeiten zum Teil in Abend- und Wochenendschichten erfolgten.

Die Begegnungsstätte im Untergeschoss des Physikzentrums hat eine lange und etablierte Tradition in der Geschichte der DPG. Sie ist im Anschluss an die wissenschaftlichen Vorträge in den Vortragssälen im Physikzentrum der zentrale Ort des Dialogs und Wissenstransfers zwischen den Forschern, Quelle der Inspiration, aber auch Streitschlichtungsinstitution. Die meisten, die heute hier versammelt sind, wissen, was ich meine. Für die, die noch nicht in den Genuss gekommen sind, hier im Keller einen Abend im Kreise der wissenschaftlichen Kollegen ausklingen zu lassen, zitiere ich einen Kollegen

„Das Physikzentrum bietet diesen jungen Wissenschaftlern (und denen, die jung geblieben sind) einen ganz besonderen Ort, um ihrer Begeisterung in intensiven Diskussionen mit anderen Physikern freien Lauf zu lassen, nach Vorträgen, in Postersitzungen, beim Frühstück und Abendbrot, und bestimmt nicht zuletzt in nächtelangen Sitzungen im Bierkeller. Außenstehenden fällt es oft schwer, diese Form von Begeisterung nachzuvollziehen – für Physiker ist sie geradezu Lebenselixier.“[1]

Von diesem „Bierkeller“ sprach kein geringerer als Theodor Hänsch, Nobelpreisträger und unser Ehrenmitglied, der selbst oft im Physikzentrum zu Gast ist. Die Bedeutung des Kellers für die wissenschaftlichen Veranstaltungen gilt natürlich in gleicher Weise für die Sitzungen der Gremien der DPG, wie z. B. Vorstand, Vorstandsrat oder Preiskomitees am Tag der DPG. Ebenso für die jährlichen Planungstreffen verschiedener Teile unserer Community, wie der Hochenergie- oder der Kernphysik. Auch dafür möchte ich einen gut informierten Gewährsmann zu Wort kommen lassen:

„Neben den wissenschaftlichen Veranstaltungen werden in diesem Hause auch die meisten wissenschafts- und gesellschaftspolitischen Beschlüsse der Deutschen Physikalischen Gesellschaft diskutiert (…). Es scheint dabei manchmal ausgeschlossen, zu einem Beschluss zu kommen (…). Doch dann wirkt oft der Zauber dieses Hauses: Der Beschluss wird auf den folgenden Tag verschoben, die Kontrahenten treffen sich zwangsläufig, aber gerne im Keller dieses Hauses, setzen ihre Diskussion bei hervorragendem Wein fort, schlafen gut und stimmen dann am nächsten Morgen mit nüchternem Kopf nach einem guten Kaffee nicht selten einstimmig ab.“ So kommentierte mein Kollege Markus Schwoerer, früherer DPG-Präsident.[2]

Dieser „Zauber“ des Hauses, der insbesondere in der Begegnungsstätte im Untergeschoss seine volle Wirkung entfaltet, wie mein Gewährsmann deutlich gemacht hat, kann eventuell auch mit einer gewissen „gepflegten klösterlichen Abgeschiedenheit des Physikzentrums“, erklärt werden, wie Sie, Herr Röß, es einmal formuliert haben. Schließlich war das Haus basierend auf einer Stiftung, der „Elly-Hölterhoff-Böcking-Stiftung“, von Otto Hölterhoff im Namen seiner Frau und Cousine Elly Hölterhoff von der Universität Bonn in den Jahren 1904-1906 erbaut worden. Dort sollten gebildete alleinstehende Damen eine Haushaltsschule betreiben, in der junge Mädchen zu tüchtigen bürgerlichen Hausfrauen herangebildet werden sollten. So ganz jenseits unserer Zeit klingt dieses Konzept gar nicht, es wäre auch mir ein Anliegen, dass gerade Familien mit niedrigeren Einkommen gute Haushaltsführung und Ernährung  ohne Fertigprodukte und ohne große Abfallmengen, und daher kostengünstig bewältigen können.

Ich bin sehr froh für die Physik, dass sich die anregende Gesprächskultur im Physikzentrum bis heute als „Face to Face“-Begegnung erhalten hat – trotz des dramatischen Wandels der Kommunikationskultur bedingt durch z. B. E-Mails, Chatprogramme, soziale Medien oder das Internet im Allgemeinen. Immer noch tagen die Gäste üblicherweise am Abend nach dem offiziellen Programm gemeinsam in lebhafter Diskussion im Keller des Hauses weiter und verbringen nicht den Abend individuell auf ihren Zimmern. Gerne erinnere ich mich an meinen ersten Workshop hier im Haus 1988, als abends im Keller ein sonst eher strenger amerikanischer Theoretiker mit Hingabe (und guter Diktion) deutsche Volkslieder sang. Mit der Einweihung und Inbetriebnahme der Begegnungsstätte im Untergeschoss können wir auf weitere intensive wissenschaftliche Gespräche oder auch entspannte Abende in der Zukunft hoffen. Ganz im Sinne des Physikers und Aphoristikers Georg Christoph Lichtenberg, der schon damals gezeigt hat, dass das keine Zauberei ist, sondern es ein Rezept für eine anregende Diskussion gibt:

„(…) Vor allen Dingen muss ein guter Grund gelegt werden, und da weiß ich keinen festern, als wenn man über jede Schicht pro gleich eine Schicht kontra aufträgt“[3]. Aber dann kann man vielleicht auch auf die Welt der Physik übertragen „unter den heiligsten Zeilen des Shakespeare wünschte ich, dass diejenigen einmal in Rot erscheinen möchten, die wir einem zur glücklichen Stunde getrunkenem Glas Wein zu danken haben.“ Das soll auch für uns P


[1] Theodor Hänsch: „Jugend trifft das Original“, in: Berthold Schoch (für die DPG): Physikzentrum Bad Honnef. Ein Platz für Dialog und Inspiration, Bonn 2006, S. 49.

[2] Markus Schwoerer in: Gert Eilenberger und Siegfried Methfessel (Hgg.): Zwanzig Jahre Physikzentrum Bad Honnef. Festschrift, Weinheim 1996, S. 13.

[3] Zitiert nach Albrecht Schöne: „Aufklärung aus dem Geist der Experimentalphysik. Lichtenbergsche Konjunktive“, Dachau 1993, S. 128.

 

 
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