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Prof. Dr. Wolfgang Sandner, Berlin
am 27. Oktober 2010

Grußwort des Präsidenten Festakt zur Umbenennung des „Otto-Hahn-Baus“ in „Hahn-Meitner-Bau“ Freie Universität Berlin, Lise-Meitner-Hörsaal Thielallee 63, 14195 Berlin-Dahlem

Sehr geehrter Herr Präsident Professor Alt, sehr geehrte Frau Kollegin Sime, lieber Herr Renn, sehr geehrter Herr Kollege Multhaup, meine sehr verehrten Damen und Herren,

es ist ein freudiger Anlass und eine große Ehre, als Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft der Umbenennung des Otto-Hahn-Baus der Freien Universität Berlin in Hahn-Meitner-Bau beiwohnen zu dürfen. Selbst wenn es Lise Meitner damit noch nicht ganz zu einem eigenen Bau geschafft hat, ist es aus Sicht der Physik sehr zu begrüßen, die wissenschaftliche Leistung von Otto Hahn und Lise Meitner durch diese Umbenennung gleichberechtigt zu würdigen und durch den heutigen Festakt die Persönlichkeit von Lise Meitner in besondere Erinnerung zu rufen. Das ist um so erfreulicher, als an anderer Stelle in Berlin das traditionsreiche Namensgespann Hahn-Meitner aus übergeordneter politischen Rationalität in die zweite Reihe treten musste.

Lise Meitner und Otto-Hahn werden als herausragende Naturwissenschaftler gesehen. Dass die Freie Universität durch die Umbenennung Lise Meitner in besonderer Weise ehrt, freut mich sehr, da auch die DPG eine besondere Verbindung zu Lise Meitner hat. Im letzten Jahr wurden in diesem Gebäude und in diesem Hörsaal an der Wirkungsstätte von Lise Meitner mit Unterstützung der Freien Universität Berlin die sogenannten Lise Meitner Lectures durchgeführt. Mit dieser jährlichen Veranstaltungsreihe von DPG und der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft sollen herausragende Wissenschaftlerinnen als so genannte „Role Models“ insbesondere Schülerinnen vorgestellt werden, um sie für die Physik zu interessieren und zu begeistern.

Die Durchführung der Lise Meitner Lectures hier in Berlin war nur möglich durch die enge und ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin, wofür ich Ihnen, sehr geehrter Herr Prof. Alt, stellvertretend für allen Verantwortlichen noch einmal meinen herzlichen Dank aussprechen möchte.

Mit Lise Meitner wird eine Persönlichkeit geehrt, die nicht nur eine der bedeutendsten Physikerinnen ihrer Zeit war, sondern zudem durch ihr herausragendes wissenschaftliches und soziales Engagement im besten Sinne noch heute als Role Model wirkt. Wir werden sicher noch ausführlich hören, wie sie als Frau hart für eine Karriere in der Wissenschaft kämpfen musste. Nach ihrer Zulassung gehörte sie zu den ersten Studentinnen und war 1906 die zweite Frau, die an der Universität Wien promovierte. Sie arbeitete dann mehr als 30 Jahre in Berlin und lieferte 1939 die erste physikalisch-theoretische Erklärung der Kernspaltung.

Wenn heute, 100 Jahre später, knapp 15% der Studierenden und berufstätigen Physiker Frauen sind, kann das zwar als gewisser Fortschritt, aber keinesfalls als zufriedenstellend gelten. Auch aus dieser Sicht setzt der heutige Tag ein wichtiges Signal.

Lise Meitner hat mit ihrer Berufswahl nicht nur großartige wissenschaftliche Pionierleistungen gezeigt, sondern viel Mut, Durchhaltevermögen und ein gehöriges Maß an Weitblick. Solche Erfahrungen an die junge Generation weiterzugeben, ist eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich auch die DPG als weltweit größte physikalische Fachgesellschaft mit fast 60.000 Mitgliedern mit besonderem Engagement widmet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses.

Aus diesem Grund ist die DPG auch im Jahr 2008 dem sogenannten „MINT-Pakt“ - MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - des BMBF beigetreten. Hier bringt die DPG auch die Lise Meitner Lectures ein. Der Pakt soll helfen, junge Frauen für MINT-Studiengänge zu begeistern und Hochschulabsolventinnen für Karrieren in technischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu gewinnen. Ihm haben sich mittlerweile über 70 Partner angeschlossen. Neben den Lise Meitner Lectures richtet die DPG jedes Jahr die Physikerinnentagung aus, um Physikerinnen eine eigene Plattform für den Wissenstransfer und die persönliche Netzwerkbildung zu bieten. Bundesministerin Schavan ist Schirmherrin der diesjährigen Veranstaltung, bei der unter anderem eine Podiumsdiskussion zu dem Thema „Frauenquote! Quotenfrau?“ stattfinden wird.

Dass solche Diskussionen heute überhaupt geführt werden und auf der politischen Agenda stehen, lässt sich auf das Wirken und den Mut von Lise Meitner zurückverfolgen. Mit der Veranstaltung heute wird die herausragende wissenschaftlicher Leistung von Lise Meitner und Otto Hahn gewürdigt. Sie schärft aber auch die Wahrnehmung, Wertschätzung und Förderung von Frauen in den Naturwissenschaften. „Wir wollen und können nicht auf die Talente von Frauen verzichten.“ war in der letzten Woche die Aussage von Bundesministerin Annette Schavan, Wissenschaftsminister Peter Frankenberg und Wirtschaftsstaatssekretär Richard Drautz anlässlich des Beitritts des Landes Baden-Württemberg zum Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen. Dies kann man nur voll und ganz unterstreichen, und der Freien Universität zu dem heutigen Schritt gratulieren.

Vielen Dank.

 
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