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Prof. Dr. Wolfgang Sandner, Berlin
am 13. April 2010

Rede des neuen Präsidenten
anlässlich des Amtsantritts im Magnus-Haus Berlin

Sehr geehrter, lieber Herr Kollege Litfin,
lieber Eberhard Umbach,
liebe Kollegen und Freunde innerhalb und ausserhalb der DPG,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

die Welt ist dabei, sich in der Forschung und Forschungspolitk verstärkt auf die großen Herausforderungen der Menschheit zu konzentrieren, die „Grand Challenges“, wie sie im angelsächischen Raum genannt werden: Energieversorgung, Klimawandel, Gesundheits- und Altersforschung, Mobilität, Sicherheit und andere. Die Bundesregierung hat sich diese Themen ebenso auf die Fahnen geschrieben wie die Europäische Union. Naturwissenschaftliche Einzeldisziplinen scheinen ihnen in Zukunft ebenso untergeordnet zu werden wie die einzelnen Technologiefelder. Untrügliche Zeichen sind veränderte Zuschnitte von Forschungsministerien, Forschungsrahmenprogrammen oder neue, eher gigantische Förderinstrumente wie „Knowledge and Innovation Communities“, KICs, in denen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Industrie auf europäischer Ebene gemeinsam die großen Herausforderungen unserer Gesellschaft angehen sollen.

Die Frage, die sich die Deutsche Physikalische Gesellschaft und ihr neuer Präsident in dieser Situation stellen muss, ist die: Welche Rolle kann und soll eine Einzeldisziplin wie die Physik in den kommenden Jahren in dieser sich verändernden Umgebung spielen?

Die Antwort auf solche Fragen darf man sich nicht leicht machen und nur darauf verweisen, dass die Physik spätestens seit Galilei als verlässliches Fundament für systematische neue Erkenntnis und daraus resultierenden technischen Fortschritt stand und wohl auch in Zukunft stehen wird – business as usual also.

Im Gegenteil: die Physik sieht sich ebenso großen Erwartungen wie unerwarteten kritischen Fragen ausgesetzt in einer Welt, in der Erkenntnisse und technischer Fortschritt nicht automatisch ein Wert an sich sind, sondern verstärkt daran gemessen werden, welchen Nutzen sie für die großen Probleme der Gesellschaft haben. Positiv ausgedrückt wird sie z. B. gefragt: Was kann die Physik dazu beitragen, dass Klima und Energieversorgung auf lange Zukunft im Einklang sind? Negativ klingt das manchmal wesentlich drastischer: Wozu brauchen wir das Higgs, solange Menschen an Krebs sterben?

Glücklicherweise ist die Physik um Antworten nicht verlegen, und muß es auch nicht sein. In der Denkschrift der DPG aus dem Jahr 2000 findet sich dazu ein heute noch gültiger Satz:

„Für viele nichtphysikalische Disziplinen (z. B. Mathematik, Chemie, Biologie, Medizin, Technik- und Ingenieurswissenschaften) sind solide physikalische Grundkenntnisse unabdingbar. Selbst für Gebiete wie Philosophie, die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, die Wirtschafts- und Finanzwissenschaften ist die Kenntnis physikalischer Arbeitsweisen und Begriffsbildungen von grundsätzlicher Bedeutung. Daher gebietet es die gesellschaftliche Verantwortung unseren Nachkommen gegenüber, ihnen grundlegendes physikalisches Gedankengut in angemessener Weise zu vermitteln.“

Meine Damen und Herren, ich bekenne mich ausdrücklich zu diesem Rollenverständnis der Physik und möchte es während meiner Präsidentschaft pflegen und weiterentwickeln. In ihm ist der unterstützende Aspekt für andere Wissenschaften, gewissermassen der Teamgeist zwischen den Disziplinen, ebenso enthalten wie die Selbstverpflichtung, das grundlegende physikalische Gedankengut als kulturelles Erbe zu pflegen und von Generation zu Generation weiterzureichen. In einem Satz: Physik bekennt sich zu ihrer besonderen wissenschaftlichen Methodik, zu interdisziplinäre Offenheit und zu höchster Qualität in der Ausbildung - ein selbstbewusstes und gleichzeitig kooperatives Rollenverständnis, das gut in die Welt der Grand Challenges passt und in dem selbst Higgs und Krebstherapie keineswegs unvereinbar sind.

Dieses Selbstverständnis ist natürlich nicht völlig neu, sondern Teil einer gewachsenen Tradition in der DPG und unter ihren früheren Präsidenten, von denen ich etliche in meiner fast 30-jährigen DPG-Mitgliedschaft kennen und schätzen lernen durfte. Ganz besonders gilt dies natürlich für meine unmittelbaren Vorgänger Eberhard Umbach und Gerd Litfin, zwei sehr geschätzte Kollegen und langjährige Wegbegleiter, die in ihren Personen und Karrieren die Spannweite der DPG von Universitäten über die Großforschung bis zu Industrie verkörpern. Ich hatte das Vergnügen, sie in ihrem Handeln als Präsidenten und Vizepräsident sehr genau und nahe beobachten zu können, und zwar schon deutlich bevor ich selbst als ihr Nachfolger gewählt wurde – von da ab natürlich mit besonderer Aufmerksamkeit und ganz anderen Augen. Ich verneige mich vor ihren Leistungen und werde mich nach Kräften bemühen, ihrem Vorbild und dem vieler herausragender Kollegen vor ihnen zu folgen.

Wir haben bereits gehört, dass die DPG in den letzten Jahren zahlreiche Aktivitäten angestoßen hat, die teilweise bereits einen engen Bezug zu den Großen Herausforderungen haben, teilweise die Verantwortung der DPG für die Ausbildung in der Physik wieder spiegeln. Sie bilden die vielfältigen Interessen der Physikerinnen und Physiker in der DPG ab, wobei sie alle im Ehrenamt betrieben werden – mit Unterstützung der hoch professionellen DPG-Geschäftsstellen in Bad Honnef und Berlin. Das alles verdeutlicht, dass die DPG eine sehr dynamische und aktive Gesellschaft ist – kein Wunder, bei einem Durchschnittsalter ihrer Mitglieder von knapp 35 Jahren. Aus diesem Grund wird es mir eine Freude sein, viele der bisherigen Schwerpunkte fortzusetzen. Gleichzeitig möchte ich als Präsident einige neue Akzente setzen. Wie und wo ich das zu tun gedenke, lassen Sie mich Ihnen an den folgenden drei Bereichen erläutern,

  • Die DPG als Verein
  • Die DPG als nationale Vertretung der Physikerinnen und Physiker
  • Die DPG als Vertretung der Physik im europäischen und internationalen Kontext.

Die DPG als Verein

Die DPG als gemeinnütziger Verein ist in ihrer Struktur und Aktivitäten hervorragend aufgestellt. Das belegt nicht nur das meist zufriedene Gesicht unseres Schatzmeisters Hartwig Bechte, mit dem ich seit Jahrzehnten auf ganz unterschiedlichen Stationen verbunden war. Dies zeigen unter anderem die in jedem Jahr steigenden und in internationalem Maßstab beeindruckenden Teilnehmerzahlen an den DPG-Frühjahrstagungen, die für ein gleichermaßen zufriedenes Gesicht bei dem zuständigen Vorstand Hans- Reiner Trebin und seiner Nachfolgerin Martina Havenith-Neven sorgen. Rekordverdächtig ist auch die Zahl der wissenschaftlichen Beiträge. Zu den drei DPG-Frühjahrstagungen des Jahres 2010 in Hannover, Bonn und Regensburg wurden über 8.000 Beiträge eingereicht. Beeindruckend ist gleichfalls der Zugriff auf die DPG-Homepage. Allein im Jahr 2009 erfolgten 11 Millionen Dateizugriffe auf das Internetangebot der DPG – das sind im Durchschnitt 1.518 Besuche pro Tag!

Diese Erfolge bedeuten natürlich Verpflichtungen, und Verpflichtungen können nur mit hinreichenden Ressourcen erfüllt werden, insbesondere menschlichen Ressourcen. Die DPG leistet sich, gemessen an ihrer Mitgliederzahl, eine extrem schlanke Verwaltung und Geschäftsstelle in Bad Honnef und hier im Magnus-Haus Berlin, die beide hoch motiviert und hoch professionell arbeiten. Um die Qualität der DPG-Aktivitäten auch in Zukunft sicherzustellen, müssen wir jedoch nicht nur mit unseren Finanzen, sondern auch mit der Arbeitsbelastung unserer Mitarbeiter verantwortungsvoll haushalten. Selbst die Verlagerung auf ehrenamtliche Mitarbeit von Vorständen, Fachverbänden und Arbeitskreisen kann keine Wunder vollbringen. Die DPG ist zwar groß (die größte physikalische Fachgesellschaft der Welt, wie wir wissen), aber lange nicht groß genug, um manche ihrer ehrgeizigen Anstöße flächendeckend und bundesweit durchzuziehen.

Das Schlüsselwort ist die Hebelwirkung: die DPG muss kreative Projekte anstoßen, Akzente setzen und diese dann, sobald sie reif genug sind, in die breite Selbstständigkeit entlassen. Hervorragende Beispiele in frühen Entwicklungsstadien sind das kürzlich begonnene Mentoring-Projekt der DPG für junge Hochschulabsolventen, oder die Lehrerfortbildung im FoBiNet, auf die ich später noch genauer eingehen werde. Sie sind Paradebesipiele dafür, wie die DPG durch neue Initiativen und modellhafte Projekte ihre Verantwortung für die Qualität der Physik-Ausbildung in Schule und Universitäten wahrnimmt. Allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt, da sie letztlich die flächendeckende und nationale Breitenwirkung natürlich nicht stellvertretend für Universitäten oder Kultusbehörden leisten kann.

Wenn wir das richtig machen, wird es auch immer wieder neue DPG Projekte geben können. Ein Projekt, mit dem wir die Sichtbarkeit der Physik und des Magnus-Hauses Berlin erhöhen möchten, ist ein Treffen anlässlich der Bekanntgabe der Nobelpreisträger hier im Magnus-Haus. Die Idee ist, dass Presse und Medienvertreter ins Magnus-Haus eingeladen werden, um die Bekanntgabe der Physiknobelpreise gemeinsam mit Experten aus dem Kreise der DPG live per Webcast und Leinwand-Projektion zu verfolgen. An kaum einem anderen Tag interessieren sich die Medien so sehr für Physik. Das bietet der DPG als Kommunikationsplattform eine weitere Gelegenheit, Informationen zur Physik an die interessierte Öffentlichkeit zu bringen und ihr Profil als wichtige Instanz für die Physik in Deutschland zu schärfen. Ich freue mich, auf diesen Gebieten mit unserer langjährigen Presseagentur und ihrem Vertreter Markus Neitzert und mit unserem engagierten Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit Metin Tolan zusammenarbeiten zu dürfen, der als Physiker sogar weiß, wie man Balsam auf die deutsche Fussballseele streicht.

A propos Magnus-Haus: selbstverständlich werde ich mich gemeinsam mit dem neuen und wahrscheinlich auch mit dem scheidenden Vizepräsidenten dafür einsetzen, ein tragfähiges Zukunftskonzept für das Magnus-Haus Berlin weiter zu entwickeln. Das historische Magnus-Haus ist auf besondere Weise mit der Geschichte der Physik in Deutschland und der DPG verbunden – nicht erst seit 1958, als die Übergabe des Hauses durch den damaligen Oberbürgermeisters Ebert aus Anlass des 100. Geburtstag von Max Planck an die Physikalische Gesellschaft der DDR zur dauernden Nutzung öffentlich bekundet worden war. Die DPG als Nachfolgeorganisation im vereinten Deutschland hat dieses Erbe übernommen. Sie kann sich jedoch nicht mehr auf ein unbefristetes Nutzungsrecht berufen und steht daher in Verhandlungen über ein langfristiges Zukunftskonzept. Ich habe diese Aktivitäten im Vorstand in den letzten Monaten sehr genau verfolgt und zolle meinen beiden Vorgängern höchsten Respekt für ihre Verhandlungen, die wir gemeinsam fortsetzen werden. So wollen wir die DPG-Aktivitäten im Magnus-Haus sichern, die dank der Arbeit des Kuratoriums, des Wissenschaftlichen Beirats und des wissenschaftlichen Leiters Günter Kaindl eine hohe Sichtbarkeit weit über Berliner Grenzen hinaus haben.

Eng verbunden mit dem Haus ist das Format der Industriegespräche im Magnus-Haus, welche seit vielen Jahren von Herrn Morawski, Mitglied im Arbeitskreis Industrie und Wirtschaft (AIW), mit größtem Engagement durchgeführt werden. Die Veranstaltungen werden ebenfalls von der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung gefördert. Diese Industriegespräche möchten wir auf andere Standorte in Deutschland übertragen und hier natürlich in besonderer Weise das Physikzentrum Bad Honnef einbeziehen. Solche Veranstaltungen halte ich für sehr wichtig. Zusammen mit dem Vorstandsressort Industrie, vertreten durch Lutz Schröter, müssen wir den Wissenstransfer wo wir können stärken. Bekanntlich exisitert in Deutschland das Problem, dass in der Wissenschaft zwar gute Ideen vorhanden sind, es aber bei der Umsetzung in konkrete Produkte manchmal hapert.

Gleichzeitig müssen wir, um die Sichtbarkeit der DPG mit ihren Aktivitäten auch bundesweit und in der Politik sicherzustellen, so viele Synergien wie möglich schaffen, um die DPG als Kommunikationsplattform weiterzuentwickeln. Dazu wird gehören, weiterhin eng mit unseren bewährten Partnern wie insbesondere dem BMBF und der Wilhelm und Else- Heraeus-Stiftung zusammenzuarbeiten, aber auch neue Einrichtungen und Institutionen von den Ideen und konkreten Initiativen der DPG zu überzeugen.

Hier haben wir exzellente Beispiele, um die uns viele Nachbarländer beneiden. Das Jahr der Physik im Jahr 2000, das am 18. Januar hier in Berlin eröffnet wurde, und alle damit zusammenhängenden Aktionen waren von großer Bedeutung für die Wahrnehmung und Wertschätzung der Physik. Mehr als hunderttausend Menschen besuchten damals die Veranstaltungen. Diese Resonanz war in dem Ausmaß nicht vorhersehbar und hatte entsprechend positive Konsequenzen: Inzwischen sind die Wissenschaftsjahre in Deutschland auch für andere Disziplinen zu einer festen Einrichtung geworden. In diesem Jahr, dies hat Herr Litfin gerade erwähnt, haben wir etwa das Jahr der Energie, das für die Physik natürlich auch von besonderer Bedeutung ist. Beflügelt durch diesen Erfolg wurden im Jahr 2001 dann die Highlights der Physik ins Leben gerufen, die bis heute jedes Jahr zehntausenden Besuchern in spannender Form die Physik näher bringen. Auch das Weltjahr der Physik im Jahr 2005, das seinerzeit von der UNESCO ausgerufen wurde, ist dadurch initiiert worden. Diese Aktivitäten sind aber nicht nur für die Wahrnehmung der Physik von großer Bedeutung, sondern haben auch dazu geführt, dass sich die Lage an den Hochschulen was die Physikstudierenden betrifft, wieder etwas verbessert hat. Die Highlights waren ja initiiert worden, um mehr Studierende zu gewinnen. Dieses Ziel wurde erreicht.

Aus diesem Grund freut es mich auch sehr, dass Ende April in Dresden der Programmstart des vom BMBF geförderten „Netzwerk Teilchenwelt“ erfolgen wird. Schirmherrin dieses Programms ist die DPG. Mit dem „Netzwerk Teilchenwelt“ möchten deutsche Forschungs-Institute sowie das CERN junge Menschen für (Astro-)Teilchenphysik begeistern. Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren und Lehrkräfte erhalten die Möglichkeit, in Masterclasses und weiterführenden Veranstaltungen unter fachkundiger Betreuung von DoktorandInnen die Welt der kleinsten Teilchen kennen zu lernen. Dabei können Jugendliche und Lehrkräfte auch selbst aktiv werden – von der Organisation von Projekttagen an der eigenen Schule bis hin zu Workshops oder Projektwochen am CERN und der Mitarbeit an deutschen Forschungsinstituten. Das Netzwerk Teilchenwelt stellt die dritte Säule in der Zusammenarbeit zwischen BMBF und DPG zur Information der Öffentlichkeit. Die beiden anderen Säulen sind die „Highlights der Physik“ und das Internetportal „Welt der Physik“. Mit diesem Engagement möchten wir als DPG unsere große Verantwortung für die Nachwuchsförderung zum Ausdruck bringen und möglichst viele junge Menschen für ein Physikstudium begeistern.

Damit komme ich zweitens zur

DPG als nationale Vertretung der Physikerinnen und Physiker

Dieser Bereich gehört meines Erachtens zu den Kernfeldern eines jeden Mitgliedervereins. Zugegeben, die DPG mit ihren über 58.000 Physikerinnen und Physikern ist erfreulicherweise ein ziemlich großer Verein. Dies bedeutet aber auch, dass wir uns der Wirkung unserer Aktivitäten in der Öffentlichkeit sehr bewusst sein müssen, denn die DPG wird sehr häufig als Vertretung der Physik in Deutschland wahrgenommen und DPG-Vertreterinnen und – Vertreter entsprechend angefragt oder zitiert. Natürlich gibt es je nach Thema sehr unterschiedliche Ansichten in der DPG und entsprechend müssen wir dafür Sorge tragen, dass wir die Meinung der DPG-Mitglieder bestmöglich repräsentieren.

Das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Natürlich wird es dabei auch Minderheitsmeinungen innerhalb der DPG geben, die dabei vielleicht einmal nicht berücksichtigt werden können. Entsprechend müssen wir uns besonders den kritischen Fragen dieser Mitglieder stellen. Dennoch darf uns das nicht davon abhalten, auch zu brisanten Themen Stellung zu beziehen. Das muss in der heutigen Medienwelt oftmals sehr zeitnah erfolgen. Wir können uns in Zeiten der Grand Challenges nicht im sprichwörtlichen Elfenbeinturm verbergen. Die Vielfalt der Projekte, Programme, Studien und Veranstaltungen unserer Mitglieder in den vergangenen Jahren haben kontinuierlich die öffentliche Wahrnehmung der DPG erhöht. Und natürlich sieht man in der Politik genau hin, welche Schwerpunkte und Positionen die DPG hat.

Damit sind wir beim Verhältnis zwischen Politik und Physik. Sage niemand, es gäbe eine eindeutige Trennlinie zwischen der Physik als rein deskriptiver und empirischer Naturwissenschaft auf der einen Seite und der gestaltenden, manchmal tief in das Leben und Zusammenleben eingreifenden Politik auf der anderen Seite. Ich möchte hier nicht auf die grundsätzliche Frage der moralischen Verantwortung der Wissenschaftler für ihr Tun eingehen, die gerade die Physiker in verschiedenen Epochen tief bewegt und betroffen hat. Nein, es beginnt schon viel profaner bei der Tagespolitik. Auch für sie sind gemäß der Denkschrift der DPG aus dem Jahre 2000: „…Kenntnis physikalischer Arbeitsweisen und Begriffsbildungen von grundsätzlicher Bedeutung…“, ebenso wie z. B. für Philosophie oder Finanzwissenschaften. Nicht alle Politiker sind jedoch Physiker und damit vertraut, selbst wenn es berühmte und rühmliche Ausnahmen gibt. Hier kann und muss die DPG unterstützend eingreifen und Fakten und Hintergrundwissen als Basis für politische Entscheidungen liefern. Das hat sie mit ihren viel beachteten Studien immer getan und wird es in Zeiten der großen gesellschaftlichen Herausforderungen verstärkt tun. Dabei soll und wird sie sich vornehmlich auf die Vermittlung von objektiven Fakten konzentrieren und die politische Wertung und Schlussfolgerungen der Politik überlassen – Handlungsempfehlungen werden und sollen eine große Ausnahme bleiben. Wir sind als physikalische Gesellschaft DPG allein der Wissenschaft verpflichtet und nicht der Politik – selbst wenn für die Physiker als Individuen anderes gilt.

Das stellt uns als DPG vor neue Herausforderungen. Hier sehe ich noch weitere Handlungsmöglichkeiten und für die DPG die Aufgabe des Agenda- Settings. Zwar bilden die bestehenden Strukturen bereits eine große Breite an Themen ab, doch gibt es auch noch einige Lücken zu schließen, wie etwa den sehr komplexen Bereich Umwelt und Klimawandel, zu dem wir in der DPG bisher noch sehr wenig Studien oder Veranstaltungen haben, obwohl physikalische Fakten für die Urteilsbildung der politischen Entscheidungsträger sehr wichtig sind. Hier möchte ich in meiner Präsidentschaft daran arbeiten, dass wir in der DPG die Mechanismen schaffen, um zu möglichst vielen Themen, die die Physik betreffen, Stellung nehmen zu können.

Aus diesem Grund werde ich mich auch sehr dafür einsetzen, dass wir die bisherigen Aktivitäten im Bereich der Nachwuchsförderung, der Förderung von Chancengleichheit und der Lehrerfortbildung konsequent weiterführen und sehe mich darin vom Vorstandskollegen Ulrich Nienhaus hervorragend unterstützt. Sie sind der wichtigste Schlüssel für die Sicherung des Wissenschafts- und Innovationsstandorts Deutschland und zur Behebung des Fachkräftemangels. Die kürzlich erschienene Studie der DPG zum Arbeitsmarkt für Physikerinnen und Physiker zeigt, dass sich speziell für die Physik ein dramatischer Fachkräftemangel abzeichnet. So wird der jährliche Mindestbedarf an neu einzustellenden Physikerinnen und Physiker von derzeit 2.500 auf 3.600 im Jahre 2028 steigen. Dabei wird die Lücke zur Zahl der Absolventen immer größer. Dieses Problem trifft bekanntlich nicht nur für die Physik zu. Nach einer Studie von McKinsey werden schon in fünf Jahren Unternehmen mehr Arbeitsplätze anbieten, als sie dann besetzen können. Diese Lücke könnte bis zwischen den Jahren 2015 und 2020 auf rund zwei Millionen Arbeitskräfte steigen. Ausgelöst wird diese Entwicklung durch den demografischen Wandel. Was können wir als DPG dagegen tun?

Eine gute Nachricht ist, dass sich entgegen dieser negativen Prognose die Zahl der jungen Mitglieder in der DPG sehr gut entwickelt und weit über die Hälfte der DPG-Mitglieder Studierende oder Schülerinnen und Schüler sind. So können wir selbst als DPG einen wichtigen Beitrag leisten können, den dringend notwendigen wissenschaftlichen Nachwuchs in der Physik für den Innovationsstandort Deutschland zu gewinnen und auch zu behalten.

Ein Instrument dazu, mit dem die DPG seit Jahren das Interesse von Abiturientinnen und Abiturienten an den MINT-Fächern und speziell an der Physik zu wecken versteht, ist der DPG-Schülerpreis, mit dem hervorragende Abiturleistungen im Fach Physik ausgezeichnet werden. Die Preisträger des Abiturjahrgangs des Jahres 2007 hat die DPG eingeladen, an einer Langzeitstudie teilzunehmen, um die Studien- und Karrierewege dieser naturwissenschaftlichen „high potentials“ zu verfolgen. Diese Studie hat bereits erste interessante Ergebnisse geliefert. Ich bin überzeugt, dass sie in den kommenden Jahren eine wichtige Basis darstellen wird, um die Aktivitäten der DPG für die Nachwuchsgewinnung zu optimieren. Diese Ergebnisse möchte ich mit den Entscheidungsträgern in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft diskutieren.

Diese Diskussion möchte ich natürlich im besonderen Maße auch mit der jungen DPG führen. Die junge DPG ist mit ihren Regionalgruppen inzwischen an 23 Hochschulstandorten vertreten und prägt die Außenwahrnehmung der DPG bei jungen Leuten ganz wesentlich. Obwohl die DPG also eine sehr junge Gesellschaft ist, bilden die Organisationsstrukturen der DPG dies aber noch nicht vollständig ab. Hier sehe ich Handlungsbedarf, damit die DPG noch stärker als bisher auch die Vertretung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland darstellt.

Im besonderen Maße sehe ich die DPG in der Rolle der Vertretung der Interessen unserer Physikerinnen, d.h. die Förderung von Chancengleichheit. Es ist zwar richtig, dass Chancengleichheit bereits im Elternhaus und in der Schule beginnt, es wäre aber falsch anzunehmen, dass die Probleme ausschließlich dort gelöst werden können oder sollten. Nach einer Umfrage unter weiblichen Führungskräften in den 500 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands – hier finden sich übrigens nur knapp 10 Prozent Frauen – bremsen weiterhin fehlende Chancengleichheit und Vorurteile gegenüber weiblichen Führungskräften das Potenzial von und für Frauen in Spitzenpositionen aus. Das ist ein dramatischer Befund, der leider zeigt, dass in vielen Führungsetagen in Deutschland trotz öffentlicher Bekenntnisse und Arbeitskräftemangel das Thema immer noch nicht ernst genommen wird.

Was können wir als DPG tun? Es freut mich sehr, dass die DPG mit dem Arbeitskreis Chancengleichheit eine starke Vertretung der Interessen unserer weiblichen DPG-Mitglieder hat. Viel wurde in Zusammenarbeit mit dem AKC bereits auf den Weg gebracht. Dennoch gibt es Indikatoren, dass noch deutlich mehr zu tun wäre: der Anteil an weiblichen DPG-Mitgliedern beträgt nur 13,2%, zwar deutlich gewachsen seit den 2.8% im Jahr 1980, aber schlichtweg noch viel zu niedrig. Instrumente zur Abhilfe hätten wir. Die DPGTagungen sind neben den Highlights der Physik die wichtigsten und öffentlichkeitswirksamsten Aushängeschilder für die Physik in Deutschland. Diese sollten wir z.B. stärker als bisher nutzen, um sowohl dem weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs als auch den etablierten Wissenschaftlerinnen eine Plattform zu bieten, um herausragende Role Models, also erfolgreiche Vorbilder, zu präsentieren.

In diesem Zusammenhang habe ich mit Genugtuung vernommen, dass die DPG in diesem Jahr das schon erwähnte eigene Mentoring-Programm auf den Weg bringt. Wir brauchen eine solche Kultur des Mentorings in Deutschland dringender denn je, denn die Erfahrungen und Motivation von erfahrenen Physikerinnen und Physikern sind unerlässlich. Als jemand, der einen Teil seiner beruflichen Laufbahn an amerikanischen Universitäten verbracht hat, sehe ich hier einen besonderen Nachholbedarf.

Für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses muss sich die DPG in besonderer Weise um den Schulunterricht und die Aus- bzw. Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer bemühen. Hier hat die DPG mit dem Lehrerfortbildungsprogramm fobinet einen richtigen und wichtigen Weg beschritten. Auch ich möchte der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung und Ihnen, Herr Röß und Herr Dreisigacker, meinen Dank dafür aussprechen, dass Sie nicht nur dieses Projekt fördern, sondern der DPG insgesamt zutiefst verbunden sind. Ich werde mich dafür einsetzen, dass dieses Programm weiter ausgebaut und verstetigt werden wird, und sehe in Rita Wodzinski eine tatkräftige Mitstreiterin auf diesem Weg.

Dazu gehört auch, auf Basis der aktuellen Ergebnisse der DPG-Studie zu den Quereinsteigern in das Lehramt Physik entsprechend zu handeln und neue Konzepte für die Lehrerfortbildung zu entwickeln. Die Zusammenarbeit mit der Kultusministerkonferenz ist unerlässlich, um das von der DPG mit einem bundesweiten Konsortium von Physikdidaktikern entwickelte Weiterbildungsangebot für die fachdidaktische Qualifizierung von Quereinsteigern umzusetzen. Das Weiterbildungskonzept der DPG umfasst auf den Vorgaben der Kultusministerkonferenz fußend inhaltliche Module, die es Quereinsteigern ermöglichen sollen, physikdidaktische Basisqualifikationen zu erwerben, die im Lehramtsstudium Gegenstand der universitären Ausbildung sind. Damit liefert die DPG ein Konzept, das grundsätzlich auch auf andere Mangelfächer übertragbar ist.

Was sich an den Schulen entwickelt, muss auf dem gleichen Niveau an den Universitäten fortgesetzt werden. Auch hier gilt es, Begabungen zu fördern, den wissenschaftlichen Nachwuchs bestmöglich auszubilden und den jungen Menschen weiterhin alles dasjenige zu vermitteln, was bislang den Diplom- Physiker oder die Diplom-Physikerin sowohl in der Wissenschaft wie auf dem Arbeitsmarkt so attraktiv gemacht hat.

Von zentraler Bedeutung ist für die DPG daher die Zusammenarbeit mit der Physik an den Hochschulen. In der bewährten und eingespielten Weise möchten wir die enge Kooperation mit der Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP) fortsetzen und gemeinsam dafür Sorge tragen, dass die Qualität der Lehre und Forschung an den Universitäten in Deutschland auf dem international anerkannten hohem Niveau erhalten bleibt. In den kommenden Jahren liegen in diesem Bereich große Herausforderungen vor uns. Gemeinsam mit der KFP werden wir uns weiter offensiv in die Diskussion um die Hochschulreform einbringen und uns in allen Fragen lautstark zu Wort melden, die die Qualität des Physikstudiums und damit die Zukunftschancen unserer Studentinnen und Studenten betreffen. Hier gilt es zunächst, die in das Bachelor- und Master-System überführten Physik-Studiengänge daraufhin zu überprüfen, ob sie für die Studierenden tatsächlich zu bewältigen sind und nicht das Durchdringen und Verstehen der Physik auf dem Altar kleinteiliger Prüfungen geopfert haben. Wir werden weiterhin darauf insistieren, dass eine umfassende physikalische Ausbildung auf dem Niveau des bisherigen Diploms nur in der konsekutiven Abfolge von Bachelor- und Master-Studium zu erreichen ist und der Master der Regelabschluss in der Physik sein muss.

Nicht nur die Qualität des Physikstudiums müssen wir erhalten, auch die Promotion in der Physik muss ihre Bedeutung und ihren besonderen Charakter behalten. Sie ist kein „dritter Zyklus“ der akademischen Ausbildung, wie es in einigen Erklärungen zum Bologna-Prozess heißt, sondern in unserem Verständnis eine erste Phase selbständiger wissenschaftlicher Berufstätigkeit, die es vor Tendenzen zur Verschulung – und damit letztlich Entwertung – zu bewahren gilt. Doktoranden sollen – gut betreut und begleitet – forschen, und nicht ihre Zeit damit verbringen, in einem Begleitstudium Credit points zu sammeln.

Angesichts des zu erwartenden und von der Politik ja auch beförderten und befürworteten Anstiegs der Studienanfängerzahlen müssen DPG und KFP sich dafür einsetzen, dass die Physik-Fachbereiche die personelle und finanzielle Ausstattung erhalten, mit der sie diesen hohen Erwartungen gerecht werden können. Dazu gehört es auch, dem wissenschaftlichen Nachwuchs verlässliche und attraktive Zugangswege zur Hochschullehrerlaufbahn zu eröffnen. Am Modell der damals neuen Juniorprofessur hat die DPG im Jahr 2005 diese Karrierewege untersucht und Anforderungen formuliert. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse einer Fortschreibung dieser Studie, die in den kommenden Monaten vorliegen wird. Eine erste Erkenntnis aus dem bei den Physik-Fachbereichen und beim wissenschaftlichen Nachwuchs erhobenen Datenmaterial ist die, dass sich in der Physik neben der Juniorprofessur das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft als attraktiver und quantitativ ebenso bedeutender Weg zur Hochschullehrerlaufbahn etabliert hat.

Damit komme ich zu meinem dritten und letzten Punkt, der

DPG als Vertretung der Physik im europäischen und internationalen Kontext

Dass der europaweite Prozess einer Hochschulreform auch zehn Jahre nach der Erklärung von Bologna noch lange nicht abgeschlossen ist, hat die Konferenz der europäischen Bildungsminister im März in Wien und Budapest noch einmal nachdrücklich bestätigt. Aus einer Studie der European Physical Society wissen wir, dass die Physik-Studiengänge in Deutschland bei der Umsetzung der Reformvorgaben erfolgreicher und weiter fortgeschritten sind als in so manchem anderen europäischen Staat. Doch die Proteste der Studierenden und die Klagen der Professorinnen und Professoren zeigen, dass gerade auch an den deutschen Hochschulen viel zu tun bleibt.

Die Bologna-Reform und die Studie der EPS machen aber auch deutlich, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit für den Wissenstransfer ist. In meiner Präsidentschaft werde ich mich dafür einsetzen, dass wir die bestehenden guten Kontakte zu den physikalischen Fachgesellschaften in Europa und international weiter ausbauen. Während eines Gesprächs mit meinem künftigen Kollegen Bob Byer von der American Physical Society waren wir uns schnell darin einig, dass unsere beiden Gesellschaften zwar viele gleichartige Interessen und politische Ziele verfolgen, aber insgesamt herzlich wenig miteinander kommunizieren – als langjährige Kollegen in der Laserphysik sind wir wild entschlossen, das gründlich zu ändern. Gleichzeitig möchte ich mich zusammen mit dem Vorstand, insbesondere dem Hauptgeschäftsführer Bernhard Nunner und unserem „Aussenminister“ Karl- Heinz Meier für Reformen bei der European Physical Society einsetzen. Die EPS erfüllt eine zentrale und wichtige Aufgabe, um der Physik in Europa ein Gesicht und eine Stimme zu verleihen. Die DPG will zusammen mit ihrer englischen Partnerorganisation IoP die Rolle der EPS als schlagkräftige Vertretung ihrer Mitgliedsorganisationen deutlich stärken und bietet dafür ihre Unterstützung an.

Wir müssen insbesondere dafür sorgen, dass die EPS und die Interessen der Physik verstärkt auch in Brüssel gehört werden. Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass Brüssel für mich keineswegs unbekanntes Terrain ist, daher wird mir dieser Punkt ein besonderes und vertrautes Anliegen sein. Dies betrifft natürlich in besonderer Weise die aktuelle „Europa 2020“-Strategie, mit der die EU Kommission Anfang März diesen Jahres ihre Vision für das nächste Jahrzehnt vorgestellt hat und die die „Lissabon-Strategie“ ablöst. Die EU 2020-Strategie soll bereits im Juni diesen Jahres von dem Europäischen Rat beschlossen werden, um Europa zur Wissenschaftsgesellschaft zu entwickeln, den Europäischen Hochschul- und Forschungsraum stärker miteinander zu verzahnen und Europas Forschungsinfrastruktur zu verbessern. Dabei hat die Stärkung von Forschung, Bildung und Innovation eine Schlüsselrolle - Bereiche, in denen die Physik eine zentrale Rolle spielt.

Damit sind wir letztlich bei der europäischen Forschung und beim 8. Rahmenprogramm, das sich bereits in den Brüsseler Köpfen abzeichnet. Es scheint derzeit, als führe es uns wieder zu dem Thema, mit dem sich der Kreis dieser Rede schließt: die künftige Rolle der Physik im Zusammenhang mit den großen gesellschaftlichen Herausforderungen, die die Menschheit nur gemeinsam bewältigen kann, um langfristig die Bedingungen für unser Leben und Überleben zu sichern. Zu den Schwerpunkten des 8. Rahmenprogramms werden gehören:

  • die Sicherung von Ernährung und Gesundheit einer wachsenden Weltbevölkerung,
  • die Bereitstellung und lösungsorientierte Verknüpfung großer Mengen an Information,
  • der verantwortliche Umgang mit den natürlichen Ressourcen der Umwelt,
  • die nachhaltige und umfassende Versorgung mit Energie.

Wie schon gesagt: die DPG bewährte Wege weiter beschreiten, um sich über Studien und Stellungnahmen zu diesen Themen weiterhin Gehör nach außen zu verschaffen. Das Faktenblatt „Physik konkret“ hat sich dabei als hervorragendes Instrument bewährt, um drängende Probleme – vom Atommüll bis zur Solarthermie – aus der Sicht und dem Wissen der Physik zu beleuchten und Sachinformationen bereitzustellen. Die große Resonanz, auf die unsere Energiestudie aus dem Jahr 2005 gestoßen ist, hat uns aber auch deutlich gemacht, dass die Öffentlichkeit auch komplexe und detailreiche Denkanstöße und Klarstellungen von der DPG erwartet. Hier möchte ich in Zukunft noch mehr als bisher die geballte Kompetenz der Fachverbände, Sektionen und Arbeitskreise einsetzen und gemeinsam entscheiden, wie und zu welchen Themen die DPG als unabhängige Organisation künftig Position beziehen wird: über wissenschaftliche Veranstaltungen, durch Formen der Öffentlichkeitsarbeit, aber nicht zuletzt auch durch Instrumente zur Information und Beratung der Politik.

Dabei halte ich es für möglich und nötig – und das wird jetzt der letzte Baustein meiner Visionen für die DPG 2012 sein - auch darüber nachzudenken, was die Reaktion auf gesellschaftliche Herausforderungen langfristig für die innere Organsiation und Struktur unserer Fachgesellschaft bedeuten mag. Vielleicht mag es sinnvoll sein, neben die bewährten Strukturen des Vereins neue organisatorische Einheiten treten zu lassen, die – dauerhaft oder situativ – ein Thema jenseits der vor allem fachlich orientierten Struktur der DPG bearbeiten können – die bewährte Matrix-Struktur von Kompetenz- und Geschäftsfeldern auch innerhalb der DPG! So können die Expertinnen und Experten verschiedener Disziplinen, die sich unter dem Dach der DPG sammeln, thematisch effektiv zusammengebracht werden, und sei es nur für ein zeitlich begrenztes Thema. Oftmals, könnte ich mir vorstellen, wird es dabei auch hilfreich sein, die Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften, mit Wissenschaftsorganisationen oder Forschungsförderern zu suchen, um gemeinsam die bestmöglichen Antworten auf die brennenden Fragen zu liefern. Packen wir es an, mit allem, was wir als Physiker haben: einem scharfen Verstand, einem langen Atem, einer großen Neugier und einem gewissen Spieltrieb.

Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit meinen künftigen Kolleginnen und Kollegen im DPG-Vorstand und den anderen Gremien der DPG sowie natürlich auf die Gespräche mit Ihnen jetzt im Anschluss. Dazu möchte ich Sie nun als meine allererste offizielle Amtshandlung zu einem kleinen Buffet einladen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 
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