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Prof. Dr. Wolfgang Sandner, Berlin
am 2. Juli 2011

Rede des Präsidenten anlässlich fünf Jahre jDPG, 2. Juli 2011, 19:50 Uhr, im „Phaeno“, Willi-Brand-Platz 1, 38440 Wolfsburg

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Prof. Schnellecke,
sehr geehrter Herr Guthart,
sehr geehrter Herr Otuzbir,
sehr geehrter Herr Mesterharm,
lieber Herr Heinrich,
lieber Herr Schröter,
lieber Metin Tolan,
liebe Vertreter des Jungchemiker-Forum, VDI und juFORUM
sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
liebe jDPG,

es ist mir eine besondere Freude, heute zum fünfjährigen Bestehen der jDPG im Science Center „Phaeno“ in Wolfsburg zu Ihnen sprechen und die Arbeit der jDPG anlässlich dieser Festivität würdigen zu dürfen. Mit dem Thema “Mobilität” haben Sie sich ein großes Thema für Ihren Jahreskongress ausgesucht, das einer Nachwuchsorganisation der DPG in Zeiten der großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klima, Energie, Gesundheit und eben auch Mobilität durchaus würdig ist. Bei etwas Nachdenken ist es sogar vielschichtiger, als es auf den ersten Blick scheint: Mobilität kann physische oder geistige Mobilität bedeuten und sich gleichermaßen auf Verkehrsprobleme wie auf den wissenschaftlichen Nachwuchs beziehen – über beides lohnt es sich nachzudenken!

Rückblick auf 5 Jahre jDPG
Lassen Sie mich zuerst das heutige Geburtstagskind, die jDPG, würdigen. Eine Erklärung, warum sich die jDPG, die im Jahr 2006 gegründet worden ist, liegt sicher in der Struktur der Muttergesellschaft DPG. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft, die bis ins jahr 1845 zurückreicht, ist die älteste und größte überregionale physikalische Fachvereinigung weltweit, gleichzeitig aber eine sehr junge Gesellschaft. Als ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte hat die DPG im Mai dieses Jahres eine neue Schallmauer bei den Mitgliederzahlen durchbrochen und zählt nun über 60.000 Physikerinnen und Physiker! Das 60.000ste Mitglied ist übrigens ein 17jähriger Schüler, der sich sofort nach seinem Beitritt als jDPG-Mitglied eingetragen hat. Die Zahl der Mitglieder hat sich seit dem Jahr 2000 verdoppelt. Wenn man bedenkt, dass es etwa 120.000 Physikerinnen und Physiker in Deutschland gibt, darin sind die Studierenden allerdings noch nicht eingerechnet, dann hat die DPG im Vergleich zu anderen nationalen Physikalischen Fachgesellschaften einen außergewöhnlich hohen Organisationsgrad. Die größten Kohorten befinden sich bei den jungen DPG-Mitgliedern im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, weshalb die DPG ein mittleres Alter ihrer Mitglieder von 34 Jahren hat.

Verbunden mit der Gründung der jDPG waren die Wünsche, einerseits ein Angebot für die studierenden Mitglieder der DPG zu schaffen und andererseits den Grundgedanken bei den jungen DPG-lern zu verankern, dass eine starke Gesellschaft von dem Engagement ihrer Mitglieder abhängig ist. Zudem kann man in der jDPG durch das Organisieren von Veranstaltungen oder die Durchführung von Projekten und Programmen auch die berühmten Soft Skills erlernen, die im heutigen Berufsleben von entscheidender Bedeutung sind, wie Managementfähigkeiten, Organisation, Leitung oder diplomatisches Geschick, aber auch journalistische Fähigkeiten für die Erstellung von Artikeln, Druckerzeugnissen und Flyern. Hier wurde und wird nichts dem Zufall überlassen, wie auch der Kongress zeigt: In der jDPG wird von jungen angehenden Physikerinnen und Physikern fast schon professionell organisiert, koordiniert und Verantwortung übernommen, kurz gesagt sehr gut gemanaged, um bestmögliche Resultate zu erzielen. Fähigkeiten, die in unserer DPG, die ihre Veranstaltungen weitgehend selbst organisiert, sehr wertvoll sein können!

Die Eigenregie in unseren Veranstaltungen ist – bei allen damit verbundenen kleinen Schwächen - übrigens eines der Geheimnisse, warum die Gesellschaft bei vielen Mitgliedern und insbesondere bei den jungen so sympathisch erscheint. Der Erfolg bestätigt es: In diesem Jahr hatte die DPG erstmals in ihrer Geschichte über 10.000 Besucher bei ihren Frühjahrstagungen, die Jahrestagung der DPG war einmal mehr die größte Physikkonferenz in Europa. Gerade für die jungen Absolventen, Diplomanden, Master und Doktoranden, sind die Frühjahrstagungen ein lebenslang prägendes Erlebnis, wo zum ersten mal vor einem großen, zum Teil internationalen Publikum eigene wissenschaftliche Ergebnisse vorgestellt werden!

Der Erfolg der jDPG seit ihrer Gründung ist sensationell: Die jDPG verfügt aktuell über 1.200 Mitglieder in 30 Regionalgruppen! Zum Vergleich: Die nationale italienische Physikalische Gesellschaft hat gerade 2000 Mitglieder, und viele der über 40 Mitgliedsverbände der European Physical Society sind nicht so mitgliederstark wie unsere jDPG.

Viele jDPGler halten dabei der jDPG, und damit natürlich auch der DPG, über Jahre die Treue und bereichern die DPG durch Ihr Engagement. Die jDPG hat mit ihren Aktivitäten und Programmen einen wichtigen Beitrag geleistet, auf junge Menschen zuzugehen und diesen die Physik als Wissenschaft und Berufsfeld nahezubringen. Dies übrigens nicht nur für Studierende, sondern auch für Schülerinnen und Schüler. Dass Physik von manchen Schülerinnen und Schülern immer noch als zu schweres Fach angesehen wird, das deshalb allzu schnell abgewählt wird, lässt erkennen, welche große Aufgabe auf die Aktiven der jDPG hier warten. Gleichzeitig wirkt die jDPG aber auch nach außen, denn sie etabliert etwa den Kontakt zu den Fachschaften an den deutschen Universitäten, zu den Jungchemikern oder den jungen Ingenieuren, aber auch zur European Physical Society oder der International Association of Physics Students.

Bachelor
In diese Richtung geht auch die gestrige Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik, Hochschule und Wirtschaft zu der Frage „Bachelor welcome?“ Sie kennen das Ergebnis einer DPG-Studie, erstmals bei der diesjährigen Frühjahrstagung in Dresden vorgestellt: 90 Prozent der Firmen stellen gegenwärtig praktisch keine Physik-Bachelors ein, obwohl die meisten nach eigenen Angaben durchaus vertraut mit dem Konzept des Bachelor sind. Damit stellt diese Untersuchung das positive Bild, das die Bundesregierung von der Akzeptanz des Bachelor-Abschlusses im Allgemeinen zeichnet, für die Physik in Frage – übrigens in gleicher Wiese für die Chemie, wie der Geschäftsführer der GDCh gerade in diesen Tagen veröffentlicht hat: nur 2 Prozent der Chemie-Bachelors wollen nach ihrem Studium die Universität verlassen, 98 Prozent streben einen Master an.

Es ist daher wichtig, Sie, liebe Studierende, frühzeitig und ehrlich darüber zu informieren, dass wir Ihnen für einen aussichtsreichen Job in der Wirtschaft gegenwärtig den Masterabschluss dringend ans Herz legen. Gleichzeitig setzt sich die DPG dafür ein, dass einem Bachelorabsolventen der Zugang zu einem Masterstudiengang nicht verwehrt werden darf.

Der Gruppe von Physikstudierenden gehört zu der Generation, welche die Zukunft unseres Fachs gestalten, das unverzichtbar für eine Hochtechnologienation wie Deutschland ist. Naturwissenschaftlich-mathematische Bildung ist Bestandteil der Allgemeinbildung und wirkt weit über die Grenzen der Naturwissenschaften hinaus. Insbesondere die Physik mit ihrer besonderen Methodik, ihrer mathematischen Sprache und dem absoluten Primat der experimentellen Fakten hat dabei eine besondere Stellung. Sie wirkt in viele Nachbarwissenschaften hinein, nicht nur in die Naturwissenschaften wie Chemie und Biologie oder die Ingenieurwissenschaften, sondern auch in Lebens- Geistes- und Wirtschaftswissenschaften. Ohne die Physik sind die Großen Gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit nicht zu bewältigen – eine Botschaft, die die DPG auch an die Europäische Kommission in einem Positionspapier zur Gestaltung des nächsten Forschungsrahmenprogramms sehr deutlich übermittelt hat.

Damit sind wir wieder beim Thema des heutigen Kongresses angelangt, bei der Mobilität.

Der Komplex „Verkehr 2050 – Zukunftsanforderungen und Mobilitätssicherung“ gehört zu den “Großen Gesellschaftlichen Herausforderungen” unserer Zeit. Mobilitätssicherung bedeutet hier, am schnellsten, einfachsten und besten von A nach B zu kommen. Selbst dieser Mobilitätsbegriff hat mehrere Dimensionen:
  • eine physikalisch-technische: wie realisiere ich den Transport?
  • eine gesellschaftliche: welche finanziellen, soziologischen und politischen Randbedingungen sind zu berücksichtigen?
  • eine “ethische”: wie setze ich Prioritäten zwischen sich widersprechenden Randbedingungen, wie z.B. Klimaverträglichkeit und uneingeschränkter Mobilität der Gesellschaft?

Sie sehen schon: Mit Physik allein kann man solche komplexen Probleme der modernen Gesellschaft nicht lösen, ohne die Physik aber auch nicht. Mein Aufruf gerade an Sie als jDPG ist: unsere Beiträge zu diesen Themen werden unterschiedlich sein, je nach dem, ob wir uns als Fachgesellschaft oder als Individuen zu Wort melden – “kneifen” gilt aber nicht, wir sind es der Gesellschaft schuldig, uns mit unserem Fachwissen und unserer Methodik auf allen Ebenen einzubringen.

Als Fachgesellschaft, die die Belange der Physik vertritt, sind wir gut beraten, uns auf unser Spezialgebiet, die physikalisch-technischen Aspekte der Mobilität zu beschränken. Die DPG hat eine lange und erfolgreiche Tradition in der Politikberatung, indem wir die physikalischen Grundlagen für politische und gesellschaftliche Entscheidungen aufzeigen – ohne dass wir zwischen verschiedenen politischen Optionen eine Wertung oder gar gesellschaftliche Patentlösungen bieten. Das unterscheidet uns vielleicht von anderen, geschieht aber ganz bewußt, um unsere naturwissenschaftliche Unabhängigkeit und Autorität zu wahren. Das gilt für die aktuellen Problematik der Kernenergie übrigens ebenso wie für die Mobilität.

Mobilität bietet genügend viele spannende physikalisch-technische Aspekte, wie die Beiträge Ihres Jahreskongresses über Elektromobilität, Lithium-Ionen Batterien und „Physik des Flugverkehrs“ demonstrieren - alles genuin physikalische Themen, selbst wenn sie in die benachbarte physikalische Chemie und die Ingenieurwissenschaften ausstrahlen. Das Science Center “Phaeno” in Wolfsburg ist ein hervorragend gewählter Platz, um diese Fragen zu diskutieren, und das Progamm Ihrer Jahrestagung ist voll davon – mein Glückwunsch dazu!

Damit komme ich zum Abschluß und möchte mich zuerst bei allen Beteiligten für die Ausrichtung dieses Kongresses danken. Dem BMBF und der Wilhelm und Else Heraeus- Stiftung möchte ich für die großzügige finanzielle Unterstützung der Tagung meinen Dank aussprechen. Ebenfalls möchte der Carl Zeiss AG für ihren finanziellen Beitrag danken. Den Verantwortlichen der AutoUni und des „Phaeno“ verdanken wir die freundliche Bereitstellung der Räumlichkeiten und Infrastruktur für den Kongress.

Dem Organisationsteam der jDPG möchte ich meinen herzlichen Dank und meine große Anerkennung für das große Engagement zum Gelingen dieser Konferenz aussprechen. Dieses Engagement bedeutet nicht nur ein klares Bekenntnis zur Physik, sondern auch den Einsatz von viel kostbarer Zeit im Ehrenamt während des ohnehin zeitintensiven Physikstudiums.

Darüber hinaus möchte ich aber auch meinem geschätzten Kollegen im DPG-Vorstand, Lutz Schröter, herzlich danken, der als VW-Angehöriger diesen Kongress besonders unterstützt hat.

Denn eines ist sicher: Der wissenschaftliche Nachwuchs liegt der DPG ganz besonders am Herzen und wir werden uns für Sie einsetzen! Um die Interessen der jungen Mitglieder künftig noch direkter und stärker zu berücksichtigen, möchte ich der jDPG als kleines Jubiläumspräsent heute einen Beschluss des Vorstands der letzten Vorstandssitzung mitteilen: Die jDPG ist uns so wichtig, dass sich der Vorstand dafür ausgesprochen hat, dass künftig regelmäßig die Sprecherin oder der Sprecher der jDPG als Gast zu den Sitzungen des Vorstands eingeladen werden wird, um die politischen Entscheidungen und Strategien im Vorstand direkt mit den Interessen der jungen Menschen in der DPG zu koppeln. Ich blicke deshalb mit Spannung auf die kommenden Wahlen zum Vorstand der jDPG und freue mich auf die künftige Zusammenarbeit mit der jDPG!

Die jDPG ist für die DPG ein unverzichtbarer Pfeiler und tragende Säule, um mit jungen Menschen in Kontakt zu treten und für die Physik als Wissenschaft zu werben. Deshalb möchte ich jetzt auch noch die Gelegenheit nutzen und den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern der jDPG meinen ganz besonderen Dank für ihre Arbeit aussprechen, und zwar:
  • Alexander Heinrich, Mitbegründer, Motor und langjähriger Bundessprecher und Gründer der Regionalgruppe Bonn als eine der ersten Regionalgruppen der jDPG,
  • Christian Steiner, Gründungsmitglied der jDPG und seit 2009 Vorstand für Finanzen,
  • Christoph Decker, Vorstand für Homepage und Technik,
  • sowie Matthias Mader, der die Regionalgruppe München aufgebaut hat und im Vorstand der jDPG für berufsvorbereitende Programme zuständig war.
Damit möchte ich mit einem Zitat eines großen Physikers schließen:
„Der Wert der Leistung liegt im Geleisteten“.

Fakt ist: Das Geleistete der jDPG ist aller Ehren wert! Der von mir zitierte Physiker war übrigens kein Geringerer als Albert Einstein!

Ich wünsche Ihnen allen noch einen weiterhin erfolgreichen und spannenden Kongress.

Vielen Dank!

 
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