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Prof. Dr. Gerd Litfin, Göttingen
am 23. März 2010

Rede des Präsidenten anlässlich der Frühjahrstagung am 23. März 2010 in Regensburg

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich begrüße Frau Prorektorin Prof. Neumann-Holzschuh, Herrn Kanzler Dr. Blomeyer, unseren Tagungsleiter, Herrn Prof. Weiss, Prof. Michelle Leduc, unsere Preisträgerinnen und Preisträger und Herrn Dr. Dueck.

Im Namen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und auch persönlich heiße ich Sie ganz herzlich zu der diesjährigen Tagung in Regensburg und zu unserem Festakt willkommen.

Die diesjährige Tagung in Regensburg stellt wieder einmal die größte Physiktagung Deutschlands und Europas dar, zu der rund 5.000 Besucher aus dem In- und Ausland erwartet werden. Das Tagungsprogramm ist vielseitig: Im Mittelpunkt stehen Nanotechnologie, Mikroelektronik, Materialforschung und andere Bereiche der Festkörperphysik. Darüber hinaus werden die neuesten Entwicklungen in den Bereichen der Biophysik und Medizintechnik diskutiert. In Regensburg vertreten ist zudem die „Physik sozioökonomischer Systeme“. Diese breit gefächerte Disziplin befasst sich mit sozialen Netzen und Netzwerken, Evakuierungsszenarien und Börsenkursen, der Ausbreitung von Infektionskrankheiten und auch mit der Spielstärke von Fußballmannschaften. Mit Blick auf die kommende Fußballweltmeisterschaft in Südafrika wissen wir dann auch, an wen man sich für gute Tipps wenden muss.

Der Kongress ist damit nicht nur für die Physik und zur Förderung der Naturwissenschaften von zentraler Bedeutung, sondern ist gleichfalls ein wichtiges Signal an die Politik, dass die Förderung der Physik auch in Zeiten von Wirtschaftskrise und schwieriger Staatsfinanzen unverzichtbar ist. Die Physik mit ihrem Innovationspotenzial brauchen wir jetzt umso mehr, da es gilt Deutschland als Wissenschafts- und Hightech-Standort abzusichern und auszubauen. Dazu bedarf es ausreichender Finanzmittel und hervorragend ausgebildeter, motivierter Menschen in ausreichender Zahl.

Physiktagungen und der hier stattfindende Austausch von Wissen sind von zentraler Bedeutung zur Sicherung des Wissenschaftsstandortes Deutschland. Aus diesem Grund möchte ich der an der DPG-Frühjahrstagung beteiligten Sektion sowie den Fachverbänden und allen weiteren Beteiligten meinen großen Dank für ein herausragendes wissenschaftliches Tagungsprogramm aussprechen. Bedanken möchte ich mich ebenso bei der Universität Regensburg für die Gastfreundschaft und bei der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung für ihre großzügige finanzielle Unterstützung insbesondere für unseren Wissenschaftlernachwuchs. Mein ganz besonderer Dank gilt dem örtlichen Tagungsleiter, Prof. Dieter Weiß und dem Tagungsorganisator, Dr. Hans Stockmeier, beide von der Universität Regensburg, sowie dem gesamten Team. Schließlich möchte ich auch der DPG-Geschäftsstelle in Bad Honnef meine Anerkennung für ihre Leistung zum Gelingen der diesjährigen Frühjahrstagungen aussprechen.

Da wir heute auch Nicht-DPG-Mitglieder als Gäste begrüßen dürfen, möchte ich, bevor wir zur Preisverleihung schreiten, etwas zur Rolle der DPG für die Physik in Deutschland sagen. Die DPG versteht sich als Forum und Sprachrohr der Physik und verfolgt als gemeinnütziger Verein keine wirtschaftlichen Interessen. Die DPG, deren Tradition auf das Jahr 1845 zurückgeht, ist nicht nur die älteste physikalische Fachgesellschaft der Welt, sondern auch die größte. Im Februar haben wir mit 58.000 Mitgliedern einen neuen Rekord aufgestellt. Dafür möchte ich Ihnen allen danken. Übrigens bedeutet älteste Gesellschaft nicht, dass auch unsere Mitglieder besonders alt sind, ganz im Gegenteil. Über die Hälfte der DPG-Mitglieder sind Studierende oder sogar Schülerinnen und Schüler. Um Ihnen einmal ein konkretes Beispiel zu geben: Die größten Kohorten befinden sich bei jungen DPG-Mitgliedern im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Dies freut mich insbesondere deshalb so sehr, da wir dadurch für die Physik einen Beitrag leisten können, den dringend notwendigen wissenschaftlichen Nachwuchs für den Innovationsstandort Deutschland zu gewinnen. Mich freut es aber im gleichen Maße, dass uns auch die erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler treu bleiben und so ihre Erfahrungsschätze an die junge Generation weitergeben können.

Wir brauchen diesen Austausch von Ideen, nur so kann sich die DPG als Kommunikationsplattform in besonderer Weise der Förderung des Wissenstransfers widmen. In meiner Rede möchte ich mich dazu auf die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die aus Sicht der DPG dafür notwendigen Maßnahmen und Aktivitäten konzentrieren, um den Innovationsstandort Deutschland zu sichern.

Wir sind in Deutschland auf gutem Wege, wenn auch noch bei Weitem nicht alles Perfekt ist. Eine topaktuelle Nachricht für die DPG und für die Physik in Deutschland zeigt auf alle Fälle in die richtige Richtung. Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen, gab am vergangenen Mittwoch zum Festakt der DPG bei der Jahrestagung in Bonn bekannt, dass die Landesregierung eine Million Euro für die Sanierung des Physikzentrums in Bad Honnef bereitstellt. Damit wird das Physikzentrum Bad Honnef als wichtige Plattform für den nationalen und internationalen Austausch zwischen dem wissenschaftlichen Nachwuchs und Spitzenforschern aus der ganzen Welt gewürdigt. Nachdem die DPG vor wenigen Monaten den Notarvertrag zwischen der Universität Bonn, die Grundstück und Gebäude treuhänderisch verwaltet, schließen konnte, war der Weg für die Sanierung frei. Es fehlte nur noch die Finanzspritze des Landes. Diese finanzielle Zusage ist eine großartige Nachricht, denn das Physikzentrum ist für die Physik in Deutschland eine zentrale Institution. Es ist ein weltbekanntes Markenzeichen der Physik und braucht den europäischen Vergleich mit seinen mit EU-Mittel geförderten Partnereinrichtungen in Les Houches (Frankreich), Varenna (Italien) und St. Andrews (Schottland) nicht zu scheuen. Das Physikzentrum erfüllt mit seinem im europäischen und weltweiten Vergleich sehr hohen Leistungsniveau unverzichtbare Aufgaben. Für die Zukunft gilt es, die Vernetzung zwischen dem Physikzentrum Bad Honnef und den renommierten internationalen Partnereinrichtungen auszubauen. Die DPG kann nun damit beginnen, die seit Jahren überfällige Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes durchzuführen. Damit kann auch der Standort der DPG, die ihre Hauptgeschäftsstelle und ihren Hauptsitz im Physikzentrum Bad Honnef hat, erhalten bleiben.

Europa ist auch gleich mein nächster Punkt: Die zentralen Ziele der Erklärung von Bologna (1999) werden von der DPG als uneingeschränkt positiv bewertet. Problematisch ist aber immer noch, dass in dem von der Kultusministerkonferenz vorgegebenen Rahmen von insgesamt fünf Jahren für konsekutive, zum Master-Abschluss führende Studiengänge die dreijährige Bachelor-Ausbildung zwar eine grundständige Berufsbefähigung bei breiter Allgemeinbildung in der Physik erreicht, jedoch bei weitem nicht das Qualifikationsprofil des bisherigen Diplom-Abschlusses. Derzeit droht dem Physikstudium die Gefahr einer unangemessenen Verschulung und den Studierenden der Verlust der für das grundsätzliche Verständnis der Physik notwendigen Gesamtschau. Zwar hat sich die Kultusministerkonferenz mit ihrer Empfehlung, den Prüfungsumfang auf das notwendige Maß zu beschränken, durchaus in Teilaspekten bewegt; Ob sich aber die Eckpunkte der Vorgaben der KMK konkretisieren lassen, bleibt abzuwarten. Ich möchte deshalb gerade den jungen Menschen hier im Publikum zurufen, dass die DPG die Sorgen und Nöte des wissenschaftlichen Nachwuchses sehr ernst nimmt und sich gemeinsam mit der Konferenz der Fachbereiche Physik mit ganzer Kraft dafür einsetzt, den Stress und Leistungsdruck im Gefolge des Bologna-Prozesses zu verkleinern, der zur Folge hat, dass leider immer noch zu viele Studierende ihr Studium abbrechen, insbesondere in der Physik. Auch die Situation der Promovierenden und die Karriereperspektiven der Post-Doktoranden sind der DPG ein großes Anliegen. Gemeinsam mit der KFP macht sich die DPG seit Jahren dafür stark, die Promotionsphase gegen einen bedenklichen europäischen Trend nicht als Teil der Hochschulausbildung, sondern als erste Phase selbstständiger Forschungstätigkeit zu sehen. Doktoranden sind Forscher und keine Studierenden. Dies habe ich auch in meinen Reden in Hannover und Bonn den Politikern in aller Deutlichkeit gesagt. Zudem möchte ich gerade hier in Regensburg, dem größten Physikkongress in Europa, klar machen, dass wir als DPG auch den weiteren Weg des wissenschaftlichen Nachwuchses nach der Promotion sehr genau beobachtet. Mit Blick auf die Zukunftsperspektiven in der Wissenschaft nach der Promotion möchte ich sagen, dass in diesem Jahr eine aktualisierte Studie zu den Zugangsmöglichkeiten zur Hochschulprofessur im Fach Physik erscheinen wird, die die vielfältigen Modelle von Nachwuchsgruppenleitung und Juniorprofessur analysiert und die Betroffenen zu Wort kommen lässt. Auf Basis dieser Fakten möchten wir dann mit den politisch Verantwortlichen die nötigen Weichenstellungen besprechen.

Neben dieser Reform gilt unser besonderes Augenmerk Schülerinnen und Schülern und den Lehrkräften. Der naturwissenschaftliche Nachwuchs wird durch Lehrerinnen und Lehrer motiviert. Fehlen diese, dann gibt es auch weniger Physikstudierende. Hier liegt ein wichtiger Schlüssel zur Behebung des Fachkräftemangels. Besorgniserregend ist deshalb die Tatsache, dass die Hälfte der Stellen an Schulen inzwischen durch Quer- und Seiteneinsteiger besetzt werden, also nicht durch originär ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer. Dies wird die DPG in einer in den nächsten Tagen erscheinenden Studie zeigen, die die Zusammensetzung des Physiklehrernachwuchses – differenziert nach Absolventen von Lehramtsstudiengängen, Quer- und Seiteneinsteigern – bundesweit und länderspezifisch darstellt. Der DPG ist ein großes Anliegen, eine optimale Fortbildung dieser Lehrerinnen und Lehrer, aber selbstverständlich auch aller für das Lehramt Studierenden, im Hinblick auf die ihnen später anvertrauten Kinder und Jugendlichen, sicherzustellen. Deshalb liefert die DPG mit ihrer Studie auch konkrete Vorschläge für eine bestmögliche Fortbildung. Die Notprogramme zur Einstellung von Lehrkräften ohne weiterführende Fortbildungen führen zu Schmalspur-Unterricht. Die Konsequenzen sind deutlich, denn der Fachkräftemangel in den Naturwissenschaften kostet die Wirtschaft Innovationskraft und Umsatz.

Aus diesem Grund konzentriert sich die DPG auch auf ihr bundesweites Lehrerfortbildungsnetzwerk fobinet, das mit finanzieller Unterstützung der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung betrieben wird. Fobinet etabliert sich zunehmend als erste Adresse bei der Suche von Lehrerinnen und Lehrern nach Fortbildungen. Die DPG hat zudem über fobinet eine bundesweite Umfrage zum Bedarf an Lehrerfortbildungen durchgeführt. Durch diese Umfrage liegen erstmals in Deutschland Fakten über den inhaltlichen Bedarf für Lehrerfortbildungen in der Physik vor. Das ist vor allem deswegen interessant, da ähnliche Umfragen von anderen Stellen bisher stets gescheitert sind. Diese Fakten möchten wir gerne mit der Politik diskutieren, um dabei zu helfen, die Förderung des naturwissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland signifikant zu verbessern.

Wir brauchen gut ausgebildete Physiker und Physikerinnen: Das ernüchternde Ergebnis des Klimagipfels in Kopenhagen zeigt, dass die Physik dringender denn je gefragt ist, um Lösungen beim Klimawandel und ein Energiesystem mit möglichst geringen CO2-Emissionen zu finden. Wichtig ist deshalb, dass möglichst umfangreiche Grundlagenforschung betrieben wird, damit die künftigen Generationen genügend Optionen für eine CO2-arme Energieversorgung vorfinden. Wir als Wissenschaftler sind aufgefordert dafür zu sorgen, dass die Öffentlichkeit und die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft mit diesen Fakten vertraut gemacht werden. Ein altes Sprichwort sagt bekanntlich:

„Nichts ist so dauerhaft wie das Provisorium!“

Aus diesem Grund werden wir übrigens sehr genau beobachten, ob auch wirklich alles getan wird, um einen breiten Mix von Energieformen zu erforschen. Wir werden uns deutlich zu Wort melden, wenn wir das Gefühl haben, dass sich die Politik einseitig auf nur wenige Formen konzentriert oder starke Lobbyverbände dazu beitragen, die wichtige und knappe Zeit zur Erforschung und Optimierung zu vergeuden. Zeit steht uns durch die anthropogene Klimaveränderung gerade nicht mehr zur Verfügung. Wir müssen alles dafür tun, um eine nachhaltige Energieversorgung so rasch wie möglich zu erreichen. Aus diesem Grund wirkt die DPG auch im Koordinierungsrat der Bundesregierung zur Gestaltung des Wissenschaftsjahres 2010 mit, das dem Thema „Die Zukunft der Energie“ gewidmet ist. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft werden wir mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung zwölf Monate lang die öffentliche Diskussion anregen und insbesondere die Bedeutung von Forschung und Wissenschaft für die dauerhafte, nachhaltige und bezahlbare Sicherung des Energiemix der Zukunft veranschaulichen. Dabei wird der Bogen von der Erzeugung der Energie bis zur intelligenten Nutzung gespannt, im Zentrum stehen Kinder und Jugendliche – Sie sollen für Wissenschaft und Forschung zum Thema Energie sowie damit verbundene berufliche Perspektiven begeistert werden. Dazu stellt die DPG auch über ihre gemeinsam mit dem BMBF betriebene Internetplattform Welt der Physik verständliche Informationen bereit und wird zudem im Rahmen einer Studie Fakten zur CO2-armen Stromversorgung in Deutschland liefern. Das dafür nötige Know-How kommt natürlich nicht von ungefähr, sondern aus dem Kreise der Physik und der DPG-Mitglieder. Diese Aussage klingt banal, doch sie hat einen Haken: Deutschland gehen leider die Physikerinnen und Physiker aus.

Damit komme ich zum Arbeitsmarkt für Physikerinnen und Physiker. In fast allen Diskussionen über die Perspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchs mit Schülerinnen und Schülern werde ich immer gefragt: „Warum soll ich denn überhaupt Physik studieren, habe ich damit eine berufliche Zukunft? Die Antwort fällt mir leicht, sie ist mit einem klaren „Ja!“ zu beantworten. Der Arbeitsmarkt und die Zukunft für Physikerinnen und Physiker ist sehr gut. Hierzu nur die zentralen Fakten: Im August 2009 gab es etwa 4.900 offene Stellen für Physikerinnen und Physiker. Das scheint auf den ersten Blick gering, bedeutet aber, dass uns fast zwei Jahrgänge an Physikabsolventen fehlen, um den Fachkräftemangel zu beheben. Hier muss etwas passieren, wenn wir nicht zulassen möchten, dass ganze Branchen sich aus Deutschland zurückziehen, da ihnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Expertise für Grundlagenforschung und Innovationen fehlen.“ Alle jungen Menschen möchte ich deshalb ermutigen, Physik zu studieren. Ihr Berufsperspektiven sind ganz hervorragend und das Beste ist: Physik macht großen Spaß!

Ein wichtiges Anliegen der DPG ist es deshalb auch, verstärkt Frauen in den Naturwissenschaften zu fördern. Nur wenn wir alle das Potenzial der hochqualifizierten Frauen zu nutzen, werden wir diese hohe Zahl an zusätzlichen benötigten wissenschaftlichen Fachkräften erreichen können. Zwar sind inzwischen in Deutschland 56 Prozent der Abiturienten weiblich, doch sind Frauen in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) leider immer noch unterrepräsentiert – vor allem in Führungspositionen! Überdies müssen wir intensiv durch Vorbilder und eine Kultur des Mentorings besonders Mädchen und junge Frauen für die Physik begeistern und Chancengleichheit schaffen. Es fehlen uns einfach die jungen Frauen im Physikstudium. Erschwerend kommt hinzu, dass es leider immer noch viele Eltern und Physiklehrer gibt, die zu jungen Mädchen sagen: „Physik ist nichts für Frauen, mach lieber etwas anderes.“ Dabei sind Frauen genauso geeignet, Physiker oder Ingenieur zu werden. Überall da, wo es Chancen gibt, Frauen in Führungspositionen einzustellen, müssen wir es auch tun und Ihnen auch gleichberechtigte Karrierechancen ermöglichen. Derzeit stehen Frauen nämlich in den Hierarchien deutlich niedriger als ihre männlichen Kollegen – obwohl sie in Einstellungstests häufig besser abschneiden als Männer. Das kann und darf nicht so weitergehen. Ich möchte deshalb auch an alle Verantwortlichen auch hier im Saal plädieren, einerseits mehr junge Menschen und insbesondere Frauen für die Naturwissenschaften zu begeistern, andererseits dafür zu sorgen, dass die verschiedenen Stolpersteine und Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, um Frauen, die sich für Naturwissenschaften begeistern, auch den Zugang in die Führungspositionen zu ermöglichen. Dafür muss die Physik ein Vorbild sein. Und wir haben dafür die besten Voraussetzungen, denn wir haben eine großartige Community mit großartigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Gemeinsam tragen Sie alle durch Ihre engagierte und unermüdliche Forschungsleistung dazu bei, dass die Physik in Deutschland auf einem solch hohen internationalen Niveau steht. Dies führt dazu, dass die DPG jedes Jahr beständig wächst und gerade bei jungen Menschen ein so hohes Ansehen genießt, was sich auch in der großen Wertschätzung für die Preise der Deutschen Physikalischen Gesellschaft zeigt.

Damit komme ich nun zu der Vergabe der Preise, nämlich der Verleihung des Walther-Schottky-Preises, des Hertha-Sponer-Preis und des Gentner-Kastler-Preises. Anschließend erfolgt dann die Verleihung des Gaede-Preises sowie des Dissertations-Preises der Sektion Kondensierte Materie.

Preisverleihung

Sehr geehrte Preisträgerinnen und Preisträger. Sie alle sind Vorbilder für herausragende Ideen und Inspirationen. Natürlich auch für die alltäglichen Mühen, die Sie mit ihrer Forschungsarbeit auf sich nehmen. Diese Eigenschaft ist die Grundvoraussetzung für die Physik. Sie führt dazu, dass Forschung erfolgreich ist und Theorien geboren werden. Deshalb ist es zentral für die Physik und natürlich für alle anderen Wissenschaften, wenn erfolgreiche Forscherinnen und Forscher öffentlich gewürdigt werden. Dadurch werden innovative Entdeckungen dokumentiert, neue Sichtweisen ermöglicht und der Wissenstransfer in besonderer Weise gefördert. Das ist von großer Bedeutung für eine Gesellschaft, die in hohem Maße auf den Entdeckungen und Innovationen in den Naturwissenschaften aufbaut. Sie, verehrte Preisträgerinnen und Preisträger, widerlegen zudem das oftmals geäußerte Vorurteil, dass Physik nur aus trockenen Formeln oder abstrakten Gedankenmodellen besteht. Sie und Ihre Leistungen sind ein Beweis dafür, dass Naturwissenschaften Spaß machen. Aus diesem Grund sind Sie verehrte Preisträgerinnen und Preisträger, auch Vorbilder für andere junge Menschen, dass es sich lohnt, eigenständig Problemstellungen anzugehen, Zusammenhänge zu verstehen und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Deshalb freut es mich in ganz besonderem Maße, dass wir heute einerseits den Gentner-Kastler-Preis an einen renommierten Wissenschaftler gemeinsam mit der französischen Physikalischen Gesellschaft vergeben und mit dem Walther-Schottky-Preis, dem Herta-Sponer-Preis und dem Dissertationspreis der DPG gerade junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für Ihre harte Arbeit würdigen und sie so die große Wertschätzung von gestandenen Kolleginnen und Kollegen erfahren. Das ist gar nicht hoch genug zu bewerten, denn wir alle wissen, wie wichtig und motivierend dies ist und wie viel Kraft und Begeisterung dies für die weitere berufliche Entwicklung gibt.

Es freut mich auch sehr, dass heute nicht nur die DPG-Preise, sondern traditionell auch der Gaede-Preis verliehen wird. Es ist nämlich eine gute und wichtige Tradition, dass dieser Preis zu der Jahrestagung der DPG durch die Vakuumgesellschaft überreicht wird. Ohne die Ehrung vorwegzunehmen, möchte ich würdigen, dass auch dieser Preis für hervorragende Arbeiten jüngerer Wissenschaftler aus einem der Bereiche verliehen wird, die von der Deutschen Vakuumgesellschaft betreut werden. Diese Arbeiten sollen entweder aus der Grundlagenforschung oder aus wichtigen Anwendungsgebieten stammen.

Nach dieser Vorrede möchte ich nun mit der Vergabe der Preise beginnen.

Walther-Schottky-Preis

Beginnen möchte ich mit dem Walther-Schottky-Preis:

Zur Verleihung des Preises möchte ich Herrn PD Dr. Thomas Seyller zu mir auf die Bühne bitten!

Der Walter-Schottky-Preis dient der Auszeichnung einer in den letzten beiden Jahren auf dem Gebiet der Festkörperforschung veröffentlichten, hervorragenden Arbeit eines oder mehrerer junger Physiker/ innen. Diesen Preis erhält in diesem Jahr PD Dr. Thomas Seyller von der Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Physik der Kondensierten Materie.

Herr Seyller, Sie haben an der Universität Erlangen-Nürnberg studiert und promoviert. Von 1997 bis 1999 waren Sie als Post-Doc an der Pennsylvania State University, USA. Von 1999 bis 2005 waren Sie Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Experimentalphysik. Im Jahr 2006 erfolgte dann Ihre Habilitation. Der Titel Ihrer Habilitationsschrift lautet: „Structural, Chemical and Electronic Properties of Hydrogen-saturated SiC Surfaces and their Interfaces with Oxides“. Nach einer Zeit als Oberassistent sind Sie nun Akademischer Oberrat am Institut für Physik der Kondensierten Materie, Lehrstuhl für technische Physik, an der Universität Erlangen. Sie sind zudem in vielfältiger Weise als Gutachter, Gremienmitglied und Koordinator engagiert.

Herr Seyller, die DPG zeichnet Sie heute für die Entwicklung eines Verfahrens zur Herstellung von Graphen aus. Diese ultradünnen Kohlenstoff-Schichten sind von großer Bedeutung für die Grundlagenforschung, weil Graphen ungewöhnliche Eigenschaften aufweist und auch als Baustoff für elektronische Schaltkreise gehandelt wird. Voraussetzung für die Ausschöpfung dieses Potentials ist eine reproduzierbare, gleichmäßige und großflächige Herstellung von Graphen. Darin liegt Ihre große Leistung, Herr Seyller. Sie haben ein Verfahren entwickelt, damit sich Graphen in höchster Qualität und mit den Standardmethoden der Halbleitertechnik synthetisieren lässt. Ihre Methode hat international Aufmerksamkeit erregt: Von US-amerikanischen Forschern wurden bereits Graphen-Transistoren nach dem Seyller’schen Verfahren hergestellt.

Aus diesem Grund würdigt Sie, sehr geehrter Herr Seyller, die Deutsche Physikalische Gesellschaft mit dem Walther-Schottky-Preis. Ich verlese dazu den Text der Urkunde:

„…für seinen bedeutenden Beitrag zur Physik des Wachstums von Graphen, insbesondere zur Graphen-Synthese auf Siliziumkarbid.“

Damit komme ich nun zum Herta-Sponer-Preis.

Hertha-Sponer-Preis

Ich möchte dazu gerne Frau Dr. Na Liu zu mir auf die Bühne bitten.

Der Hertha-Sponer-Preis wird für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Physik an eine Wissenschaftlerin vergeben. Der Preis soll vor allem jüngere Wissenschaftlerinnen durch öffentliche Auszeichnung ermutigen und so mehr Frauen für die Physik gewinnen. Das ist der DPG ein ganz besonderes Anliegen.

Ich freue mich sehr, dass wir in diesem Jahr Frau Dr. Na Liu, Universität Stuttgart, 4. Physikalisches Institut, mit dem Herta-Sponer-Preis auszeichnen dürfen.

Frau Na Liu, Sie haben von 1997 bis 2005 an den Universitäten Jilin, Peking und Honkong studiert. 2005 wechselten Sie dann an die Universität Stuttgart wo Sie im Jahr 2009 promoviert wurden. Von 2009 bis 2010 waren Sie dann als Postdoc an der University of California at Berkeley, USA. Nennen möchte ich natürlich auch Ihre vielfältigen Ehrungen. Sie waren „Excellent Student of Changun City“, Model of Excellent Student leaders of Jilin University, Model of Excellent Students of Jilin University und erhielten den „Chinese Government Award for Outstanding Students Abroad“.

Heute, sehr geehrte Frau Dr. Na Liu, erhalten Sie Ihre Auszeichnung für Ihr wegweisenden Beiträge zur Herstellung und Charakterisierung von dreidimensionalen metallischen Metamaterialien für den optischen Wellenlängenbereich. Hierbei handelt es sich um filigran strukturierte Werkstoffe, die das Licht in ungewöhnlicher Weise ablenken. Die Forschung erhofft sich von diesen Metamaterialien neuartige optische Komponenten. Voraussetzung für die Ausschöpfung dieses Potentials sind dreidimensionale, also räumlich ausgedehnte Nanostrukturen. Im Rahmen Ihrer Doktorarbeit entwickelten Sie dann, Frau Liu, auch ein industriell anwendbares Verfahren zur Herstellung solcher Metamaterialien. Darüber hinaus erforschten Sie die Eigenschaften dieser Metall-Nanostrukturen. Zuvor waren Metamaterialien im Wesentlichen auf zwei Dimensionen und damit auf relativ einfache Schichten beschränkt gewesen, deren Anwendungsmöglichkeiten sehr begrenzt sind.

Ich verlese nun die Urkunde:

„… für ihre wegweisenden Beiträge zur Herstellung und Charakterisierung dreidimensionaler Metallnanostrukturen.“

Gentner-Kastler-Preis

Damit komme ich nun zum Gentner-Kastler-Preis.

I now switch over to English. The Gentner-Kastler-Prize is jointly awarded by the Société Francaise de Physique (SFP) and the Deutsche Physikalische Gesellschaft for outstanding contributions for physicsts whose centre of living and work is either in France or Germany. In order to lend the award I cordially invite my French colleague President Michelle Leduc as the representative of the SFP to join me in order to present the Gentner-Kastler-Prize to Professor Le Si Dang.

Prof. Le Si Dang, Born in Vietnam, Director for research Centre national de la recherche scientifique (CNRS), made his doctoral degree at the University of Grenoble, France in 1978. From 1978 to 1980 he stayed as Postdoc at the Lehigh University, USA. In 1980 he was CNRS researcher at the “Laboartoire Spectrometrie Physique” in Grenoble. From 1998 to 2005 Prof. Le Si Dang kept the position as Co-head of the CEA-CNRS joint group “Nanophysique et Semiconducteurs”. In 2007 Le Si Dang became researcher at the “Institut Néel”, Grenoble. From 2006 to 2010 he worked as the Co-head of LIA (Associated International Laboratory) CNRS-KIST (Korea Institute of Science and Technologie).

Today Prof. Le Si Dang, we award you with „the Gentner Kastler price “ for your contributions in the field of semiconductor physics. You can be judged a father of Bose-Einstein condensation in exciton-polariton gases in semiconductor microactivities. Your current interests include quantum correlations at elevated temperature in 1D and 2D degenerate Bose gases, optics and transport in single nanowires and superradiance in quantum dots and nanowires. Among your outstanding research you experimentally proofed a “quantum state” called „Bose Einstein condensate”, inside a solid state system. Bose Einstein condensates allow fundamental views in the world of quantum physics and are of outstanding importance for basic research.

I read the text of the document, which is written in French:

“pour sa contribution à la spectroscopie optique et à la physique des semi conducteurs en basse dimentionalité qui a prouvé l'existence de la condensation de Bose-Einstein des excitons-polaritons”

Damit kommen wir nun zum Gaede-Preis. Für die Preisverleihung übergebe ich an den Moderator.

 
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