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Prof. Dr. Gerd Litfin, Göttingen
am 11. März 2009

Rede des Präsidenten anlässlich der Frühjahrstagung am 11. März 2009 in München

Sehr verehrte Frau Schaile, sehr geehrter Herr Vizepräsident Stintzing, sehr geehrter Herr Devenish, Sir John Pendry, meine sehr geehrten Damen und Herren,

herzlich willkommen zur gemeinsamen DPG-Frühjahrstagung in München. Das Tagungsprogramm ist höchst spannend: So diskutieren nahezu 1.400 Fachleute aus dem Inn- und Ausland über Teilchenphysik, Gravitationsforschung, Kosmologie und Strahlenschutz Diskutiert werden auch philosophische Fragen der Physik. Neben dem umfangreichen Fachprogramm wird es auch hier einen öffentlichen Abendvortrag geben: Wolfgang Hollik, Direktor am Münchner Max-Planck-Institut für Physik, lädt zu einer „Expedition ins Innerste der Materie und zum Anfang unseres Universums“ ein. Startzeit: Mittwoch, 11. März, 20:00 Uhr.

Mit München wurde ein herausragender Tagungsort gewählt. Zahlreiche Universitäten, Hochschulen, Akademien, Forschungs- und Wissenschaftsinstitutionen prägen das Bild von München als exzellentem Wissenschaftsstandort. Ein „Leuchtturm“ für die Wissenschaft ist natürlich auch die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), eine der ersten deutschen Elite-Universitäten. Sie hat zahlreiche Nobelpreisträger hervorgebracht, gleich sechs davon in der Physik, wie zuletzt Theodor W. Hänsch im Jahr 2005. München leistet so einen großartigen Beitrag zur Förderung und Wahrnehmung der Physik.

Es ist ein Zeichen, dass die diesjährigen Frühjahrstagungen wiederum hervorragend besucht werden. Wir erwarten zu unseren Tagungen 2009 nahezu 9.000 Fachleute aus dem In- und Ausland. Dies ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, wenn man auf die derzeitige wirtschaftliche Situation blickt. Das sage ich nicht nur aus meiner Perspektive als Industriephysiker, denn natürlich betrifft die momentane Krise nicht nur die Industrie sondern auch die Forschungsbereiche in den unterschiedlichen Institutionen. Die hohe Teilnehmerzahl ist ein klares Signal an die Entscheidungsträger in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, dass wissenschaftlicher Dialog auch in Zeiten schwieriger Staatsfinanzen unabdingbar ist. Die Physik mit ihrer Grundlagenforschung und ihrem Innovationspotenzial brauchen wir jetzt umso mehr, da wir Deutschland als Wissenschafts- und Hightech-Standort absichern und ausbauen müssen.

Als Physiker haben wir jedoch darüber hinaus die Aufgabe, uns um die großen Themen der Gesellschaft zu kümmern. Themen wie Energiepolitik, Schadstoffemission und Klimawandel sind zunächst einmal mit Fragen an uns Physiker verbunden. Dabei sind die wissenschaftlichen Fragen, die Physiker stellen, oft geradezu schlicht. Aber niemand sollte sich täuschen: Die schlichtesten Fragen erfordern manchmal die raffiniertesten Antworten. In der Physik, so meine ich, kann man das besonders deutlich ablesen.

Das Bemühen der Physiker, fundamental Probleme anzugehen, findet manchmal sogar bei Politikern Anerkennung. Barack Obama hat letztlich Steve Chu zum Energieminister in sein Kabinett berufen. Viele von uns kennen ihn gut. Er hat ja auch damit angefangen, Atome einzufangen und kalt zu stellen: Nach seinem Nobelpreis, den er 1997 verdienterweise bekam, beschloss er, sich um ein wesentliches Problem der Menschheit zu kümmern – die Energieversorgung, insbesondere die Versorgung mit alternativen Energien. Er stürzte sich als Direktor der Lawrence Berkeley National Laboratories in seine neue Aufgabe.
Obama nun, wollte in dem Land mit dem höchsten Energieverbrauch einen Verantwortlichen haben, der ohne Ideologie mit viel Sachverstand an das Problem Energieversorgung herangeht und der aus dem Problem nicht dämagogisch politisches Kapital schlagen will. Sicherlich eine kluge Entscheidung!

Um all diese Themen langfristig weiterbringen zu können, bedarf es einer Reihe von Voraussetzungen. Zunächst einmal benötigen wir für die Anforderungen hervorragend ausgebildete, motivierte Menschen in ausreichender Zahl. Menschen sind unsere wichtigste Ressource. Zwar gelingt es zunehmend, Erkenntnisse mittels Apparaturen oder Messinstrumenten zu simulieren, dennoch bleibt der Mensch die Schlüsselinstanz, die die Messergebnisse auswertet und interpretiert. Deshalb sind Erfolge in der Forschung ohne die Menschen, die dies beherrschen, nicht zu denken. Nicht immer sind die Mühen dieser Arbeit in der Öffentlichkeit bekannt. Doch ist es mehr denn je wichtig, deutlich zu machen, welche Rolle die Wissenschaft für unsere Gesellschaft spielt. Ohne sie würden wir die großen und hochkomplexen gesellschaftsrelevanten Herausforderungen, denen wir uns zu stellen haben und zu denen die Physik wichtigen Input liefern kann, nicht bewältigen können. Nur exzellent ausgebildete und motivierte Persönlichkeiten können uns helfen, die nötigen Strategien und Lösungen zu entwickeln, die wir für die Zukunft Deutschlands als wissensbasierten Hightech-Standort benötigen.

Elementare Basis für die Ausbildung dieser benötigten Spezies ist der Physikunterricht in der Schule. Leider geben die Ergebnisse einer bundesweiten Studie im Hinblick auf die Qualität des Physikunterrichts in Deutschland großen Anlass zur Sorge.

Fakt ist: In Deutschland fehlen Lehrerinnen und Lehrer für Physik, weshalb der Schulunterricht immer häufiger ausfällt oder von Lehrkräften ohne pädagogische Ausbildung übernommen wird. In den Jahren 2002 bis 2007 hatten 45 Prozent der Physik-Referendare für die gymnasiale Oberstufe kein Lehramtsstudium absolviert, so das Ergebnis einer von der DPG mitfinanzierten Studie der Universität Frankfurt. Dies ist eine fast unglaubliche Zahl. Denn trotz in der Regel guter Fachkompetenzen sind Quer- und vor allem Seiteneinsteiger unzureichend auf die physikdidaktischen und pädagogischen Anforderungen in der Schule vorbereitet. Diese Entwicklung steht im Gegensatz zu Bemühungen, die Lehrerausbildung zu professionalisieren und praxisnäher zu gestalten. Sie steht auch im Widerspruch zu den von der Kultusministerkonferenz im Oktober 2008 beschlossenen Standards für die Ausbildung von Lehrkräften. Deshalb hat sich die DPG im Februar 2009 mit einer aktuellen Ausgabe des Informationsblatts Physik konkret und einer gemeinsamen Stellungnahme von DPG, der Gesellschaft für Didaktik der Chemie und Physik (GDCP) sowie des Deutschen Vereins zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts (MNU) öffentlich an die verantwortlichen Politiker und Entscheidungsträger gewandt.

Von den Kultusministerien der Bundesländer fordern wir deshalb eine umfassende Weiterbildung für Lehrkräfte, die kein Lehramtsstudium durchlaufen haben. Die Situation ist untragbar. Die Schuld an der Physik-Lehrer-Misere liegt im besonderen Maße an den Personalplanungen der Kultusminister der Länder. Diese übersieht leider vollkommen den Bedarf an naturwissenschaftlichen Lehrkräften. Das rächt sich jetzt. Bei den Lehrerinnen und Lehrern für Physik, die kein Lehramtsstudium absolviert haben, handelt es sich in der Regel um hoch spezialisierte Fachleute, die auf die Themenvielfalt und die pädagogischen und fachdidaktischen Anforderungen des Schulunterrichts nur unzureichend vorbereitet sind. Aus diesem Grund ist es dringend geboten, dass diese Lehrkräfte intensiver als bislang fortgebildet werden. Solche Maßnahmen kommen zurzeit viel zu kurz. Die gegenwärtigen ad-hoc durchgeführten Notprogramme zur Einstellung von Lehrkräften gefährden die Qualität des Physikunterrichts.

Als DPG fordern wir aber nicht nur, sondern fördern auch selbst, um die Situation zu verbessern. So hat die DPG bereits im Jahr 2006 Thesen für ein modernes Lehramtsstudium im Fach Physik entwickelt, um Standards in der Ausbildung im Fach Physik zu setzen. In konsequenter Fortsetzung dieser Thesen wird derzeit das Lehrerfortbildungsprojekt fobinet der DPG aufgebaut. Wir möchten damit zu einem modernen und ansprechenden Physikunterricht beitragen. Erste Erfolge des DPG-Fortbildungsprojekts sind bereits zu verbuchen. So ist zur Koordinierung bestehender Fortbildungsangebote und zur nachhaltigen Implementation neuer Angebote im Internet eine öffentlich zugängige Informationsdatenbank eingerichtet worden. Diese wird kontinuierlich erweitert und ermöglicht Lehrerinnen und Lehrern einen bundesweiten Zugriff auf bestehende regionale und überregionale Physik-Fortbildungsangebote. Das Herz von fobinet sollen allerdings die eigenen DPG-Fortbildungsangebote darstellen. Die Gewinnung von entsprechenden Fortbilderinnen und Fortbildern ist deshalb eine besondere Herausforderung. Wichtig ist hierbei auch die Bildungsforschung. Es gilt nämlich nicht nur diejenigen Lehrkräfte fortzubilden, die ohnehin ständig engagiert sind, sondern diejenigen zu erreichen, die im Hinblick auf die große Zahl von Quereinsteigern zum Teil sehr heterogene Bildungsstände in didaktischer und fachlicher Hinsicht aufweisen. Gleichzeitig begrüßen wir alle anderen Aktivitäten, die die Lehrerausbildung stärken. Zudem hoffen wir, dass das fobinet der DPG für die Lehrerfortbildung in der Physik als gutes Beispiel vorangeht, Breitenwirkung entfalten kann und von anderen Einrichtungen aus Schule und Wissenschaft aufgegriffen wird.

Aus diesem Grund möchte ich auch die heutige Gelegenheit nutzen, um weitere Physikerinnen und Physiker aus der DPG-Familie für dieses DPG-Förderprogramm zu gewinnen. Wir suchen engagierte Personen mit abgeschlossenem Studium, die ihr Arbeitsgebiet gerne und anschaulich darstellen – sei es durch einen Vortrag oder einen Workshop. Ihr Engagement ist uns herzlich willkommen.

Physikerinnen und Physiker sind heute schon nur schwer zu bekommende Fachleute. Dies spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider. Sie haben trotz Krise immer noch sehr gute Chancen. Die Arbeitslosenquote unter Physikerinnen und Physikern liegt bei etwa zwei Prozent. Fakt ist auch: Nach aktueller Datenlage sind derzeit rund 5.000 offene Stellen kaum zu besetzen. Um Ihnen eine etwas griffigere Vorstellung von dieser Zahl zu geben: Dieser Bedarf entspricht zwei kompletten Jahrgängen an Hochschulabsolventen aus der Physik.

Der Mangel an Physikerinnen und Physikern ist nicht verwunderlich, denn überall dort, wo an biologischen, biotechnologischen, medizinischen oder materialwissenschaftlichen Fragestellungen gearbeitet wird, kommen physikalische Methoden zum Einsatz. Die meisten der gemeldeten Stellenangebote kamen im Jahr 2008 mit etwa 27,4 % aus dem Bereich Forschung und Entwicklung mit den Schwerpunkten Natur- und Ingenieurwissenschaften, insbesondere Elektrotechnik, Lasertechnik, Mikrotechnik und Medizin. Den zweitgrößten Anteil bilden mit 21,3 % der Stellenangebote Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Der drittgrößte Stellenanbieter sind Unternehmen des produzierenden Gewerbes, die über die letzten Jahre konstant 9–11 % der Stellenangebote ausmachten.

Angesichts dieser guten Situation für Physikerinnen und Physiker können wir uns keineswegs zurücklehnen, im Gegenteil: Der Fachkräftemangel, der schon jetzt große negative Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft hat, wird Deutschland als Wissenschafts- und Hightech-Standort kurz- und langfristig vor große Probleme stellen – auch mit großen gesellschaftspolitischen Auswirkungen. Eine aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung mit weiteren Partnern zu wissensbasierten Hightech-Innovationen zeigt, dass Deutschland derzeit im internationalen Vergleich noch immer recht gut dasteht, wenn Patente und Publikationen auf die Bevölkerungszahl bezogen werden. Zudem ist Deutschland Weltmeister im Hightech-Export. Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung nimmt Deutschland immerhin den dritten Rang nach Japan und den USA ein. Gleichzeitig gibt es ambitionierte Ziele, wie sie in besonderer Weise durch die Lissabon-Strategie formuliert und insbesondere durch das 7. Forschungsrahmenprogramm der EU unterstützt werden, um Europa bereits in wenigen Jahren zur wettbewerbsfähigsten Region der Welt zu machen. Dazu brauchen wir auf europäischer und nationaler Ebene eine engagierte und auf Zukunftsfelder konzentrierte Forschungs-, Wissenschafts- und Innovationspolitik.

Um dieses Ziel zu erreichen und die gute Stellung Deutschlands im globalen Wettbewerb zu halten und auszubauen, müssen die Hochschulen entsprechend aufgestellt sein. Nur so kann man den Nachwuchs exzellent qualifizieren. Leider zeigt eine gemeinsame aktuelle Untersuchung der Konferenz der Fachbereiche Physik und der DPG einen kontraproduktiven, da gegenläufigen Trend: So wurde die Zahl der Professuren an Physikfachbereichen von Universitäten innerhalb der letzten Dekade um fast 12% reduziert. Dies ist ein gewaltiger Aderlass. Zum Vergleich: Die Physik ist von diesem erheblichen Stellenabbau viel stärker betroffen als die Mathematik und die Naturwissenschaften insgesamt. Dort liegt der Rückgang bei 4,3 Prozent. Im Lichte der Exzellenzinitiative ist dies sicherlich das falsche Signal. Durch diese Entwicklung wird die Qualität und Attraktivität der Naturwissenschaften im Allgemeinen und des Physikstudiums im Besonderen stark gefährdet. Besonders prekär ist dies natürlich auch vor dem Hintergrund, dass Bund und Länder begrüßenswerterweise beabsichtigen, bis zum Jahr 2010 91.000 zusätzliche Studienplätze bereitzustellen, um die wachsende Nachfrage nach Studienplätzen überhaupt befriedigen zu können. Deshalb fordern die DPG und die Konferenz der Fachbereiche Physik die Wissenschaftsminister der Länder auf, sofort Maßnahmen zu ergreifen, die einen weiteren Rückgang der Professuren verhindern und den Trend umkehren. Nur dann ist gewährleistet, dass die Physik-Fachbereiche an den Universitäten ihre Aufgaben in Forschung und Lehre erfüllen und den Fachkräftemangel lindern können, die Ausbildung von Physikerinnen und Physikern weiterhin auf international höchstem Niveau erfolgt und die Physik in Deutschland attraktiv bleibt – insbesondere auch für die besten Köpfe aus dem Ausland. Wir werden das erforderliche Qualitätsniveau für die Physik gegenüer der Politik herausstellen und die damit verbundenen strukturellen, finanziellen und vor allem personellen Anforderungen anmelden.

In einer modernen, demokratischen Wohlstandsgesellschaft ist es selbstverständlich Frauen und Männern gleichberechtigt den Zugang zu Bildung und Ausbildung zu gewähren. Dies gilt ebenso selbstverständlich für Managementpositionen in Forschung und Industrie in allen Führungsebenen. Diese Chancengleichheit ist für unseren weiblichen Nachwuchs ganz offensichtlich noch nicht gegeben. Dies hat eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Gründe. Dennoch sind wir verpflichtet, auf allen Ebenen alles zu tun, um die zu beobachtende Schieflage zu beseitigen. Die DPG engagiert sich gemeinsam mit vielen anderen Gruppierungen im Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), initiiert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Wir dürfen und können es uns nicht leisten – was ich auch zum Start der Lise Meitner Lectures im vergangenen Herbst in Berlin betont habe – auf das Potenzial von engagierten Frauen zu verzichten, die eigentlich auf dem Karriereweg in Führungspositionen sein sollten. Dabei darf es nicht bei Lippenbekenntnissen und schönen Absichtserklärungen bleiben. Ein wichtiges Kriterium für die Zufriedenheit mit der durch die Berufswahl entstehenden Lebenssituation ist die Frage, wie sich der Beruf mit einer Partnerschaft vereinbaren lässt. Deshalb gilt es insbesondere auch, Frauen durch die Berücksichtigung von Dual-Career-Lebenssituationen in Industrie und Wirtschaft, Universität und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu stärken. Programme des Wissenschaftsrates oder der Bosch-Stiftung gehen in diese Richtung.

Meine Damen und Herren, die Folgen des Klimawandels werden in mehr oder weniger großem Ausmaß unabwendbar sein. Gegenmaßnahmen müssen dringend entwickelt werden. Der Klimaschutz bzw. Maßnahmen, den Wandel abzufedern, sind deshalb oberstes Gebot bei dem Umbau hin zu einem CO2-armen Energiesystem. Selbstverständlich muss unser Fokus dabei sein, natürliche Energiequellen zu nutzen, soweit dies möglich ist. Dennoch, Fakt ist: Derzeit kann nur ein Energiemix unter Einbeziehung der Kernkraft den Energiebedarf Deutschlands decken und dabei gleichzeitig die CO2-Emissionen wesentlich senken. Darauf hat die DPG bereits vor drei Jahren in einer Studie hingewiesen, deren Schlussfolgerungen noch heute unverändert gültig sind. In dieser Studie spricht sich die DPG deshalb auch für die Verlängerung der Laufzeiten von deutschen Kernkraftwerken aus, wenn die von der Bundesregierung erwarteten Emissionsminderungen in erreichbare Nähe rücken sollen. Diese Ziele würden jedoch nicht erreicht, wenn die Kernenergie, heute der Hauptträger CO2-freier Elektrizitätserzeugung in Deutschland, entsprechend den politischen Vorgaben wegfallen wird.

Wir brauchen deshalb sowohl eine realistische Energiepolitik als auch erhöhte Anstrengungen in der Energieforschung. Hierzu nur einige Beispiele: Die Zukunft der Kohle ist eng mit der Frage verbunden, ob es gelingt, in Kohle-Kraftwerken das CO2 abzuspalten und unschädlich einzulagern. Der Bau von solarthermischen Kraftwerken und Windenergieanlagen ist ein wichtiger Schritt. Wasserstoff könnte in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur Energiewirtschaft leisten. Die Kernfusion könnte ab Mitte des Jahrhunderts als neue Energiequelle hinzutreten, die umweltfreundlich und inhärent sicher funktioniert. Die Nanotechnologie könnte einen großen Beitrag zur Steigerung der Energieeffizienz leisten. Wir brauchen einen langen Atem, um neue Energieformen zu erschließen und diese effizienter zu nutzen. Patentrezepte gibt es nicht und viele Lösungsansätze werden noch mehrere Jahrzehnte benötigen, bis sie die erhofften Beiträge liefern können. Angesichts der globalen Dimensionen der Umweltprobleme sind Lösungen nur über europäische und internationale Kooperationen zu erreichen.

Gleichzeitig dürfen Klimaschutzmaßnahmen nicht getrennt von der Versorgungssicherheit betrachtet werden. Denn Deutschland und Europa sind bei Gas und Öl durch eine zunehmende Abhängigkeit von nur wenigen Förderländern bedroht. Dies ist in den letzten Jahren und besonders in diesem Winter mit der Gaslieferkrise auf dramatische Weise deutlich geworden. Langfristig könnte diese Abhängigkeit schwerwiegende Folgen für unsere wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und für unser gesellschaftliches Wohlergehen haben. Versorgungssicherheit und Klimaschutz müssen daher höchste Priorität für die Entwicklung unserer Energieerzeugung haben.

Fakt ist, dass die Aufwendungen für die Energieforschung nur noch etwa 30% der verfügbaren Mittel des Jahres 1970 betragen. Die DPG fordert daher, dass bereits kurzfristig mehr Finanzmittel für die Energieforschung bereit gestellt werden. Die DPG als größte Physikalische Fachgesellschaft der Welt mit ihren über 56.000 Mitgliedern ist dazu gerne Berater und Ansprechpartner für die Politik.

Meine Damen und Herren, eine Tagung mit solch einem exzellenten Programm, das eine großartige Werbung für die Bedeutung der Physik für unsere Gesellschaft darstellt, ist nur durch größtes Engagement von allen Beteiligten möglich. Meinen großen Dank aussprechen möchte ich deshalb allen beteiligten Fachverbänden und Arbeitsgruppen und natürlich der örtlichen Tagungsleiterin Frau Professor Dorothee Schaile sowie dem gesamten Team. Bedanken möchte ich mich ebenfalls bei der LMU München für die Gastfreundschaft und der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung für die wieder großzügige finanzielle Unterstützung unserer DPG-Frühjahrstagungen.

I now switch to English and I come to the award ceremony, of the Max Born Prize.

For the award ceremony I would like to cordially invite the representative of IOP, Sir John Pendry, to hand over the prize together with me.

The Max-Born-Prize is a bi-national prize which is alternately awarded to British and German Physicists, respectively. This year the prize is given to a British physicist, Prof. Dr. Robin C.E. Devenish from the University of Oxford. Born in 1942 in Point-a-Pierre, Trinidad, West Indies, he studied at the University of Cambridge. After his doctoral degree he worked as a Research Associate at the University of Lancaster and the University College London and became Research Fellow and later Scientific Staff member at DESY (Hamburg). Now he holds a Professorship at the University of Oxford.

With his work, Prof. Devenish contributed substantially to the understanding of the inner structure of nuclear particles, especially the structure of the proton. Thus, honoured prizewinner, you not only contribute to proving the international appreciation and importance of basic research. You also guide the interest of the public and especially of young people to natural sciences and technology. Further, your curiosity and passion, which are probably the most important basics behind every new discovery and innovation, are outstanding. Only the enthusiasm for a topic, which you embody as our prizewinner, is able to influence young people to consider the natural sciences and especially physics as a choice of study.
I now read the laudatio:

“The Max Born Medal and Prize 2009 is awarded to Professor Robin Devenish, University of Oxford, for his key role in determining the structure function of the proton and the extraction of the quark and gluon densities at small parton momenta, which stimulated progress in the understanding of QCD.” President of the Institute of Physics and President of the Deutsche Physikalische Gesellschaft.

Congratulation Mr. Devenish. We are now looking forward to your talk: “Proton Structure – the impact of HERA” .

 
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