DPG
Mitgliedschaft
Veranstaltungen
Programme
Preise
Veröffentlichungen
Presse
Service
 
Druckversion
Position: www.dpg-physik.de  >  veroeffentlichung  >  reden  >  litfin  >  red_physikolympiade_2011.html

Prof. Dr. Gerd Litfin, Göttingen
am 4. Februar 2011

Rede des Vizepräsidenten anlässlich der Preisverleihung der 3. Runde im Auswahlverfahren zur 42. Internationalen PhysikOlympiade 2011 DLR Göttingen

Sehr geehrter Herr Prof. Block, sehr geehrter Herr Dr. Boguhn, sehr geehrter Herr Dr. Petersen, liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Auswahlwettbewerbs zur Internationalen PhysikOlympiade, verehrte Gäste,

ich freue mich sehr, heute wieder an der Preisverleihung anlässlich der dritten Runde im Auswahlwettbewerb zur 42. Internationalen PhysikOlympiade am DLR Göttingen teilnehmen zu dürfen. Die Teilnahme eines Repräsentanten der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ist ja mittlerweile schon zu einer Tradition geworden. In den Jahren zuvor war ich als Präsident, heute bin ich als Vizepräsident bei Ihnen, denn junge und kreative Forscherinnen und Forschern liegen der DPG sehr am Herzen. Deshalb vergibt die DPG auch als kleine Anerkennung Ihrer erbrachten Leistungen an alle Teilnehmer der dritten Runde der Internationalen Physik Olympiade in Göttingen zusammen mit dem Spektrum-Verlag ein einjähriges Abo der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“.

Gleichzeitig möchte ich dem Organisatoren-Team, nämlich den Wissenschaftlern und Mitarbeitern des DLR Göttingen sowie der Wettbewerbsleitung am IPN meine große Anerkennung und meinen Dank für einen wieder großartigen Wettbewerb aussprechen.

Das, was ich bereits im Vorjahr zur Würdigung der Teilnehmer gesagt habe, gilt nach wie vor: Sie alle haben hervorragende Leistungen gezeigt und können stolz auf die erfolgreichen Resultate sein – die DPG ist es und ich persönlich bin es auch. Wie es in einem Wettkampf üblich ist, hatten zudem einige noch das berühmte Quäntchen Glück des Tüchtigen mehr. Sie kommen durch den Einzug in die Endrunde einen wichtigen Schritt näher an die Qualifikation für den im Juli stattfindenden internationalen Wettbewerb in Bangkok. Dazu möchte ich Ihnen ganz besonders gratulieren und drücke allen weiterhin fest die Daumen.

Ich freue mich zudem sehr, dass auch in diesem Jahr wieder so viele Olympioniken an dieser olympischen Vorentscheidung teilnehmen. Dies belegt, wie ich finde, recht eindrucksvoll, dass Sie Freude an der Physik haben. Jetzt werden Sie sich vermutlich denken, warum erzählt der Vizepräsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft gerade so eine völlig offensichtliche und kristallklare Tatsache. Ganz einfach: Weil diese Tatsache gar nicht selbstverständlich ist, da junge Menschen wie Sie, die Physik mögen und sogar ihre Freizeit damit verbringen, leider zu einer Minderheit in Deutschland gehören. Man kann es auch so sagen: Sie stellen das berühmte kleine gallische Dorf dar, wobei mir klar ist, dass Obelix kein gutes Bild für einen theoretischen Physiker abgibt, sondern seine Treffgenauigkeit bei Hinkelstein-Würfen eher eine gewisse Stärke für experimentelle Physik erahnen lässt. Eines ist aber klar, um bei dem Bild des kleinen gallischen Dorfes zu bleiben: Sie sind mit ihrem Physikinteresse eine schlagkräftige Truppe. Natürlich meine ich das nur im übertragenen Sinne!

Unsere Gesellschaft benötigt dringend Persönlichkeiten wie Sie, denn ohne Nachwuchs in der Physik, das brauche ich Ihnen natürlich nicht zu erklären, würden wir schon bald Probleme in Industrie und Wissenschaft bekommen. Es wäre niemand mehr da, der die hochkomplexen Entwicklungen und Produktionen im Hightech-Bereich verstehen, lehren, vorantreiben oder managen könnte. Innovationen wären undenkbar. Schon jetzt spüren wir diesen Mangel an Physikerinnen und Physikern. Die Gewinnung von mehr jungen Menschen für die Naturwissenschaften und Investitionen in diese berührt deshalb eine Kernfrage für den Fortbestand unserer Gesellschaft und ist ein deutsches „Man-to-the-Moon“-Projekt, wie man im Amerikanischen sagen würde.

Wie Sie vielleicht den aktuellen Nachrichten entnommen haben, wird deshalb viel darüber nachgedacht, wie man Schülerinnen und Schüler für die Physik und die Naturwissenschaften begeistern kann. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir mit der PhysikOlympiade ein hervorragendes Instrument und erfolgsbewährtes Beispiel haben, wie man junge Menschen für die Naturwissenschaften motivieren kann.

Das ist auch das ganz besondere Anliegen der DPG, damit möglichst viele von Ihnen sich nach Ihrer Schulzeit für ein Studium entscheiden – und aus Sicht der DPG natürlich für ein Physikstudium. Mit ihren fast 60.000 Mitgliedern ist die DPG die größte physikalische Fachgesellschaft der Welt, deren Wurzeln bis in das Jahr 1845 zurückreichen. Präsidenten waren beispielsweise Albert Einstein, Hermann von Helmholtz und Max Planck. Auch derzeit finden sich unter den Mitgliedern der DPG neun Nobelpreisträger, die sich immer wieder mit den jungen DPG-Mitgliedern austauschen und Ihre Erfahrungen bei DPG-Frühjahrstagungen oder im Physikzentrum Bad Honnef weitergeben.

Dieser Austausch in der DPG zwischen den „alten Hasen“ und dem wissenschaftlichen Nachwuchs freut mich persönlich sehr, da über die Hälfte der DPG-Mitglieder Schülerinnen und Schüler oder Studierende sind. Übrigens hat die DPG in keiner Altersgruppe so viele Mitglieder wie bei denen zwischen 19 und 29 Jahren. Seit einigen Jahren organisieren sich deshalb Studierende auch in der „jungen DPG“, deren Gruppen sich an mittlerweile 27 Hochschulstandorten um die Anliegen und Interessen der Physik-Studierenden kümmern. Sie organisieren zum Beispiel Exkursionen zu Forschungseinrichtungen oder potenziellen Arbeitgebern und bieten Schnupperveranstaltungen für am Physikstudium interessierte Schülerinnen und Schüler an. Zudem hat die DPG auch ein spezielles Labor-Besichtigungsprogramm, den sogenannten „Tag vor Ort“ bei dem mehr als 40 Industriebetriebe, Institute und Forschungseinrichtungen einen kostenfreien Besuch ihrer Labors und Entwicklungsabteilungen anbieten. Dazu gehört übrigens auch das DLR Göttingen, das hier Anfang des Jahres eine solche Veranstaltung durchgeführt hat. Auch dafür möchte ich dem DLR meinen herzlichen Dank aussprechen. Die Veranstaltungen finden jeweils zwischen November und April statt und sollen Physik-Studierenden, Absolventinnen und Absolventen einen Einblick in das Berufsleben geben. Gerne können aber auch herausragende Schülerinnen und Schüler wie Sie, sich auf unserer Internetseite kostenfrei für dieses Programm anmelden.

Um die Interessen von jungen Menschen noch stärker berücksichtigen und Hilfestellung leisten zu können, hat die DPG zudem die DPG-Buchpreisgewinner des Abiturjahrgangs Jahres 2007 eingeladen, an einer Langzeitstudie teilzunehmen, um ihre Studien- und Karrierewege, ihre Erfolge und Schwierigkeiten zu verfolgen. Diese Studie, an der aktuell immer noch weit über 1.000 ehemalige Schülerinnen und Schüler teilnehmen, hat bereits erste interessante Ergebnisse geliefert und hilft uns sehr in unserer Arbeit.

Denn eines ist Fakt: Nur mit einem positiven und spannenden Physikbild, das frühzeitig im Elternhaus und in der Schule vermittelt werden muss, können wir Schülerinnen und Schüler für die Physik und später für ein Studium interessieren. Und dieses Studium zahlt sich später aus, denn mit einem Physikabschluss sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt weiterhin vielversprechend.

Die gute Ausgangslage für Physikerinnen und Physiker hat den Hintergrund, dass Sie mit diesem Studium sehr flexibel und etwa in Industrie und Wirtschaft oft in Schnittstellenberufen tätig sein können. Zudem sucht die Industrie dringend Fachkräfte. Physikerinnen mit ihrem sehr breiten Wissensspektrum und ihrer Fähigkeit, komplexe Probleme zu analysieren und zu lösen, gehören hier für Unternehmen aller Branchen zur ersten Wahl. Wir gehen deshalb davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt für Physikerinnen und Physiker weiterhin positiv entwickeln wird. Auch angesichts dieser guten Berufsperspektiven möchte ich Ihnen ans Herz legen: Trauen Sie sich! Entscheiden Sie sich für die Physik und ein Physikstudium! Physik und Naturwissenschaften sind trotz gegenteiliger und hartnäckiger Gerüchte keineswegs trocken oder „uncool“.

Und eines ist ganz klar: Die oft gehörte Äußerung, Mädchen wären nicht so gut in Physik und Naturwissenschaften wie Jungen, ist etwas aus der Kategorie Unwort des Jahrhunderts und gehört fest verschlossen in der Mottenkiste der größten Irrtümer und lächerlichsten Vorurteile. Deshalb setzt sich die DPG auch ganz besonders für die Ermutigung und Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses ein. Wir möchten dafür Sorge tragen, dass junge Menschen, denen wir heute empfehlen, ein Physikstudium aufzunehmen, morgen auch alle die gleichen Perspektiven und Chancen durch ihre wissenschaftlichen und beruflichen Leistungen haben – bis hinein in Top-Positionen. Allerdings, aber das wissen die jungen Frauen unter Ihnen natürlich selbst, ist auch für Sie als potenzielle Physikerinnen nur einmal die Position der Bundeskanzlerin zu vergeben!

Doch damit genug der Berufsplanung und der großen Worte. Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie den Spaß an der Physik niemals verlieren und drücke Ihnen für den weiteren Verlauf der PhysikOlympiade ganz fest die Daumen!

Vielen Dank.

 
© Deutsche Physikalische Gesellschaft | letzte Änderung 02.11.2011, 10:28 | Impressum | Datenschutz | Kontakt | Bearbeiten