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Prof. Dr. Gerd Litfin, Göttingen
am 2. und 3. Juni 2009

Rede des Präsidenten anlässlich der Sitzung der Konferenz der Fachbereiche Physik am 2. und 3. Juni 2009 im Physikzentrum Bad Honnef

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

im Namen der DPG und auch persönlich möchte ich Sie herzlich im Physikzentrum Bad Honnef begrüßen. Die gute und enge Zusammenarbeit von KFP und DPG ist von großer Bedeutung für die Physik in Deutschland. Die KFP macht es möglich, dass die Hochschulen die Physik betreffend eine Stimme haben, die rasch zu dringenden Fragen Stellung nehmen kann. Die Kooperation mit der DPG macht diese Stimme noch vernehmbarer. Die Politik nimmt so die Meinung der Physik ernst und setzt sich mit ihr auseinander, wie wir an den verschiedenen Reaktionen auf gemeinsame Stellungnahmen sehen, z. B. aktuell auf die Stellungnahme zur Promotion. Diese Art der öffentlichen Kommunikation ist ein wichtiger und richtiger Weg, um insbesondere unser Anliegen einer qualifizierten Physikausbildung im Zuge der Umbrüche durch den Bologna-Prozess zu artikulieren.

Herrn Nienhaus als Sprecher der KFP möchte ich an dieser Stelle meinen ganz besonderen Dank für die engagierten und zeitintensiven Aktivitäten aussprechen. Es ist insbesondere Ihr Verdienst, lieber Herr Nienhaus, dass die Zusammenarbeit zwischen DPG und KFP so exzellent ist. Es freut mich deshalb auch sehr, mitteilen zu können, dass Herr Nienhaus im März 2009 für zwei weitere Jahre in seinem DPG-Vorstandsamt bestätigt worden ist. Durch den Ausbau der DPG-Geschäftsstelle kann seit rund zwei Jahren die Arbeit der KFP durch die DPG noch weiter unterstützt werden. Die organisatorische Unterstützung des KFP-Sprechers durch einen Referenten in der DPG-Geschäftsstelle ist heute mit Herrn Steegers verbunden. Auch Ihnen möchte ich an dieser Stelle meinen Dank für Ihr Engagement aussprechen. Wir brauchen diese Zusammenarbeit mit den Hochschulen mehr denn je, wenn man die zentralen Herausforderungen betrachtet, mit denen wir uns weltweit angefangen von der Finanz- und Wirtschaftskrise bis zu Klimaschutz- und Energieversorgung konfrontiert sehen. Kurzfristige Aktionsprogramme können hier nur die eiligsten Brandherde bekämpfen, langfristig gibt es aber nur eine Möglichkeit, Vorsorge zu treffen: Und diese heißt die Bildung und die Bildungschancen bestärken. Oder anders gesagt:

„Klug zu sein war noch nie so cool wie heute.“

Diesen Ausspruch des neuen US-Bildungsministers Arne Duncan kann man nur unterstreichen, denn Bildung ist wohl der wichtigste Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Die Physik spielt dabei eine Schlüsselrolle, da auch für viele nichtphysikalische Disziplinen solide physikalische Grundkenntnisse unabdingbar sind. Erstaunlich ist vor diesem Hintergrund, dass vor allem die deutschen Universitäten finanziell eindeutig schlechter gestellt sind als ihre ausländischen Vergleichspartner in den OECD-Staaten. So ist über die Zeitspanne von 1972 bis 2004 die Studierendenzahl an deutschen Hochschulen zwar erfreulicherweise um das Dreifache gestiegen, die Professorenzahl dagegen nur um das 1,8-fache.

Die Erhöhung der staatlichen Ausgaben für Forschungs- und Infrastrukturmaßnahmen an Schulen und Hochschulen ist eine wichtige Stellschraube. Dies wird aber nicht ausreichen. Die begrenzten Mittel des Staates macht die aktuelle Wirtschaftskrise deutlich. Vielmehr ist die Stärkung des gesamtgesellschaftlichen Engagements, eine neue Bildungskultur nötig. Schon heute tragen alleine Industrie und Wirtschaft rund 70 Prozent der Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Deutschland. Als größte physikalische Fachgesellschaft der Welt möchten wir ebenfalls unseren eigenen Beitrag leisten, das Bildungssystem in Deutschland qualitativ zu verbessern und den Staat bei seinen bildungspolitischen Aufgaben zu unterstützen.

Über die konkreten Bildungsaktivitäten und wissenschaftspolitischen Aktivitäten der DPG möchte ich im Folgenden berichten. Bevor ich dies tue, möchte ich aber zunächst auf die vergangenen DPG-Frühjahrstagungen und eine Neuerung in der DPG-Geschäftsstelle eingehen.

Die diesjährigen Frühjahrstagungen waren wieder überaus erfolgreich und von den örtlichen Tagungsleitern und der DPG-Geschäftsstelle mit der bekannten Professionalität organisiert und betreut. Über 9.700 Teilnehmer konnte die DPG insgesamt begrüßen. Die Frühjahrstagung in Dresden mit über 5.000 Teilnehmern war zudem die größte Physiktagung in Europa. Für diesen Erfolg möchte ich allen Beteiligten meinen großen Dank aussprechen. Diese positive Entwicklung schlägt sich auch in der Mitgliederzahl nieder. Aktuell hat die DPG die 57.000 Marke erreicht und ist damit übrigens weiterhin die weltweit größte physikalische Fachgesellschaft. Während der Jahrestagung in Hamburg wurden zudem die beiden höchsten Auszeichnungen der DPG verliehen. Robert Graham, Physikprofessor an der Universität Duisburg-Essen, erhielt die „Max-Planck-Medaille für Theoretische Physik“ für bedeutende Beiträge zur Quantenphysik und Statistischen Mechanik. Die „Stern-Gerlach-Medaille für Experimentelle Physik“ ging an Prof. Dr. Friedrich Wagner, Kernfusionsforscher am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald. Beiden möchte ich an dieser Stelle noch einmal herzlich gratulieren.

Als Gastredner an den Tagungen nahmen insbesondere die Ministerin des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, Frau Dr. Stange, der Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie NRW, Prof. Dr. Pinkwart sowie der Staatssekretär im BMBF, Herr Prof. Dr. Meyer-Krahmer teil. Leider waren nahezu alle offiziellen Veranstaltungen schlecht besucht und hier und da kam es deswegen zu peinlichen Nachfragen der anwesenden Politiker. Ich möchte Sie ausdrücklich bitten, zukünftig Ihre Kollegen und auch Ihre Schüler darauf hinzuweisen, dass auch die Physik nicht ohne den Dialog mit der Politik auskommt. Die Bedeutung unserer Aussagen wird entscheidend geschmälert, wenn wir diese Aufgabe nicht deutlich annehmen. Mit dünn besetzten Hörsälen können wir nicht davon ausgehen, dass wir Politiker von Bedeutung als Redner bekommen werden.

Meine Damen und Herren, ich kann Ihnen mitteilen, dass der Vorstandsrat bei der letzten DPG-Jahrestagung in Hamburg Herrn Prof. Wolfgang Sandner, Direktor des Max-Born-Instituts, und seit vielen Jahren in vielfältigsten Funktionen für die DPG aktiv, für das Amt des nächsten DPG-Präsidenten gewählt hat. Herr Sandner wird sein Amt im April 2010 antreten. Eine weitere Neuerung gibt es in der DPG-Geschäftsstelle: Seit Januar 2009 wird die DPG-Geschäftsstelle durch Frau Dr. Anja Metzelthin als neue Vorstands-referentin unterstützt. Nach dem Abi¬tur studierte Frau Metzelthin Chemie an der Ruhr-Universität Bochum und der Ecole Europeènne de Chimie, Polymères et Matériaux (ECPM), Strasbourg. Ihre Dissertation trägt den Titel „High Resolution Infrared Spectroscopy of Acetylene-Furan and Acetylene-Pyridin in Ultracold Helium Nano Droplets“. In der DPG-Geschäftsstelle soll Frau Metzelthin insbesondere in den Themenbereichen/Vorstandsressorts Schule sowie Industrie, Wirtschaft und Berufsfragen wirken. Ferner ist sie Ansprechpartnerin für die Arbeitsgruppe junge DPG (jDPG).

Damit komme ich nun zu den Aktivitäten der DPG im wissenschaftspolitischen und Bildungsbereich, die sich im Wesentlichen drei Bereichen zuordnen lassen:

  • Öffentliche Kommunikation
  • Förderprogramme
  • Studien.
Beginnen möchte ich mit der öffentlichen Kommunikation.

Öffentliche Kommunikation
Hierunter fallen diejenigen Aktivitäten und Programme, die der Information und Aufklärung der Öffentlichkeit sowie der bildungs- und wissenschaftspolitischen Meinungsbildung dienen. Eine zentrale Rolle spielt dabei natürlich die Zusammenarbeit mit der KFP und damit die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Physik an den Hochschulen. Mit der gemeinsam von KFP, DPG und acht weiteren Partnern eingebrachten Erklärung zur Promotion haben die Ingenieur- und Naturwissenschaften erst kürzlich in breiter Front zu einem der ungelösten Probleme der Bologna-Reform Stellung genommen.

Zusätzlich habe ich für die Seite 3 der Juni-Ausgabe des Physik Journal einen Meinungsartikel zum Thema Bologna verfasst. Dieser Artikel ist in enger Abstimmung mit Herrn Nienhaus entstanden und setzt sich kritisch mit der Akzeptanz von BA-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt, der zum Teil zu hohen Arbeits- und Prüfungsbelastung in den BA-Studiengängen sowie insbesondere der Tendenz zur Verschulung der Promotion auseinander.
Dass der Einsatz von KFP und DPG an entscheidender Stelle auch gehört wird, zeigt insbesondere die Reaktion des Generalsekretärs der Kultusministerkonferenz, Herr Erich Thies. In seinem Schreiben dankt er für die Übersendung der Gemeinsamen Stellungnahme, die er auch allen Mitgliedern der Kultusministerkonferenz (KMK) weitergeleitet hat. Er unterstreicht, dass er unsere Haltung teilt und in den nationalen Berichten zu den Fortschritten im Bologna-Prozess besonderer Wert darauf gelegt wird, unzweideutig zwischen Studium und der Doktorandenphase zu unterscheiden.

Die Kontakte zur KMK und zur Politik gilt es intensiv zu nutzen, denn wir müssen weiterhin wachsam bleiben, um uns in drängende bildungspolitische Fragestellungen einbringen zu können. Der Bologna-Prozess birgt für den wissenschaftlichen Nachwuchs noch viele Stolpersteine. Eine große Herausforderung bleibt die Sicherung der Qualität der Promotion – und das nicht nur im Fach Physik: Die Arbeitsbelastung deutscher Doktoranden und Habilitanden ist bereits hoch – und durch die Bologna-Reform hat sie noch zugenommen. Aktuell geben dazu 67 Prozent der Teilnehmer einer Befragung des Hochschulinformationssystems (HIS) an, dass durch gestiegenen Aufwand für Prüfungsorganisation, Lehrverpflichtung, Betreuung und Beratung von Studierenden immer weniger Zeit für ihre Forschung verbleibt. Dies müssen wir ändern.

Um sich in der Politik Gehör zu verschaffen, sind vielfältige Formen der Kommunikation unabdingbar. Deshalb hat die DPG ein neues Programm aufgelegt, nämlich das im Dezember 2008 gestartete Informationsblatt „Physik konkret“. Dieses stellt zum einen in allgemeinverständlicher Form physikalische Zusammenhänge dar, zum anderen nimmt es zu aktuellen wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Fragen der Physik Stellung. Es ist sowohl an Meinungsführer in Politik, Industrie, Wirtschaft und Gesellschaft adressiert, wie natürlich auch an die interessierte Öffentlichkeit, da die Ausgaben auch auf der Homepage der DPG einzusehen sind. Die bisherigen Ausgaben beschäftigten sich mit dem Arbeitsmarkt für Physiker, den Quer- und Seiteneinsteigern in den Schuldienst im Fach Physik sowie der Gefährdung der medizinischen Diagnose per Magnetresonanz-Tomografie (MRT), da eine geplante Arbeitsschutzrichtlinie der Europäischen Union (EU), die bis zum Jahre 2012 in nationales Recht einfließen soll, den Einsatz der MRT erheblich einschränken könnte.

Unsere Bilanz nach den drei ersten Ausgaben ist positiv. Waren die Reaktionen seitens der Politik und Meinungsführer zu der ersten Ausgabe noch verhalten, so hat die Veröffentlichung der Quereinsteigerproblematik eine außergewöhnliche große Resonanz gezeitigt. Die DPG hat nämlich einen wunden Punkt im deutschen Schul- und Bildungssystem offengelegt. Auf Basis der Daten einer von der DPG mitfinanzierten Erhebung von Frau Korneck an der Universität Frankfurt wurde aufgezeigt, dass in Deutschland in den Jahren 2002 bis 2007 45 Prozent der Physik-Referendare und -Referendarinnen für die gymnasiale Oberstufe kein Lehramtsstudium absolviert haben. Dies ist eine fast unglaubliche Zahl. Trotz in der Regel guter Fachkompetenzen sind Quer- und Seiteneinsteiger unzureichend auf die physikdidaktischen und pädagogischen Anforderungen in der Schule vorbereitet – und zwar vor allem die Seiteneinsteiger, also diejenigen, die nicht einmal das Referendariat als Vorbereitungsdienst absolvieren.

Diese Entwicklung steht im Gegensatz zu Bemühungen, die Lehrerausbildung zu professionalisieren und praxisnäher zu gestalten. Sie steht auch im Widerspruch zu den von der Kultusministerkonferenz im Oktober 2008 beschlossenen Standards für die Ausbildung von Lehrkräften. Deshalb hat sich die DPG im Februar 2009 über die Ausgabe von Physik konkret hinaus in einer gemeinsamen Stellungnahme von DPG, der Gesellschaft für Didaktik der Chemie und Physik (GDCP) sowie des Deutschen Vereins zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts (MNU) öffentlich an die verantwortlichen Politiker und Entscheidungsträger gewandt.
Wir erwarten von den Kultusministerien der Bundesländer verpflichtend eine umfassende Weiterbildung für Lehrkräfte durchzuführen, die kein Lehramtsstudium durchlaufen haben. Die Physiklehrer-Misere liegt im besonderen Maße an den Personalplanungen der Kultusminister der Länder. Diese hat in der Vergangenheit leider vollkommen den Bedarf an naturwissenschaftlichen Lehrkräften übersehen, was sich nun rächt. Die gegenwärtigen ad hoc durchgeführten Notprogramme zur Einstellung von Lehrkräften gefährden die Qualität des Physikunterrichts. Auf dieses Physik konkret erreichten mich oder die DPG-Geschäftsstelle fast täglich Reaktionen aus Politik, Presse und Öffentlichkeit, von Lehrerinnen und Lehrern, aber auch von Eltern. Reaktionen übrigens, die überwiegend Zustimmung signalisieren und die Haltung der DPG unterstreichen.
Zufrieden sein können wir auch mit dem Erfolg von Physik konkret zur MRT-Problematik. Die offiziellen Reaktionen zu der MRT-Problematik waren zwar verhalten. Mir wurde dafür aber inoffiziell von Betroffenen aus der Medizin mitgeteilt, die sich ebenfalls gegen diese Richtlinie ausgesprochen haben, dass die EU-Kommission ihr Vorhaben zu überdenken scheint.

Damit komme ich nun zu den konkreten Förderprogrammen.

Förderprogramme
Die DPG engagiert sich auch in diesem Jahr wieder mit ganzer Kraft in der Lehrerfortbildung, denn der Weg zu einer höheren Akademikerquote und zu besseren Schülern kann nur über die Schulbildung und damit die Lehrerinnen und Lehrer gehen. Tatsächlich fehlt aber vielen Junglehrern die Praxis vor den Schülern – und gestandenen Kollegen oft die Weiterbildung. Den großen Bedarf habe ich im Zusammenhang mit Physik konkret genannt. Deshalb fördert die DPG mit ihren Lehrerfortbildungen im Physikzentrum Bad Honnef und dem bundesweiten Fortbildungsnetzwerk (fobinet) die pädagogische und fachliche Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern, die inhaltlich auf die jeweiligen landesspezifischen Curricula abgestimmt ist. Dieses DPG-Programm wächst auch in diesem Jahr kontinuierlich weiter. Aus aktuellem Anlass werden derzeit zum Beispiel mehrere fobinet-Fortbildungen anlässlich des Forschungszuges „Science Express – Expedition Zukunft“ der Max-Planck-Gesellschaft vorbereitet, die mit einem anschließenden Besuch des Science Express verbunden sind.

Im Rahmen von fobinet werden zudem weiterhin konkrete Daten zum Fortbildungsbedarf in Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen und Lehrern und ihren Interessenvertretern erhoben. Allerdings brauchen wir zur Förderung einer größeren Fortbildungsbereitschaft insgesamt eine noch engere Zusammenarbeit mit der KMK, damit auch die Verantwortlichen in den Schulen den großen Bedarf an Lehrerfortbildungen ihrer Lehrer noch deutlicher erkennen und Lehrerinnen und Lehrer dazu entsprechend ermutigen und natürlich auch freistellen.

Neben diesen Lehrerfortbildungen liegt ein neuer Fokus der DPG auf dem Role-Model-Konzept zur Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses. Dieses Konzept etabliert sich zunehmend in Deutschland und hat zum Ziel, das Bild der MINT-Berufe – MINT, d. h. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – zu verändern, junge Menschen für naturwissenschaftliche und technische Studiengänge zu begeistern sowie Hochschulabsolventinnen für Karrieren in der Wirtschaft und Wissenschaft zu gewinnen. Aus diesem Grund ist die DPG mit den vom BMBF geförderten „Lise Meitner Lectures“ Partner in dem vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) initiierten MINT-Role-Model-Projekt. Dieses Projekt wiederum ist Teil des durch das BMBF angestoßenen MINT-Pakts zur Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses. In diesem Jahr konzentriert sich die DPG auf die Bereitstellung ihrer Posterausstellung mit den Biografien von 18 weiblichen Role Models, und zwar als Download für alle Schulen, Hochschulen und sonstigen Bildungseinrichtungen auf ihrer Homepage sowie die Ausrichtung eines Schülerwettbewerbs.

Das Role Model-Konzept wird auch in Form eines DPG-eigenen Mentoring-Programms umgesetzt. Derzeit wird von einer Programmgruppe bestehend aus Mitgliedern des DPG-Ausschusses für Industrie und Wirtschaft, des Arbeitskreises Chancengleichheit und der jungen DPG ein entsprechendes Konzept entwickelt. Das Mentoring-Programm soll Studierende und junge Berufsanfänger beider Geschlechter ansprechen, aber mit einem besonderen Schwerpunkt auf weiblichen Teilnehmerinnen. Wichtigstes Ziel ist die Persönlichkeitsentwicklung von Mentees und MentorInnen gleichermaßen. Der Programmstart mit 10 bis 20 Mentoring-Tandems ist für das Jahr 2010 vorgesehen. Sofern in Ihren Reihen erfolgreiche Frauen arbeiten – ich bin sicher, dass dies der Fall ist – würde ich mich sehr freuen, wenn Sie diesen von dem Aufbau unseres Mentoring-Programms berichten und sie für eine Teilnahme begeistern könnten.

Im Rahmen ihres Role-Model-Konzepts gibt es zudem eine enge Zusammenarbeit mit dem VDI. Die DPG unterstützt den VDI im Rahmen des gemeinsamen Role-Model-Projekts dabei, 100 Role Model aus Industrie, Naturwissenschaft und Technik bis Ende des Jahres 2009 zu identifizieren. Diese weiblichen Rollenvorbilder können sich dann selbst in eine Datenbank eintragen, damit sie gezielt als aktive Mitwirkende an Veranstaltungen oder Programmen angefragt werden können. Die MINT-Role-Models sollen mit der Darstellung ihres eigenen beruflichen Werdegangs und ihrer Berufserfahrung Studentinnen motivieren, im MINT-Beruf erfolgreich ein- und aufzusteigen, und damit als Botschafterinnen für den MINT-Bereich bei jungen Menschen werben. Dazu werden Unternehmen aus Industrie und Wirtschaft, Hochschulen und Verbände angesprochen.

Damit komme ich nun abschließend zu den DPG-Studien.

Studien
Arbeitsmarkt-Studie
Da genaue Daten über den Arbeitsmarkt für Physiker hinsichtlich der Entscheidung für oder gegen ein Physikstudium von grundlegender Bedeutung sind, hat die DPG in Fortführung der Ausgabe von Physik konkret eine ausführliche Studie in Zusammenarbeit mit dem Institut der deutschen Wirtschaft, Köln, begonnen. Diese Studie soll voraussichtlich in diesem Jahr fertiggestellt werden.

Abi-Studie
Dass eine frühzeitige Motivationsförderung für das Fach Physik erfolgreich im Hinblick auf die spätere Studienwahl sein kann, zeigen erste Daten der Auswertung des zweiten Fragebogens der DPG-Abiturienten-Studie. Über 90 % derjenigen, die im Jahr 2007 den Schülerpreis der DPG, d. h. kostenlose Mitgliedschaft und zum Teil zusätzlich auch noch den Buchpreis, erhalten haben, nahmen ein Studium auf, nur 2 % absolvieren eine Berufsausbildung.

Von den Studierenden haben sich dabei fast 50 % für ein Studium im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich entschlossen, weitere knapp 40 % für ein Ingenieursstudium. Dass die DPG mit ihren Schülerpreisen tatsächlich die Besten auszeichnet, zeigt sich darin, dass immerhin 11,5 % der Befragten ein Stipendium erhalten – gegenüber 2 % Stipendiatinnen und Stipendiaten in der Gesamtzahl der Studierenden in Deutschland. Sobald die vollständige Auswertung der Studie vorliegt, sollen die Ergebnisse publiziert und auch im Zusammenhang der MINT-Aktivitäten der DPG genutzt werden.

Teilnahme an der acatech-Umfrage
Durch Versendung eines Fragebogens an eine zufällig ausgewählte Zielgruppe von 1.500 DPG-Mitgliedern hat sich die DPG zudem Ende November 2008 an der Umfrage von acatech und dem Verein Deutscher Ingenieure beteiligt. Anhand von insgesamt 12.000 Datensätzen werden die individuellen Perspektiven von Schülerinnen und Schülern, Studierenden sowie MINT-Beschäftigten erforscht und die entscheidenden Einflussgrößen auf Technikbildung und Technikinteresse untersucht. Die Ergebnisse dieser durch das BMBF finanzierten Studie werden am 10. Juli 2009 von acatech und dem VDI in Berlin vorgestellt.

Meine Damen und Herren, mit dieser Standortbestimmung der DPG-Aktivitäten im Bereich der Förderung der Physikbildung möchte ich schließen. Allerdings nicht ohne zu betonen, dass der Großteil dieser genannten Aktivitäten nur gemeinsam mit der KFP und den anderen Partnern der DPG zu erreichen war und ist. Für Ihre Unterstützung dafür möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken. Vielen Dank.

 
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