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Prof. Dr. Gerd Litfin, Göttingen
am 4. März 2009

Rede des Präsidenten anlässlich der
Verleihung der DPG-Ehrenmitgliedschaft und
der Max-Planck- und Stern-Gerlach-Medaille beim Festakt der DPG-Jahrestagung
am 4. März 2009 in Hamburg

Würdigung der DPG-Ehrenmitglieder

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

es ist mir nun eine ganz besondere Freude, heute die DPG-Ehrenmitgliedschaft zu verleihen und dann die beiden Goldmedaillen der DPG. Im Anschluss daran wird durch Herrn Prof. Dr. Rost, Sprecher der Sektion AMOP, der AMOP-Dissertationspreis für den wissenschaftlichen Nachwuchs verliehen.

Wie ich bereits erwähnt habe, ist die DPG mit Ihren über 56.000 Mitgliedern die größte physikalische Fachgesellschaft der Welt. Gemessen an Ihrer Mitgliederzahl würden viele hier im Saal erwarten, dass die DPG deshalb auch die meisten Ehrenmitglieder der Welt besitzt. Dies ist jedoch keineswegs der Fall, vielmehr hat die DPG seit Einführung der Ehrenmitgliedschaften im Jahr 1888, also in mehr als 120 Jahren, noch nicht einmal 50 Ehrenmitglieder benannt. Unter diesen finden sich Nobelpreisträger und herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Wilhelm Conrad Röntgen, Max Planck, Lise Meitner, Otto Hahn, Heinz Maier-Leibnitz, Klaus von Klitzing oder Theo Mayer-Kuckuk, um nur einige zu nennen.

Eine Ehrenmitgliedschaft der DPG ist so etwas Ähnliches wie der „Nobelpreis der DPG“ für ehrenamtliches Engagement in der DPG im Besonderen und für die Physik im Allgemeinen. Diese Auszeichnung wird nur in ganz seltenen und ausgesuchten Fällen verliehen. Die Ehrenmitgliedschaft ist ein wichtiges Signal für die Bedeutung von gesellschaftlichem Engagement für die Physik und die Wissenschaft gleichermaßen. Mit Ihnen werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die seit vielen Jahren mit großem Engagement Herausragendes für die Deutsche Physikalische Gesellschaft und die Physik bewirkt haben. Dazu zählt neben Ihren zahlreichen Verdiensten Ihr Wirken für die öffentliche Wahrnehmung der Physik. Ihr Tun ist damit auch vorbildhaft für unseren wissenschaftlichen Nachwuchs. Sie, verehrte Ehrenmitglieder, haben in ganz besonderem Maße mit dazu beigetragen, dass die DPG beständig wächst und gerade auch bei jungen Menschen ein so hohes Ansehen genießt. Mit einem Median von 34,6 Jahren ist die DPG mit Sicherheit auch eine der jüngsten physikalischen Fachgesellschaften der Welt; fast die Hälfte der Mitglieder sind Studierende oder Schüler. Dies ist eine wichtige Basis sowohl für das Fortbestehen der DPG als auch für die Physik in Deutschland. Wir sind stolz darauf, Sie in unseren Reihen wissen zu dürfen.

Nun gehört es zu den schönen Pflichten des Präsidenten, Ihnen Ihre Urkunden zu überreichen. Beginnen möchte ich in alphabetischer Reihenfolge mit Herrn Dr. Egelhaaf. Ich verlese dazu die Laudatio: „Die Deutsche Physikalische Gesellschaft verleiht Dr. Peter Egelhaaf, Gerlingen, die Würde des Ehrenmitglieds für sein außerordentliches ehrenamtliches Wirken in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Hiermit sollen insbesondere seine herausragenden Leistungen als Industriephysiker in der DPG und die Wahrnehmung von Ehrenämtern im DPG-Vorstand und DPG-Vorstandsrat sowie als langjähriges Mitglied im Beratenden Ausschuss der Industrie (BAI, heute AIW) gewürdigt werden.“ Hamburg, den 4. März 2009.
Lieber Herr Egelhaaf, noch einmal meinen ganz herzlichen Glückwunsch.

Nun verleihe ich die Ehrenmitgliedschaft an Herrn Prof. Dr. Markus Schwoerer, Universität Bayreuth. Ich verlese Laudatio: „Die Deutsche Physikalische Gesellschaft verleiht Professor Dr. Markus Schwoerer, Universität Bayreuth, die Würde eines Ehrenmitglieds in Anerkennung seines unermüdlichen Einsatzes für die Deutsche Physikalische Gesellschaft und die Physik. Hervorzuheben sind dabei sein außerordentliches Engagement bei der Organisation der 69. Jahrestagung „Physik seit Einstein“ sowie seine zahlreichen Aktivitäten in DPG-Gremien und für das Physik Journal.“ Hamburg, den 4. März 2009.
Auch Ihnen Herr Schwoerer, meinen ganz herzlichen Glückwunsch.

Verleihung der DPG-Goldmedaillen

Nun komme ich zu der Verleihung der beiden Goldmedaillen der DPG, nämlich der Max-Planck-Medaille und der Stern-Gerlach-Medaille. Die beiden Goldmedaillen sind die wichtigsten Preise der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Ihre Verleihung bedeutet eine große und wichtige Motivation für uns alle. Mit Ihren herausragenden Leistungen, verehrte Preisträger, tragen Sie nicht nur dazu bei, die internationale Wertschätzung der Grundlagenforschung in Deutschland nachdrücklich zu belegen. Mit Ihrer Leistung lenken Sie zudem auch das Interesse der Öffentlichkeit und das der jungen Menschen auf Naturwissenschaft und Technik. Vorbildlich sind aber natürlich und in ganz besonderer Weise auch Ihre Neugierde und Leidenschaft, die wohl die wichtigsten Grundlagen jeder neuen Entdeckung und jeder Innovation darstellen. Diese Eigenschaften spielen für die Zukunft unseres Landes eine zentrale Rolle. Nur die Begeisterung für eine Sache, die Sie als Preisträger ebenfalls verkörpern, schafft zudem die notwendigen Voraussetzungen, damit sich junge Menschen später bei ihrer Studienwahl für Naturwissenschaften und insbesondere Physik entscheiden.

Damit möchte ich nun zur Verleihung der Medaillen kommen. Sie gehen an Prof. Dr. Robert Graham, der bis zu seiner Emeritierung im vergangenen Jahr theoretische Physik an der Universität Essen-Duisburg gelehrt hat, und an Prof. Dr. Friedrich Wagner, Kernfusionsforscher am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald und Professor an der dortigen Ernst-Moritz-Arndt-Universität. Beginnen möchte ich mit der Max-Planck-Medaille, die die höchste Auszeichnung der DPG für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der theoretischen Physik ist. Preisträger ist in diesem Jahr Prof. Dr. Dr. h.c. Robert R.F. Graham. Zur Preisverleihung möchte ich nun Herrn Graham zu mir auf die Bühne bitten.

Die Max-Planck-Medaille wird namentlich für solche Beiträge vergeben, die sich an Max Plancks Werk anschließen. Der akademische Werdegang von Herrn Graham hat ihn, über Stationen an der TU Berlin und der New York University, zunächst auf eine Professur an der Universität Stuttgart und schließlich, seit 1975, als Professor für theoretische Physik an die Universität Essen geführt. An der Universität Stuttgart ist Herr Graham 1969 promoviert worden und hat sich dort 1971 habilitiert; in den letzten Jahren führten ihn wiederholte Gastaufenthalte zu Quantenoptikgruppen an die Universitäten Auckland und Waikato in Neuseeland und Brisbane in Australien.

Herr Graham hat bedeutende Beiträge zur Quantenoptik, zur statistischen Mechanik offener stationärer Systeme außerhalb des thermodynamischen Gleichgewichts, zu Quantenflüssigkeiten und Quantengasen, zum Quantenchaos sowie zu Quantenaspekten der Kosmologie geliefert. Lassen Sie mich aus diesem Spektrum von Forschungsthemen nur eines beispielhaft herausgreifen: die Quantengase. Bei ihnen handelt es sich um ultrakalte Teilchenwolken, die im Labor künstlich hergestellt werden. Ihre Bedeutung liegt darin, dass sie sich als Versuchsobjekte eignen, mit denen technologisch interessante Quantenphänomene wie die „Supraleitung“ – der Stromfluss ohne Widerstand – erklärt werden können. Professor Graham hat mit seinen Arbeiten maßgeblich zur Theorie der Quantengase beigetragen.

Ich verlese die Urkunde:
„Die Deutsche Physikalische Gesellschaft verleiht Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Probert R.F. Graham, Universität Duisburg-Essen, die Max-Planck-Medaille des Jahres 2009 in Würdigung seiner bedeutenden Beiträge zur Quantenoptik, zur statistischen Mechanik offener stationärer Systeme außerhalb des thermodynamischen Gleichgewichts, zu Quantenflüssigkeiten und Quantengasen, zum Quantenchaos sowie zu Quantenaspekten der Kosmologie.“ Hamburg, den 4. März 2009.

Nun komme ich zur Stern-Gerlach-Medaille. Dazu möchte ich Herrn Prof. Dr. Friedrich Wagner, Direktor am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald, zu mir auf die Bühne bitten.

Die Stern-Gerlach-Medaille ist die höchste Auszeichnung der DPG im Bereich der experimentellen Physik und wird für Arbeiten aus dem gesamten Bereich der Physik vergeben. Sie geht in diesem Jahr an Herrn Wagner. Herr Wagner wurde 1972 an der Universität München promoviert und hat sich 1988 an der Universität Heidelberg habilitiert. Seit 1975 ist er am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik tätig, zunächst in Garching, dann nach der deutschen Vereinigung seit 1999 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im November 2008 als Direktor am Standort des Instituts in Greifswald. Selbstverständlich erhält Herr Wagner die Medaille für seine wissenschaftlichen Leistungen. Mich persönlich freut es aber auch sehr, dass mit Herrn Wagner ein herausragender Forscher ausgezeichnet wird, der zudem auch noch Zeit findet, sich für die wissenschaftspolitischen Belange seines Faches auf europäischer Ebene zu engagieren: Denn seit April 2007 ist er Präsident der Europäischen Physikalischen Gesellschaft (EPS).

Mit der Stern-Gerlach-Medaille würdigt die DPG Professor Wagners Arbeiten in der Hochtemperaturplasmaphysik und Fusionsforschung, vor allem die Entdeckung selbstorganisierender Transportbarrieren, die H-Mode, die wegweisend für die Beherrschung von Fusionsplasmen sind. Seine Arbeiten befassen sich insbesondere damit, die auf der Sonne stattfindende Kernfusion in einem Kraftwerk nachzuahmen und als Energiequelle zu nutzen. Mit der „H-Mode“ entdeckte Wagner einen Betriebsmodus, der wesentlich ist, um das künstliche Sonnenfeuer in Gang zu halten. Diese Entdeckung war Voraussetzung für die Planung des internationalen Fusionstestreaktors ITER, dessen Bau im kommenden Jahr in Cadarache/Südfrankreich beginnen soll. Die Anlage soll zeigen, dass ein Energie lieferndes Fusionsplasma möglich ist und künftige Fusionskraftwerke realistisch sind.

Ich verlese nun den Text der Urkunde:
„Die Deutsche Physikalische Gesellschaft verleiht Herrn Prof. Dr. Friedrich Wagner, MPI für Plasmaphysik, Teilinstitut Greifswald, in Würdigung seiner Beiträge zur Hochtemperaturplasmaphysik und Fusionsforschung, vor allem der Entdeckung selbstorganisierender Transportbarrieren (H-Mode), die wegweisend für die Beherrschung von Fusionsplasmen sind“. Hamburg, den 4. März 2009

Damit gebe ich nun das Wort an Herrn Rost zur Verleihung des Dissertationspreises der Sektion AMOP.

Vielen Dank.

 
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