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Prof. Dr. Gerd Litfin, Göttingen
am 31. März 2008

Rede des neuen Präsidenten
anlässlich des Amtsantritts im Magnus-Haus Berlin

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Einstein hat einmal gesagt: "Die Phantasie ist wichtiger als das Wissen. Wissen ist beschränkt, Phantasie umspannt die Welt."

Phantasie ist natürlich auch von zentraler Bedeutung für jede Wissenschaft. Phantasie bedeutet Kreativität, aus der überhaupt erst neue Denkmuster, neue Methoden und damit neues Wissen entspringen können. Es ist zentrale Aufgabe für die Deutsche Physikalische Gesellschaft und für mich als Präsidenten, dazu die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen. Deshalb ist dieses Amt eine ganz besondere Verpflichtung und Herausforderung. Herausforderung auch deshalb, weil die DPG mit ihren 55.000 Mitgliedern und vielfältigen Gremien ein komplexes Gebilde ist, das wie ein großes Unternehmen geführt werden muss. Nicht autoritär sondern mit Autorität. Es ist meinen Amtsvorgängern zu danken, dass die DPG in ausgezeichneter Verfassung ist: Finanziell erfreut sich die DPG bester Gesundheit. Die Zahl der Mitglieder steigt stetig in beeindruckenden Raten. Die DPG wächst um 3% pro Jahr. Die hohe Mitgliederzahl kommt nicht von ungefähr. Sie ist untrennbar verbunden mit den Themen und Projekten, denen sich die DPG widmet. Diese sind sehr gut gewählt. Die Jahrestagungen der DPG zählen zu den weltweit größten Physik-Fachtagungen. Die DPG als neutrale Fachgesellschaft wird als verlässlicher Partner von Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Industrie hoch geschätzt. Ihre Stellungnahmen und Erklärungen finden Gehör. Das ist besonders zu würdigen, da Äußerungen der DPG oft der verbreiteten Meinung widersprechen, dies allerdings konstruktiv und mit guten Argumenten.

Ich werde mich dafür engagieren, dass sich die DPG gezielt in die dringend gebotene öffentliche Diskussion zur Situation der Naturwissenschaften und der Physik in Deutschland einmischt. Dies ist für die Innovationsfähigkeit und den Standort Deutschlands als Wissenschaftsland ohne nennenswerte eigene natürliche Rohstoffe von zentraler Bedeutung. Die Nachwuchsentwicklung im Bereich der Naturwissenschaften in Deutschland ist dramatisch. Obwohl Physikabsolventen zu den gefragtesten Akademikern auf dem Arbeitsmarkt zählen, und sich heute Ihren Arbeitsplatz praktisch aus einer Fülle von Angeboten aussuchen können, ist dies kein Garant für einen hinreichenden Zustrom an neuem wissenschaftlichen Nachwuchs. Die leider in großen Teilen unserer Gesellschaft verbreitete Berührungsangst gegenüber den Naturwissenschaften führt dazu, dass naturwissenschaftliche Fächer heute viel zu selten studiert werden. Dadurch droht in Zukunft eine Verschärfung der Wachstums- und Beschäftigungsprobleme, da diese Engpässe besonders diejenigen Branchen massiv treffen, die für die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands zentral sind. Diese Entwicklung bedeutet nicht nur einen folgenschweren Verlust an Know-How und die Gefahr, den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren, sondern gefährdet unmittelbar die Beschäftigungssituation in Deutschland. Denn wenn qualifizierte Leistungsträger fehlen, die innovative Ideen entwickeln, dann können auch nicht genügend Arbeitsplätze für weniger qualifizierte Arbeitskräfte geschaffen werden. Die großen Herausforderungen unserer Zeit - wie z.B. Klimawandel und Energieversorgung - werden ohne entsprechend ausgebildete Naturwissenschaftler kaum lösbar sein. Bereits heute beziffert eine von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Studie die Kosten des Fachkräftemangels in Deutschland auf einen zweistelligen Milliardenbetrag. Die Folge ist, dass ganze Industriezweige in Deutschland nicht mehr konkurrenzfähig sein werden und vom deutschen Arbeitsmarkt verschwinden oder sich in anderen Ländern ansiedeln.

Als Deutsche Physikalische Gesellschaft sehen wir daher die Verantwortung und Verpflichtung, unsere Fachkenntnis und unser Wissen um die Bedürfnisse der Naturwissenschaften in einen Dialog mit Entscheidungsträgern in Politik und Gesellschaft einzubringen, um den nationalen und globalen Herausforderungen begegnen zu können.

Ein neuer Präsident hat natürlich ganz bestimmte Vorstellungen und Schwerpunkte, die er setzen möchte. Dabei muss selbstverständlich nicht alles, was erreicht ist, in Frage gestellt werden und es müssen nicht unbedingt großartige Veränderungen sein, die angestrebt werden. Oftmals liegen die Herausforderungen gerade darin, diejenigen Stellräder zu identifizieren, deren Neujustierung Zukunftschancen und Perspektiven ermöglichen.

Die mahnenden Worte von Winston Churchill im Sinn: "Eine gute Rede soll das Thema erschöpfen, nicht die Zuhörer", möchte ich mich dazu auf folgende sechs Kernthemen konzentrieren:

  • Magnus-Haus Berlin und Physikzentrum Bad Honnef
  • Förderung von Bildung, Ausbildung und wissenschaftlichem Nachwuchs
  • Chancengleichheit
  • Hochschulpolitik
  • Industrie und Wirtschaft
  • Klima und Energie

Magnus-Haus und Physikzentrum Bad Honnef
Da wir heute im Magnus-Haus versammelt sind, möchte ich die Gelegenheit nutzen, und mein Programm mit dem Magnus-Haus beginnen. Denn wenn man sich die physikalische Geschichte des Hauses vergegenwärtigt, dann wird gewahr, welches Kleinod das Magnus-Haus für die Physik-Gemeinde darstellt. Dieses als Begegnungsstätte für die Physik zu erhalten ist eine Verpflichtung für die DPG. Auch wenn viele hier in diesem Saal die Geschichte des Magnus-Hauses kennen, möchte ich doch denjenigen unter Ihnen, die eher selten Gast in diesem Haus sind, die enge Verbindung des Hauses mit der Physik kurz erläutern:

Das später Magnus-Haus genannte Gebäude am Kupfergraben 7 wurde unter Friedrich II im Jahr 1756 erbaut. Im Jahr 1776 zog der Mathematiker und Physiker Joseph-Louis Lagrange, Ordentliches Mitglied der Berliner Akademie, in das Haus ein, wo er bis 1786 wohnte. 1840 erwarb der Professor für Physik, Gustav Magnus, das Haus und gründete dort als Außenstelle der Friedrich Wilhelms Universität das erste Physikalische Institut Deutschlands. Im Magnus-Haus lernten sich die Physiker und Physiologen kennen, die dann am 14. Januar 1845 die "Physikalische Gesellschaft zu Berlin" gründeten, die Keimzelle der heutigen Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Ein häufiger Gast im Magnus-Haus war auch Max Planck. Seine Arbeit über die Physik glühender Körper gilt als die Geburtsstunde der Quantentheorie, der bedeutendsten physikalischen Theorie überhaupt. 1958 übergab der Magistrat von Groß-Berlin aus Anlass des 100. Geburtstages des Physikers Max Planck der Physikalischen Gesellschaft der DDR das Magnus-Haus, in dauernde Obhut und Pflege, verbunden mit der Befugnis, es wie ein Eigentümer zu benutzen und zu gestalten. Die Physikalische Gesellschaft der DDR nutzte das Magnus-Haus in diesem Sinne und brachte es 1990 im Rahmen des Zusammenschlusses der beiden Gesellschaften in den zwei deutschen Staaten in die DPG ein. Damit wurde das Magnus-Haus gleichfalls Symbol für die Überwindung der Teilung Deutschlands und die Vereinigung der Physiker in Ost und West. Heute ist das Magnus-Haus eine Begegnungsstätte, in der sich Vertreter von Wissenschaft, Politik, Industrie, Kultur und Wirtschaft treffen. Hier werden durch Vorträge und Veranstaltungen alle Bereiche der Physik, aber auch andere Fächer, wie Kultur- und Wirtschaftswissenschaften ausgewogen und interdisziplinär präsentiert. Die Bewahrung und Pflege dieses großartigen kulturellen Erbes der Physik sind wir den folgenden Physikergenerationen schuldig.

Dies gilt im gleichen Maße für das Physikzentrum Bad Honnef, dem Hauptsitz der DPG. Wie das Magnus-Haus ist es ein Symbol für die Physik in Deutschland. Es hat sich im Laufe der Jahre zum herausragenden Begegnungszentrum und wissenschaftlichen Diskussionsforum der Physik in Deutschland und der DPG entwickelt und braucht den Vergleich mit seinen europäischen Partnereinrichtungen in Les Houches (Frankreich), Varenna (Italien) und St. Andrews (Schottland) nicht zu scheuen. Dennoch ist es dringend geboten, dass wir das Physikzentrum fit für die Zukunft machen und drängende "Hausaufgaben" erledigen. Dies betrifft insbesondere die großen Sanierungsmaßnahmen im Altgebäude sowie die Schaffung langfristig tragfähiger Strukturen, sowohl in rechtlicher als auch in wirtschaftlicher Perspektive. Damit komme ich zu dem nächsten Schwerpunkt meiner Präsidentschaft.

Förderung von Bildung und Ausbildung bzw. des wissenschaftlichen Nachwuchses
Beginnen möchte ich mit einem Zitat:

"In meinem Fall funktionierte das Bildungssystem sehr gut, wenn man so will. Ich hatte einen Lehrer, der meine Neugier für Physik geweckt hat. Figuren wie er sind essenziell, weil sie zu einem Zeitpunkt Neugier wecken können, in dem sie am größten ist: im Kindesalter."

Diese Äußerung ist kurz und prägnant und in dieser Präzision allein schon nobelpreiswürdig. Peter Grünberg hat sie nach der Verleihung seines Nobelpreises in einem Interview formuliert.

Nur große Begeisterung für eine Sache schafft die notwendigen Voraussetzungen, damit unsere jungen Menschen später bei ihrer Studienwahl die Entscheidung für die Naturwissenschaften und die Physik treffen. Aus diesem Grund ist die Unterstützung von Lehrerinnen und Lehrern ein wichtiges Desiderat. Dies insbesondere vor dem Hintergrund der großen Zahl an Lehramtsquereinsteigern im Fach Physik. Aktuelle Entwicklungen in zahlreichen Bundesländern zeigen ferner, dass aufgrund mangelnder finanzieller Mittel und Kapazitäten das Engagement der regionalen Lehrerfortbildungszentren und Schulbehörden stark nachlässt. In diesem Zusammenhang ist die aktuelle Diskussion im Zuge der G8-Gymnasien um mögliche Kürzungen im naturwissenschaftlichen Bereich besorgniserregend. Solche Kürzungen wären katastrophal für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland. Wir haben daher als Deutsche Physikalische Gesellschaft die Pflicht konsequent daran weiter zu arbeiten, dass der naturwissenschaftliche Unterricht gestärkt wird.

Ich freue mich somit außerordentlich, dass es durch die finanzielle Unterstützung der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung gelungen ist, ein großes Projekt zur Lehrerfortbildung auf den Weg zu bringen, durch das am Ende ca. 20.000 Lehrerinnen bzw. Lehrer innerhalb des Netzwerks fachlich und fachdidaktisch fortgebildet sein werden. Unser Vorstandsmitglied, Frau Welzel, hat dieses Thema im letzten Jahr sehr engagiert auf den Weg gebracht. Es ist mir ein großes Anliegen, dieses Projekt als ein zentrales Thema der DPG mit allen Beteiligten zu begleiten und zu moderieren. Ich bin überzeugt davon, dass das Projekt Lehrerfortbildung bereits nach einem Jahr erste Erfolge erzielt haben wird, die wir dann unseren Partnern aus Politik und Wirtschaft, zum Beispiel im Rahmen eines parlamentarischen Abends, gerne präsentieren möchten.

Die DPG verfügt zudem über ein hervorragendes Format, das die Begeisterung für die Physik wecken kann: die Highlights der Physik. Wenn es diese noch nicht gäbe, dann müsste man sie erfinden. Wir müssen ein solch großartiges Physikevent gut pflegen und es gezielt nutzen, um die Themen, die der DPG im Bereich der Nachwuchsförderung sehr am Herzen liegen, einer breiten Öffentlichkeit sowie natürlich den politischen Entscheidungsträgern zu vermitteln. Mit den Organisatoren der diesjährigen Highlights der Physik in Halle an der Saale bereiten wir gerade ein hochkarätig besetztes Podium für die Galashow vor. Wir möchten die gute Chance des 150. Geburtstages von Max Planck nutzen, um auf die Faszination und die Bedeutung der Physik für unsere Gesellschaft aufmerksam zu machen und gleichzeitig Schüler und Abiturienten für die Naturwissenschaften zu begeistern. Dies führt mich zu einem damit untrennbar verbundenen Thema für meine "Agenda", das Thema Chancengleichheit.

Chancengleichheit
In unserer Gesellschaft sind naturwissenschaftlich-technische Berufe eindeutig als Männerberufe definiert. Dieses Bild müssen wir verändern. Nur so gewinnen wir interessierte und auch dringend benötigte junge Frauen für Studiengänge und Ausbildungsberufe im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Und natürlich möchten wir den Anteil weiblicher Mitglieder in der DPG weiter steigern. Es ist deshalb eine große Chance, dass wir nun die Aufmerksamkeit rund um den 150. Geburtstag von Max Planck nutzen, um in Verbindung mit herausragenden Physikerinnen die Bedeutung der Physik für junge Frauen aufzuzeigen. Deshalb werden wir in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Chancengleichheit der DPG, der in diesem Jahr sein 10jähriges Bestehen feiert, den kommenden Tag der DPG, an dem traditionell eine Podiumsveranstaltung mit Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft sowie Presse und Medienbeteiligung stattfindet, dem Thema Chancengleichheit widmen. Damit möchte ich im Namen der DPG auch ein deutschlandweites Signal setzen, denn der Tag der DPG strahlt weit über die DPG hinaus. Regelmäßig sind hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu Gast am Tag der DPG. Gemeinsam mit der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft werden in diesem Jahr zudem die "Lise-Meitner-Lectures" zu Ehren dieser berühmten Physikerin eingeführt. Intention der Lise-Meitner-Lectures soll es sein, markante Wissenschafterinnen in einer öffentlichen Vortragsserie einem breiten Publikum vorzustellen. Als Rednerinnen für diese Veranstaltungen werden prominente Physikerinnen und gegebenenfalls auch Vertreterinnen anderer naturwissenschaftlicher Fachgebiete eingeladen. Entscheidend für deren Auswahl sollte die Zielsetzung sein, interessante Wissenschaftlerinnen zu gewinnen, die sowohl durch ihre wissenschaftlichen Leistungen als auch durch ihre Persönlichkeit als Vorbild für Alle dienen können. Ich freue mich schon auf die Premiere dieser Lectures hier in Berlin im Herbst 2008.

Hochschulpolitik
Die Hochschulpolitik wird auch unter meiner Präsidentschaft einen zentralen Stellenwert einnehmen. Hier müssen die DPG und die European Physical Society den Bologna-Prozess auf nationaler und europäische Ebene aufmerksam beobachten - und wo erforderlich mitgestalten. Im letzten Jahr war ich als designierter Präsident gemeinsam mit der Konferenz der Fachbereiche Physik an der Formulierung zweier Presserklärungen zu diesem Themenbereich beteiligt. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle noch einmal klarstellen: Wir müssen dafür Sorge tragen, dass unseren Absolventinnen und Absolventen durch diese Umstellung keine Nachteile bei ihrer Ausbildung bzw. späteren Anstellung entstehen. Es gilt sicherzustellen, dass die neuen Abschlüsse die gleichen Markenzeichen für die Physik in Deutschland werden, wie das auslaufende deutsche Diplom. Dies ist für den Arbeitsmarkt und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Deutschland von entscheidender Bedeutung. Damit die Karriereoptionen als Hochschullehrer bzw. Hochschullehrerin für hochqualifizierte Nachwuchsphysikerinnen und Nachwuchsphysiker noch attraktiver werden, untersucht die DPG seit einigen Jahren die Rahmenbedingungen dieser Laufbahn. Dazu wurde bereits 2005 eine Studie mit dem Fokus Juniorprofessur herausgegeben. Die seitherige Entwicklung der Rahmenbedingungen wird mit einer Nachfolgestudie gegenwärtig evaluiert. Wir hoffen, dass wir mit den Ergebnissen den besten Nachwuchsforschern den Weg mitbereiten können.

Industrie und Wirtschaft
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Präsidentschaft wird die Stärkung der DPG-Angebote für Physikerinnen und Physiker aus dem Bereich Industrie und Wirtschaft sein. Hier sehe ich große Entwicklungspotenziale. Mit einem Anteil von 10,3 % stellen die Industriephysiker die drittgrößte Mitgliedergruppierung innerhalb der DPG. Davor rangieren Studierende und Doktorandinnen bzw. Hochschulassistentinnen und Assistenten. Auch diese Verteilung ist übrigens ein schöner Beleg dafür, dass die DPG eine sehr junge Gesellschaft ist. In meiner Präsidentschaft möchte ich den Industriephysikern neue Mitwirkungsmöglichkeiten in der DPG eröffnen. Dazu arbeiten wir bereits intensiv an verschiedenen Modellen. Zudem werden wir den Ausschuss für Industrie und Wirtschaft der DPG in seinen Aktivitäten bestärken. Konzepte mit der Ausrichtung auf praxisnahe, aber fachübergreifende Themen, wie zum Beispiel das Besichtigungsprogramm "Physiker in Industrie und Wirtschaft - Ein Tag vor Ort" oder die Arbeitstagung "Forschung-Entwicklung-Innovation" haben sich bewährt. Weitere Angebote in dieser Richtung müssen gezielt entwickelt und gefördert werden, um unsere Mitglieder aus Industrie und Wirtschaft anzusprechen. Ein neues Angebot für DPG-Mitglieder aus der Industrie möchte ich an dieser Stelle aber schon vorstellen. Bereits vor einiger Zeit hatte Frau Mattern-Klosson, zuständig für das Vorstandsressort Industrie und Wirtschaft, die Schaffung der Bad Honnefer Industriegespräche in Anlehnung an die von Herrn Morawski eingeführten Berliner Industriegespräche angeregt. Dieser Vorschlag konnte bisher aus Kapazitätsgründen nicht weiterverfolgt werden. Ich möchte meine Präsidentschaft dazu nutzen, dass dieses Format auf den Weg gebracht und in der Region etabliert wird. Denn alleine der Wirtschaftsraum Köln-Bonn-Düsseldorf-Aachen verfügt über hervorragende Unternehmen und Ansprechpartner. Viele Großkonzerne haben hier ihre Konzernzentralen. Gleichzeitig ist der Mittelstand in dieser Region sehr prosperierend.

Klima und Energie
Meine Damen und Herren, obwohl ich nun allmählich zum Schluss meiner Rede komme, möchte ich nun einen Punkt ansprechen, der keineswegs von untergeordneter Bedeutung ist, im Gegenteil: Es geht um das Thema Klimaveränderung. Dieses Thema, das die Medien wie kaum ein anderes beschäftigt, muss für die DPG zu einem Leitthema werden. Der Klimawandel ist nicht nur eine globale Tatsache mit zum Teil unabsehbaren Folgen, er stellt auch völlig neue Herausforderungen an Politik, Wissenschaft und Industrie. Und so viel steht fest: Bei der Suche nach einem Energiemix mit CO2-armen Technologien ist physikalisches Know-how besonders gefragt. Dazu ist die Zusammenarbeit mit den Partnergesellschaften auf europäischer wie internationaler Ebene von zentraler Bedeutung. Das Szenario eines Klimawandels ist ebenso bedrohlich wie real. Allein für Europa stellen sich immense Herausforderungen, denn zwei Nachbarregionen sind vom Klimawandel besonders betroffen: In Nordafrika droht der Verlust von drei Vierteln des landwirtschaftlich nutzbaren Landes, im Nahen Osten ist chronischer Wassermangel vorhersehbar. Gleichzeitig steigen der Energiehunger der Weltwirtschaft und damit die Emissionen an Treibhausgasen weiter an. Die Nachfrage nach Strom wird laut Weltenergierat sogar um das Vierfache des heutigen Wertes zunehmen. Treibende Kräfte sind die Schwellenländer, die zu einem großen wirtschaftlichen Aufholprozess angesetzt haben. Deshalb ist es dringend notwendig, neue CO2-arme Technologien zu erforschen und zu nutzen. Dazu ist im besonderen Maße die Physik gefragt, die vor neue große Herausforderungen gestellt wird: Es geht um die Erforschung und Erzeugung eines Energiemix, wie z. B. durch fossile Kraftwerke hoher Effizienz, Solarenergie, Windkraft, Biomasse, alternative Treibstoffe, Kernfusion, fossile Kraftwerke mit CO2-Sequestrierung oder solarthermische Kraftwerke im Süden. Die DPG muss als größte physikalische Fachgesellschaft Zeichen setzen und Stellung beziehen. Dies birgt Risiken, aber natürlich auch Chancen. Mit ihrer jüngsten Studie zum Klimawandel hat die Deutsche Physikalische Gesellschaft bereits einen überaus erfolgreichen Beitrag zu dieser Thematik geleistet. Auf diese hervorragende Studie muss die DPG aufbauen und es sich zu ihrer Aufgabe machen, den Diskurs zum Klimawandel sachlich und neutral zu begleiten. Denn Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Partnern ist eine der wichtigsten Komponenten für Innovation. Wir brauchen dazu ein Netzwerk, in dem Information und Know-How zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, zwischen Unternehmern und Wissenschaftlern schnell fließen. Insbesondere gegenüber der Politik haben wir die Verpflichtung, Entscheidungen ideologiefrei mit Sachinformationen zu unterstützen.

Mit diesem Thema komme ich nun zum Ende meiner Rede. Mark Twain sagte einmal: "Eine gute Rede hat einen guten Anfang und ein gutes Ende - und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen". Auch dies möchte ich beherzigen, denn gleich im Anschluss ist noch Zeit für weitere Gespräche. Selbstverständlich können die hier angesprochenen Themen nur im Team mit den einzelnen Ressortvorständen, den Fachverbänden und Arbeitskreisen, sowie den übrigen Gremien der DPG verwirklicht werden. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen sowie mit den vielen Partnern der DPG.

Damit möchte ich meine Rede schließen, aber nicht ohne meine erste offizielle Amtshandlung vorzunehmen. Doch keine Angst, ich werde Sie nicht mehr lange vom Buffet abhalten: Ich freue mich, Ihnen bekannt geben zu können, dass wir heute aus Anlass des 150. Geburtstags von Max Planck eine Ausstellungstafel über sein Leben und Werk einweihen. Diese Tafel können Sie gleich bei dem anschließenden Büffet in den Ausstellungsräumen des Magnus-Hauses besichtigen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 
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