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Prof. Dr. Gerd Litfin, Göttingen
am 13. April 2010

Rede des scheidenden Präsidenten
anlässlich der Amtsübergabe im Magnus-Haus Berlin

Sehr geehrter Herr Sandner, sehr geehrter Herr Umbach, meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie zur Übergabe der Präsidentschaft der Deutschen Physikalischen Gesellschaft hier im Magnus-Haus begrüßen zu dürfen. Die Präsidentschaft in einer solchen ehrwürdigen Gesellschaft wie der DPG ist eine anspruchsvolle Aufgabe, sie hat aber Ihren besonderen Reiz. Die Anforderungen sind vielfältig und täglich wechselnd, also benötigt man als Präsident eine Maxime, die einem die Leitlinie für die Arbeit gibt. Meine Maxime war es, den größtmöglichen Fortschritt in einigen wichtigen Tätigkeitsbereichen der Gesellschaft zu erreichen, ohne dabei Gewachsenes zu stören. Das war natürlich eine große Aufgabe und Herausforderung, die ich nicht nur mir, sondern dem gesamten Vorstand der DPG in das Pflichtenheft geschrieben habe. Allerdings sind ja gerade Physikerinnen und Physiker darin geübt, ständig neue Herausforderungen anzunehmen, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen.
Dass die DPG heute trotz Wirtschaftskrise wirtschaftlich so gut aufgestellt ist, seit Anfang diesen Jahres über 58.000 Mitglieder in ihren Reihen hat, davon weit über die Hälfte junge Menschen, und darüber hinaus zu der diesjährigen Tagungssaison mit über 10.000 Tagungsteilnehmern ein neuer Besucherrekord aufgestellt werden konnte, ist der Erfolg eines gut eingespielten Teams. Einen ganz besonderen Dank möchte ich daher zunächst allen meinen Kolleginnen und Kollegen im Vorstand der DPG aussprechen. Einige sind während meiner Präsidentschaft turnusmäßig aus dem Amt ausgeschieden, nämlich Frau Monika Mattern-Klosson, Frau Manuela Welzel-Breuer und Herr Hans Rainer Trebin. Sie alle haben sich großartig für die DPG eingesetzt, wichtige Impulse gegeben und durch Ihre Aktivitäten ganz besonders dazu beigetragen, dass die DPG so attraktiv für Ihre Mitglieder ist und bleibt, dass sie beständig wächst. Ich muss betonen, dass dieser Vorstand ein wirklich exzellentes Team ist.
Besonderer Dank gebührt der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung und dem Vorstandsvorsitzenden, Herrn Prof. Röß, sowie dem Geschäftsführer der Stiftung, Herrn Dr. Dreisigacker. Die Heraeus-Stiftung hat die Arbeit der DPG generös unterstützt und unsere Erfolge erst möglich gemacht.

Danksagen möchte ich den DPG-Geschäftsstellen im Physikzentrum Bad Honnef und im Magnus-Haus Berlin. Bedanken möchte ich mich ferner bei der DPG-Pressestelle. Meinen besonderen Dank möchte ich dem Hauptgeschäftsführer der DPG, Herrn Dr. Bernhard Nunner, aussprechen.
Lieber Herr Nunner, ich möchte Ihnen und Ihrem gesamten Team dafür danken, dass die DPG trotz Finanzkrise und ihren Folgen wirtschaftlich sehr gut aufgestellt ist und auch mein Amtsnachfolger ein hervorragend bestelltes Feld vorfinden wird. Dies ist in besonderer Weise auch Ihrem großen persönlichen Einsatz zu verdanken. Sie waren für mich während meiner Präsidentschaft auch noch bis in die Nachtstunden zu erreichen und haben mich über die gesamte Präsidentschaft mit Rat und Tat unterstützt. Dafür möchte ich Ihnen an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich danken. Aber auch bei den Referenten, allen voran bei Herrn Genath möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Ohne ihre Arbeit wäre in den vergangenen Jahren nicht viel geleistet worden. Besonders hervorheben und würdigen will ich meinen Amtsvorgänger, Eberhard Umbach. All Ihre Verdienste hier aufzuzählen, vermag ich gar nicht in der Kürze der Zeit. Sie haben durch Ihr Wirken als Präsident und Vizepräsident die DPG in besonderer Weise in das Blickfeld der Politik gerückt. Die verschiedenen Aktivitäten der DPG in Ihrer Präsidentschaft reichen von Schulthemen über das Lehrerfortbildungsnetzwerk „fobinet“ bis zu hochschul-, wissenschafts- und energiepolitischen Themen. Dabei haben Sie sich in Ihren Stellungnahmen, Pressemitteilungen, Reden und Veranstaltungen immer in besonderer Weise für eine Verbindung von Physik, Gesellschaft und Politik eingesetzt und zudem herausgestellt, dass Physik ein Teil unserer Kultur ist, ganz nach dem Leitsatz Ihrer Präsidentschaft: „Mehr Physik wagen, denn Physik ist Basis unseres Handelns und zugleich Teil unserer Kultur.“ Davon profitiert die DPG bis heute.

In besonderer Weise ist natürlich auch Ihr großartiges Engagement für das Magnus-Haus Berlin zu würdigen, um eine zukunftsfähige Lösung für diesen für die Physik und die DPG so geschichtsträchtigen Standort zu finden. Sodann haben Sie sich in Ihrer Präsidentschaft intensiv für das Physikzentrum Bad Honnef eingesetzt. Dass dieses Vorhaben geglückt ist und ich Ende des vergangenen Jahres den Notarvertrag mit der Universität Bonn unterschreiben konnte ist zu einem großen Maße Ihr Verdienst. Damit können die notwendigen Sanierungsarbeiten im Physikzentrum Bad Honnef nun in Kürze beginnen und der Standort in Bad Honnef am Rhein, der Sitz der Hauptgeschäftsstelle der DPG, bleibt ebenfalls erhalten. Die Geschäftsstelle der DPG ist ebenfalls eng mit Ihrem Wirken verknüpft, sehr geehrter Herr Umbach. Sie haben den dringend nötigen Ausbau der Geschäftsstelle auch in Ihrer Präsidentschaft zusammen mit dem Hauptgeschäftsführer konsequent und mit Augenmaß vorangetrieben und so einen herausragenden Beitrag geleistet, dass die DPG so leistungsfähig ist, wie wir sie heute kennen.
Diese Arbeit leisteten Sie oftmals in Nachtschichten oder zwischen Sitzungen pendelnd, niemals haben Sie sich geschont. Diese enge Verbundenheit mit der DPG hat auch dazu geführt, dass Sie der DPG als Präsident erhalten blieben, selbst als Sie beruflich von Würzburg nach Karlsruhe als Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Karlsruhe wechselten und hier mit dem Aufbau und der Gründung des Karlsruher Institut of Technologie eine Pionierleistung in der Forschungs- und Bildungslandschaft Deutschlands vollbracht haben. Wenn einmal eine Email von Ihnen morgens nicht automatisch die Serverzeit 6:00 Uhr als Folge Ihrer Nachtschichten anzeigte, dann war das eine große Ausnahme. Für diese engagierte Arbeit und Ihren unermüdlichen Einsatz möchte ich Ihnen meine große Anerkennung und Wertschätzung aussprechen.

Lieber Herr Umbach, ich möchte Sie nun als Vizepräsident verabschieden, verbunden mit der Hoffnung, dass die DPG auch zukünftig auf Ihren Rat und Ihre Erfahrung zurückgreifen darf. Vor allem aber möchte ich Ihnen im Namen der gesamten DPG für Ihre großen Leistungen und Ihren hervorragenden Einsatz herzlich danken. Gerade in den letzten Tagen Ihrer Amtszeit haben Sie uns noch einmal kräftig geholfen, indem Sie sich für unsere neue Energiestudie eingesetzt haben. Deshalb haben wir es uns nicht nehmen lassen, Ihnen ein dazu passendes Abschiedspräsent zu überreichen: Es handelt es sich um ein Fahrzeug. Es wird elektrisch betrieben, die Spannung wird von einer Brennstoffzelle erzeugt. Der dazu erforderliche Wasserstoff wird mit fotovoltaischen Elementen erzeugt. Also alles rundum erneuerbar und Sie können bei Sonnenschein weit damit kommen. Das Fahrzeug ist leicht steuerbar. Es gibt nur noch die Notwendigkeit etwas an der Größe zu arbeiten. Aber solche Entwicklungen erwarten wir von Ihrer zukünftigen Forschung im KIT.

In den Dank für den Vorstand möchte ich all jene einschließen, die sich für die Belange der Physiker und der DPG eingesetzt haben und einsetzen. Dazu gehören die Fachverbandsleiterinnen und -leiter, die Sprecher der Arbeitskreise und -Gruppensprecher sowie die Mitglieder der weiteren zahlreichen Gremien der DPG. Ihnen alle danke ich für ihr vorbildliches Engagement für unsere Gesellschaft und für die gute Zusammenarbeit.

Meine Damen und Herren, bei meinem Amtsantritt habe ich gesagt, dass ich mich folgenden Schwerpunkten besonders widmen werde:
  • Bildung und Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses
  • Hochschulpolitik
  • Steigerung der Attraktivität der DPG für Industriephysiker
  • Steigerung des Anteils an Physikerinnen
  • Klima und Energie

Zudem habe ich deutlich gemacht, und mit diesem Punkt möchte ich beginnen, dass ich mich sehr darum kümmern werde, die DPG als Kommunikationsplattform noch stärker in das Bewusstsein von Politikern und Meinungsführern zu bringen. Deshalb habe ich zu Beginn meiner Präsidentschaft insbesondere ein neues Instrument entwickelt, nämlich das Faktenblatt „Physik konkret“. Dieses nimmt zu aktuellen wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Fragen der Physik Stellung und präsentiert dabei Fakten und Zusammenhänge zu physikalischen Themen in allgemeinverständlicher Form. Physik konkret richtet sich insbesondere an Meinungsführer in Politik, Industrie, Wirtschaft und Gesellschaft. Waren die Reaktionen seitens der Politik und Meinungsführer zu der ersten Ausgabe noch verhalten, so erfuhr insbesondere die Veröffentlichung zur Quereinsteigerproblematik in das Physiklehramt eine außergewöhnlich große Resonanz. Insgesamt ist „Physik konkret“ im Zweimonatstakt nun achtmal erschienen Bilanzieren möchte ich damit, dass die DPG auch in Zukunft gut daran tut, diese Art der Kommunikation zu pflegen und sehr genau und gezielt auf die Informations- und vor allem Lesegewohnheiten von Politikern und Meinungsführern eingehen muss. Wir haben als Physiker eine Verpflichtung, die Fakten zu liefern und transparent zu machen, auf deren Basis Gesellschaft und Politik Entscheidungen treffen.

Damit möchte ich nun zu dem Themenbereich Bildung und Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses kommen und hier aus aktuellem Anlass zunächst auf das Physikzentrum Bad Honnef eingehen.

Bildung und Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Das Physikzentrum Bad Honnef stellt wie das Magnus-Haus Berlin eine großartige und unverzichtbare Institution für Bildungs- und Weiterbildungsveranstaltungen und den Wissenstransfer in der Physik in Deutschland dar. Für das Magnus-Haus Berlin benötigen wir noch eine langfristige Lösung, um die Zukunft der DPG dort zu sichern. Für das Physikzentrum Bad Honnef haben wir nun bereits eine solche Lösung gefunden.

Viele Gäste hier im Saal wissen, dass das Physikzentrum Bad Honnef als wissenschaftliche Einrichtung ein weltbekanntes Markenzeichen der Physik ist und den europäischen Vergleich mit seinen durch EU-Mittel geförderten Partnereinrichtungen in Les Houches (Frankreich), Varenna (Italien) und St. Andrews (Schottland) nicht zu scheuen braucht. Das Physikzentrum ist zudem auch als Tagungssort vieler Gremien der DPG von zentraler Bedeutung, zum Beispiel am Tag der DPG. Hier möchte ich die Worte des damaligen Präsidenten und heutigen DPG-Ehrenmitglieds, Markus Schwoerer, zitieren:

„Neben den wissenschaftlichen Veranstaltungen werden in diesem Hause auch die meisten wissenschafts- und gesellschaftspolitischen Beschlüsse der DPG diskutiert und verabschiedet. Es scheint dabei manchmal ausgeschlossen, zu einem Beschluss zu kommen, der als Meinung der DPG mit ihren tausenden Mitgliedern bezeichnet werden dürfte. Doch dann wirkt der Zauber dieses Hauses: Der Beschluss wird auf den folgenden Tag verschoben, die Kontrahenten treffen sich zwangsläufig, aber gern im Keller, d. h. in der Bürgerstube, dieses Hauses, setzen ihre Diskussion bei hervorragendem Wein fort, schlafen gut und stimmen dann am nächsten Morgen mit nüchternem Kopf nach einem guten Kaffee nicht selten einstimmig ab.“
Diese pointierte Analyse kann ich nur unterstreichen, denn sie gilt, das kann ich Ihnen versichern, bis heute. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir im Physikzentrum Bad Honnef auch noch mindestens für die nächsten 30 Jahre bleiben werden, denn im letzten Jahr wurden die Verhandlungen darüber mit der Universität Bonn durch Unterschrift des Notarvertrages zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht. Das Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen (MIWFT) hat vor wenigen Wochen, am 17. März 2010 einen Förderantrag der DPG bewilligt und eine finanzielle Förderung in Höhe von einer Million für die Sanierung des Physikzentrums Bad Honnef bereit gestellt. Dies teilte Minister Pinkwart der DPG auch persönlich beim DPG-Festakt in der Bonner Oper während der 74. Jahrestagung der DPG in Bonn mit. Diese finanzielle Zusage ist eine großartige Nachricht. Die DPG kann nun bereits in diesem Jahr daran gehen, die seit Jahren überfällige Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes zu beginnen. Damit kann auch der Standort der DPG, die ihren Hauptsitz im Physikzentrum Bad Honnef hat, erhalten bleiben. Darüber hinaus hat uns die Wilhelm und Else Heraeus Stiftung eine Zusage über die Finanzierung eines zusätzlichen Gästehauses gegeben. Dank dafür!

Die erfolgreichen Verhandlungen sind nur durch das Engagement vieler Institutionen und Personen zustande gekommen, denen ich an dieser Stelle meinen ganz besonderen Dank aussprechen möchte. Die Universität Bonn stellt dem Physikzentrum die zur Elly-Hölterhoff-Böcking-Stiftung gehörende Liegenschaft mit Räumen und Dienstleistungen zur Verfügung. Stiftungskurator ist der Rektor der Universität Bonn, Herr Prof. Fohrmann, dem ich ebenso wie dem Kanzler der Universität Bonn, Herrn Dr. Lutz, meinen Dank aussprechen möchte, wie auch den übrigen Mitgliedern des Stiftungs-Kuratoriums.

Einen ganz besonderen Dank möchte ich dem Vorsitzenden des Kuratoriums Physikzentrum Bad Honnef und des Verwaltungsrates, Herrn Seelmann, für seinen unermüdlichen Einsatz für das Physikzentrum Bad Honnef und die DPG aussprechen. Mein Dank geht auch an die übrigen Mitglieder des Kuratoriums des Physikzentrums. Ferner spreche ich meinen Dank dem Wissenschaftlichen Leiter des Physikzentrums, Herrn Prof. Meschede, und den übrigen Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats aus. Würdigen möchte ich auch den großen Einsatz von Herrn Röß. Ihnen, Herr Umbach, habe ich bereits gedankt, nun möchte ich mich ganz besonders beim Schatzmeister der DPG, Herrn Dr. Bechte, sowie dem DPG-Hauptgeschäftsführer, Herrn Dr. Nunner für Ihr großes Engagement und die vielen Nachtschichten zum erfolgreichen Gelingen bedanken.

Durch diese Leistungen wird nicht nur der wissenschaftliche Austausch, sondern im besonderen Maße der wissenschaftliche Nachwuchs gefördert. Dies ist von zentraler Bedeutung, denn eines ist klar: Der Fachkräftemangel in Deutschland ist dramatisch. Darauf habe ich in meiner Präsidentschaft immer wieder hingewiesen und möchte dies auch heute noch einmal in aller Deutlichkeit wiederholen, da man es nicht oft genug sagen kann. Die alarmierenden Modellrechnungen zur Demographieentwicklung in Deutschland geben einen Eindruck, was mit Blick auf den wissenschaftlichen Nachwuchs passieren könnte, wenn wir jetzt nicht mit aller Kraft handeln. Dies betrifft in besonderer Weise die Physik, denn hier ist eine besondere Ansprache der Schülerinnen und Schüler erforderlich, um sie für das Fach zu begeistern. Problematisch an dem etwas schwierigen Fachimage ist in ganz besonderer Weise, dass sich gerade junge Frauen oftmals gegen ein naturwissenschaftliches Studium entscheiden. In meiner Präsidentschaft habe ich mich deshalb dafür eingesetzt, dass wir etwas an dem gesellschaftlich immer noch dominierenden Klischee ändern, dass naturwissenschaftlich-technische Berufe Männerberufe sind. Natürlich lässt sich in nur zwei Jahren einer Präsidentschaft die Gesellschaft nicht vollständig umkrempeln, aber wir haben verschiedene Aktivitäten für ein Umdenken gestartet.

Den Nachwuchsmangel und das Thema Chancengleichheit habe ich bilateral mit der Bundesministerin für Bildung und Forschung im Oktober 2008 hier im Magnus-Haus Berlin und bei verschiedenen anderen Gelegenheiten besprochen und ihr die Haltung der DPG erläutert.
Große Übereinstimmung mit der Bundesministerin bestand darin, dass neben der allgemeinen Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses insbesondere junge Mädchen für die Physik und die Naturwissenschaften begeistert und sie in naturwissenschaftlichen Ausbildungsgängen und Berufen sehr viel stärker gefördert werden müssen.

Aus diesem Grund ist die DPG während meiner Präsidentschaft auch Partner in zwei Initiativen zur Förderung des Nachwuchses in dem sogenannten MINT-Bereich geworden, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Dabei handelt es sich zum einen um die Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, die sich speziell an den weiblichen Nachwuchs richtet und zum Ziel hat, dem Fachkräftemangel zu begegnen und eine höhere Zahl an Studien- und Berufsabschlüssen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (kurz MINT) zu erreichen. Der Pakt ist Bestandteil der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung „Aufstieg durch Bildung“. Zum anderen ist die DPG Partner der Initiative MINT Zukunft schaffen e.V. geworden, deren Schirmherrin Bundeskanzlerin Merkel ist. Diese Initiative versteht sich als Dachinitiative für sämtliche Aktivitäten im MINT-Bereich in Deutschland, in diese ist auch die MINT-Initative des BMBF integriert. Wir brauchen solch eine Präsenz und solche Anstrengungen, denn im Verbund kann sehr viel wirksamer eine kritische Masse erreicht und politischen Forderungen öffentlichkeitswirksam entscheidend Nachdruck verliehen werden.

Auf Initiative des Arbeitskreises Chancengleichheit, der jungen DPG sowie des Arbeitskreises für Industrie und Wirtschaft der DPG wurde im März diesen Jahres ein Mentoring-Programm der DPG eingerichtet.
Mit diesem Programm möchten wir gezielt die berufliche und persönliche Entwicklung von jungen Menschen befördern. Gleichzeitig möchte die DPG als weltweit größtes Netzwerk von Physikerinnen und Physikern natürlich auch den Wissenstransfer über Generationsgrenzen und Hierarchieebenen hinweg verbessern. Die Zielgruppe sind im ersten Jahr Studierende aller deutschen Hochschulen, die Ihren Studienabschluss (Diplom, Bachelor, Master) anstreben oder sich nach dem Studium bereits in der Promotionsphase befinden.

Außerdem wurden im Jahr 2008 die Lise-Meitner-Lectures ins Leben gerufen. Mit dieser jährlichen Veranstaltungsreihe von DPG und der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft werden so genannte „Role Models“ bei Veranstaltungen einem breiten Publikum vorgestellt werden. Zudem werden in einer Poster-Ausstellung deutsche und österreicherische Role Models aus der Physik präsentiert. Diese Role-Model-Ausstellung steht seit Juli 2009 als Download auf dem DPG-Internetauftritt zur Verfügung.

Um den wissenschaftlichen Nachwuchs zu gewinnen, müssen wir aber auch den Physikunterricht im Blick haben. Für die Qualität des Physikunterrichts ist eine fachlich und fachdidaktisch solide Grundausbildung der Unterrichtenden unerlässlich. Der gravierende Mangel an Lehrkräften für das Fach Physik in Deutschland führt jedoch vielerorts dazu, dass der Zugang zum Physiklehramt für Personen ohne universitäre Lehramtsausbildung geöffnet werden muss. Natürlich gibt es darunter Persönlichkeiten, die überdurchschnittliche Lehrer werden und somit eine wertvolle Verstärkung jedes Kollegiums darstellen. Es gibt jedoch auch Lehrerinnen und Lehrer, die noch an verschiedenen Stellen Fortbildungen benötigen.
Die DPG hat deshalb in einer bundesweiten Studie zu Quer- und Seiteneinsteigern, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde, die Einstellungssituation der letzten Jahre analysiert. Das Ergebnis ist Besorgnis erregend: Zurzeit bieten 12 der 16 Bundesländer Absolventen aus dem Bereich der Natur und Ingenieurswissenschaften die Möglichkeit, mit dem „Quereinstieg“ den schulischen Vorbereitungsdienst zu beginnen oder mit dem „Seiteneinstieg“ direkt den Schuldienst anzutreten. In den Jahren 2002 bis 2008 hatten daher 45 Prozent der Physik-Referendarinnen und Referendare an Gymnasien kein Lehramtsstudium absolviert.
Aufgrund dieser alarmierenden Datenlage haben Physikdidaktiker in Zusammenarbeit mit Vertretern aus der Lehrerbildung ein bundesweites Weiterbildungsprogramm konzipiert, mit dem Physik-Quereinsteiger fachdidaktische Kompetenzen erwerben können, die sich an den von der Kultusministerkonferenz verabschiedeten Standards für die Lehrerbildung orientieren. Für die Umsetzung bedarf es nun der Mithilfe weiterer Stellen wie z. B. der Kultusministerkonferenz und der Bundesländer. Um es deutlich zu sagen: Die Ministerien müssen dies auch wollen.

Die DPG leistet mit der finanziellen Unterstützung der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung in diesem Bereich aber auch einen wichtigen eigenen Beitrag. Da Physik-Fortbildungen für Lehrkräfte in Deutschland zu meist regional organisiert werden, fehlte bisher ein bundesweiter Überblick der diversen Aktivitäten.

Aus diesem Grund wurde, wiederum mit der Unterstützung der Wilhelm und Else Heraeus Stiftung, die zentrale Informationsplattform für Lehrerfortbildungen, „fobinet“, geschaffen. Auch für gestandene Lehrkräfte ist das oft zitierte lebenslange Lernen eine Notwendigkeit, um guten Physik-Unterricht bieten zu können. Im Rahmen von „fobinet“ wird nicht nur das bestehende Angebot erfasst, sondern ebenso neue Kurse durch die DPG ins Leben gerufen, auch für schulinterne Fortbildungen. Aktuell listet die fobinet-Website, die sich an die Lehrkräfte aller Schulformen richtet, rund 850 Fortbildungsveranstaltungen und ca. 170 Experten für die Durchführung von Lehrerfortbildungen. Damit entwickelt sich fobinet zur ersten Adresse bei der Suche nach Lehrerfortbildungen in der Physik. Dies stimmt mich sehr positiv, denn nur ein qualifizierter Schulunterricht sichert die zukünftige Studierfähigkeit von Schülerinnen und Schülern im Bereich der Naturwissenschaften.

Hochschulpolitik

Im Bereich der Hochschulpolitik und der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses hat die DPG in den vergangenen beiden Jahren in der bewährten Weise eng mit der Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP) zusammengearbeitet und gemeinsam Stellung bezogen, wann immer es die Qualität und die Zukunft der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Physik zu verteidigen galt.

Mein großer Dank gilt meinem Vorstandskollegen Prof. Gerd Ulrich Nienhaus, der zugleich Sprecher der Konferenz der Fachbereiche Physik ist und immer wieder dafür Sorge trägt, dass die Belange und Herausforderungen der akademischen Lehre in der Physik im Vorstand der DPG präsent sind und diskutiert werden.
Danken möchte ich auch dem Exekutivausschuss der KFP, dem ich als Präsident der DPG ex officio angehörte und dessen Diskussionen dazu beigetragen haben, die gemeinsamen Positionen von DPG und KFP zu schärfen und zu präzisieren.

Meine Amtszeit als Präsident der DPG fiel genau in die Jahre, in denen die Umstellung des Physik-Studiums auf das gestufte System der Bachelor- und Masterstudiengänge flächendeckend vollzogen wurde, und gerade in den letzten Monaten haben wir gesehen, welche Schwierigkeiten und Reibungen mit dem Bologna-Prozess einhergehen. Das zentrale Ziel der Reform unterstützen DPG und KFP: die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums, in dem sich das Wissen, aber auch die Studierenden und Lehrenden so frei bewegen können wie in der ebenfalls grenzenlosen Gelehrtenwelt der mittelalterlichen Universität.
Fatalerweise ist der Reformprozess in Deutschland aber zugleich dazu genutzt worden, das Hochschulsystem für die Aufnahme einer stetig wachsenden Studierendenzahl umzubauen, ohne es mit den dafür nötigen Ressourcen auszustatten. Das kann nur dazu führen, dass die Qualität des Studiums und damit letztlich die Zukunftschancen der Studierenden in Gefahr gebracht werden. Hier haben DPG und KFP in den vergangenen beiden Jahren, oftmals gemeinsam mit weiteren Partnern aus dem Bereich der Natur- und Technikwissenschaften, wiederholt Stellung bezogen. Ich erinnere an die gemeinsamen Stellungnahmen zur Ausweitung des Promotionsrechts auf die Fachhochschulen, zur personellen Situation an den Physik-Fachbereichen und zur Bedeutung der Promotion in den Natur- und Technikwissenschaften. Angesichts der Studentenproteste im vergangenen Wintersemester haben DPG und KFP im Dezember ihre Position zur Umsetzung der Bologna-Reform noch einmal artikuliert und dabei erneut betont, dass erst mit dem Abschluss eines konsekutiven Master-Studiums das Qualifikationsprofil des bisherigen Diplom-Abschlusses in der Physik erreicht wird. Der Master sollte nach unserer Überzeugung der Regelabschluss des Physik-Studiums sein. Zugleich dürfen wir nicht müde werden zu betonen, dass es sich bei der Promotion im Fach Physik nicht um eine dritte Ausbildungsphase, sondern um den ersten Abschnitt einer selbständigen Berufs- und Forschungstätigkeit handelt. Ich bin stolz darauf, dass die DPG sich in diesen Fragen klar positioniert und mit ihren Anliegen auch Gehör gefunden hat. Die öffentliche Resonanz gibt uns Recht und bestätigt uns darin, diesen Weg weiter zu beschreiten.

Industrie und Wirtschaft

Ein weiterer Fokus meiner Präsidentschaft lag auf der Steigerung der Attraktivität der DPG für Industriephysiker. Aktuell hat die DPG rund 10 % Industriephysiker in ihren Reihen. Da dies nach Studierenden und Schülern die drittgrößte Gruppe unter den DPG-Mitgliedern ist, habe ich mich zusammen mit dem Arbeitskreis für Industrie und Wirtschaft dafür eingesetzt, wesentliche Impulse zur Verbesserung der Attraktivität der DPG für Industriephysiker zu setzen. Ein Problem bestand jedoch darin, dass zu Beginn meiner Präsidentschaft praktisch keine genauen Informationen über Physiker in Industrie und Wirtschaft oder über die Situation von Physikerinnen und Physikern am Arbeitsmarkt vorlagen.

Unser Vorstandsmitglied, Herr Schroeter hat sich hier verdient gemacht und erstmalig eine repräsentative Studie mit Fakten zum Arbeitsmarkt von Physikerinnen und Physikern erstellt. Die im Februar erschienene Arbeitsmarktanalyse des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zeigt, dass Physikerinnen und Physiker in den unterschiedlichsten Branchen arbeiten und viele jenseits ihres erlernten Berufs tätig sind. Zwar arbeitet die Mehrheit in einem naturwissenschaftlich-technischen Bereich, doch nur etwa jeder vierte Physiker arbeitet in seinem erlernten Beruf. Fast ebenso viele üben Tätigkeiten aus, die eher einem Informatiker, Mathematiker oder Ingenieur zuzurechnen sind. Diese Bestandsaufnahme stützt sich auf eine Auswertung des aktuellen „Mikrozensus“ aus dem Jahre 2007.

Die Studie belegt zudem den dramatischen Fachkräftemangel in der Physik. Die Nachfrage von Industrie und Wirtschaft nach physikalischer Expertise wird auf absehbare Zeit nicht zu erfüllen sein, denn es fehlen die Fachkräfte. Im August 2009 gab es rund 1.800 freie Stellen allein für den „Zielberuf Physiker“, also für Jobangebote, die spezifisch physikalisches Know-how erfordern. Die Zahl der Arbeitslosen, die eine solche Tätigkeit suchten, lag bei rund 1.000. Da aber nur etwa ein Viertel aller Physiker im erlernten Beruf arbeitet, gilt für Physikabsolventen ein erweiterter Stellenmarkt, der auch physikfremde Bereiche einschließt. Dieses Angebot umfasste im August 2009 etwa 4.900 Stellen, was nahezu zwei kompletten Jahrgängen an Physikabsolventen entspricht. Die DPG geht ferner davon aus, dass der jährliche Mindestbedarf an neu einzustellenden Physikern von derzeit 2.500 auf 3.600 im Jahre 2028 steigen wird. …
Damit wird die Lücke zur Zahl der Absolventen immer größer, wenn es nicht gelingt, mehr junge Menschen für ein Physikstudium zu gewinnen. Ein solch großer Mangel an Fachkräften gefährdet den Wissens- und Wirtschaftsstandort Deutschland.

Die Erhöhung des Anteils an Industriephysikern ist eine nicht leicht zu bewältigende Aufgabe. Deshalb habe ich die aktuelle Vorgehensweise im Arbeitskreis Industrie und Wirtschaft sehr begrüßt, der sich derzeit strategisch neu ausrichtet, um mehr Industriephysikerinnen und –physiker durch ein verbessertes Serviceangebot zu gewinnen. Frau Friebel als Sprecherin des Arbeitskreises sei Dank dafür. Dass sich die DPG dabei auf einem guten Weg befindet, zeigt das Ergebnis einer Umfrage unter DPG-Mitgliedern. Diese waren aufgefordert worden zu überprüfen, welchen Fachverbänden und Arbeitskreisen sie sich gerne zuordnen möchten.
Durch diese Eingruppierung wuchs der AIW um über 200%. Dieses Votum gibt natürlich unseren Aktivitäten in diesem Bereich einen großen Auftrieb und ich kann Ihnen versichern, dass ich mich auch in meiner Rolle als Vizepräsident weiter dafür einsetzen werde. An dieser Stelle freue ich mich übrigens bekanntzugeben, dass nächste Woche hier im Magnus-Haus Berlin das 100. Industriegespräch, ausgerichtet von Herrn Morawski, AIW, stattfinden wird, an dem ich sehr gerne teilnehme und auch ein Grußwort sprechen werde.

Klima und Energie

Zum Abschluss möchte ich noch etwas zu dem Themenkomplex Klima und Energie sagen. In diesem Bereich fällt es der DPG als neutrale Fachgesellschaft naturgemäß leicht, unideologisch die physikalischen Fakten liefern. Aus diesem Grund haben wir uns während meiner Präsidentschaft immer wieder dafür eingesetzt, die Öffentlichkeit und die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft mit eindeutigen Fakten vertraut zu machen, wie wir dies etwa mit dem Faktenblatt Physik konkret und Welt der Physik tun. Wir haben verschiedene Interviews zu diesen Themen gegeben. Darüber hinaus wirkt die DPG seit dem Jahr 2009 in dem Koordinierungsrat der Bundesregierung mit, der die Regierung inhaltlich für das Jahr der Energie berät.

Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft werden wir mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung zwölf Monate lang die öffentliche Diskussion anregen und insbesondere die Bedeutung von Forschung und Wissenschaft für die dauerhafte, nachhaltige und bezahlbare Sicherung und Energieversorgung der Zukunft veranschaulichen. In fast 200 Veranstaltungen möchten wir dabei den Bogen von der Erzeugung der Energie bis zur intelligenten Nutzung spannen. Im Zentrum der Aktivitäten stehen Kinder und Jugendliche – Sie sollen für Wissenschaft und Forschung zum Thema Energie sowie damit verbundene berufliche Perspektiven begeistert werden.

Damit möchte ich nun zum Ende kommen. Meine Präsidentschaft hat mir sehr viel Freude gemacht und ich danke dafür auch ganz besonders meinen Kolleginnen und Kollegen in Vorstand und Vorstandsrat sowie allen anderen Gremien für die gute Zusammenarbeit. Ich freue mich sehr, mit Ihnen auch als Vizepräsident weiterarbeiten zu können und übergebe jetzt sehr gerne mein Amt an den neuen Präsidenten, Herrn Prof. Sandner, dem ich schon jetzt viel Fortune für seine zukünftige Arbeit als neuer DPG-Präsident wünsche.

Vielen Dank

 
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