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Prof. Dr. Rolf Heuer
am 28. Oktober 2016

Rede des Präsidenten
anlässlich der Feier zum 10-jährigen Bestehen der jDPG in Dresden

(Es gilt das gesprochene Wort)

 

Lieber Herr Winner,

Lieber Herr Treusch,

Liebe Studierende und Vertreter der Geschäftsstelle,

Als erstes noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und zu diesen ehemaligen Vorsitzenden, die einen kräftigen Applaus verdienen!

Es ist mir eine große Freude, an dieser Veranstaltung zum zehnjährigen Geburtstag der jungen DPG teilzunehmen. Noch dazu in Dresden, einem für die Physik doch besonderen Ort: Hier finden schon traditionell die großen Frühjahrstagungen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft statt (und wir kommen auch nächstes Jahr wieder) und hier liegen auch die Wurzeln der jDPG.

Dass deshalb heute gleich die Bürgermeisterin von Dresden und zwei DPG-Präsidenten bei Ihnen zu Gast sind, nämlich Herr Treusch als früherer  und ich als amtierender Präsident, ist kein Wunder: Präsident in einer Gesellschaft zu sein, die von den Wurzeln her so gut aufgestellt ist, wie die DPG mit der jDPG, das macht doch großen Spaß.

Es tut einem Präsidenten – und wohl auch einer Bürgermeisterin - gut, wenn man weiß, dass die Physik einen so engagierten Nachwuchs hat, der auch noch dazu beiträgt, dass sich Dresden als Wissens- und Wissenschaftsstandort beständig weiterentwickelt. Und für einen Präsidenten ist es auch schön zu sehen, dass es die DPG durch das kontinuierliche Wachstum um junge Mitglieder zur weltgrößten physikalischen Fachgesellschaft gebracht hat.

Diese Entwicklung der DPG ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass die DPG in den vergangenen Jahren, in einer Zeit, wo viele große Mitgliedervereine, Gesellschaften und Parteien gravierende Nachwuchsprobleme haben, gegen diesen Trend in Deutschland gewachsen ist, und zwar noch dazu eben um junge Mitglieder. Das sichert der DPG so ein solides Nachwuchsfundament. Die jDPG spielt hier mit ihrem Engagement eine wichtige Rolle!

Man kann also sagen: Wenn es die jDPG nicht geben würde, dann müsste man sie erfinden.

Nur: Das sagt sich so leicht. Dass die jDPG so einen unglaublichen Einfluss auf die gesamte DPG haben würde, war ja nicht abzusehen. Entstanden aus nichts mehr als einer Idee und einer Busfahrt an einem Winterabend in Dresden 2005 – so wurde es mir auf jeden Fall erzählt -, erfolgte die Gründung der jDPG bereits ein Jahr später durch Studierende auf der DPG-Frühjahrstagung des Arbeitskreises Festkörperphysik hier in Dresden .

Daraus ist heute die jDPG als eine Vereinigung in unserer Fachgesellschaft  mit mehr als 3300 DPG-Mitgliedern entstanden. Das werden sich vermutlich selbst die damaligen Gründermütter und –Väter in ihren kühnsten Träumen nicht erhofft haben.

Unsere Gesellschaft war durch den sehr erfolgreich im Jahr 2000 eingeführten bundesweiten Abiturpreis der DPG stark an jungen Mitgliedern gewachsen. Diesen studentischen Nachwuchs in der DPG nun in die Vereinsstrukturen zu integrieren und ihnen ein attraktives Angebot zu schaffen, war eine große Herausforderung geworden. Insbesondere auch deshalb, da der Erfolg einer solchen Vereinigung innerhalb der DPG mit dem Engagement der jungen Mitglieder stehen oder fallen würde. Man redet heute viel von „Disruptiver Innovation“, nichtlinearer, sprunghafter Veränderung. Dass die Etablierung dieses Netzwerks von jungen Menschen in der DPG heute als exzellentes Beispiel für eine solche Disruptive Innovation darstellen könnte, hatte niemand erwartet. Die jDPG hat sich zu einem wichtigen Mitglied der DPG-Familie entwickelt, sie ist nicht mehr wegzudenken.

Was bedeutet die jDPG für die DPG?

  • Die jDPG leistet einen wichtigen Beitrag für die Gewinnung und Integration junger Mitglieder in die DPG.
  • Die jDPG macht ein breites Spektrum der Physik für Nachwuchsphysikerinnen und -Physiker sichtbar (nicht nur für den erfahrenen Fachphysiker) und ermöglicht jungen Menschen damit bereits in der Frühphase des Studiums schon einen Blick über den berühmten „Tellerrand“.
  • Das Fundament der jDPG bilden ihre aktuell über 30 Regionalgruppen. Über Neumitgliedertreffen an vielen Standorten festigen sie den Kontakt von jungen Mitgliedern zur DPG in der Region. Diese Gruppen sind gewissermaßen das regionale Gesicht der DPG für junge Menschen bzw. das „Tor zur DPG“.
  • Die jDPG bietet neben den Angeboten der Regionalgruppen bundesweite Veranstaltungen an, die Orientierung im Studium und tiefere Einblicke in die Physik ermöglichen. Bei diesem Veranstaltungsmanagement können die jungen Mitglieder mit jDPG-Erfahrung selbst den etablierten Wissenschaftlern noch eine ganze Menge beibringen. Hier kann ich nur sagen: Hut ab vor diesen Qualitäten, die man in der jDPG lernen kann.
  • Über den jDPG-Vorstand und die gewählten jDPG-Mitglieder im Vorstandsrat werden auch die Belange junger Mitglieder in die Gremien der DPG bis hinein in den DPG-Vorstand getragen.

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass all dieses Engagement wie überall in der DPG ehrenamtlich ausgeübt wird. Im Falle der jDPG also parallel zur Ausbildung und Qualifizierung. Herzlichen Dank für so viel Einsatz!

Daher wird es, wie eben in der Diskussion schon gesagt, auch zukünftig sehr wichtig sein, dass die Vereinigungen in der DPG ihre Kräfte weiter bündeln und eng zusammenarbeiten: Damit wir gemeinsam mit Blick auf die sehr endliche Ressource „Ehrenamt“ so viel wie möglich etablierte Formate in der DPG fortführen, das Profil, wo nötig, bei dem einen oder anderen Format noch schärfen oder neue Formate entwickeln können und dann die Anliegen und Botschaften der DPG über unsere Presse- und Öffentlichkeitsarbeit einem möglichst großen Personenkreis in Gesellschaft und Politik kommunizieren.

Bei der Vorbereitung der Rede meinte Herr Winner, dass es auch interessant wäre, wenn der Präsident etwas zu folgenden Fragen sagen könnte:

  • Ob die Entwicklung der jDPG schon am Ende angekommen ist?
  • Und wie die Zukunft der jDPG aussieht?

Nun....Prognosen/Vorhersagen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

Diese Äußerung soll der dänische Physiker Niels Bohr in einer Rede während eines Kopenhagener Seminars zum Thema Quantenphysik  als Antwort auf die Frage nach der Zukunft der Quantenphysik gemacht haben. Ich denke, sie gilt generell, aber sie könnte auch als Anspielung auf die Heisenbergsche Unschärferelation angesehen werden.

Aber zurück zu den beiden Fragen:

  • Zur ersten Frage kann ich nur sagen: Ich hoffe nicht und ich glaube es auch nicht! Aber: Es hängt natürlich von der Bereitschaft zum Engagement der nächsten Physikergenerationen ab. Daher habe ich eigentlich auch keine wirklichen Bedenken. Wer Physik studiert oder studiert hat, ist infiziert/begeistert und weiß auch, dass es zur Weiterentwicklung der Physik beständig Nachwuchs braucht, der mit neuen Ideen und Sichtweisen die Wissenschaft weiterbringt, junge Menschen motiviert, Physik zu studieren, und wird mithelfen, diesen Nachwuchs zu gewinnen.

Und das gilt nicht nur für die Physik, sondern auch für die gesellschaftlichen Fragen, für die auch die Physik eine Verantwortung hat.

  • Hier möchte ich vor allem die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung nennen, insbesondere mit Blick auf den Klimawandel und eine nachhaltige Energieversorgung.
  • Und natürlich zeigt auch das Tagungsprogramm, wie die Physik in weite Teile des Lebens hineinreicht: angefangen bei den Lebenswissenschaften mit ihren molekularen Motoren und den Zellen als kleinste Bausteine des Lebens über Staaten und Gesellschaften als sozio-ökonomische Systeme bis hin zu Einblicken in das Human-Brain-Projekt und die Bedeutung der Modellierung neuronaler Netze.

Für Lösungen hierzu ist die Grundlagenforschung in der Physik unerlässlich. Dafür ist die stetige Gewinnung, Ausbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses eine notwendige Voraussetzung. Anders gesagt: Ohne Nachwuchs in der Physik keine neuen Erkenntnisse.

Noch allgemeiner: Wir brauchen mehr Bildung und Wissenschaftskommunikation, wir brauchen vor allem auch Ausbildung in den MINT-Fächern!

Das bringt mich direkt zur zweiten Frage.

Zur Zukunft der jDPG: Aus meiner Perspektive wird das stetige Motivieren von jungen Menschen, auch untereinander, sich für die Naturwissenschaften zu begeistern, auch in den kommenden Jahren eine Kernfrage für den Fortbestand unserer Kultur bleiben, wie wir sie kennen. Daran mitzuarbeiten, junge Menschen für die Naturwissenschaften und die Physik zu interessieren und zu begeistern, gerade auch an der Schnittstelle zwischen Schule und Studium, wo Sie als junge Menschen näher dran sind als die erfahrende Generation von Physikerinnen und Physikern, wird m. E. stets ein „Hauptarbeitsgebiet“ der jDPG bleiben. Die jDPG hat eine klare Zukunft!

Und was passiert, wenn man sich zu alt für die jDPG fühlt? Kein Problem: Nun gilt es, dass erlangte Wissen in der jDPG in die anderen DPG-Vereinigungen einzubringen. Denn in der DPG arbeiten und tauschen sich alle Physikerinnen und Physiker über Generationengrenzen gleichermaßen zur Wissenschaft aus, hier spielt das Alter keine Rolle, nur die Begeisterung für die Physik.

 

Würdigung der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung

Wenn man 10 Jahre jDPG würdigt, dann muss man im gleichen Atemzug eine Institution nennen, die mit dieser Entwicklung untrennbar verbunden ist: Die Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung.

Dass so viele junge Menschen in der DPG die Chance haben, an den verschiedensten Veranstaltungen der DPG teilzunehmen und sich immer wieder neue Formate auszudenken, ist das große Verdienst der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung. Und es ist der DPG sehr bewusst, welche große Chancen dies für die DPG zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses bedeutet. Auch ich habe vor langer Zeit hiervon profitiert!

Es ist mir in der Kürze der mir zur Verfügung stehenden Zeit gar nicht möglich, auch nur annähernd alle Programme und Projekte aufzuzählen, bei denen die Stiftung seit Jahrzehnten die DPG und insbesondere den wissenschaftlichen Nachwuchses gefördert hat. Schon die Auswahl von einigen prägnanten Beispielen ist eine Herausforderung. Aber sie verdeutlichen das Engagement der Stiftung ist:

  • Dass wir so viele Nachwuchsforschende auf den DPG-Frühjahrstagungen haben, ist das Verdienst der Stiftung: Die Stiftung ermöglicht Jahr für Jahr etwa 2500 jungen Wissenschaftlern, Diplomanden, Masterstudierenden oder Doktoranden die Teilnahme durch anteilige Übernahme der Reisekosten und Tagungsgebühren. Diese Förderung im Rahmen des sogenannten „Kommunikationsprogramms“ ist ein zentraler Baustein, damit die Tagungen Jahr für Jahr Orte der Begegnung zwischen wissenschaftlichem Nachwuchs und erfahrenen Experten bis hin zu Nobelpreisträger sind.
  • Die Heraeus-Stiftung hat dieses Kommunikationsprogramm erweitert und fördert seit mehreren Jahren auch die Seminare der jDPG wie z. B. diesen Kongress sowie Wochenendseminare, Berufsvorbereitungsseminare oder Theoretiker-Workshops.
  • Seit dem Jahr 2015 findet die Schülertagung der jDPG statt: Damals in Leipzig, dieses Jahr in Berlin. Bundesweit können sich Schüler für die Teilnahme bewerben. Im kommenden Jahr wird die Tagung erstmals auf drei Tage im Physikzentrum Bad Honnef ausgeweitet, wo sie dann regelmäßig stattfinden wird. Mit der Ausweitung auf mehrere Tage ist jedoch eine erhebliche Steigerung der Kosten, insbesondere aufgrund der Übernachtungen, verbunden. Die Heraeus-Stiftung hat sich bereit erklärt, diese Kosten zu übernehmen. Dabei wird dann auch das neue, von der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung finanzierte Gästehaus mit an Physik interessierten Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland gefüllt sein.

Da wir heute den Vorsitzenden der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung, Herrn Treusch, hier zu Gast als Festredner haben, gibt mir das die wunderbare Gelegenheit Ihnen, Herr Treusch, stellvertretend für die großzügige und langjährige Förderung der DPG durch die Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung meinen großen Dank im Namen der DPG und auch persönlich auszusprechen.

Danken möchte ich an dieser Stelle auch der DPG-Geschäftsstelle, die für die jDPG als besondere Vereinigung in der DPG von Beginn an Ansprechpartnerin war und ihr mit Rat und Tat zur Seite steht.

Mit diesem Dank möchte ich nun schließen. Ich wünsche Allen einen spannenden und festlichen Kongress mit vielen neuen Erkenntnisse und guten Gesprächen. Nochmals herzlichen Glückwunsch für 10 erfolgreiche Jahre. Und was die Zukunft angeht: Die jDPG ist ein ganz wichtiger Baustein im Gebäude der DPG, wir brauchen sie!:

Also: Ad multos annos!

 
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