Max von Laue-Vorträge
Die DPG rief im Jahre 2000 eine Vortragsreihe zu Ehren von Max von Laue ins Leben. Der Physiker und Nobelpreisträger, der von 1931 bis 1933 Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft war, setzte sich zwischen 1933 und 1945 in außergewöhnlicher Weise im Bereich der Menschenrechte ein. Die Max-von-Laue-Vorträge finden jeweils im Rahmen der Jahrestagungen statt und werden von Wissenschaftlern gehalten, die sich durch starkes politisches oder soziales Engagement auszeichnen.
| 2011 | Siegfried Hunklinger |
| Kirchhoff-Institut für Physik, Universität Heidelberg | |
Redlichkeit in der Wissenschaft
|
|
| Vor einigen Jahren wurde eine spektakuläre Fälschung von wissenschaftlichen Daten aufgedeckt. Dieser Vorfall gab Anlass zur Diskussion in der Wissenschaft und in der Öffentlichkeit. Unter der Federführung der DFG wurde daraufhin eine Empfehlung mit dem Titel „Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis“ erarbeitet, die mit kleinen Änderungen von den Universitäten und den Forschungseinrichtungen übernommen wurde. Zusätzlich wurde der „Ombudsman für die Wissenschaft“ (früher „Ombudsman der DFG“) als Ansprechpartner eingerichtet, der nun seit mehr als 10 Jahre tätig ist. In meinem Vortrag werde ich die Prinzipien der guten wissenschaftlichen Praxis erläutern und deren Bedeutung anhand realer Vorfälle diskutieren. Ich werde zeigen, dass Datenfälschung, Verweigerung der Koautorenschaft, Mobbing usw. im Institutsalltag durchaus vorkommen. Dabei möchte ich mit Hilfe von Beispielen die Arbeitsweise des Gremiums erläutern. | |
| 2010 | Sidney Drell |
| Stanford Linear Accelerator Center | |
Working Toward a World Without Nuclear Weapons ![]() Vortrag als Video Vortrag als PDF |
|
| During the Cold War, the United States and the former Soviet Union relied on nuclear deterrence to navigate successfully through those perilous years. In today’s world, with the accelerating spread of nuclear material, know-how, and weapons, we are facing an increasing danger that nuclear weapons, the deadliest weapons ever invented, may be acquired by ruthless national leaders or suicidal terrorists. Under these circumstances, relying on thousands of nuclear weapons for deterrence is becoming increasingly hazardous and decreasingly effective. What will it take to rekindle the vision of a world free of nuclear weapons that President Reagan and General Secretary Gorbachev brought to their remarkable summit at Reykjavik in 1986? Can a world-wide consensus be forged on a series of practical steps to escape the nuclear deterrence trap? A world without nuclear weapons is a goal worth pursuing in itself. Beyond that, and most importantly, endeavoring to achieve that goal will also invigorate efforts to prevent the proliferation of nuclear weapons. But the road will not be an easy one. Real and serious obstacles lie ahead. Nations that have privileged positions in the international system by virtue of being nuclear weapons states will be reluctant to give up that status, or even to accept parity in nuclear weapons as stockpiles are reduced to low levels. Nations that fear the conventionally-armed military might of other nations will be reluctant to give up the option of a nuclear “equalizer.” Factors such as these, rather than technical problems, are the main reasons why reaching zero will be so difficult. And these are problems that can be overcome. No law of nature stands in the way. | |
| 2009 | David Holloway |
| Stanford University | |
Bohr, Oppenheimer, and Sakharov:
Physicists and Politics in the Cold War and the Responsibility
of Scientists Today
|
|
| After Hiroshima and Nagasaki, physicists realized that their science, which before World War II had seemed to be remote from practical use, had laid the basis for the most terrible weapons. They felt a special responsibility for dealing with its military and political consequences. In this lecture I will look in particular at the efforts of Niels Bohr, Robert Oppenheimer, and Andrei Sakharov to confront the challenge of nuclear weapons and to prevent the catastrophe of nuclear war. I will examine how they understood that challenge, how they tried to meet it, and how their activities brought them into conflict with political authorities. I will explore the differing conceptions the three men had of the relationship between science and politics and, on that basis, discuss the responsibility of scientists today. | |
| 2008 | Hartmut Graßl |
| Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg | |
Die Debatte um den Klimawandel – Wissenschaftliche Fakten
und Handlungsnotwendigkeiten
|
|
| Der erhöhte Treibhauseffekt der Atmosphäre und die kontinentweite Trübung der Luft haben globale Klimaänderungen angestoßen, die mindestens für die kommenden Jahrhunderte zu einer mittleren Erwärmung und stark steigendem Meeresspiegel führen werden. Je nach zukünftigem Verhalten der Menschheit, vor allem bei der Energiebereitstellung, ist eine Erwärmung über alle Erfahrungen des homo sapiens hinaus sehr wahrscheinlich. Eine die Vorgaben der Rahmenkonvention der Vereinten Nationen zu Klimaänderungen einhaltende Klimapolitik muss den Übergang zu kohlenstofffreien Energieträgern organisieren. Wie schnell dies zu bewerkstelligen ist, soll im Vortrag anhand eines Szenarios, das die mittlere globale Erwärmung unter zwei Grad hält, gezeigt werden. | |
| 2007 | Pervaiz Amirali Hoodbhoy |
| Professor der Physik an der Quaid-e-Azam Universität, Islamabad, Homepage | |
Science and Islam
|
|
| In this talk I shall first assess - within the limits of available data - the current state of the hard sciences (such as physics and mathematics) in Muslim countries. Although there is considerable variation across 48 Muslim countries, one concludes that the situation is unsatisfactory. Possible causes will be explored, including the priorities and funding practices of national governments. Prevalent Muslim attitudes towards science, technology, and modernity will be discussed. Muslim successes in science in earlier centuries are well known, and a comprehensive picture requires putting these into relation with the current cultural and political resistance to change. Bottlenecks to scientific growth will be identified. I shall then turn towards thoughtful contemporary voices among Muslims that recognize the depth of the current crisis, who offer plausible remedies for bringing science back into Islam, and who have captured at least some public attention. The possible role of the EU in helping science grow in Muslim countries will be explored. | |
| 2006 | Armin Grunwald |
| Forschungszentrum Karlsruhe, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, Homepage | |
Was erwartet die Gesellschaft von der Physik und den Physiker(inn)en?
|
|
| Die Erwartungen der Gesellschaft an die Physik lassen sich nach den fachlichen Erwartungen und den außerfachlichen Erwartungen unterscheiden. Die fachlichen Erwartungen sind dabei in der Regel unkontrovers: die Gesellschaft erwartet von der Physik vor allem ”gute Physik“ in Forschung und Lehre – was man dann weiter ausdifferenzieren kann. Komplizierter sieht es mit den außerfachlichen Erwartungen aus. Vor allem die Frage nach der Verantwortung steht hier seit Jahrzehnten im Mittelpunkt. Am Anfang der Diskussion über die Verantwortung der Wissenschaften standen Physiker. Mittlerweile ist die Diskussion über die Verantwortung der Wissenschaften und der Wissenschaftler/innen in viele andere Fächer hineingewandert, dabei aber auch oft in Unkenntlichkeit, bloßen Lippenbekenntnissen oder in Irrelevanz versandet. Im Vortrag werde ich zunächst das Verantwortungskonzept so konkretisieren, dass belastbare Aussagen möglich werden. In der Frage, welche Verantwortungsübernahme seitens der Gesellschaft erwartet wird und von den Physiker(inne)n zugesagt werden kann, steht die Grundsatzfrage am Anfang, ob sie sich zuallererst als Entdecker, Erkennende oder als Handelnde und Eingreifende verstehen. Bestehen die Ergebnisse der Physik in Erkenntnis oder in letztlich technischer Verfügungsmacht? Hierzu werde ich ein differenziertes Modell der Verantwortung vorstellen, dass auch eine klare Vorstellung von den Grenzen der Verantwortung der Physiker und von den Bedingungen der Möglichkeit einer aktiven Verantwortungsübernahme vermitteln soll. Diese Überlegungen münden darin, dass die Verantwortung der Physik als Disziplin und ihrer Organisationsformen einerseits und die der individuellen Physiker(innen) andererseits unterschieden werden müssen. Institutionelle Arrangements sind erforderlich, damit den Individuen in einer komplexen Gesellschaft die Übernahme von Verantwortung möglich wird. In diesem Kontext werde ich das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag kurz vorstellen, das in verschiedenen Arbeiten auch auf physikalische Expertise zurückgreift. Meine Überlegungen münden dahingehend, dass eine individualistische Form der Verantwortungsethik den heutigen Realitäten nicht mehr gerecht wird. Gesellschaftliche Arbeitsteilung führt auch zu einer Aufteilung von Verantwortlichkeiten. Es bleibt die Aufgabe, themen- und problemzentriert die Teile auch wieder zusammen zu bringen. In den vorgeschlagenen Schritten werde ich auf Fallbeispiele aus der Nanotechnologie zurückgreifen. | |
| 2005 | Jack Steinberger |
| Physiknobelpreisträger, forschte an der New Yorker Columbia-Universität und dem CERN | |
Einsteins Heritage: The Social Responsibility of Physicists and Global Disarmament
|
|
| 2005 is the 50th birthday of the Russell-Einstein-Manifesto which triggered workshops by scientists, such as Pugwash, to study the problem of nuclear weapons and nuclear disarmament. Following some general remarks on my understanding of the social responsibility of scientists, I would like to discuss the problem of nuclear weapons. These pose a continuing threat to humanity, but the problem has the virtue, that, in contrast with other major problems facing our society, it could be solved easily. The chief responsibility for this is with the United Sates, to lead the disarmament of the nuclearweapons states, but Germany and other non nuclear weapons states could help with a not insignificant contribution. | |
| 2002 | Mark Walker |
| Professor am Institut für Geschichte des Union College in Schenectady, New York | |
| Physik und Verantwortung: Die Geschichte der Physik und der DPG unter dem Nationalsozialismus | |
| 2001 | Hans-Peter Dürr |
| international renommierter Kernphysiker und Träger des Alternativen Nobelpreises von 1987, bis Herbst 1997 Direktor des Werner-Heisenberg-Instituts am Max-Planck-Institut für Physik | |
| Die Verantwortung des Naturwissenschaftlers | |
| 2000 | Joel Lebowitz |
| Professor an der Rutgers University, Homepage | |
| Physics and Human Rights: Reflections on the Past and the Present |
