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9. Orpheus-Seminar in Kassel vom 3.-6. Oktober 2013











Ein wesentlicher Bestandteil des Airbags ist ein Beschleunigungssensor, der bei einem Unfall die Entfaltung des Kunsstoffsacks auslöst. Wie z.B. so ein Sensor aus einem Kondensatorsystem aufgebaut werden kann und welche Werte die einzelnen Bestandteile haben müssen, rechneten interessierte Nachwuchstalente in einer der Aufgaben für die erste Runde zur 45. Internationalen Physikolympiade (kurz IPhO) nach. An der Universität Kassel trafen 100 dieser Nachwuchsphysiker vom 3. bis 6. Oktober 2013 beim 9. Orpheus-Seminar aufeinander, um sich auf die Olympiade vorzubereiten, Gleichgesinnte kennenzulernen und gemeinsam Spaß an der Physik zu haben.

Veranstaltet wurde das Seminar vom gemeinnützigen Verein Orpheus e. V. (Organisationsgruppe Physik für Europäische Schüler und Studenten – www.orpheus-verein.de), die Universität Kassel sowie der IPhO-Landesbeauftragte für Hessen unterstützten die Organisation des Seminars maßgeblich. Der 2004 gegründete Verein hat zum Ziel, ein Netzwerk für Physikinteressierte verschiedener Altersstufen aufzubauen, und sie bei dem Auswahlverfahren zur IPhO zu unterstützen. Erreicht wird dies u. a. durch die jährlichen Seminare an wechselnden Orten. Die angebotenen Inhalte der einzelnen Kurse erstreckten sich sowohl über theoretische als auch über experimentelle Themen. Die Teilnehmer können so ihre physikalischen Kenntnisse erweitern, und deren Anwendung an theoretischen Aufgaben und Experimenten üben. Zudem hören sie Vorträge von Wissenschaftlern der gastgebenden Universität zu moderner Physik und aktueller Forschung.

Es ist dem Orpheus-Verein ein wichtiges Anliegen, dass die Teilnahme an dem Seminar nicht finanziell abhängig, sondern aus reiner Begeisterung für die Physik möglich gemacht wird. Entscheidend dafür ist ein möglichst geringer Eigenbeitrag der Teilnehmer. Ein Ziel, das nur durch die Förderung von Stiftungen und Spendern erreicht werden kann, wofür sich Orpheus e.V. nochmals ganz herzlich bedankt. Durch diese Unterstützung wurde zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins der Wunsch vieler Teilnehmer wahr, das Seminar auf vier Tage zu verlängern. Dies ermöglichte es, ein breiteres Programmspektrum mit einer Exkursion anzubieten. Außerdem konnte das fachliche Programm erweitert werden. Umso größer war dieses Jahr nach der langen Vorbereitung die Vorfreude auf das erstmals viertägige Seminar und die ereignisreichen Tage in Kassel.

Bei der Anmeldung gaben die physikbegeisterten Schülerinnen und Schüler die Themen an, welche sie besonders interessierten. Anhand dieser Angaben wurde für jeden Teilnehmer mit Hilfe eines von zwei Vereinsmitgliedern entwickelten Programms gemäß seinen Wünschen ein persönlicher Stundenplan erstellt. Insgesamt standen 43 Themen zur Auswahl: davon 11 Experimente, wie z.B. „elektrische Blackboxen“ oder „Viskosität und Oberflächenspannung“, und 32 Theorie- bzw. Aufgabenseminare, von „Klassischer Mechanik“ und „phänomenologischer Thermodynamik“ über „Aufgabenseminar Elektrodynamik“ oder „Wellenoptik“ bis hin zur „Einführung in Quanten- und Atomphysik“. Neben den Seminaren zu Themen aus dem IPhO-Anforderungskatalog wurden zudem Einführungskurse, etwa zu mathematischen Grundlagen, angeboten. Es standen Versuche des physikalischen Praktikums sowie Seminarräume der Elektrotechnik-Fakultät der Universität Kassel zur Verfügung. So konnten mehrere Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden, was kleine Gruppen, und so eine gezieltere Förderung erlaubte. Für die fachliche Durchführung des Seminars engagierten sich ehrenamtlich insgesamt 15 Betreuer. Die meisten befinden sich im fortgeschrittenen Physikstudium und haben Erfahrungen bei dem Auswahlverfahren sowie der Internationalen Physikolympiade selbst. Sie können so bei den Seminaren gezielt Hilfe bei komplexen Problemen und Fragestellungen, wie sie für den IPhO-Auswahlwettbewerb wichtig sind, geben.

Die Teilnehmer reisten am Donnerstag Nachmittag direkt zur Universität Kassel an, wo sie zunächst gemeinsam durch den Vorstand von Orpheus e.V., IPhO-Landesbeauftragten für Hessen sowie Dekan der Elektrotechnik Fakultät der Universität Kassel begrüßt wurden. Der Verein und der Ablauf des Seminars wurden vorgestellt. Danach folgten die ersten beiden der jeweils etwa 100-minütigen Physikeinheiten. Nach dem Abendessen folgte der Spiele- und Kennenlernabend, wo die Teilnehmer Gelegenheit hatten, den Abend zum gegenseitigen Kennenlernen zu nutzen.

Der Freitag fing mit zwei weiteren Physik-Blöcken an. Nach dem Mittagessen konnte durch die Verlängerung des Seminars eine Exkursion angeboten werden. Dazu standen vier Möglichkeiten zur Auswahl: im Astronomisch-Physikalischen Kabinett konnten die Teilnehmer zusätzlich zu der Führung durch das Museum auch das Planetarium entdecken. Für das Technikmuseum Kassel wurde ebenfalls eine Führung organisiert. Außerdem hatte man die Möglichkeit, an der Betriebsbesichtigung zum Volkswagenwerk Kassel teilzunehmen. Wer sich jedoch einen Ausflug in die Natur wünschte, konnte den größten Bergpark Europas „Wilhelmshöhe“ besuchen. Nach dem Abendessen folgten von zwei Vereinsmitgliedern die Abendvorträge zur Antimaterie-Forschung am CERN sowie zu den Neutrinoexperimenten. Außerdem wurden ein weiterer internationaler Physikwettbewerb, nämlich der „International Young Physicists Tournament“, sowie der Astronomieverein „VEGA“ e.V. vorgestellt.

Am Samstag stand mit insgesamt vier Physik-Einheiten das fachliche Programm im Mittelpunkt. Am Abend wurden die Teilnehmer von Prof. Giesen seitens der Physik-Fakultät begrüßt und es wurde eine Übersicht über die Forschungsschwerpunkte der Universität Kassel gegeben. Danach gab der Laborastrophysiker mit dem Vortrag „Moleküle: Botenstoffe aus dem Universum“ einen tieferen Einblick in sein eigenes Fachgebiet. Schließlich erzählte der Physiker N. Zingsem über ein ganz anderes Thema, nämlich „Synchrotronforschung und Dünnschichtmagnetismus“. Nach dem langen Tag kehrten die Teilnehmer in die Jugendherberge zurück. Dort angekommen nutzten wieder viele die Gelegenheit sich näher kennenzulernen. Außerdem gab es die Möglichkeit an den Abendvorträgen über das Higgs-Boson und die Dunkle Energie teilzunehmen.

Der letzte Seminartag hielt nochmals zwei Physikblöcke bereit. Vor dem gemeinsamen Mittagessen fand die Verabschiedung der Teilnehmer statt, wo auch zum nächsten Vereinstreffen eingeladen wurde. Außerdem wurden Teilnahmeurkunden ausgegeben und die zur Begrüßung verteilten Bögen mit den Rückmeldungen und Bewertungen der Seminare durch die Teilnehmer wieder eingesammelt, bevor die Schülerinnen und Schüler wieder in alle Teile Deutschlands aufbrachen. Auch dieses Jahr haben sich viele Teilnehmer persönlich bei den Organisatoren bedankt und schrieben in den Rückmeldebögen u.a. folgende Kommentare: „Ganz klasse!“, „Ich finde es toll, dass es dieses Seminar gibt und würde jederzeit wieder teilnehmen!“, „Das Seminar ist sehr gut gelungen und es gab sehr viel zu lernen.“, „Ich bin froh, dass dieses Seminar angeboten wurde, da ich wirklich mehr von der Vielfältigkeit der Physik gelernt habe, die ich sonst nicht gelernt hätte“.

Vitaly Andreev

Bilder: Simeon Völkel

 
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