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Pressemitteilung

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft


Nr. 34/2011 (18.11.2011)

Die Physik-Preisträger 2012 - Auszeichnungen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG)

Bad Honnef, 17. November 2011 –  Die DPG hat 22 Preisträgerinnen und Preisträger benannt, die während der DPG-Frühjahrstagungen im Jahr 2012 ausgezeichnet werden.

Goldmedaillen: Die Max-Planck-Medaille, die höchste Auszeichnung der DPG auf dem Gebiet der theoretischen Physik, geht an Martin Zirnbauer vom Institut für Theoretische Physik der Universität zu Köln. Rainer Blatt, Österreichische Akademie der Wissenschaften und Universität Innsbruck, Institut für Experimentalphysik, erhält mit der Stern-Gerlach-Medaille die höchste Auszeichnung der DPG auf dem Gebiet der experimentellen Physik.

Nachwuchspreise: Der mit 7.500 Euro dotierte „Gustav-Hertz-Preis“ geht an Aldo Antognini (ETHZ Zürich, Institute for Particle Physics) und Randolf Pohl (Max-Planck-Institut für Quantenoptik, Garching). Katharina Franke (FU Berlin) erhält den mit 3.000 Euro dotierten „Hertha-Sponer-Preis“.



Preisträgerinnen und Preisträger 2012

Max-Planck-Medaille 2012

höchste DPG-Auszeichnung für Theoretische Physik

Prof. Dr. Martin Zirnbauer
Universität zu Köln


„Für seine bedeutenden Beiträge zur Verknüpfung von Supersymmetrie und Zufallsmatrizen und deren Anwendungen in Kernen, ungeordneten mesoskopischen Systemen und chaotischen Quantensystemen, sowie zu anderen Gebieten der mathematischen Physik.“

Bild: http://www.thp.uni-koeln.de/zirn/011_Website_Martin_Zirnbauer/1_M_Zirnbauer/index.html

Martin Zirnbauer, Jahrgang 1958, ist mathematischer Physiker. Er studierte Physik an der Technischen Universität München und der University of Oxford. Dort schrieb er unter Anleitung von D. Brink seine Dissertation über ein Thema aus der Kernphysik und wurde mit 24 Jahren promoviert.

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am MPI für Kernphysik in Heidelberg (1982 – 1984)  wandte er sich mit J. Verbaarschot und H. Weidenmüller der Kompoundkernstreuung in der Kernphysik und ihrer Darstellung durch Zufallsmatrizen zu. Die Autoren erkannten, dass es sich dabei um ein generisches Problem der chaotischen Streutheorie handelt. Eine grundlegende Frage betraf die Berechnung des Mittelwertes des Produktes zweier chaotischer Streuamplituden. Dieses Problem konnte durch die Weiterentwicklung einer wenige Jahre zuvor in der Festkörperphysik von Efetov und Larkin eingeführten Methode gelöst werden. Das neu entwickelte Verfahren und das Ergebnis haben seither theoretische Entwicklungen in der Theorie der Zufallsmatrizen und in der mesoskopischen Physik stark beeinflusst. Auch Zirnbauers weiterer wissenschaftlicher Weg ist davon geprägt worden.

Doch zuvor wandte er sich am California Institute of Technology (1984 – 1987) der Theorie des doppelten Betazerfalls in der Kernphysik zu. In vielbeachteten Arbeiten zeigte er in Zusammenarbeit mit P. Vogel, dass dieser Zerfall durch Kernstruktureffekte stark unterdrückt wird.

1987 folgte er einem Ruf auf eine C3 Professur an der Universität Köln, seit 1995 ist er dort Ordinarius. Seither hat sich sein wissenschaftliches Interesse der mathematischen Physik mesoskopischer Systeme zugewandt. Seine Arbeiten über den Zusammenhang zwischen nichtlinearen supersymmetrischen Sigmamodellen, Riemannschen symmetrischen Superräumen und Zufallsmatrizen sind auf breites Interesse gestoßen, ebenso die zusammen mit A. Altland durchgeführte allgemeine Klassifikation von Zufallsmatrizen, die das ursprüngliche Dysonsche Schema erweitert und ergänzt. Als Gründungssprecher des DFG-Sonderforschungsbereiches "Symmetrien und Universalität in mesoskopischen Systemen" hat er wesentlich zu einer fachübergreifenden Zusammenarbeit von Physikern und Mathematikern beigetragen. Er ist Mitglied der Leopoldina und Träger des Leibniz-Preises 2009.

Die Auszeichnung ist undotiert und besteht aus einer Goldmedaille, die im März 2012 während der DPG-Jahrestagung in Berlin überreicht wird.


Stern-Gerlach-Medaille 2012

höchste DPG-Auszeichnung für Experimentelle Physik

Prof. Dr. Rainer Blatt
Österreichische Akademie der Wissenschaften


„Für seine Arbeiten auf den Gebieten der Metrologie und Quanteninformationsverarbeitung mit elektromagnetisch gespeicherten Ionenkristallen. Die experimentelle Demonstration grundlegender Bausteine und Algorithmen eines Quantenprozessors, die Teleportation von Quantenzuständen der Materie, die erste Realisierung eines Quantenbytes und die Simulation von Quantensystemen haben neue wissenschaftliche Forschungsgebiete eröffnet und den Weg in eine zukünftige Quantentechnologie gewiesen. “

Bild: http://heart-c704.uibk.ac.at/index.html?http://heart-c704.uibk.ac.at/people/rainer.blatt/index.html

Rainer Blatt studierte an der Univ. Mainz und promovierte dort bei Prof. Günter Werth. Nach Forschungsaufenthalten in Boulder, USA, bei John L. Hall und Berlin arbeitete er bei Prof. Peter Toschek als Assistent in Hamburg. 1994 wurde er auf eine Professur in Göttingen berufen und ist seit 1995 am Institut für Experimentalphysik der Univ. Innsbruck. Seit 2003 leitet er als einer der wissenschaftlichen Direktoren das neugegründete Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Ein zukünftiger Quantencomputer profitiert von spezifischen Eigenschaften der Quantenmechanik und ermöglicht damit Algorithmen, die in der klassischen Informationsverarbeitung nicht möglich sind. In Aufsehen erregenden Experimenten konnte Rainer Blatt zeigen, dass sich lineare Kristalle aus gefangenen Ionen eine einzigartige experimentelle Plattform bieten, um Quantenbits einzuschreiben, zu verarbeiten und zu lesen. Alle quantenlogischen Operationen werden in einer komplexen Abfolge von Laserpulsen verwirklicht. Ein prominentes Beispiel für Quantenalgorithmen stellt die Teleportation dar. Rainer Blatt und seiner Gruppe gelang es, verschränkte Zustände zu erzeugen und für Quanten-Algorithmen zu nutzen. Beginnend mit 2 Ionen, über 8 Ionen in einem Quanten-Byte im Jahr 2008, liegt der aktuelle Rekord nun bei 14 verschränkten Ionen. Das hochaktuelle Gebiet der Quantensimulation baut auf den ursprünglichen Ideen von Richard Feynman auf und zielt darauf ab, komplexe Vielteilchen-Quantensysteme zu verstehen, indem man Zustände und Dynamik an einem wohl-kontrollierten Quantensystem nachahmt. Aktuelle Experimente zeigen, dass Kristalle gefangener Ionen in einem digitalen Quantensimulator eingesetzt werden können. Kann der Quantenzustand von Vielteilchen- Systemen maßgeschneidert werden, dann eröffnen sich Anwendungen dieser Quantentechnologien für zukünftige Atomuhren, bei denen die Verschränkung der Ionen genutzt wird, um eine noch höhere Genauigkeit zu erreichen.

Die Arbeiten aus der Gruppe um Rainer Blatt in Innsbruck haben Forscher auch über das Gebiet der Quantenoptik und Quanteninformation hinaus inspiriert und strahlen aus in das Gebiet der ultrakalten Atome und der Festkörperphysik. Seine Arbeiten legen eine Basis für die zukünftige technologische Nutzung von Quanteninformation.

Die Auszeichnung ist undotiert und besteht aus einer Goldmedaille, die im März 2012 während der DPG-Jahrestagung in Berlin überreicht wird.


Gustav-Hertz-Preis 2012

für junge Physikerinnen und Physiker

Dr. Aldo Antognini, ETH Zürich
Dr. Randolf Pohl, MPI für Quantenoptik, Garching


„In Würdigung ihres entscheidenden Beitrags zur Präzisionsmessung der Lambshift in myonischem Wasserstoff. Sie haben damit maßgeblich weitere experimentelle und theoretische Untersuchungen zur Struktur des Protons und der Quantenelektrodynamik gebundener Systeme initiiert.“

Bilder:
Antognini: http://www.edm.ethz.ch/people/scientific_staff/antognin
Pohl: http://www.mpq.mpg.de/cms/mpq/people/Pohl_Randolf.shtml

Dr. Aldo Antognini, ETH Zürich, und Dr. Randolf Pohl, Max-Planck Institut für Quantenoptik, Garching (MPQ), waren die tragenden Säulen einer internationalen Kollaboration, der es im Sommer 2009 am Paul Scherrer Institut (PSI) gelang, durch Laserspektroskopie an myonischen Wasserstoffatomen die 2S - 2P-Lambverschiebung so genau zu messen, dass dadurch die Genauigkeit des mittleren quadratischen Ladungsradius des Protons um einen Faktor 10 genauer als vorher  bestimmt werden kann. Diese Messungen haben weltweite Aufmerksamkeit erregt, da der neu bestimmte Protonenradius um 4 Prozent kleiner ist als der offizielle CODATA Wert (als der vorher bekannte Wert), der durch Spektroskopie am gewöhnlichen Wasserstoff und durch Elektronenstreuexperimente bestimmt wurde. Dieses “Proton Size Puzzle” ist bisher noch ungelöst.

Die Experimente am PSI begannen vor mehr als zehn Jahren. Das kurzlebige Myon ist 200 mal schwerer als das Elektron und hält sich somit 200 mal näher am Kern auf. Daher hängen die Energieniveaus wesentlich empfindlicher von der genauen Kerngröße ab. Die 2S-2P-Lambverschiebung ist durch die Vakuumpolarisation dominiert und führt zu einer Resonanz nahe der infraroten Wellenlänge von 6 µm. Nach Einfang eines Myons in der Wasserstoffzelle entsteht zunächst ein hoch angeregtes myonisches Atom, das mit 1% Wahrscheinlichkeit in den metastabilen 2S Zustand zerfällt. Anschließende Laseranregung in den 2P Zustand liefert ein verzögertes Lyman-alpha Photon bei 2 keV. In seiner Doktorarbeit (LMU München, 2005) analysierte Herr Antognini die theoretischen Grundlagen des Experimentes mit solchem Tiefgang, dass seine Arbeit in der Folge praktisch zur Bibel für alle Teilnehmer der Kollaboration wurde.

Eine wesentliche Hürde war die Entwicklung eines geeigneten Lasersystems, das sich nach Ankunft eines Myons in der Wasserstoff-Targetzelle im Bruchteil einer Mikrosekunde triggern läßt,und das im ununterbrochenen Dauerbetrieb über Monate mindestens 500 intensive Pulse pro Sekunde liefern kann. Herr Aldo Antognini löste dieses Problem in Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Institut für Strahlwerkzeuge. Die hohe Zuverlässigkeit seiner neuartigen Laserquelle war ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg.

Dr. Randolf Pohl arbeitete seit Beginn an dem Experiment. Seit 2005 ist er, zusammen mit Dr. Franz Kottmann, ETH, Sprecher und Teamleiter einer internationalen Kollaboration, die auf mehr als 30 Teilnehmer aus 12 Ländern angewachsen ist. Herrn Randolf Pohl ist es ganz wesentlich zu verdanken, dass die Messungen von Erfolg gekrönt wurden. Er war zusammen mit Aldo Antognini verantwortlich für die Entscheidung, auch außerhalb des zu erwartenden Frequenzbereichs nach Signalen zu suchen. Eine Entscheidung, die letzendlich zum Erfolg führte.

Dr. Aldo Antognini und Dr. Randolf Pohl sind zwei junge Ausnahmeforscher, die mit großem persönlichen Einsatz dazu beigetragen haben, ein ehrgeiziges Experiment zu einem spektakulären Erfolg zu führen.

Die Auszeichnung wird im März 2012 während der DPG-Frühjahrstagung in Stuttgart überreicht.


Walter-Schottky-Preis 2012

für Beiträge zur Physik der kondensierten Materie

Dr. Alex Greilich
TU Dortmund


„Für seine Arbeiten zur kohärenten Manipulation von Spin-Ensembles und individuellen Spins in Quantenpunkten.“

Bild: http://www.e2.physik.tu-dortmund.de/chair/members/postdocs

Alex Greilich ist 1979 in Chelyabinsk, Russland, geboren, wo er nicht nur seine gesamte Schullaufbahn durchlaufen, sondern ein Physikstudium bis zum Bachelor absolviert hat. An der Universität Dortmund hat er sein Studium fortgesetzt und 2003 mit dem Diplom abgeschlossen. Die Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie in Dortmund befasste sich mit einer Thematik aus dem Bereich der chaotischen Dynamik. Danach hat er sich entschlossen, in die experimentelle Physik zu wechseln, um sich während seiner Promotion mit der kohärenten Spindynamik in Halbleiterquantenstrukturen zu befassen. Diese Fragestellungen sind für informationstechnologische Anwendungen unter Ausnutzung von Quanteneffekten aktuell sehr relevant. Während dieser Zeit hat er eine ganze Reihe vielbeachteter Ergebnisse erzielt, wie etwa die Demonstration der Initialisierung von Elektronenspins in Quantenpunkten durch gepulste optische Anregung oder die Vermessung der Kohärenzzeit der Spins.

Nach der Promotion hat er zwei Jahre als Postdoktorand am Naval Research Laboratory in der Arbeitsgruppe von Dan Gammon verbracht. Dort konzentrierten sich seine Arbeiten auf einzelne Quantenpunktmoleküle, bei denen jeder Quantenpunkt mit einem Elektron- oder einem Lochspin beladen war. Über die Coulomb-Wechselwirkung sind die beiden Spins miteinander verschränkt und bilden einen Singulett- oder einen  Triplettspinzustand. Durch spektral unterschiedlich breite Pulse können entweder ein einzelner Spin dieses verschränkten Zustands oder alle beide rotiert werden. Damit ist auch ein Gatter für verschränkte Spins demonstriert. Zu Beginn dieses Jahres kehrte er nach Dortmund zurück, wo er gerade eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Weiterentwicklung von Konzepten für die Quanteninformationsverarbeitung auf der Basis von Spinanregungen in Festkörpern befasst, aufbaut.

Die Auszeichnung wird im März 2012 während der DPG-Jahrestagung in Berlin überreicht.


Robert-Wichard-Pohl-Preis 2012

für Beiträge zur Physik von interdisziplinärer Bedeutung

Prof. Dr. Volkhard Nordmeier
FU Berlin


„Für seine weithin sichtbare didaktische Forschung im Bereich der modernen Physik, sowie das außergewöhnliche und langjährige Engagement für die Lehreraus- und -weiterbildung. Darüber hinaus hat er sich besondere Verdienste erworben mit der Schaffung der internetbasierten Zeitschrift PhyDid A als einer etablierten Plattform für die fachdidaktische Forschung.“

Bild: http://didaktik.physik.fu-berlin.de/home/nordmeier.html

Volkhard Nordmeier wurde 1964 in Niedersachsen geboren und studierte Physik, Mathematik und Informatik in Osnabrück. Nach der Promotion 1998 in Essen war er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Münster und danach als Lehrstuhlvertreter in Bochum tätig. 2003 wurde er als Professor für Didaktik der Physik an die Technische Universität Berlin berufen. Seit 2005 lehrt und forscht er am Fachbereich Physik der Freien Universität Berlin. Mit seiner Arbeitsgruppe widmet er sich sowohl der fachdidaktischen Forschung als auch der Entwicklung und Erprobung von Unterrichtsmedien sowie der Fortbildung von Lehrkräften.

Physikdidaktik – ein komplexes Arbeitsgebiet:
Die Fachdidaktik umfasst die ganze Spannbreite des Faches Physik – angefangen bei Phänomenen und Experimenten bis hin zu Denkgebäuden, erkenntnistheoretischen Ansätzen und Methoden – dies alles vom historischen Anfang bis zur aktuellen Forschung. Sie bildet die Grundlage für die Vermittlung von Physik an Lernende – basierend auf einem grundlegenden Verständnis und Gespür für das Wesentliche der Physik und den sich stetig verändernden Lernbedingungen und -voraussetzungen Jugendlicher, mit dem Ziel komplexe und komplizierte Sachverhalte auf ein verstehbares Niveau zu transformieren.

Volkhard Nordmeier stellt sich diesen Aufgaben seit etwa 20 Jahren mit außerordentlichem Engagement und großem Erfolg. Seine vielfältigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, die sowohl die fachbezogene Seite der Physikdidaktik als auch diejenige der Lehr-Lernforschung betreffen, sind deutschlandweit und auch international bekannt und hoch geschätzt. Insbesondere seine innovativen Elementarisierungen zur modernen Physik und die in seiner Arbeitsgruppe entwickelten Medien wie Experimente oder Softwareanwendungen fanden und finden eine überaus große Verbreitung und besondere Anerkennung. Die Erforschung von innovativen Formaten und Interaktionsformen in computergestützten Lehr-Lern-Szenarien für Physikunterricht und Studium sowie auch die empirischen Studien zu domänenspezifischen Problemen von Lehrenden und Lernenden oder zum Studienerfolg im Fach Physik erbrachten nicht nur sehr interessante Ergebnisse, sondern tragen zur Verbesserung der Lehre an Schule und Hochschule bei.

Zudem engagiert sich Volkhard Nordmeier seit vielen Jahren sehr stark im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und der Lehrerfortbildung. Beispielsweise konnten durch das von ihm mit initiierte und durch die Unterstützung der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung eingerichtete DPG-Fortbildungsnetzwerk fobinet mehr als 20.000 Fortbildungsteilnehmer/-innen erreicht werden. Darüber hinaus hat sich Volkhard Nordmeier aber auch als Herausgeber der referierten Online-Zeitschrift ‚PhyDid’ („Physik und Didaktik in Schule und Hochschule“), als Autor und Herausgeber verschiedener Schulbücher zur Physik sowie als Mitherausgeber weiterer physikdidaktischer Zeitschriften einen Namen gemacht.

Die Auszeichnung wird im März 2012 während der DPG-Frühjahrstagung in Mainz überreicht.


Herbert-Walther-Preis 2012

deutsch-amerikanische Auszeichnung für Beiträge zur Quantenoptik und Atomphysik

Prof. Alain Aspect
CNRS Distinguished Scientist and Professor, Institut d'Optique and Ecole Polytechnique (Frankreich)


„For his pioneering experimental contributions to the fields of quantum entanglement and cold atom physics.“

Bild: Jerome Chatin / CNRS phototheque http://www2.cnrs.fr/en/394.htm

Die Entdeckung der Quantenmechanik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts revolutionierte die Physik und führte zu der Erfindung des Transistors und des Lasers und vieler anderer nützlicher Dinge, die aus dem Alltag unserer modernen Welt nicht mehr weg zu denken sind. Im Rückblick spricht man heute von der ersten Quanten-Revolution und das hat einen Grund. Seit es möglich ist, einzelne Quantenobjekte gezielt zu präparieren und einzeln zu untersuchen, treten neue Eigenschaften der Quantenphysik in den Vordergrund, die dem menschlichen Vorstellungsvermögen noch viel ferner liegen als die Welleneigenschaft der Materieteilchen. Dies wurde bereits früh bemerkt und trieb Albert Einstein, Nathan Podolsky und Boris Rosen zur Formulierung des nach Ihnen benannten Gedankenexperiments, das damals gerade wegen der fehlenden Anschauung oft fälschlicherweise als Paradoxon bezeichnet wurde. Mehrere Jahrzehnte lang fand es aus zwei Gründen wenig Beachtung: Es fehlte eine theoretisch formulierte Herausforderung an die Experimentalphysiker und es fehlten auch die experimentellen Möglichkeiten im Umgang mit einzelnen Quantenobjekten.

Die Herausforderung lieferte John S. Bell mit der nach ihm benannten Ungleichung. Dies und die daraufhin einsetzenden Anstrengungen zur Entwicklung der nötigen experimentellen Techniken markieren die zweite Quanten-Revolution und den Beginn der Quanteninformationstechnologie, die in den letzten 20 Jahren einen enormen Aufschwung genommen hat. Einer der Wissenschaftler, der von Anfang an die experimentelle Seite der zweiten Quantenrevolution entscheidend prägte, ist Alain Aspect. Sein Name ist untrennbar mit dieser Entwicklung verbunden.

Während die erste Quanten-Revolution dazu führte, dass wir ein einzelnes Materieteilchen auch als Welle begreifen und in Experimenten entsprechende Interferenzen beobachten können, geht es in der zweiten Quanten-Revolution um Fragestellungen, für die man mindestens zwei Teilchen betrachten muss. Wenn es zwischen zwei Teilchen zunächst eine gegenseitige Beeinflussung gibt, diese zu einem späteren Zeitpunkt aber räumlich getrennt sind und daher auch getrennt gemessen werden können, dann sagt die Quantenphysik starke Korrelationen zwischen diesen Messungen voraus. Der Preisträger selber schreibt dazu in seinem News and Views Artikel in der Zeitschrift Nature vom 19. April 2007 im Rückblick: "Um diese Korrelationen zu interpretieren, sagte Einstein, muss man das Konzept des 'lokalen Realismus' akzeptieren. Dieses Prinzip besagt, dass die Ergebnisse von Messungen an einem in Raum und Zeit lokalisierten Objekt vollständig durch die Eigenschaften bestimmt sind, die dieses Objekt mit sich trägt (seine Realität) und dass sie nicht sofort und ohne Verzögerung von weit entfernten Ereignissen beeinflusst werden können. Aber nach Bell's Entdeckung, dass das Konzept des 'lokalen Realismus' die Stärke der beobachtbaren Korrelationen begrenzt, hat uns eine Serie von immer besseren Experimenten dazu geführt, dieses Konzept aufzugeben." Das war ein großer Schritt, der zu unserem heutigen Verständnis der Quantenphysik führte. Bei den wohl bekanntesten dieser Experimente aus den achtziger Jahren, war Alain Aspect selber der Hauptakteur. Dies allein wäre schon ein sehr guter Grund, ihn mit dem Herbert-Walther-Preis auszuzeichnen. In der Folge aber hat er, zunächst immer noch am renommierten Collège de France in Paris, mit einer ganzen Reihe anderer interessanter optischer Experimente unser Verständnis der Grundlagen der Quantenphysik weiter verbessert. Dazu gehört auch die Kühlung der Bewegung metastabiler Helium-Atome durch Laserlicht, bei der es ihm und seinen Kollegen weltweit erstmals gelang, die bis dahin akzeptierte untere Temperaturgrenze zu unterschreiten. Diese berechnet sich aus dem Rückstoß, den ein einzelnes Photon auf ein Atom überträgt, wenn es von diesem ausgesandt wird. Der Initiator und Leiter dieser Experimente, Claude Cohen-Tannoudji, unter dem Alain Aspect am Collège de France forschte, erhielt dafür den Nobel-Preis gemeinsam mit William D. Phillips und Steven Chu.

Seit 1992 führt Alain Aspect am Institut d'Optique im Süden von Paris eine eigene Forschungsgruppe und beschäftigt sich weiter mit kalten Atomgasen, einem Forschungsgebiet, das mit der experimentellen Beobachtung der Bose-Einstein-Kondensation und dem damit verbundenen Nobel-Preis an Carl E. Wieman, Wolfgang Ketterle und Eric A. Cornell Aufsehen erregen sollte. Im Laufe der Jahre gelang es ihm mit seiner Gruppe viele anspruchsvolle Experimente und Beobachtungen durchzuführen. Oft waren sie dabei weltweit die Ersten. Dazu gehört die Bose-Einstein Kondensation von Atomen in einem angeregten Zustand.

Alain Aspect ist ein herausragender Wissenschaftler und Lehrer, der durch seine bahnbrechenden Arbeiten weit über sein eigenes Arbeitsgebiet hinaus bekannt geworden ist. Er wird den Herbert Walther Preis 2012 der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und der Optical Society of America (OSA) auf der Frühjahrstagung der DPG im nächsten Jahr in Stuttgart erhalten für die hier beschriebenen Arbeiten auf den Gebieten der Quanten-Informationsverarbeitung und der Physik kalter Atome.

Die Auszeichnung wird gemeinsam von der Optical Society of America und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft im März 2012 während der DPG-Frühjahrstagung in Stuttgart überreicht.


Hertha-Sponer-Preis 2012

für Physikerinnen

Jun.-Prof. Dr. Katharina Franke
FU Berlin


„Für Ihre wegweisenden Arbeiten zum Wechselspiel magnetischer Moleküle mit Supraleitern auf der nano- und mesoskopischen Skala.“

Bild: http://www.physik.fu-berlin.de/einrichtungen/ag/ag-franke/index.html

Katharina Franke, geboren 1977, studierte Physik in Kiel und schloss ihr Studium an der Pennsylvania State University ab. Sie promovierte 2003 an der Freien Universität Berlin. Nach einem PostDoc Aufenthalt in Lausanne war sie zunächst wissenschaftliche Mitarbeiterin und ist seit 2009 Juniorprofessorin am Fachbereich Physik der Freien Universität Berlin. Mit ihrer Arbeitsgruppe erforscht sie elektronische und magnetische Eigenschaften von Molekülen an Oberflächen mittels Rastertunnelmikroskopie.

Molekulare Nanoelektronik und Spintronik:
Der technische Fortschritt verlangt immer leistungsfähigere Datenverarbeitung und - speicherung. Dies ist nur durch eine Verkleinerung der elektronischen Bauteile möglich. Allerdings stoßen wir schon heute an die Miniaturisierungsgrenze der konventionellen Halbleiterelektronik. In visionären Konzepten sollen einzelne Moleküle die herkömmlichen Dioden, Transistoren, Schalter und magnetischen Speicher ersetzen.

Frau Franke untersucht fundamentale physikalische Prozesse in einzelnen Molekülen auf Oberflächen. Diese bilden eine Grundlage für zukünftige Anwendungen in der molekularen Elektronik und Spintronik. Eine Schlüsselrolle spielen dabei elektronische sowie magnetische Eigenschaften an der Kontaktstelle zwischen Molekül und metallischer Elektrode. Mit Hilfe von Rastertunnelmikroskopie charakterisiert und manipuliert Frau Franke diese Kontakte mit atomarer Präzision.

In ihren Arbeiten zeigte sie, wie man intermolekulare Wechselwirkungen verwenden kann, um die elektronische Kopplung von Molekülen an eine Metallelektrode einzustellen. Damit lassen sich die Leitfähigkeit und Funktionalität eines einzelnen Moleküls gezielt manipulieren. Der Transport von Elektronen durch solche molekularen Kontakte induziert außerdem elementare Schwingungen, die zu einer beträchtlichen Wärmeentwicklung während des Stromflusses führen können. Frau Franke vertiefte das Verständnis dieser thermischen Anregung und Dissipation, die für die Entwicklung stabiler molekularer Schaltkreise von großer Bedeutung sind.

Die Wechselwirkung zwischen Molekül und Substrat spielt nicht nur für elektronische, sondern auch für magnetische Eigenschaften eine wichtige Rolle. In einer eindrucksvollen Arbeit (Science 332 (2011) 940) klärte Frau Franke auf, wie ein einzelnes paramagnetisches Molekül die Eigenschaften eines supraleitenden Substrats auf der atomaren Skala beeinflusst. Das komplexe Wechselspiel von Elektronen und Cooperpaaren führt lokal zur Koexistenz der beiden Phänomene Magnetismus und Supraleitung. Das steht im scheinbaren Widerspruch zu Beobachtungen auf der makroskopischen Skala, auf der diese beiden spinbasierten Vielteilcheneffekte sich gegenseitig ausschließen. Theoretisch wurde deren gemeinsames Auftreten schon vor über 30 Jahren vorhergesagt. Erst der durch Frau Franke erbrachte experimentelle Nachweis dieses Effekts und seine Manipulierbarkeit durch kleinste Änderungen in der atomaren Umgebung bietet für die Zukunft vielversprechende Ansatzpunkte zur gezielten Einstellung verschiedener Quantenzustände.

Die Auszeichnung wird im März 2012 während der DPG-Jahrestagung in Berlin überreicht.


Georg-Kerschensteiner-Preis 2012

für Beiträge zur Didaktik und Schulphysik

OStR Christian Heilshorn
Gymnasium Raabeschule,  38124 Braunschweig


„Für die Konzeption, die Entwicklung und die Verbreitung des Grundschulprojekts "Physik für helle Köpfe". Das Projekt trägt in vielfacher Hinsicht zur Förderung des Nachwuchses in den naturwissenschaftlichen Fächern bei: Es bietet Grundschulkindern die Gelegenheit, durch eigenständiges Experimentieren die Themen "Licht" und "Akustik" aus physikalischer Sicht kennenzulernen. Dabei werden sie von Gymnasiasten der Jahrgangsstufen 8 bis 10 angeleitet und unterstützt, die gleichzeitig ihre Fähigkeiten zur Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte erproben. Das Projekt hat seit dem Jahre 2005 eine große Breitenwirkung in Niedersachsen erreicht, wo es von über 80 weiterführenden Schulen mit jeweils mehreren Grundschulen umgesetzt wird.“

Bild: http://www.raabeschule.de/schulinfos/schulgemeinschaft/kollegium

Christian Heilshorn (Jahrgang 1951) absolvierte sein Lehramtsstudium mit den Fächern Mathematik und Physik an der Technischen Universität Braunschweig. Seit 1980 unterrichtet er am Gymnasium Raabeschule und ist dort inzwischen Fachgruppenleiter, Sammlungsleiter und Mitglied des Schulvorstands.

Herr Heilshorn engagiert sich seit vielen Jahren für die Förderung des naturwissenschaftlichen Nachwuchses, insbesondere in der Physik. Herr Heilshorn ist Initiator des Grundschulprojekts „Physik für helle Köpfe“ (seit 2005) und auch des übergreifenden Projekts „ITECH³“. In dem Projekt „Physik für helle Köpfe“ werden Gymnasiasten der Jahrgangsstufen 9 und 10 als „Botschafter der Physik“ in Grundschulen entsendet. Die Grundschulkinder erhalten dabei die Gelegenheit, durch eigenständiges Experimentieren die Themen „Licht“ und „Akustik“ aus physikalischer Sicht kennen zu lernen. Dabei werden sie von den älteren Schülerinnen und Schülern angeleitet und unterstützt, die gleichzeitig ihre Präsentations- und sachbezogenen Kommunikationskompetenzen erproben und verbessern können. Dadurch wird bei den Grundschülern die Experimentierfreude geweckt, das selbständige Erforschen und Entdecken naturwissenschaftlicher Phänomene sowie das spielerische Suchen nach Gesetzmäßigkeiten gefördert. Über 80 weiterführende Schulen mit jeweils mehreren Grundschulen aus ihrem Einzugsgebiet setzen inzwischen dieses an der Raabeschule entwickelte Konzept um. Im Jahr 2009 wurde das Projekt in das bundesweite Netzwerk „Expedition Licht“ aufgenommen.

Sein persönliches Anliegen, Schülerinnen und Schüler für das Fach Physik zu begeistern, setzt Herr Heilshorn in beispielhafter Weise um, indem er neben einem interessanten Unterricht weitere naturwissenschaftliche Projekte initiiert, organisiert und durchführt, wie zum Beispiel ITECH³ (Informationstechnik von Schülern für Schüler), MINT (Kooperationsnetzwerk für mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Fächer) und Formel X (Kooperation zwischen Schulen, Industrie und Handwerk). Dadurch konnten die Kursanwahlen für das Leistungs- bzw. Schwerpunktfach Physik an seiner Schule auf einen beispielhaft hohen Wert gesteigert werden, der an kaum einer anderen Schule zu finden ist.

Die Auszeichnung wird im März 2012 während der DPG-Frühjahrstagung in Mainz überreicht.


Max-Born-Preis 2012

deutsch-britische Auszeichnung

Prof. Dr. Martin B. Plenio
Universität Ulm


„For his ground-breaking contributions to the theory of entanglement and its applications which have stimulated and guided the development of practical realisations of quantum information processing and the control of quantum dynamics.“

Bild: http://qubit-ulm.com/category/contact/

In den letzten Jahren hat sich an der Schnittstelle zwischen Computerwissenschaften, Elektrotechnik, Physik und Mathematik das interdisziplinäre Gebiet der Quanteninformationsverarbeitung etabliert. Abstrakte Konzepte, wie Information und Korrelation spielen hier eine wichtige Rolle. Insbesondere das Phänomen der quantenmechanischen Verschränkung, das zum ersten Mal von Erwin Schrödinger als die zentrale Eigenschaft eines Quantensystems identifiziert wurde, ist von zentraler Bedeutung. Verschränkung stellt eine neue Resource dar und macht Quantenrechner und Quantenkommunikation erst möglich. Inzwischen ist es zahlreichen Labors weltweit gelungen, verschiedenste quantenmechanische Systeme kontrolliert zu verschränken und deren Dynamik, nicht nur zu beobachten, sondern auch zu beeinflussen.

Professor Dr. Martin Bodo Plenio, der Preisträger des Max-Born-Preises und Medaille 2012, hat Pionierarbeiten zur Theorie der Verschränkung und deren Anwendungen verfasst, die das Gebiet der Quanteninformationsverarbeitung und die Kontrolle von Quantendynamik entscheidend vorangebracht haben. Aus der Fülle seiner wegweisenden Veröffentlichungen seien nur einige wenige erwähnt: So ist heute sein mathematischer Zugang, Verschränkung auf der Grundlage der quantenmechanischen Entropie zu quantifizieren, zentral in diesem Gebiet und jedes andere Maß von Verschränkung wird dagegen gemessen. Darüber hinaus sind seine Beiträge zur Vielteilchen-Verschränkung und deren Manipulation gerade für die Effizienz von Quantenkommunikation von Bedeutung. In den letzten Jahren hat Prof. Plenio sich mit Quanteneffekten in der Biologie beschäftigt. Insbesondere das äußerst komplexe Wechselspiel zwischen Rauschen und Kohärenz bei photosynthetischen Komplexen konnte von ihm und seiner Gruppe erklärt werden, wobei insbesondere die für die Quanteninformationsverarbeitung entwickelten Techniken zum Einsatz kommen. Besonders erwähnt werden sollte, dass Prof. Plenio eng mit Experimentalphysikern zusammenarbeitet, die seine Vorschläge direkt umsetzen.

Für seine wissenschaftlichen Leistungen ist Prof. Plenio wiederholt ausgezeichnet worden. So erhielt er 2004 die Maxwell Medal und Prize des Institute of Physics und im Jahr 2008 The Royal Society Paterson Lecture and Prize. Professor Plenio weist viele Gemeinsamkeiten mit Max Born auf. So hat Prof. Plenio an der Universität Göttingen promoviert und viele Jahre in Großbritannien geforscht.  

In seiner Zeit am Imperial College in London (1995 bis 2009) hat er eine äußerst aktive und international sichtbare Arbeitsgruppe geleitet. Im Jahre 2009 wurde ihm eine Alexander von Humboldt-Professur verliehen. Seitdem ist er an der Universität Ulm Humboldt Professor und Direktor des Instituts für Theoretische Physik. Er ist eine tragende Säule des gerade gegründeten Center for Integrated Quantum Science and Technology (IQst) zwischen den Universitäten Ulm und Stuttgart und dem Max-Planck Institut für Festkörperforschung.

Die Auszeichnung wird am 4. Oktober 2012 in London überreicht.


Gentner-Kastler-Preis 2012

deutsch-französische Auszeichnung

Prof. Jean-François Joanny
Physicochimie Curie Institut, Curie Section Recherche, Frankreich


„Für seine außergewöhnlichen Beiträge zur Theorie der Weichen Materie, insbesondere für seine Arbeiten in der Polymerphysik und der biologischen Physik“

Bild: http://umr168.curie.fr/en/profile/jean-francois-joanny-00169

Mit Jean-Francois Joanny wird ein theoretischer Physiker im Bereich der weichen Materie ausgezeichnet, dessen Forschungsschwerpunkte unterschiedliche Bereiche überdecken, die sich von der Kondensierten Materie über die Weiche Materie bis hin zur Biophysik erstrecken.

Herr Joanny hat zunächst die Ausbreitungsdynamik von Flüssigkeitstropfen und den Benetzungeigenschaften von Substraten untersucht und dort richtungsweisende Überlegungen zur Kontaktwinkelhysterese entwickelt.

In weiteren Arbeiten hat Herr Joanny die Theorie von Polymeren, insbesondere von geladenen Ketten (Polyelektrolyte und Polyampholyte) vorangetrieben. Seine mit Hilfe von Skalierungstheorien gemachten analytischen Vorhersagen haben nachfolgend große Beachtung gefunden. Es folgten weitere fundamentale Arbeiten zu Mischungen aus Kolloidkugeln und Polymerketten.

Später gelang Herrn Joanny der Brückenschlag zu biologischen Systemen. In letzter Zeit beschäftigt er sich vornehmlich mit biologisch-motivierten grundlegenden Fragestellungen und arbeitet stark interdisziplinär und breit mit Wissenschaftlern vor allem aus der Biologie, aber auch aus der Medizin und Chemie zusammen. Entscheidende Fortschritte gelangen in einem physikalischen Verständnis von aktiven Systemen, von der Zellendynamik bis hin zu molekularen Motoren.

Jean-Francois hat in Paris ein international einmaliges Zentrum aufgebaut, in welchem der Grenzbereich zwischen Physik und Biologie/Medizin untersucht wird. Von hier hat er mittlerweile eine internationale Schule begründet und pflegt viele internationale Kooperationen.

Mit der Verleihung des Gentner-Kastler-Preises an Jean-Francois Joanny werden seine wichtigen wissenschaftlichen Arbeiten aus dem Bereich der Weichen Materie und der Biophysik gewürdigt.

Die Auszeichnung wird im März 2012 während der DPG-Jahrestagung in Berlin überreicht.


Georg-Simon-Ohm-Preis 2012

für physikalische Technik

Dipl.-Ing. (FH) Christian Schnabel
Hochschule Mittweida (FH)


„Für seine Abschlussarbeit mit dem Titel „Entwicklung eines Beatmungsgerätes für die Total Liquid Ventilation kleiner Labortiere“.“

Bild: http://www.tu-dresden.de/medksm/schnabel.htm

Herr Christian Schnabel, Absolvent des Studiengangs Physikalische Technik, Studienrichtung Medizintechnik, der Hochschule Mittweida (FH), erhält den Georg-Simon-Ohm-Preis 2012 für seine Abschlussarbeit mit dem Titel "Entwicklung eines Beatmungsgerätes für die Total Liquid Ventilation kleiner Labortiere".

Herr Schnabel hat ein Beatmungsgerät für die vollständige Flüssigkeitsbeatmung kleiner Labortiere entwickelt und getestet. Die Arbeit zeichnet sich durch interdisziplinäre experimentell-präparative und simulative Entwicklungen mit besonderem Neuheitsgrad aus. Dies ist dokumentiert durch zwei Tagungsbeiträge und eine Patentanmeldung.

Die Abschlussarbeit wurde an der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden in der Arbeitsgruppe "Klinisches Sensoring und Monitoring" angefertigt und von Prof. Dr. R. Hinderer (Mittweida) und Prof. Dr. E. Koch (Dresden) betreut.

Numerische Strömungsmodelle der Lunge sind ein wesentliches Element für die Erforschung und Entwicklung protektiver Beatmungskonzepte. Zur Modellerstellung sind Kenntnisse der Geometrie der Lungenbläschen (Alveolen) und der Lungendynamik notwendig. Diese Information kann mit bisherigen intravitalmikroskopischen Verfahren nur unzureichend gewonnen werden.

Ziel der Abschlussarbeit war die Entwicklung und Evaluierung eines Beatmungsgerätes, welches die Flüssigkeitsbeatmung (TLV, Total Liquid Ventilation) und die mechanische Beatmung kleiner Labortiere erlaubt. Dazu wird die Lunge vollständig mit einer speziellen Flüssigkeit gefüllt. Die Atemgase lösen sich in der Flüssigkeit, die alternierend in die Lunge hinein und aus dieser wieder heraus gepumpt werden. Die Flüssigkeitsbefüllung der Lunge führt zur Brechungsindexanpassung, die eine bessere Bildgebung mittels Optischer Kohärenztomografie (OCT) ermöglicht. Dies liefert wichtige Eingangsgrößen für die numerische Modellierung der Lunge und kann, insbesondere bei schweren Lungenschädigungen, die Voraussetzung für eine verbesserte Therapie sein.

In der Abschlussarbeit hat Christian Schnabel mechanische und elektronische Bauelemente für den Aufbau des Beatmungsgerätes ausgewählt und beschafft, mechanische Komponenten dreidimensional konstruiert und realisiert, eine Elektronikschaltung entworfen und umgesetzt und die notwendige  Software entwickelt. Das System wurde vollständig aufgebaut und durch Testuntersuchungen an isolierten Oganen evaluiert. Eine Verbesserung der Eindringtiefe in OCT-Messungen gegenüber konventioneller Mikroskopie und die Reflexminderung bei TLV gegenüber Aufnahmen mit luftgefüllten Alveolen wurde prinzipiell nachgewiesen.

Die Ergebnisse seiner Abschlussarbeit wurden inzwischen auf der "Conference of the American Thoracic Society und der European Conference of Biomedical Optics" vorgestellt. Aus dieser Arbeit geht die Anmeldunge eines Patentes ("Vorrichtung und Verfahren zur Beatmung") hervor. Es laufen bereits Verhandlungen zur Kommerzialisierung des Beatmungsgerätes.

Herrn Schnabel überzeugt insbesondere durch seine sehr interdisziplinäre Ausrichtung (Physik, Medizin, Optik, Messtechnik und Regelungstechnik); beeindruckend ist die große Bandbreite durchgeführter Tätigkeiten und eingesetzter Verfahren (Experiment, Präparation, Simulation/Modellierung, Geräteentwicklung).

Die Auszeichnung wird im März 2012 während der DPG-Jahrestagung in Berlin überreicht.


Medaille für Naturwissenschaftliche Publizistik

Verliehen von der DPG für publizistische Leistungen, die zur Verbreitung naturwissenschaftlich-physikalischen Denkens im deutschsprachigen Raum in hervorragender Weise beitragen.

Physikanten & Co.

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft verleiht den "Physikanten & Co." die Medaille für Naturwissenschaftliche Publizistik für ihre einzigartige Art und Weise, Physik und Unterhaltung in verschiedenen Shows zu kombinieren, die Jung und Alt in der ganzen Republik und vielen anderen Ländern begeistern.

Bild: Physikanten & Co.

Die undotierte Auszeichnung beinhaltet eine Silbermedaille, die im November 2012 während des "Tag der DPG" überreicht wurde.


Schülerinnen- und Schülerpreis der DPG 2012

für herausragende Leistungen bei internationalen Physik-Wettbewerben

Dieser Preis wird in zwei Kategorien verliehen und geht an insgesamt zehn Schülerinnen und Schüler, die jeweils 500 Euro Preisgeld erhalten. Darunter sind auch Jugendliche, die ihre Schulzeit inzwischen abgeschlossen haben. Die Auszeichnung wird im März 2012 während der DPG-Jahrestagung in Berlin überreicht.

Internationale Physikolympiade

Die Preisträger:

Marcel Ernst vom Gymnasium Sulingen (Niedersachsen), (Gold)
Qiao Gu vom Johann-Vanotti-Gymnasium in Ehingen (Baden-Württemberg), (Silber)
Eugen Hruska vom Gymnasium Parsberg (Bayern), (Silber)
Philipp Schmitt vom Deutschorden-Gymnasium in Bad Mergentheim (Baden-Württemberg), (Silber)
Andreas Völklein vom Albertus-Magnus-Gymnasium in Regensburg (Bayern), (Silber)

„Die Verleihung erfolgt in Würdigung der Leistungen, die sie als Mitglied der deutschen Mannschaft bei der 42. Internationalen Physikolympiade in Bangkok / Thailand erreicht haben.“

Bild: Stefan Petersen

Physik als olympische Disziplin: Der „Schülerinnen- und Schülerpreis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft“ geht an fünf Jugendliche aus Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg für ihre erfolgreiche Teilnahme an der 42. Internationalen Physikolympiade. Bei diesem Wettbewerb, der im Juli 2011 in Bangkok, Thailand, stattfand, gewannen alle deutschen Teilnehmer eine Medaille.
 

Die Auszeichnung wird im März 2012 während der DPG-Jahrestagung in Berlin überreicht.

International Young Physicists' Tournament

Die Preisträger:

Felix Engelmann, Hohentengen-Günzkofen
Lorenz Eberhardt, Weil am Rhein
Marc Forstenhäusler, Ertingen
Michael Kern, Mittelbiberach
Patrick Paluch, Deggingen


„Die Verleihung erfolgt in Würdigung der Leistungen, die sie als Mitglied des deutschen Teams beim 24th International Young Physicists' Tournament (IYPT) in Teheran / Iran erreicht haben.“

Bild: Pro-Physik

Das Team erreichte einen sehr guten 3. Platz bei 21 teilnehmenden Nationen.

Betreut wurde das deutsche Team von zwei Förderzentren, die seit vielen Jahren junge Talente unterstützen: dem Schülerforschungszentrum Südwürttemberg in Bad Saulgau und dem Phænovum, Schülerforschungsnetzwerk Dreiländereck, in Lörrach.

Die Auszeichnung wird im März 2012 während der DPG-Jahrestagung in Berlin überreicht.



Dissertationspreis der Sektion Atome, Moleküle, Quantenoptik und Plasmen der DPG (Sektion-AMOP)

Die in der Sektion AMOP zusammengeschlossenen Fachverbände der DPG schreiben einen Dissertationspreis aus. Ziel des Preises ist die Anerkennung herausragender wissenschaftlicher Arbeit und deren exzellenter Darstellung in einem Vortrag.

Gemma De Las Cuevas


Der SAMOP-Dissertations-Preis 2012 geht an Dr. Gemma De Las Cuevas (Max-Planck-Institut für Quantenoptik, Garching) für ihre Dissertation „A Quantum Information Approach to Statistical Mechanics “, angefertigt am Institut für Theoretische Physik der Universität Innsbruck unter der Betreuung von Prof. Dr. Hans Jürgen Briegel.


Bild: privat

In ihrer Dissertation hat Frau Dr. De las Cuevas neue Zusammenhänge zwischen der Quanteninformationstheorie und Standardmodellen der Statistischen Physik aufgedeckt und systematisch erforscht. Letztere spielen eine wichtige Rolle als einfache Modellsysteme in verschiedenen Gebieten innerhalb und außerhalb der Physik, wie etwa im Bereich der neuronalen Netze oder der Ökonomie, aber auch in neueren Ansätzen zur Quantengravitation. Ein zentrales Ergebnis der vorliegenden Arbeit ist die Vereinheitlichung einer großen Klasse verschiedenartiger Spin-Modelle der Statistischen Physik – unter anderem das Ising- und Potts-Modell auf beliebigen Graphen – durch deren Reduktion auf ein einziges „vollständiges“ Modell, nämlich eine vierdimensionalen abelsche Gittereichtheorie mit Eichgruppe Z2.
Dr. De Las Cuevas erforscht derzeit als Postdoktorandin am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in der Abteilung von Prof. Dr. Ignacio Cirac die Physik von Vielteilchen-Quantensystemen, insbesondere entwickelt sie eine neue Darstellung derartiger Systeme in Form von Tensor-Netzwerken als Alternative zum Hilbert-Raum.

Dissertationspreis der Sektion kondensierte Materie (SKM)

Die in der SKM zusammengeschlossenen Fachverbände der DPG schreiben einen Dissertationspreis aus. Ziel des Preises ist die Anerkennung herausragender wissenschaftlicher Arbeit und deren exzellenter Darstellung in einem Vortrag.

Yan Zeng


Der SKM-Dissertations-Preis 2012 geht an Dr. Yan Zeng, jetzt North Carolina State University, für ihre Dissertation mit Thema “Structuring of colloidal dispersions in slit-pore confinement”, die sie im Jahr 2011 im Stranski-Laboratorium an der Technischen Universität Berlin angefertigt hat.


Bild: privat

Dr. Yan Zeng hat in ihrer Doktorarbeit den Einfluss einschränkender Geometrie auf die interne Ordnung kolloidaler Dispersionen untersucht. Dabei hat sie die Ordnungsparameter, die sie aus Kraftmessungen mit dem Colloidal Probe AFM gewonnen hat, mit denjenigen aus Kleinwinkelstreudaten an entsprechenden Volumenphasen verglichen. Die experimentellen Daten stimmen hervorragend mit Simulationsergebnissen überein. Frau Zeng konnte ihre Ergebnisse auf eine Reihe kolloidaler Systeme wie Suspensionen und mizellare Lösungen anwenden. Diese grundlegende Fragestellung der Kolloidwissenschaften sind wichtig für technische Anwendungen wie die Strukturbildung in Kanälen (lab on the chip) und in dünnen Filmen (Benetzungsfilme).

Henning Döscher


Der SKM-Dissertations-Preis 2012 geht an Dr. Henning Döscher, jetzt im Fachgebiet Photovoltaik, Institut für Physik, Technische Universität Ilmenau für seine Dissertation mit dem Thema Benchmarking surface signals when growing GaP on Si in CVD ambients, die er im Jahr 2010 am Institut Materialien für die Photovoltaik am Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie angefertigt hat.


Bild: privat

In seiner Dissertation untersuchte Dr. Henning Döscher die epitaktische Integration von III-V-Halbleitern auf Silizium. Das Wachstum dünner GaP-Schichten diente als Modellsystem für die Entstehung von Defekten an der kritischen III-V/Si(100)-Grenzfläche. Auf Basis optischer in-situ Messungen während der Gasphasenepitaxie entwickelte er ein neuartiges Verfahren zur Quantifizierung von Antiphasenunordnung in III-V-Schichten, die von der atomaren Struktur der Si(100)-Substratoberfläche abhängt. Mit den Methoden der Oberflächenphysik konnte er eine intensive Wechselwirkung mit dem Prozessgas nachweisen und die Ausbildung ungewöhnlicher Doppelstufen zeigen.

Dissertationspreis der Fachverbände Gravitation und Relativitätstheorie, Physik der Hadronen und Kerne, Teilchenphysik

Die genannten Fachverbände der DPG schreiben einen Dissertationspreis aus. Ziel des Preises ist die Anerkennung herausragender wissenschaftlicher Arbeit und deren exzellenter Darstellung in einem Vortrag.

Frank Schröder


Herr Dr. Frank Schröder erhält den Dissertationspreis der Fachverbände der Deutschen Physikalischen Gesellschaft Gravitations und Relativitätstheorie, Hadronen und Kerne sowie Teilchenphysik für seine Doktorarbeit "Instruments and Methods for the Radio Detection of High Energy Cosmic Rays".


Bild: privat

Die Arbeiten von Herrn Frank Schröder waren in das internationale Projekt LOPES am KIT sowie das Auger-Observatorium in Argentinien eingebunden und stellen einen erheblichen Fortschritt in Methodik und Verständnis des Radionachweis ausgedehnter Luftschauer dar. Neben der Entwicklung einer präzisen Zeitkalibrierung mittels des Einsatzes eines neuartigen Referenzsenders werden Vergleiche der Messdaten von LOPES mit Radioemissionsmodellen vorgenommen, was zu neuen Erkenntnissen hinsichtlich des physikalischen Emissionsmechanismus der Radiowellen führt. Darüber hinaus kann gezeigt werden, dass die Beobachtungsdaten durch eine konische Wellenfront besser beschrieben werden als unter der bisherigen Annahme einer kugelförmigen Ausbreitungsfront des Radiosignals.



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