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Preisträgerinnen und Preisträger 2007

Max-Planck-Medaille

Höchste DPG-Auszeichnung für Theoretische Physik

Prof. Dr. Joel L. Lebowitz
Rutgers University, Center for Mathematical Sciences Research
Piscataway, US-Bundesstaat New Jersey


„für seine bedeutenden Beiträge zur statistischen Physik der Gleichgewichts- und Nicht-Gleichgewichtssysteme, insbesondere für seine Beiträge zur Theorie der Phasenübergänge, der Dynamik unendlicher Systeme und der stationären Zustände im Nicht-Gleichgewicht. Ferner wird er dafür gewürdigt, dass er an vorderster Front neue Strömungen des Fachs gefördert und mit großer Begeisterung mehrere Generationen von Wissenschaftlern an das Gebiet herangeführt hat.“


Bild: Rutgers University

Physik der vielen Teilchen: Joel Lebowitz, 1930 in der ehemaligen Tschechoslowakei geboren, erhält die Auszeichnung für sein Lebenswerk. Lebowitz hat sich im Laufe seiner Forscherkarriere mit grundlegenden Themen der statistischen Physik befasst. Dazu gehören der Wärmetransport, der Magnetismus und Fragen der Hydrodynamik. Auch mit dem Phänomen des „Zeitpfeils“ hat sich Lebowitz auseinandergesetzt. Hier geht es darum, wieso die Zeit stets voranschreitet und physikalische Prozesse generell nur in eine Richtung verlaufen. All diese Arbeiten betreffen das weiträumige Gebiet der statistischen Physik. Sie hat das Ziel, die makroskopischen Eigenschaften von Vielteilchen-Systemen – wie den Druck eines Gases oder die Magnetisierung eines Festkörpers – auf mikroskopische (atomare) Gesetzmäßigkeiten zurückzuführen.

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  • Diese Auszeichnung besteht aus einer Goldmedaille.
  • Verleihung im März 2007 während der zentralen Jahrestagung der DPG in Regensburg

Stern-Gerlach-Medaille

Höchste DPG-Auszeichnung für Experimentelle Physik

Prof. Dr. Peter Grünberg
Forschungszentrum Jülich, Institut für Festkörperforschung


„in Würdigung seiner Entdeckung der Austauschkopplung in magnetischen Schichtsystemen und dem Riesenmagnetowiderstand. Diese Arbeiten initiierten das Forschungsgebiet Spinelektronik und führten zu revolutionären Fortschritten im Bereich der Magnetspeicher“


Bild: FZ Jülich

Speicherriesen: Peter Grünberg (Jahrgang 1939) erhält die Auszeichnung für seine Arbeiten über magnetische Schichtsysteme, insbesondere für die Entdeckung des Riesenmagnetowiderstands. Seine Forschungsergebnisse setzten eine Revolution im Bereich der Magnetspeicher in Gang, die bis heute andauert.
Dass Computer-Festplatten mit jeder neuen Generation immer mehr Bits und Bytes aufnehmen, geht auf verschiedene Entwicklungen zurück: Einerseits gelingt es, die Information immer dichter, also in Gestalt immer kleinerer magnetischer Strukturen auf die Datenträger zu packen. Andererseits werden immer empfindlichere Sensoren konstruiert, die das schwache Magnetfeld der winzigen Informationsblöcke erfassen können. Derartige Leseköpfe beruhen maßgeblich auf dem „Riesenmagnetowiderstand“, der 1988 von Peter Grünberg in Jülich und davon unabhängig von Albert Fert in Paris entdeckt wurde. Das auch als „Giant Magnetoresistance“ (GMR) bekannte Phänomen zeigt sich in Festkörpermaterialien, deren Aufbau einem Schichtkuchen ähnelt. Metalle wie Eisen und Kupfer sind dabei in enger Folge übereinander gestapelt. Der Clou: Ein solches Schichtsystem reagiert auf winzige Schwankungen eines Magnetfeldes mit einer drastischen Änderung des elektrischen Widerstands, was ein deutliches Messsignal hervorruft. Ein mit GMR-Technik ausgestatteter Lesekopf ist deshalb in der Lage, feinste Nuancen im magnetischen Muster einer Festplatte und somit kleinste Datenstrukturen zu erkennen.
Eine wesentliche Rolle spielt beim Riesenmagnetowiderstand der so genannte „Spin“ – der Drall der durch das Schichtsystem huschenden Elektronen. Die Erkenntnis über dessen Bedeutung für elektronische Transportphänomene führte inzwischen zur boomenden Disziplin der „Spintronik“. Und so arbeiten heute, rund zwanzig Jahre nach Grünbergs Entdeckung, Forscher aus aller Welt an Computer-Bauteilen, die den Spin des Elektrons zum Speichern und Verarbeiten digitaler Daten nutzen.

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  • Diese Auszeichnung besteht aus einer Goldmedaille.
  • Verleihung im März 2007 während der zentralen Jahrestagung der DPG in Regensburg

Gustav-Hertz-Preis

Für herausragende junge Physikerinnen und Physiker

Jun.-Prof. Dr. Matias Bargheer
Max-Born-Institut Berlin & Universität Potsdam, Institut für Physik


„Herr Matias Bargheer hat wesentliche Beiträge für die Entwicklung der Röntgen-Beugung im Femtosekunden-Bereich geleistet und mit dieser Methode kohärente Phononenoszillationen in Echtzeit beobachtet. Ihm gelang damit die Aufklärung der lange kontrovers diskutierten Anregungsmechanismen von optischen Phononen in Halbleiter-Übergittern.“


Bild: Uni Potsdam

Hochgeschwindigkeitsphysik: Matias Bargheer, 1972 im westfälischen Münster geboren, wird für seine Arbeiten über ultraschnelle Phänomene in Festkörpern ausgezeichnet. Mit Hilfe von Röntgenstrahlen gelang es ihm beispielsweise die Schwingungen von Atomen – im Fachjargon „Phononen“ genannt – in Halbleitermaterialien zu verfolgen. Solche Prozesse geschehen auf einer Zeitskala von Femtosekunden. Eine Femtosekunde ist der millionste Teil einer Milliardstelsekunde.


Robert-Wichard-Pohl-Preis

Für herausragende fachübergreifende Forschung

Prof. Dr. Dieter Meschede
Universität Bonn, Institut für Angewandte Physik


„für seine langjährige innovative und international anerkannte wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der optischen Atom- und Molekülphysik und gegenwärtig der Quanteninformationsverarbeitung. Herr Meschede hat Pionierarbeiten zum Ein-Atom-Maser, zur Resonator-Quantenelektrodynamik, zur Manipulation einzelner kalter Atome und zur Atomlithographie geleistet. Darüber hinaus hat er sich vielfältig erfolgreich engagiert, physikalisches Wissen mit Lehrbüchern zu vermitteln und die breite Öffentlichkeit für die Physik zu begeistern.“


Bild: Uni Bonn

Atome, Quanten, Klassiker: Dieter Meschede, 1954 im Emsland geboren, hat sich im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte mit unterschiedlichsten Fragen der Atom-, Molekül- und Quantenphysik befasst. In jüngster Zeit präsentierte seine Arbeitsgruppe ein besonders spektakuläres Ergebnis: ein Förderband aus Licht, das einzelne Atome mit Hilfe von Laserstrahlen sortiert und fortbewegt – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Quantencomputer, der für seine Berechnungen Atome als Rechenwerk nutzen könnte. Die Atomlithographie ist ein weiteres Element aus Meschede Repertoire. Hier geht es darum, Werkstoffoberflächen mit Hilfe fein dosierter Atomstrahlen auf Millionstel Millimeter genau zu strukturieren. Diese Methode der Nanofabrikation ist für die Halbleiterindustrie von höchstem Interesse. Darüber hinaus hat sich Dieter Meschede stets dafür eingesetzt, physikalische Erkenntnisse an die Öffentlichkeit, insbesondere an junge Menschen weiter zu geben. Dafür beispielhaft ist seine Tätigkeit als Herausgeber des Lehrbuchklassikers „Gerthsen“ und sein Engagement beim „Jahr der Physik 2000“.


Walter-Schottky-Preis

Nachwuchspreis für herausragende Beiträge zur Physik der kondensierten Materie

Prof. Dr. Jonathan J. Finley
Technische Universität München, Walter Schottky Institut


„für seine bahnbrechenden Arbeiten zur Speicherung und Kontrolle von Elektronenspin in Halbleiterquantenpunkten.“


Bild: TU München

Die Computer von übermorgen: Jonathan Finley wurde 1972 in England geboren und studierte Physik in Manchester und Sheffield. Seit Juni 2003 ist er Professor an der TU München. Im Fokus seiner Arbeit stehen neuartige Halbleiterbauelemente. So genannte Quantenpunkte, mit denen sich Finley befasst, könnten zentrale Bauteile künftiger Quantencomputer sein, von denen sich Forscher enorme Rechenleistungen erhoffen.

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  • Diese Auszeichnung ist mit 15.000 Euro dotiert.
  • Verleihung im März 2007 während der zentralen Jahrestagung der DPG in Regensburg

Hertha-Sponer-Preis

Für herausragende Physikerinnen

Dr. Christine Silberhorn
Universität Erlangen-Nürnberg / Institut für Optik, Information und Photonik


„für ihre wegweisenden Arbeiten zur Quantenkommunikation mit kontinuierlichen Variablen.”


Bild: Uni Erlangen-Nürnberg

Licht und Kommunikation: Christine Silberhorn hatte in den ersten Jahren an der Universität den Beruf der Gymnasiallehrerin vor Augen. Erst nach dem erfolgreichen ersten Staatsexamen in den Fächern Physik und Mathematik wechselte sie in die physikalische Grundlagenforschung. Heute ist die 32-Jährige bundesweit eine der wenigen Nachwuchswissenschaftlerinnen an der Spitze einer Max-Planck-Forschungsgruppe. Seit 2005 leitet Silberhorn die Gruppe „Integrierte Quantenoptik“ an der Universität Erlangen-Nürnberg. Dort befasst sie sich mit den Eigenheiten des Lichts – insbesondere mit der Frage, wie sich einzelne Lichtquanten für die Datenübertragung nutzen lassen.


Georg-Simon-Ohm-Preis

Für herausragende Fachhochschulabsolventen

Stephanie Tümmel, Dipl.-Ing. (FH) Physiktechnik
Absolventin der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen (HAWK)


„für ihre grundlegenden Untersuchungen zur Anwendung eines dielektrisch behinderten Plasmas auf die menschlichen Fingernägel zur Verbesserung der Haftfähigkeit der Nagellacke von Naturkosmetik-Firmen“


Bild: privat

Physik und Schönheitspflege: Stephanie Tümmel wird für ihre Diplomarbeit ausgezeichnet, in der sie die Plasmabehandlung von Fuß- und Fingernägeln untersuchte. Damit erweiterte sie das Einsatzspektrum von Plasma – einem gasähnlichen Gemisch aus Elektronen und geladen Atomen, das üblicherweise zur Sterilisation und zur Behandlung von Werkstoffen eingesetzt wird – auf den Bereich der Kosmetik. Mit einem eigens von ihr entwickelten Plasma-Generator stellte sie fest, dass eine Vorbehandlung der Nägel deren Lackierung verbessert: Das Plasma reinigt die Nägel und reichert ihre Oberfläche mit Sauerstoff an, wodurch der Nagellack besser haftet. Dies gilt insbesondere für Bio-Lacke auf Alkoholbasis. Das neuartige Verfahren ist völlig ungefährlich und wurde inzwischen zum Patent angemeldet. Zurzeit belegt Stephanie Tümmel an der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen den weiterführenden Studiengang „Master of Science – Optical Engineering“.

  • Diese Auszeichnung ist mit 1.500 Euro dotiert.
  • Verleihung im März 2007 während der DPG-Tagung in Düsseldorf

Max-Born-Preis

Auszeichnung der DPG und des britischen Institute of Physics für herausragende Beiträge
zur Physik

Prof. Dr. Alan D. Martin, Emeritus
University of Durham (UK), Department of Physics


„für seine Pionierarbeit über die Starke Wechselwirkung, insbesondere für seine theoretischen Arbeiten zur inneren Struktur des Protons”


Bild: University of Durham

Was die Welt zusammenhält: Alan Martin erhält die Auszeichnung für seine Beiträge zur Theorie der Elementarteilchen. Der 1937 geborene Brite hat sich im Zuge seines Forscherlebens insbesondere der „Starken Wechselwirkung“ angenommen. Diese grundlegende Naturkraft wirkt wie ein Klebstoff, der die Bestandteile der Atomkerne – Protonen und Neutronen – aneinanderschweißt und auch das Geschehen im Inneren der Kernbausteine bestimmt. Maßgeblich beteiligt war Martin unter anderem an der Auswertung der Experimente über den Aufbau des Protons, die während der 1990er Jahre am Hamburger Forschungszentrum DESY durchgeführt wurden. Deren Ergebnisse sind in den Entwurf des Beschleunigers LHC eingeflossen, der zurzeit in Genf entsteht.

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  • Diese Auszeichnung beinhaltet eine Silbermedaille und ist mit 1.000 Euro dotiert.
  • Verleihung im März 2007 während der DPG-Tagung in Heidelberg

Marian-Smoluchowski-Emil-Warburg-Physikpreis 2007

deutsch-polnische Auszeichnung

Prof. Dr. Andrzej Jerzy Buras
Technische Universität, München


"Für seine herausragenden Beiträge zum Verständnis des Einflusses der starken Wechselwirkung auf Prozesse der schwachen Wechselwirkung"


Bild: Wenzel Schürmann,TUM

Prof. Dr. Andrzej Jerzy Buras, Ordinarius für Theoretische Elementarteilchenphysik der Technischen Universität München, wurde "in Würdigung seiner herausragenden Beiträge zum Verständnis des Einflusses der starken Wechselwirkung auf Prozesse der schwachen Wechselwirkung" mit dem Marian Smoluchowski - Emil Warburg Physik Preis ausgezeichnet. Der Preis wird gemeinsam von der Polnischen Physikalischen Gesellschaft und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Erinnerung an das Wirken von Marian Smoluchowski in Polen und Emil Warburg in Deutschland verliehen.
Andrzej Buras (60) wurde in Warschau geboren und emigrierte 1971 nach Dänemark, wo er am Niels-Bohr-Institut promovierte. Nach wissenschaftlichen Wanderjahren am CERN, Fermilab und SLAC wechselte er 1982 in die Theoriegruppe am Max-Planck-Institut für Physik in München. Ende 1988 nahm er einen Ruf an die TU München an. Andrzej Buras ist einer der führenden Theoretiker auf dem Gebiet der angewandten Quantenfeldtheorie. Derzeit führt er Arbeiten zu Tests des Standardmodells und alternativen Vorschlägen im Rahmen der Supersymmetrie, Little Higgs Modellen und Modellen mit extra Raumdimensionen durch.

Dieser Preis wird gemeinsam von der DPG und der Polnischen Physikalischen Gesellschaft alle zwei Jahre abwechselnd an deutsche beziehungsweise an polnische Physikerinnen und Physiker verliehen.


Otto-Hahn-Preis

Gemeinsamer Preis der Stadt Frankfurt am Main, der GDCh (im Zusammenwirken mit dem Deutschen Zentralausschuss für Chemie e. V.) und der DPG.

Professor Dr. Dr. h.c. mult. Gerhard Ertl

Bild: Max-Planck-Gesellschaft

Mit viel Tiefe die Oberflächen ergründet: Frankfurt am Main, 1. November 2007 - In einem Festakt in der Frankfurter Paulskirche wird am 27. November 2007 Professor Dr. Dr. h.c. mult. Gerhard Ertl, früherer Direktor am Fritz-Haber-Institut (FHI) der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin, mit dem Otto-Hahn-Preis ausgezeichnet. Der Otto-Hahn-Preis, gemeinsam getragen von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und der Stadt Frankfurt, ist mit 50.000 Euro einer der höchst dotierten Wissenschaftspreise Deutschlands. Ertl, ursprünglich Physiker, hat ein Kerngebiet der Chemie, die Katalyse, grundlegend fortentwickelt.

Auf ihrer Sitzung am 17. April 2007 hatte die GDCh-Auswahlkommission für den Otto-Hahn-Preis beschlossen, Gerhard Ertl für den Otto-Hahn-Preis 2007 vorzuschlagen. GDCh-Geschäftsführer Professor Dr. Wolfram Koch teilte dies der Vorsitzenden, Frankfurts Oberbürgermeisterin Dr. h.c. Petra Roth, und den Mitgliedern des Kuratoriums des Otto-Hahn-Preises mit und betonte, dass die GDCh mit großem Nachdruck die Verleihung des Otto-Hahn-Preises an Gerhard Ertl befürworten würde. Das Kuratorium einigte sich darauf hin im Juni auf Ertl als Preisträger. Ertl, der die Verleihung des Otto-Hahn-Preis als die „Krönung eines Chemikers in unserem Lande“ bezeichnete, wird für seine bahnbrechenden Untersuchungen zur Aufklärung der Elementarschritte heterogen katalysierter Reaktionen auf festen Oberflächen ausgezeichnet. Dass ihm am 10. Oktober 2007 durch die Schwedische Akademie der Wissenschaften auch der Nobelpreis für Chemie für seine „Studien zu chemischen Vorgängen an festen Oberflächen“ zuerkannt wurde, dokumentiert eindrücklich die Relevanz des Themas Katalyse und die zentrale Bedeutung von Ertls Arbeiten. Der Nobelpreis wird Ertl am 10. Dezember verliehen.Bereits in den zurückliegenden Jahren hatte die GDCh immer wieder Anlass, Ertl für seine wissenschaftlichen Leistungen zu ehren. „Ihr Vorwärtsdrängen ist nie versiegt, Ihre immer neuen Erkenntnisse riefen wieder und wieder große Bewunderung hervor, nie ist Ihre Forscherleidenschaft erlahmt. Die Anerkennung und der Respekt der Fachwelt werden nun gekrönt mit der Verleihung des Otto-Hahn-Preises und des Nobelpreises für Chemie“, würdigte GDCh-Präsident Professor Dr. Dieter Jahn den Preisträger, der von 1990 bis 1993 auch Mitglied des GDCh-Vorstands war.

Die bedeutendsten Auszeichnungen, die Ertl bislang von der GDCh erhalten hat, sind die Liebig-Denkmünze im Jahr 1987 und der Karl-Ziegler-Preis 1998. In der Urkunde zur Verleihung der Liebig-Denkmünze heißt es, dass Ertl die Auszeichnung „für seine hervorragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Oberflächenchemie, die international große Beachtung und Anerkennung gefunden haben“ erhalte. Und weiter: „Die detaillierte Kenntnis der Wechselwirkung von Reaktionspartnern mit Metall- oder Halbleiter-Einkristallflächen, die originelle Anwendung der verschiedenen spektroskopischen Methoden und jüngste Ergebnisse über dynamische Vorgänge an Grenzflächen, haben den Mechanismus fundamentaler katalytischer Prozesse geklärt. Mit der Breite seiner Interessen und der Tiefe im theoretischen Verständnis spannt sich der Bogen von der Oberflächenphysik über weite Bereiche der physikalischen Chemie bis zur heterogenen Katalyse technischer Synthesen.“

Charakteristisch für den wissenschaftlichen Werdegang Ertls, der 1936 in Stuttgart geboren wurde und dort 1955 das Studium der Physik aufnahm, sind seine Vielseitigkeit, seine Flexibilität und sehr früh erwachende Selbstständigkeit. Je ein Jahr seines Studiums verbrachte er in Paris und München, seine Diplomarbeit fertigte er dann wieder in Stuttgart an. Seinem Lehrer, Professor Dr. Heinz Gerischer, folgte Ertl nach München, wo er promovierte. Seine Habilitation für Physikalische Chemie an der TU München erfolgte bereits zwei Jahre später mit einer Arbeit über „Untersuchungen von Oberflächen, Strukturen und Reaktionen mittels Beugung langsamer Elektronen“. 1968, also mit 32 Jahren, wurde Ertl Nachfolger von Professor Dr. Georg Maria Schwab an der Universität München. Nach Gastprofessuren in Milwaukee, Pasadena und Berkeley lehnte er 1983 einen Ruf nach Santa Barbara ab. 1986 wurde er Nachfolger von Gerischer am Fritz-Haber-Institut in Berlin. Seine Emeritierung erfolgte 2004.

Der Festakt in der Paulskirche wird von Frau Roth am 27. November um 18 Uhr eröffnet. Nach einer Ansprache des GDCh-Präsidenten wird Professor Dr. Drs. h.c. Helmut Schwarz, Institut für Chemie an der TU Berlin, selbst vielfach ausgezeichneter Chemiker und designierter Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, in seiner Laudatio das Lebenswerk Ertls würdigen.

Ertl ist nach Professor Dr. Theodor Hänsch, dem nach seiner Nominierung 2005 für den Otto-Hahn-Preis der Physik-Nobelpreis 2005 zuerkannt wurde, der zweite Wissenschaftler, der mit dem gemeinsam getragenen Otto-Hahn-Preis ausgezeichnet wird. Die GDCh und die DPG hatten ihren Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik im Juni 2005 mit dem Otto-Hahn-Preis der Stadt Frankfurt verschmolzen. GDCh und DPG verliehen ihren Preis von 1955 bis 2003 insgesamt 13 Mal, die Stadt Frankfurt zeichnete seit 1969 15 Persönlichkeiten aus. Die Stadt hatte den Preis zum 90. Geburtstag des in Frankfurt geborenen Chemikers Professor Dr. Otto Hahn (1879 bis 1968, Nobelpreis für Chemie 1944) eingerichtet.


Medaille für Naturwissenschaftliche Publizistik

Verliehen von der DPG für publizistische Leistungen, die zur Verbreitung naturwissenschaftlich-physikalischen Denkens im deutschsprachigen Raum in hervorragender Weise beitragen.

PD Dr. Axel Carl und
Professor Dr. Eberhard Wassermann


„für ihre herausragenden Verdienste, die Faszination der Physik einer breiten Öffentlichkeit zu erschließen. Sie haben über Jahre hinweg Wissenschaftsshows, Vorträge, Ausstellungen und Schülerwettbewerbe, insbesondere im Rahmen der im Jahre 2001 vom BMBF ins Leben gerufenen „Highlights der Physik“-Serie organisiert und durchgeführt und so beim interessierten Laien die Neugier auf aktuelle Wissenschaftsthemen geweckt. In liebevoll vorbereiteten Veranstaltungen haben Herr Carl und Herr Wassermann die Menschen direkt an die physikalischen Phänomene herangeführt und ihre Begeisterung entflammt. Dadurch haben sie maßgeblich dazu beigetragen, dass die Öffentlichkeit Physik als grundlegende Naturwissenschaft immer mehr wahrnimmt und schätzt.“


Bild: Matthias Offer

Eberhard Wassermann ist emeritierter Professor für Experimentalphysik an der Universität Duisburg-Essen. Als Spezialist für magnetische Materialien ist er Vorsitzender der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft „Magnetismus“. Als Öffentlichkeitsarbeiter in Sachen Physik engagiert sich Wassermann bei den „Highlights der Physik“, zudem ist er Mitglied des Kuratoriums des Informationsportals www.welt-der-physik.de. Die Website war als bestes deutsches Wissenschaftsportal für den diesjährigen „World Summit Award“ nominiert – einer Auszeichnung der weltbesten Internet-Angebote.

Dr. Axel Carl hat sich mit einer Arbeit über magnetische Nanostrukturen habilitiert. Inzwischen ist er als wissenschaftlicher Berater tätig. In diesem Zusammenhang organisiert er auch Schülerwettbewerbe und Festivals, die sich mit Naturwissenschaft und Technik befassen. Neben seinem Engagement für die „Highlights der Physik“ ist Axel Carl unterer anderem auch für das Mannheimer Wissenschaftsfestival „explore science“ tätig.

Die Auszeichnung besteht aus:
  • einer silbernen Medaille
  • einer Urkunde

DPG-Schülerpreis 2007

Für herausragende Leistungen bei internationalen Physik-Wettbewerben

  • Dotierung: 500 Euro für jede Preisträgerin bzw. für jeden Preisträger
  • Verleihung: im März auf der der Jahrestagung der DPG in München

Dieser Preis wird in zwei Kategorien verliehen:

Internationale Physikolympiade



Die Preisträger von links nach rechts (Bild: G. Friege):

Erik Panzer (Gold-Medaille bei der Physikolympiade), Max-Steenbeck-Gymnasium, Cottbus
Alexandru Dafinca (Bronze-Medaille), Carl-Schurz-Gymnasium, Frankfurt/Main
Bastian Hacker (Silber-Medaille), Gymnasium Stein, Roßtal (Bayern)
Thorsten Wahl (Bronze-Medaille), Asperg (Baden-Württemberg)
Pavel Zorin (Gold-Medaille), Gymnasium Hechingen (Baden-Württemberg)

„Die Verleihung erfolgt in Würdigung der Leistungen, die sie als Mitglied der deutschen Mannschaft bei der 37. Internationalen Physikolympiade in Singapur erreicht haben.“

Olympiade der Physiker: Die internationale Physikolympiade findet alljährlich statt. Es ist ein Einzelwettbewerb, der eine theoretische und eine experimentelle Klausur umfasst. Bei der bisher letzten Ausgabe (im Juli 2006 in Singapur) gewannen alle deutschen Teilnehmer eine Medaille.

Betreuer:
Dr. Gunnar Friege, Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (Uni Kiel)
Dr. Klaus Mie, Kiel

International Young Physicists' Tournament



Die Preisträger von links nach rechts (Bild: R. Lehn):

Igor Gotlibovych (Teamleiter der dt. Mannschaft), Maria-Theresia-Gymnasium, München
Bledar Fazlija, Technisches Gymnasium Sigmaringen (Baden-Württemberg)
Benedikt Stegmaier, Kreisgymnasium Riedlingen (Baden-Württemberg)
Olaf Merkert, Hans-Thoma-Gymnasium, Lörrach (Baden-Württemberg)
Kerstin Weller, Hans-Thoma-Gymnasium, Lörrach (Baden-Württemberg)

„Die Verleihung erfolgt in Würdigung der Leistungen, die sie als Mitglied des deutschen Teams beim 19th International Young Physicists' Tournament (IYPT 2006) in Bratislava in der Slowakei erbracht haben."

Physik-Weltcup: Dieses Team wurde im Sommer 2006 Vizemeister beim „International Young Physicists' Tournament“, das auch als „Physik-Weltcup“ bekannt ist: Es handelt sich um einen jährlichen Mannschaftswettbewerb mit Jugendlichen aus aller Welt. Während der monatelangen Vorbereitung auf das Turnier, das in diesem Jahr in der Slowakei stattfand, bearbeiteten alle Teilnehmer 17 physikalisch-technische Aufgaben. Die Ergebnisse dieser Forschungsprojekte wurden dann beim Wettkampf in Bratislava vorgestellt.

Betreuer:
Bernd Kretschmer, Studiendirektor am Hans-Thoma-Gymnasium Lörrach
Rudolf Lehn, Studiendirektor am Störck-Gymnasium und Leiter des Schülerforschungszentrums Südwürttemberg

 
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