Physiker-Stammtisch: Professor gibt Tipps zu Studium und Beruf
Artikel im General Anzeiger Bonn, 10.06.2008, Rubrik "Alma Mater", Seite 13
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| Vorführungen im Labor: Professor Karl Maier und Physikstudent Alexander Heinrich bei den Vorbereitungen. Foto: Lannert |
Von Thomas Thiel
Bonn. Die Versuchsanordnung klingt simpel: Kleine Kupferplättchen sollen so lange hin und her gebogen werden, bis sie brechen. Während Professor Karl Maier die Herausforderung mit wenigen beherzten Griffen schnell löst, scheitern die zwanzig Physikstudenten kläglich.
Nachdem Maier die vor Anstrengung leicht erröteten Köpfe und die einfallsreichen, aber wirkungslosen Dreh-, Knick- und Biegetechniken einige Zeit amüsiert beobachtet hat, erlöst er seine Mitstreiter: Mit einem verschmitzten Lächeln verrät der Physiker, dass sein Plättchen nur halb so dick ist wie die ihrigen. Während seines unter dem Druck bricht, werden die dickeren Plättchen durch das Biegen geknautscht und versteifen dadurch nur noch mehr.
Dieses anschauliche Experiment zeigt Maier beim ersten Physiker-Stammtisch, den die "junge Deutsche Physikalische Gesellschaft" (jDPG) im Helmholtz-Institut der Universität Bonn an der Nussallee organisiert hat. Maier ist eingeladen, den Nachwuchsphysikern von seinem Werdegang zu erzählen und seine Forschungsarbeit vorzustellen. Der 62-jährige Physiker betreibt unter anderem Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Schadensvorhersage.
Seine Forschungsergebnisse zur Analyse von Verschleißerscheinungen verschiedener Materialien flossen etwa in die Entwicklung des Airbus A380 mit ein. Aus diesem Themenfeld stammte auch der Scherz mit den Kupferplättchen. Maier gibt in der entspannten Atmosphäre des Stammtisches kleine Anekdoten aus seinem langen Arbeitsleben zum Besten und vermittelt den Studenten aus erster Hand Erfahrungen aus dem Forschungsalltag eines Physikers. Sein Kardinaltipp für ein erfolgreiches Forscherleben: "Man muss sich seine Neugier bewahren."
Wissenschaftler dürften nie aufhören, über den Tellerrand der eigenen Gedankenwelt zu schauen. Schließlich steht Maier den Studenten bei Fragen rund ums Studium und die Diplomarbeit Rede und Antwort. Sabine Undorf, Physikstudentin im zweiten Semester, nimmt nach drei Stunden viele positive Eindrücke mit nach Hause: "Ich fand es hochinteressant, mit einem Professor einmal außerhalb der offiziellen Atmosphäre einer Vorlesung oder eines Seminars sprechen zu können." Von einem so erfahrenen Forscher Tipps zu Studium und Beruf zu bekommen, sei sehr wichtig.
Genau das ist auch das Hauptziel des Organisators des Stammtisches der jDPG: "Wir wollen jungen Physikern im Studium und bei der Berufswahl mit Rat und Tat zur Seite stehen", sagt Alexander Heinrich. Der 22-jährige Physikstudent ist der Kopf der Bonner Gruppe und zugleich Bundessprecher der Jugendorganisation der DPG, des Zentralorgans der deutschen Physiker. Das Programm der Mutterorganisation sei oft auf einem zu hohen wissenschaftlichen Niveau für Studienanfänger, so Heinrich. "Bei uns hingegen gibt es ein Angebot von Studenten für Studenten."
Höhepunkt des jährlichen Programms ist die große Sommerexkursion, bei der Physikstudenten aus ganz Deutschland für eine Woche in eine Stadt reisen und dort Wissenschaftsinstitute und potenzielle Arbeitgeber besuchen. Die jDPG wurde 2005 gegründet und hat inzwischen dreizehn Regionalgruppen in Unistädten aufgebaut. Bonn ist seit der ersten Stunde mit dabei: Die hiesige Regionalgruppe ist die zweitälteste, in ihr engagieren sich momentan vierzehn aktive Mitglieder. Die Expansionsphase ist jedoch noch lange nicht abgeschlossen.
Sowohl in Bonn als auch bundesweit will die jDPG die Möglichkeiten der Studenten verbessern, Kontakt mit der Forschungsgemeinschaft aufzunehmen. "Wir wollen ein Netzwerk aufbauen, mit dessen Hilfe sich die Studenten etwa über Auslandssemester und Diplomarbeiten austauschen können", erklärt Heinrich. Der Physiker-Stammtisch findet jeden ersten Montag im Monat statt.

