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Physikstudium und dann?

Unterschiedliche Karrierewege von renommierten Referenten eröffnen angehenden Absolventen frühzeitig Einblick in die Vielfalt der (teilweise unerwarteten) Einsatzgebiete für Physiker. Persönliche Vitae zeigen mögliche Umwege auf und vermitteln die Kenntnis notwendiger, unumgänglicher Zusatzqualifikationen für berufliche Spitzenpositionen und persönlichen Erfolg. Die neu ins Leben gerufenen Berufsvorbereitungsseminare der jDPG möchten genau dies bieten: Meinungsbildung und Perspektivfindung durch persönlichen Kontakt mit im Berufsleben stehenden Physikern. Zum ersten Seminar dieser Art sind 20 Studentinnen und Studenten sowie vier erfahrene Physiker Ende November nach Jena gekommen.

Herr Prof. Ludwig Schultz, wissenschaftlicher Leiter des IFW Dresden, gab Einblick in eine mögliche wissenschaftliche Laufbahn als erfolgreicher Hochschullehrer: nach Studium und Promotion führte es ihn als Postdoc zu IBM in den USA, nach seiner Rückkehr nach Deutschland begann er bei Siemens in Erlangen in der dortigen Halbleiterforschung. Trotz seiner Tätigkeit im Unternehmen, blieb er in intensivem Kontakt zur Wissenschaft und erhielt u.a. einen Ruf nach Dresden. Der Wechsel aus der Industrie zurück in die Wissenschaft ist, so Prof. Schultz, recht selten und heute wohl nahezu unmöglich, da die Industrie kaum noch Grundlagenforschung betreibt. Doch gerade in seiner Position als Leiter eines Großforschungsinstituts hat Prof. Schultz enorm von den in der Wirtschaft erlangten Führungsqualitäten profitiert, da er neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftler u.a. auch für die nationale wie internationale Einbindung des Instituts in die Wissenschaftscommunity verantwortlich ist.

Einen Weg den man bei einem Physiker eher weniger erwartet, ist Dr. Lutz Schröter gegangen. Nach seiner Promotion als Berater beim VDI tätig, betrieb er im Auftrag von Unternehmen Technologiescreening. Neben technischen Fragestellungen faszinierten ihn die wirtschaftlichen Aspekte seiner Aufgabe, sodass Herr Dr. Schröter beschloss, sich in diese Richtung weiterzuentwickeln. Derzeit ist Herr Dr. Schröter bei Volkswagen für das Finanzcontrolling bei verschiedenen ausländischen Projekten verantwortlich. Für seine Tätigkeit in der Wirtschaftswelt brachte er als promovierter Physiker ideale Voraussetzungen mit: einerseits die Fähigkeit sich schnell und selbstständig wirtschaflliches Know-How zu erarbeiten, andererseits als Wissenschaftler im Umgang mit Forschern und Entwicklern eine „gemeinsame Sprache“ zu finden und somit als Controller akzeptiert zu werden. Überraschend war für viele Teilnehmer seine Erfahrung, dass nicht nur die prinzipielle Bereitschaft sondern auch der eigene Wunsch sich ständig neuen Aufgaben zu stellen, ein entscheidendes Kriterium für einen Einsatz in einer Spitzenposition ist.

Herr Dr. Michael Schramm, Patentanwalt in München, hat nach seinem Physikstudium in Erlangen in Berlin promoviert und während dieser Zeit im Nebenfach Jura studiert. Da sich die Gelegenheit bot, konnte Herr Dr. Schramm nach dem juristischen Refarendariat das zweite Staatsexamen machen und somit die Zulassung als Rechtsanwalt erhalten. Mit diesem Doppelabschluss arbeitete Herr Dr. Schramm zunächst in verschiedenen Kanzleien für Patent- und Markenrecht. Schließlich gründete er mit Kollegen eine eigene Sozietät in München. Auch Herrn Dr. Schramm liefert die Physik das Handwerkszeug, um kompetent Patent- und Markenverfahren bewerten und die Ansprüche der Mandanten erfolgreich durchsetzen zu können.

Neben dem Überblick über Berufsfelder für Physiker bildete ein Workshop zu erfolgreichem Bewerben den zweiten Schwerpunkt des Seminars. Herr Dr. Markus Strehle, tätig bei der Carl Zeiss AG Jena, stellte dabei sehr anschaulich die „Dos“ und „Don'ts“ bei einer Bewerbung dar: Angefangen bei der fundierten Vorbereitung durch umfassende Informationsbeschaffung über Hinweise zum Verfassen ansprechender Bewerbungsunterlagen, die weniger durch Masse als durch eine markante Botschaft zur Qualifikation des Bewerbers für die jeweilige Aufgabe herausstechen, bis hin zur Simulation einzelner Aspekte eines Bewerbungsgesprächs, das keineswegs erst mit dem eigentlichen Gespräch über die persönliche Eignung, sondern schon beim Small Talk mit der Sekretärin im Vorzimmer beginnt, oder unvermittelt auf Englisch weiter geführt wird. Besonders wichtig sind auch, so Herr Dr. Strehle, die richtige Selbsteinschätzung, der souveräne Umgang mit Schwächen und die Fähigkeit, sich durch einen Perspektivwechsel in die Situation des Gegenüber zu versetzen um sich so die Erwartungen an einen selbst als Bewerber zu vergegenwärtigen.

An dieser Stelle möchten wir allen Referenten nocheinmals herzlichst danken. Neben der Präsentation ausgewählter Tätigkeitsfelder für Physiker, konnten die Teilnehmer auch einige wertvolle „insider Tips“ der erfahrenen Referenten erhalten, so z.B. dass es sich in allen Bereichen empfiehlt (auch in der Wirtschaft) einen persönlichen Mentor zu suchen, der einem mit Erfahrung den Blick für den weiteren Weg schärfen hilft.

Matthias Mader, Alexander-C. Heinrich
 
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