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5. jDPG Wochenendseminar – Energiesysteme der Zukunft

Duisburg, 7. bis 9. April 2016

Kurz vor Semesterbeginn trafen sich interessierte Studierende zum Wochenendseminar 'Energiesysteme der Zukunft' der jDPG in den Räumen der Universität Duisburg-Essen. Während dieser drei Tage erhielten die 34 Teilnehmenden – größtenteils Studierende im ersten und zweiten Jahr – Einblicke in die aktuelle Forschung zu verschiedenen Energiesystemen. Die Vorträge deckten dabei ein breites Spektrum an Themen ab.

So startete das Seminar mit einem Vortrag von Prof. Marc Timme vom MPI für Dynamik und Selbstorganisation (MPI DS), in welchem er uns einen Einblick in die Nicht-lineare Dynamik von Energienetzwerken gab. So erfuhren wir, warum das Verlegen von mehr Stromkabeln nicht zwingend zu einer besseren Versorgung führt. Man kennt das Problem von neu gebauten Autobahnen, welche schlussendlich zu mehr Verkehrschaos führen. Außerdem stellte uns Prof. Timme das Projekt EcoBus des MPI DS vor, welches momentan in Südniedersachsen erprobt wird und zum Ziel hat, den bisherigen Linienbusverkehr durch Kleinbusse zu ersetzen, deren Fahrtzeiten und -routen sich App-gesteuert flexibel am tatsächlichen Bedarf orientieren.

Am folgenden Vormittag setzten wir uns mit konkreten Lösungsansätzen für eine nachhaltige Energieversorgung auseinander. Zum einen beschäftigen wir uns mit Wellenkraftwerken, vorgestellt von Dipl.-Ing. Jan Peckolt, Geschäftsführer von NEMOS, Duisburg. Bei NEMOS handelt es sich um ein Start-Up zur Gewinnung von Energie aus Meereswellen, wobei eine Mitnutzung der Infrastruktur der schon vorhandenen Off-Shore Windkraftanlagen vorgesehen ist. Momentan wird an einem Prototypen im Maßstab 1:1 für den Testbetrieb in der Nordsee gearbeitet.
Zum anderen beschäftigten wir uns mit Brennstoffzellen, zu denen wir Dr.-Ing. Bernd Emonts vom Institut für Energie- und Klimaforschung des Forschungszentrums Jülich als Referenten begrüßen konnten. Brennstoffzellen sind ein Thema, welches zur Zeit in aller Munde ist – umso erstaunlicher war es zu hören, dass bereits einige Autos mit dieser Technologie ausgestattet im Alltag auf Deutschlands Straßen unterwegs sind und einer breiten Nutzung dieser Technologie im PKW-Verkehr gar nicht mehr so viel im Wege steht.

Gruppenfoto

Der Exkursionsnachmittag führte uns im Anschluss zunächst in die Labore des NETZ (NanoEnergieTechnikZentrum) und ZBT (Zentrum für BrennstoffzellenTechnik) an der Uni in Duisburg, wo wir die lokale Forschung, von den Grundlagen bis zur Entwicklung industrieller Verfahren, kennen gelernt haben. Im Anschluss besuchten wir das Projekt AmpaCity von RWE in Essen. Bei diesem Projekt wurde vor zwei Jahren das – weltweit erste – supraleitende Kabel in das öffentliche Stromnetz der Essener Innenstadt integriert, wo diese Technologie seither ohne Zwischenfälle betrieben wird.

In unserem Abendvortrag schlugen wir dann den Bogen von den fachlichen hin zu den wirtschaftlichen und politischen Aspekten. So wies unser Sprecher, Prof. Hardo Bruhns vom Arbeitskreis Energie, auf Probleme in diesem Bereich hin, welche für eine erfolgreiche Energiewende seiner Meinung nach gelöst werden müssen. Er wies dabei besonders auf die europäischen und internationalen Abhängigkeiten hin. Zur Klimakonferenz in Paris, beschrieb er die Vereinbarungen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes, die leider keine konkreten Verpflichtungen enthalten. Dies ließ einen fahlen Nachgeschmack bei den Teilnehmenden zurück, hatten wir am Tag davor erst gelernt, wie drastisch die Erderwärmung selbst dann ist, wenn ab morgen kein CO2 mehr ausgestoßen würde, sondern nur noch die Abwärme des aktuellen Energieverbrauchs betrachtet wird.

Am Samstagmorgen stellte uns Prof. Roland Scheer von der MLU Halle den aktuellen Forschungsstand in der Photovoltaik vor. Wir erfuhren, wie viel Technologie eigentlich in den schwarzen Platten steckt, welche von Deutschlands Hausdächern kaum mehr wegzudenken sind. Hier ist nach wie vor eine stetige Entwicklung im Gange, um die Leistung einer Zelle weiter zu steigern und ihren Preis zu senken.
Zum Abschluss stellte uns Prof. Thomas Klinger, Leiter des Stellarator-Projekts Wendelstein 7-X des MPI für Plasmaphysik in Greifswald, das Wendelstein-Projekt vor und berichtete unter anderem von den Erfahrungen aus dem gerade zu Ende gegangenen ersten Versuchslauf. Wir lernten viel über die Schwierigkeiten, das Fusionsplasma über einen längeren Zeitraum stabil zu behalten. Umso erfreulicher waren da die Ergebnisse der ersten Zündungen eines Helium-Plasmas im Februar dieses Jahres, welche die Erwartungen in Hinblick auf die Einschlusszeit des Plasmas bei weitem übertrafen.

Es wurde sehr intensiv diskutiert, insbesondere die Kernfusion und ihre Zukunftschancen hatte die Studierenden gepackt und einige der Teilnehmenden hätten wohl fast ihren Zug verpasst, sodass wir die Diskussion schließlich abbrechen mussten.

Wir können auf ein sehr schönes Wochenendseminar zurückblicken mit vielen interessanten Erkenntnissen, intensiven Diskussionen und natürlich einem neuen, breiteren Blickwinkel auf die Chancen der Energiesysteme der Zukunft.

Zeitplan

 

Donnerstag, 07.04.2016

Freitag, 08.04.2016

Samstag, 09.04.2016

9.00-10.30



Anreise

NEMOS Wellenenergie – von der Grundlagenforschung zur industriellen Entwicklung
Dipl-Ing. Jan Peckolt
(NEMOS)
Abstract

Photovoltaik –
Wichtiger Bestandteil der Energiewende
Prof. Roland Scheer
(Universität Halle-Wittenberg)
Abstract

11.00-12.30

Forschung für die Energiewende - Elektrochemische Energieumwandlung am Beispiel eines Energie- und Rohstoffpfads mit Wasserstoff
Dr.-Ing. Bernd Emonts
(Forschungszentrum Jülich)
Abstract

Fusion von Wasserstoff – Energie der Zukunft oder ewiger Traum?
Prof. Thomas Klinger
(Wendelstein-Projekt)

Abstract

12.30-13.30

Mittagspause

Auswertung des Workshops und Verabschiedung der Teilnehmer

13.30-15.00

Besichtigung des NanoEnergieTechnikZentrum (NETZ)

Abreise

15.00-16.00 Fahrt zu AmpaCity
16.00-18.00

From Nonlinear Dynamics of Networks to Sustainability --
Braess' Paradox and the Impact of Single Links

Prof. Marc Timme
(Max-Planck-Institut für Dynamik und
Selbstorganisation)
Abstract

Exkursion

AmpaCity

18.00-19.00

Fahrt zur Jugendherberge, Check-In

19.00-20.00

Gemeinsames Abendessen
und Zusammenkunft

Rückfahrt nach Duisburg

Ab 20.00

Abendvortrag
"Energiewende - wohin?"

Prof. Hardo Bruhns
(Arbeitskreis Energie der DPG)
Abstract

Wir bedanken uns herzlich bei den Referenten und Teilnehmenden für das schöne Seminar!

Das Orgateam: Matthias Dahlmanns, Pascal Dreher und Bettina Leibundgut

 
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