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AKSOE/AGSOE becomes Φ·SOE

In the meantime, thanks to its continuous high-level scientific activities, it has been promoted to be a division of the German physical society from October 1, 2009 on.

Due to the re-organization of the German Physical Society (DPG), the AKSOE temporarily became the AGSOE, which stands for Working Group on Physics of Socio-Economic Systems. In the meantime, thanks to its continuous high-level scientific activities, it has been promoted to be a division of the German physical society. This was unanimously decided in the council meeting of November 15, 2008.

The Physics of Socio-Economic Systems Division is now organisationally on equal footing with all the classical disciplines of physics (click here for an overview). The abbreviation Phi*SOE is spoken "division so'e" or "fi'so'e" and stands for "Physics of Socio-Economic Systems", as Phi is the first letter of the word for physics in Greek writing.

 


 

Arbeitskreis "Physik sozio-ökonomischer Systeme" gegründet

Physikalische Blätter 57 (2001) Nr. 6, S. 87

Der Vorstandsrat der DPG hat auf seiner Sitzung am 25.3.2001 beschlossen, einen Arbeitskreis im Bereich ``Econophysics'' innerhalb der DPG zu gründen. Er folgte damit einem Antrag, den wir nach zahlreichen Anregungen von Kolleginnen und Kollegen im November 2000 gestellt hatten.

Der AK ``Physik sozio-ökonomischer Systeme'' (AKSOE, jetzt AGSOE) genannte Arbeitskreis soll sich mit der Anwendung und Weiterentwicklung von Methoden der Physik zur Analyse, Modellierung, Simulation und Optimierung von sozio-ökonomischen Systemen befassen. Damit wollen wir auch in Deutschland eine institutionelle Instanz schaffen, die der internationalen wissenschaftlichen Entwicklung Rechnung trägt.

Seit Mitte der 90er Jahre ist ein weltweites und ständig wachsendes Interesse von Physikern an Prozessen der Ökonomie zu beobachten. Dieses Interesse wird von der Einsicht getragen, daß sich das Methodenspektrum der statistischen Physik und der nichtlinearen Dynamik beispielsweise auch zur Analyse von ökonomischen Zeitreihen wie Börsendaten oder zur Modellierung der kollektiven Dynamik von ökonomischen Prozessen hervorragend eignet. Aus diesem Methodentransfer ist mittlerweile eine eigenständige Forschungsrichtung geworden. Fernziel ist unter anderem das quantitative Verständnis der makroskopischen Dynamik von Wirtschaft, Märkten und Unternehmen auf der Basis individueller Interaktionsgesetze, ähnlich wie man heute die physikalischen Eigenschaften von Materialien auf der Grundlage elementarer Wechselwirkungen verstehen kann. Das wissenschaftliche Potential, das in dieser Entwicklung steckt, kann kaum überschätzt werden. Inzwischen haben selbst etablierte wissenschaftliche Zeitschriften wie ``Physical Review Letters'' ihr Publikationsspektrum entsprechend angepaßt.

In jüngster Zeit fand in Europa eine Reihe internationaler Konferenzen zur Econophysics statt, die zum Beispiel durch die European Physical Society oder als NATO Advanced Research Workshop gefördert wurden. Einen Überblick über die Bandbreite internationaler Aktivitäten zur Econophysics gibt z.B. das vielbesuchte ``Econophysics Forum'' unter http://www.unifr.ch/econophysics/. Dieser Entwicklung stehen in Deutschland bisher erst vereinzelte und zum Teil weit gestreute Aktivitäten gegenüber. Im Physikzentrum Bad Honnef fanden im vergangenen Jahr das 229. WE Heraeus Seminar ``Economic Dynamics from the Physics Point of View'' und das 243. WE Heraeus Seminar ``Economic Growth: Driving Forces and Constraints'' statt, die ein großes Interesse an diesen Themen auch seitens der deutschen Physiker deutlich werden ließen. Ein Ziel des neugegründeten Arbeitskreises wird es sein, diese Initiativen weiter auszubauen, zu koordinieren und auf eine möglichst breite Basis stellen, um damit auch die internationale Entwicklung aktiv mitzugestalten.

Darüber hinaus soll der Arbeitskreis auch diejenigen (zumeist jungen) Physiker einbeziehen, die derzeit in Banken, Versicherungsunternehmen und Consulting Firmen eine neue berufliche Perspektive finden, indem sie dort ihre physikalische Denkweise auf kreative Weise einbringen. Wir wollen ihnen eine Gelegenheit bieten, sich auch weiterhin mit der Physik-Community zu identifizieren, auf den Jahrestagungen des Arbeitskreises den wissenschaftlichen Austausch mit anderen Physikern zu pflegen und damit letztlich auch die Deutsche Physikalische Gesellschaft als Interessenvertreter in ihrem gegenwärtigen Arbeitsfeld wahrzunehmen. Auf der anderen Seite sollen durch den Arbeitskreis die Kontakte zu Institutionen der Wirtschaft und zu Forschungseinrichtungen der Wirtschaftswissenschaften weiter gefestigt und gefördert werden.

Nicht zuletzt soll der AKSOE auch dazu beitragen, die Attraktivität des Physikstudiums durch die Einbeziehung von interdisziplinären Problemstellungen aus der ``Lebenswelt'' zu steigern. Der Erfolg der neuen Studienrichtung ``Wirtschaftsphysik'' an der Universität Ulm (http://www.physik.uni-ulm.de/wstudium.html) ist ein Beweis dafür, daß die Verbindung von Physik mit sozio-ökonomischen Fragestellungen auch für Studienanfänger interessant ist, nicht zuletzt aufgrund von attraktiven Aussichten auf dem Arbeitsmarkt.

Auf der DPG-Frühjahrstagung in Hamburg haben bereits viele Physiker ihr Interesse an einer Mitarbeit im AKSOE signalisiert. Im Anschluß an zwei Sitzungen zur Ökonophysik, die im Rahmen des Fachverbandes ``Dynamik und Statistische Physik'' stattfanden, wurde in einer ersten Versammlung unter anderem über die Bezeichnung des neuen Arbeitskreises diskutiert. Dabei zeigte sich, daß ein deutscher Name gegenüber dem englischen Begriff ``Econophysics'' bevorzugt wurde, um auch eine gewisse Konsistenz mit den bereits existierenden Fachverbänden und Arbeitskreisen der DPG zu erreichen. Auf der anderen Seite fanden Begriffe wie ``Ökonophysik'' oder ``Wirtschaftsphysik'' keine allgemeine Zustimmung unter den Mitgliedern, weil sie den Arbeitskreis entweder thematisch zu sehr einschränken oder sein Anliegen nicht deutlich genug herausarbeiten. In einer Abstimmung über die verschiedenen Namensvorschläge fand sich schließlich eine breite Mehrheit für die Bezeichnung AK ``Physik sozio-ökonomischer Systeme'', nicht zuletzt, um der Zielsetzung einer mikroskopischen Fundierung makro-ökonomischer Dynamik auf der Basis individueller Interaktionen Rechnung zu tragen. Weiterhin wurde die Abkürzung AKSOE beschlossen.

Den Vorsitz des Arbeitskreises hat Priv.-Doz. Dr. Dr. Frank Schweitzer übernommen, während Prof. Dr. Dirk Helbing die Funktion des stellvertretenden Vorsitzenden ausüben wird. Unsere Aufgabe in den kommenden Monaten wird es sein, die Organisation des Arbeitskreises aufzubauen, möglichst viele Physiker für eine Mitarbeit im AKSOE zu begeistern und auch die nächste Jahrestagung zu organisieren.

Priv.-Doz. Dr. Dr. Frank Schweitzer
Prof. Dr. rer. nat. Dirk Helbing


Peter Felten
2009-06-16

 
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